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Sigrid Sator: Angstfrei reden und präsentieren

Cover Sigrid Sator: Angstfrei reden und präsentieren. Ein Selbsthilfebuch. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2014. 232 Seiten. ISBN 978-3-456-85361-1. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Thema

„Angstfrei Reden und Präsentieren“ ist ein Ratgeber und Selbsthilfebuch für Menschen mit sozialen Ängsten, insbesondere in Vortragssituationen. Das Buch vermittelt acht Strategien für einen gelungenen Vortrag. Dabei kombiniert die Autorin Methoden der kognitiven und verhaltensorientierten Psychotherapie mit Methoden des Rhetoriktrainings.

Autorin und Entstehungshintergrund

Sigrid Sator ist studierte Musikerzieherin und Germanistik, sowie ehemalige Journalistin und TV Moderatorin beim ORF. Heute ist sie selbstständige Trainerin für Rhetorik, Kommunikation und Medienperformanz. Sie stellt sich auf Ihrer Website vor: www.satormedia.com/.

Im Jahr 2002 erschien ihr ersten Ratgeber mit dem Titel „Die zehn Gesichter der Angst“, den sie zusammen mit dem Psychologen Dr. Hans Morschitzky verfasste. Hans Morschitzky unterstützte die Autorin auch beim vorliegenden Buch. Wie Sigrid Sator im Vorwort ihres Buches schreibt, ist Dr. Hans Morschitzky ihr ehemaliger Psychotherapeut. Er half ihr bei der Bewältigung einer akuten Angsterkrankung, die insbesondere in Vortragssituationen zum Vorschein kam. Sigrid Sators persönliche Erfahrung mit der, wie sie es nennt, „Redeangst“ ist ein wichtiger Bestandteil von „Angstfrei Reden und Präsentieren“.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch besteht aus zwei Teilen:

  1. „Facetten der Rede- und Auftrittsangst – zwischen Motivation und Frustration“
  2. „Redelust statt Redefrust – Strategien für einen gelungenen Auftritt“

Der erste Teil des Buches will ermutigen und Verständnis zeigen. „Redeangst“ sei etwas Normales und mitunter auch gesundes. Tatsächlich fühlen sich viele Menschen in sozialen Bewertungssituationen, wie Vorträgen vor Publikum, angespannt und unwohl. Wenn diese „Redeangst“ so intensiv wird, dass sie die eigene Leistungsfähigkeit einschränkt oder zur Vermeidung wichtiger beruflicher oder sozialer Verpflichtungen führt, besteht Handlungsbedarf. Es gibt also grob zwei Kategorien von Menschen:

  1. Redeängstliche mit Handlungsbedarf und
  2. Redeängstliche ohne Handlungsbedarf.

Sie fragen sich, zu welcher Kategorie Sie gehören? Sigrid Sator schlägt Ihnen drei Fragebögen zur Selbsteinschätzung vor. Die Leitfragen sind:

  • „Sind Sie redeängstlich?“ (S.36),
  • „Sind Sie schüchtern?“ (S.87) und
  • „Leiden Sie unter sozialphobischer Redeangst?“ (S.98).

Entsprechende Auswertungs- und Interpretationshilfen werden mitgeliefert. Darüber hinaus enthält der erste Teil des Buches Einführungen in Theorien der Entstehung und Aufrechterhaltung von „Redeangst“ in verständlicher Sprache. Hinzu kommen drei Interviews mit dem Psychologen Dr. Hans Morschitzky, der beispielsweise erklärt, was einen Menschen mit „normalem“ Lampenfieber von einem Angstpatienten unterscheidet.

Der zweite Teil des Buches ist für all diejenigen Leserinnen und Leser gedacht, die für sich festgestellt haben, dass Handlungsbedarf bezüglich ihrer „Redeangst“ besteht. Mithilfe von acht Strategien ließe sich Redefrust in Redelust verwandeln, so die Autorin. Das schöne dabei: es funktioniert auch „ohne Publikum, ohne die Gruppendynamik eines Seminars und ohne direktes Feedback eines Trainers oder Therapeuten“ (S.105). Wie darf man sich das also vorstellen? Die erste Strategie beschreibt Teile des Prozesses der Kognitiven Umstrukturierung, wie sie in der Kognitiven Therapie nach Aaron T. Beck eingesetzt wird (vgl. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Umstrukturierung). Dabei sollen die Leserinnen und Leser ihre hinderlichen Gedanken und Selbstbewertungen in Bezug auf Redesituationen erkennen und verändern lernen. Damit dies gelingt, beschreibt die Autorin verschiedene Übungen anhand konkreter Beispiele. Sie finden sich unter Überschriften wie

  • „Entmachten Sie den inneren Gegenspieler“ (S. 130),
  • „Vermeiden Sie falsche Schlussfolgerungen“ (S. 135) oder
  • „Stopp dem Gedankenkarussell!“ (S.136).

