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Sally J. Rogers, Geraldine Dawson u.a. (Hrsg.): Frühintervention für Kinder mit Autismus

Cover Sally J. Rogers, Geraldine Dawson, Daniel Holzinger, Manuela [Übers.] Schatz (Hrsg.): Frühintervention für Kinder mit Autismus. Das ESDM-Modell. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2014. 392 Seiten. ISBN 978-3-456-85385-7. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 66,90 sFr.
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Thema

Das Buch stellt ein Interventionsprogramm zur sehr frühen Förderung von Kindern mit Autismus ab zwei Jahren vor. Die Autorinnen setzen sich dafür ein, Autismus nicht als unveränderliches Schicksal anzunehmen, sondern so früh und intensiv wie möglich alle wesentlichen Entwicklungsdimensionen des Kindes, also Sprache und Kommunikation, soziale Entwicklung, Selbständigkeit, Spiel und Motorik umfassend und systematisch zu fördern.Das Early Start Denver Model (ESDM) bezieht Methoden der Angewandten Verhaltensanalyse, des Pivotal Response Trainings und des Denver Models ein und seine empirische Evidenz wurde in mehreren wissenschaftlichen Publikationen nachgewiesen.

Autorinnen

Beide Autorinnen, Sally Rogers und Geraldine Dawson, haben Professuren für Psychiatrie und sind seit vielen Jahren intensiv in der Autismusforschung aktiv. Das Buch wird in Deutschland von dem Klinischen Linguist Daniel Holzinger, Leiter des Zentrums für Kommunikation und Sprache am Gesundheitszentrum in Linz, herausgegeben.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Werk wurde aus der Praxis heraus in Zusammenarbeit mit den Eltern der betroffenen Kinder sowie unter Mitarbeit von Fachkräften insbesondere der Entwicklungspsychologie, Kinder- und Jugendpsychologie, Elementarpädagogik, Sprech- und Sprachtherapie, Ergotherapie und Verhaltenstherapie geschrieben.

Aufbau und Inhalt

Das erste Kapitel „Autismus und Lernen in der frühen Kindheit“ stellt zunächst dar, wie sich Säuglinge ohne Autismus entwickeln und fokussiert hierbei die Gehirnentwicklung und den Erwerb sozial-kommunikativer Fähigkeiten. Daraus aufbauend wird die Hirnentwicklung und die Lernfähigkeit von Kindern mit Autismus dargestellt und die Bedeutung der Frühintervention betont.

Das zweite Kapitel gibt einen Überblick über die zugrunde liegenden Theorien des ESDMs, den Aufbau und die Methoden, grenzt es von anderen Förderprogrammen ab und belegt die empirische Evidenz.

Im dritten Kapitel wird die Umsetzung des ESDM vorgestellt. Dabei stehen die Zusammenarbeit von Therapeutinnen in einem interdisziplinären therapeutischen Team und die Zusammenarbeit mit Eltern im Mittelpunkt.

Das vierte Kapitel stellt dar, wie Förderziele mit Hilfe der ESBM-Checklisten, die im Anhang beigefügt sind, sinnvoll erarbeitet und formuliert werden. Diese Förderziele umfassen einen Zeitraum von etwa 12 Wochen. Dies wird an Hand von Beispielen konkretisiert.

Das fünfte Kapitel lehrt, wie man die erarbeiteten Förderziele in kleine für die tägliche Förderung geeignete Lernschritte umsetzt. Hier werden Aufgabenanalyse, Dokumentation und Evaluation beschrieben.

Im sechsten Kapitel „Entwicklung von Förderplänen und Rahmenbedingungen“ werden wesentliche Faktoren für das Gelingen der therapeutischen Interventionen wie Beziehungsaufbau, Motivation, gemeinsame Handlungsabläufe, Übergänge zwischen Aktivitäten und der Umgang mit unerwünschten Verhalten angesprochen.

Das siebte Kapitel zeigt differenziert Weg zur Förderung von Imitation und Spielverhalten in verschiedenen Bereichen (mit Gegenständen, der Gestik, im Spiel usw.) auf.

Das achte Kapitel widmet sich der Entwicklung und Förderung der nonverbalen Kommunikation und ist Grundlage des neunten Kapitels, das sich mit der verbalen Kommunikation beschäftigt.

Im zehnten Kapitel werden Hinweise gegeben, wie das ESDM in Gruppen umgesetzt werden kann.

Die Early-Start-Denver-Model-Checkliste mit Itemdeskriptoren sowie das ESDM-System zur Beurteilung der Programmtreue und Umsetzungspräzision befinden sich im Anhang.

Fazit

Mit dem hier vorgelegtem Werk steht ein stark verhaltenstherapeutisch orientiertes Programm bereit, dessen Wirksamkeit belegt ist, und das von Therapeutinnen und Therapeuten gut umgesetzt werden kann – wenn ihnen die notwendigen zeitlichen und personellen Voraussetzungen zur Verfügung stehen. Die Anleitungen sind präzise und umfassend. Da es für kleine Kinder konzipiert ist, betont es die Bedeutung des Aufbauens von Beziehungen und spielerischer Aktivitäten. Wie angedeutet, verlangt die Durchführung einen hohen Aufwand an Kooperation zwischen den Therapeuten und Therapeutinnen untereinander und mit den Eltern, eine hohe Förderfrequenz und eine ständige Evaluation und Überarbeitung der Förderziele. Daher ist es wohl vorwiegend im klinischen therapeutischen Bereich und für sehr engagierte Eltern einsetzbar, für vorschulische Einrichtungen, die von Kindern mit Autismus besucht werden, finden sich wertvolle Anregungen.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik


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Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 26.08.2015 zu: Sally J. Rogers, Geraldine Dawson, Daniel Holzinger, Manuela [Übers.] Schatz (Hrsg.): Frühintervention für Kinder mit Autismus. Das ESDM-Modell. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2014. ISBN 978-3-456-85385-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17817.php, Datum des Zugriffs 22.03.2019.


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