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Barbara E. Wagemann: Finanzmanagement im Altenheim. Das komplette Nachschlagewerk für die effiziente Betriebsführung

Cover Barbara E. Wagemann: Finanzmanagement im Altenheim. Das komplette Nachschlagewerk für die effiziente Betriebsführung. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2005. 3. Auflage. ISBN 978-3-89993-124-2. 39,90 EUR, CH: 67,00 sFr.

CD-ROM.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-89993-215-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Dank des Gesetzgebers

sind die wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen der Altenpflege bundesweit einheitlich, systematisch und recht einfach geregelt worden. Schön, wenn dies wahr wäre! Trotz bundesweit geltendem SGB XI und z.B. Pflege-Buchführungsverordnung bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Und auch die einheitlichen Regelungen sind keineswegs immer klar und schon gar nicht einfach. Alleine die Verteilung der Kosten auf Pflegekasse, Eigenanteil (Rente) und Sozialhilfe erfordert einige Arithmetik. Dazu kommen Pflegestufen, Aufteilung von Investitions-, Hotel- und Pflegekosten, Abwesenheitstage, Zusatzleistungen und weitere Differenzierungen der Leistung.

Autorin

Die Autorin ist Pflegemanagerin, Heimleiterin, Qualitätsbeauftragte und Qualitätsauditorin. Sie hat beim gleichen Verlag eine CD mit Materialien zum Qualitätsmanagement herausgebracht.

Technik …

Bisher werden meist CDs als Zusatz zum Buch geliefert. In diesem Fall wurde auf eine gedruckte Beigabe vollständig verzichtet. Das "Nachschlagewerk" ist also eher eine Datensammlung und EDV-Tool.

Soweit erkennbar enthält die CD keinen Kopierschutz und dürfte daher auf jedem Windows-PC sofort einsetzbar sein. Es wird auch ausdrücklich empfohlen, alle Daten (ca. 10 MB) auf die Festplatte zu kopieren. Dann bietet das Produkt gegenüber einem Buch eine Reihe von Vorteilen:

  • Der Zugriff erfolgt schneller als bei CD-ROM.
  • Die Daten stehen unabhängig von der CD jederzeit zur Verfügung, auch z.B. unterwegs auf dem Laptop.
  • Alle Daten liegen als Excel- bzw. Word-Dateien vor, die ab Office Version 97 oder mit aktuellen Versionen von OpenOffice geöffnet werden können.
  • Die Daten können unmittelbar an eigene Bedürfnisse angepasst werden.
  • Sie können auch im Netz zur Verfügung gestellt werden. Das Booklet und die CD selber enthalten dazu keine entgegenstehenden Regelungen.

Der Inhalt erschließt sich bereits durch aussagefähige Dateinamen oder eine Word-Datei mit Inhaltsverzeichnis und Links zu den übrigen Dateien.

Technisch ist die CD nicht auf der Höhe der Zeit. Eine Word-Datei mit Links zur Navigation ist nicht besonders komfortabel: Strg-Klick öffnet jedesmal eine weitere Word-Datei und ein Link zurück fehlt. Gesetze sollen durch den Nutzer in der Regel nicht bearbeitet werden und würden sinnvoller als PDF-Datei angeboten. Die Word-Formulare sind sehr simpel gestaltet und enthalten keine Formeln, sondern leere Felder oder Beispieldaten. Sie werden auch nicht als Dokumentvorlage (.dot) angeboten oder zur Einrichtung von Vorlagen angeleitet.

… und Inhalt

An Inhalten werden geboten

  • Zusammenstellung der Landespflegegesetze
  • 9 (Word-)Formulare und 2 (Excel-)Kalkulationsblätter
  • 9 kurze Kapitel mit Erläuterungen zu den Formularen.

Die Themen umfassen

  • Heimaufnahme,
  • Kostenträger,
  • Pflegegeld,
  • Pflegesätze,
  • Leistungen der Einrichtung,
  • Abwesenheitsregelung,
  • Pflegesatzkalkulation,
  • Budgetverwaltung und
  • Aufbewahrungspflichten.

Nutzen

Schon bei der Technik wurde auf die relative Simplizität hingewiesen. Dieser Eindruck gilt teilweise auch für die Inhalte. So wird als "Formular" eine Beispielrechnung angeboten, die nicht einmal alle steuerlichen Pflichtangaben wie z.B. fortlaufende Rechnungsnummern enthält, sondern nur die im Text bereits beschriebenen, altenheimspezifischen Elemente wiederholt. Da die meisten Heimbetreiber die Rechnungen über eine Branchensoftware erstellen werden, ist der Nutzen einer solchen Beispielrechnung als Formular allemal fraglich.