Es folgen vier weiter Strategien, die in ähnlicher Art und Weise auf eine Selbstveränderung von Erwartungen abzielen:

  • Selbstreflexion (Strategie 2: Mentales Training),
  • Selbstakzeptanz (Strategie 3: Soziales Kompetenztraining),
  • Durchhaltevermögen (Strategie 4: Konfrontationstraining) und
  • Stressreduktion (Strategie 5: Entspannungstraining).

Im übrigen Teil des Buches beschäftigt sich die Autorin mit Möglichkeiten der Verbesserung der Redekompetenz der Lesenden an sich. Es geht um den richten Einsatz

  • der Stimme (Strategie 6: Stimmtraining),
  • der Körpersprache (Strategie 7: Körpersprache) und
  • der freien Rede (Strategie 8: Rhetoriktraining).

Diskussion

Der Titel von Sigrid Sators Buch ist gleichzeitig ein Versprechen an seine Leserinnen und Leser: „Angstfrei Reden und Präsentieren“. Ohne Therapie, ohne Training, ohne Coaching. Das einzige was Sie brauchen ist dieses Buch. Ein schönes Versprechen; vielleicht zu schön um wahr zu sein. Zugegeben, die Inhalte des Buches sind keineswegs aus der Luft gegriffen. Übungen wie die „ABC Methode“ (S. 125) sind wichtiger Bestandteil kognitiver Therapieverfahren zur Behandlung sozialer Angststörungen. Die Wirksamkeit dieser Verfahren ist vergleichsweise gut durch Ergebnisse aus der empirisch-psychologischen Forschung belegt (vgl. z.B. Rodebaugh et al., 2004). Das gilt jedoch keineswegs für die einzelnen Übungen, geschweige denn deren Einsatz ohne therapeutische Begleitung. Ähnlich verhält es sich für viele der anderen Übungen. Auch sie sind an Therapieverfahren für soziale Angststörungen angelehnt. Beispielsweise beinhalten sie Elemente aus der Verfahrensgruppe des „Trainings sozialer Kompetenzen“ (vgl. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Training_sozialer_Kompetenzen). Unklar bleibt, ob der selbstständige Einsatz der Übungen im Rahmen des Selbsthilfebuches tatsächlich dazu beiträgt „Angstfrei Reden und Präsentieren“ zu lernen. Meine Vermutung ist: Nein, tut es nicht. Das ist weniger den Inhalten des Buches oder gar den Fähigkeiten der Autorin geschuldet, als vielmehr der Tatsache, dass kaum jemand dauerhaft mit der abgeschiedenen Bewältigung seiner Ängste Erfolg hat. Wenn Sie etwas verändern möchten ist mein Rat: holen Sie sich Unterstützung. Das hat Sigrid Sator auch getan, als Sie ihren Beruf durch ihre Ängste bedroht wusste. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie beispielsweise unter www.psychotherapiesuche.de/. Zertifizierte Trainerinnen und Trainer unter www.dvct.de/. Eine Alternative sind internetbasierten Beratungsangeboten, wie die der Universität Bern unter www.online-therapy.ch/.

Fazit

Das vorliegende Buch ist ein Ratgeber und Selbsthilfebuch für Menschen mit sozialen Ängsten, insbesondere in Vortragssituationen. Es enthält eine Vielzahl von Übungen, die aus gängigen Psychotherapieverfahren zur Behandlung sozialer Angststörungen entnommen sind. Fraglich bleibt, ob das Buch dem Versprechen gerecht wird, den es mit seinem Titel macht: „Angstfrei Reden und Präsentieren“. Das Buch ist eine Empfehlung für alle, die sich zusätzlich zu einer Therapie oder einem Training mit dem Thema „Redeangst“ beschäftigen möchten.


Rezension von
Dr. rer. nat. Johannes Heekerens
Wissenschaftlicher Mtarbeiter an der Charité Universitätsmedizin Berlin auf der Spezialstation für Persönlichkeitsstörungen und Posttraumatische Belastungsstörungen
Homepage psychiatrie.charite.de/en/metas/person_detail/perso ...
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Zitiervorschlag
Johannes Heekerens. Rezension vom 12.03.2015 zu: Sigrid Sator: Angstfrei reden und präsentieren. Ein Selbsthilfebuch. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2014. ISBN 978-3-456-85361-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17815.php, Datum des Zugriffs 30.11.2021.


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