Die Bezeichnung "Formulare" weckt bei einer CD-Rom höhere Erwartungen, als erfüllt werden. Der "Antrag auf Pflegeleistungen" ist eine einfache Textdatei ohne Formularfelder. Selbst ausgedruckt ist das Blatt mangels Linien kaum sinnvoll einsetzbar. Bei Anwendungen, die keine Anpassung erfordern, wären PDF-Formulare, die sich online ausfüllen und ausdrucken sowie speichern lassen, sinnvoller.

Teilweise werden die Regelungen aller Bundesländer zusammengetragen, z.B. Landespflegegesetze, zugehörige Verordnungen und Abwesenheitsregelungen, worin zweifelsohne ein besonderer Verdienst der Autorin liegt. In anderen Fällen wird nur ein Beispiel aus einem Bundesland präsentiert, z.B. Rahmenvertrag nach § 75 SGB XI am Beispiel Saarland oder Beispiel zur Abgrenzung der pflegerischen Leistungen von Unterkunft & Verpflegung in NRW.

Als einfache Budgetsteuerung wird vorgeschlagen, die Vorjahresbelegung mit den aktuellen Pflegesätzen hochzurechnen und zu zwölfteln. Dazu werden mögliche Abweichungsursachen aufgelistet. Da in Altenheimen mit eine wechselnden Belegungsstruktur und ggf. auch Auslastungsschwankungen zu rechnen ist, sollte in der Regel mit flexibler Plankostenrechnung gesteuert werden an Stelle von starren, nicht belegungsabhängigen Vorgaben. Auf dieses Instrument wird nicht eingegangen.

Die Excel-Tabelle zur Budgetplanung bietet eine Belegungs- und Erlöskalkulation, der die Kosten auf Kontenebene gegenüber gestellt werden können. Die Struktur ist zum Teil eigenwillig: so werden die Kalendertage der Monate nicht explizit vorgegeben, sondern in Formeln mit Referenzen auf Vormonate eingebaut. Wer da noch rechtzeitig an das Schaltjahr denkt, ist schon tief in die Kalkulation eingedrungen. Mit üblichen Instrumenten zur Nutzensteigerung von Kalkulationstabellen, wie z.B. geschützten Bereichen für dauerhafte Beschriftungen & Formeln, Abstimmsummen & Warnhinweisen, Tooltipps als Ausfüllhilfe oder benannten Bereichen wurde bei dieser Tabelle nicht gearbeitet.

Die Pflegesatzkalkulation ist dagegen recht komplex und nutzt z.B. sinnvolle Gestaltungselemente von Excel sowie bedingte Formeln. Offensichtlich handelt es sich um das Herzstück der CD. Sie gliedert sich in 15 beschriftete Arbeitsblätter und ermöglicht eine umfassende Kalkulation über Vorjahr, laufendes Jahr und prospektiver Zeitraum. Die Verwendung einer Schrift "IKK LucidaSansRoman" (bei Eingabe der Daten für den gemeinsamen Nachweis § 85 Abs. 3 SGB XI) lässt die Vermutung aufkommen, dass zumindest Teile der Auswertung von einer Innungskrankenkasse stammen könnten.

Fazit

Durch die Zusammenführung der Landesregelungen wird ein sonst selten gegebener Überblick erreicht. Da sich die Rechtslage laufend weiterentwickelt, sollte hier immer nur auf die aktuellste Auflage der CD zurückgegriffen werden.

Bis auf die Pflegesatzkalkulation sind die übrigen Inhalte auf eher elementarem Niveau. Sie helfen beim Aufbau einer neuen Einrichtung, wenn nicht bereits auf vorhandene Unterlagen zurückgegriffen werden kann oder wenn branchenfremde Quereinsteiger eine erste Orientierung suchen.

Controller größerer Träger mit mehreren Heimen werden sich ggf. für die Übersicht der Landesregelungen und das komplexere Modell der Pflegesatzkalkulation interessieren.

Der Untertitel "Das komplette Nachschlagewerk für die effiziente Betriebsführung" wirkt übertrieben. Dafür fehlen zahlreiche Kennzahlen, Formeln, Vergleichszahlen, Entgeltspiegel etc. "Modell einer Pflegesatzkalkulation mit ergänzenden Unterlagen zur Heimverwaltung" würde es eher treffen. Die Technik mit teilweise verlinkten Officedateien wirkt für eine CD-ROM heute nicht mehr angemessen.

Anmerkung der Redation: Die Rezension bezieht sich noch auf die 1. Auflage 2004.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Christian Koch
Geschäftsführer der socialnet GmbH und selbständiger Unternehmensberater für Nonprofit-Organisationen
Homepage www.npoconsult.de
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Zitiervorschlag
Christian Koch. Rezension vom 21.02.2006 zu: Barbara E. Wagemann: Finanzmanagement im Altenheim. Das komplette Nachschlagewerk für die effiziente Betriebsführung. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2005. 3. Auflage. ISBN 978-3-89993-124-2. CD-ROM.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-89993-215-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1781.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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