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Otto Hansmann: Die Bildung des Menschen und des Menschen­geschlechtes

Cover Otto Hansmann: Die Bildung des Menschen und des Menschengeschlechtes. Eine herausfordernde Synopse vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Logos Verlag (Berlin) 2014. 160 Seiten. ISBN 978-3-8325-3819-4. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 34,50 sFr.
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Thema

Im Zentrum des kleinen, durch und durch lesbaren und reichhaltigen Buches: „Die Bildung des Menschen und des Menschengeschlechts“ stellt sich Otto Hansmann der herausfordernden Aufgabe, den Begriff der Bildung und v.a. den der Bildung des Menschen aus einer historischen Perspektive zu untersuchen. Der Bildungsbegriff, so Hansmann, ist nicht nur seit dem 18. Jahrhundert disziplinärer Kernbestand in der Erziehungswissenschaft wie auch in angrenzenden Disziplinen, sondern selbst auch ein Begriff der permanenten Wandlungs- und Veränderungsprozessen unterliegt, die in Verbindung mit den mit jeweils epochalen gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft stehen.

Bildung, so Hansmann, enthält und verweist zugleich auf die Vorstellung über den Menschen, der zum ‚geistigen Aufstieg‘ bestimmt und befähigt werden soll; v.a. in und durch die Auseinandersetzung mit der natürlichen und sozialen Umwelt. Doch ist es nicht nur die Zentralität der kulturellen, natürlichen und sozialen (Um-)Welt, der in diesem Zusammenhang eine zentrale Funktion zukommt, sondern vielmehr das Prozessgeschehen selbst, dass dabei in den Blick gerät; denn nicht nur die umgebende Welt spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, sondern auch das Selbst und das Verständnis desgleichen verändert sich in diesem Prozess ständig.

Aufbau und Inhalt

Das Ziel der vorliegenden „Synopse“ ist so umfangreich wie vielfältig, dass eine umfassende Bearbeitung im Rahmen des begrenzten Umfangs des vorliegenden Buches und seiner Kapitel auf den ersten Blick äußerst schwierig erscheinen mag. Hansmann analysiert die Bildung des Menschen und des Menschengeschlechts im Modernisierungsprozess, wobei der Autor v.a. zeithistorische wie auch gesellschaftliche Machtverhältnisse und andere soziale Einflüsse in ausdifferenzierten sozialen Systemen verbindet.

Hansmann versteht seine Arbeit als eine bildungsgeschichtliche Folie, auf der er eine bildungstheoretisch fokussierte und sozialpolitische akzentuierte Studie über Bildung und die Bildung des Menschen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart schreibt. Gleichwohl schränkt Hansmann sein umfassendes Vorhaben ein, wobei er die in insgesamt sieben Teile ausdifferenzierte Arbeit, als bildungshistorische Synopse charakterisiert, die die Entwicklungen von insgesamt drei Jahrhunderten umreißt und dabei doch die wichtigsten Merkmale jener Epochen und ihre Bedeutung und zentrale Entwicklungen umfassend hervorheben kann.

Ausgehend von der „Erfindung des Bildungsbegriffs am Ausgang des 18. Jahrhunderts“ (Teil 1) bis zur Herausarbeitung der Zusammenhänge zwischen Bildung und Gouvernementalität im 21. Jahrhundert (Teil 7) zeigt Hansmann die verschiedenen wie vielfältigen Entwicklungen im Zusammenhang mit den jeweils bildungshistorischen Hintergründen und erörtert ein je zeitspezifisches Verständnis vom Begriff der Bildung des Menschen. Jeder Teil des Buches ist dabei eine zeithistorische Aufarbeitung bildungspolitischer wie -historischer Entwicklungen aber eben auch ein Reflexionspunkt über die Bildung des Menschen.

Behandelt werden außerdem

  • in Teil 2: „Ideologische Funktionalisierung der Bildung durch den Philanthropismus und Humanismus im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts“;
  • in Teil 3: „Kritik der Bildungsideologie und die ökonomische Funktionalisierung der Bildung als Dialektik von Arbeit und Bildung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“;
  • in Teil 4: die „pädagogische Funktionalisierung der Bildung“ durch „Methodisierung schulischer Bildung unter dem Primat der Erziehung am Übergang vom 19. Ins 20 Jahrhundert“.
  • Teil 5 wiederum behandelt den „Abschied von Begriff und Funktion geisteswissenschaftlich begründeter Bildung“ und deren „Ersetzung durch theoretische Äquivalente mit ausdifferenzierter Funktionalisierung in Schule und Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“.
  • Teil 6 unternimmt eine „Rekonstruktion des Bildungsbegriffs unter Bedingungen der reflexiven Moderne“.

Fazit

Hansmann ist mit dem vorliegenden Buch und vor dem Hintergrund der durch ihn selbst aufgezeigten Grenzen des Möglichen, eine durch und durch gelungene, genauso lesenswerte wie informative Studie gelungen. Das Buch bietet einen umfassenden und fokussierten Einblick in die historischen Zusammenhänge zwischen bildungstheoretischen und sozialpolitischen Entwicklungen, eröffnet dem Leser oder der Leserin aber ebenso reichhaltige Anknüpfungspunkte für eigene, weiterführende Auseinandersetzungen mit dieser spannenden Thematik.


Rezensent
Matthias Völcker
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft der Georg-August-Universität Göttingen. Arbeitsschwerpunkte: neben sozialisations- und identitätstheoretischen Fragestellungen im Besonderen die empirische Bildungsforschung
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Zitiervorschlag
Matthias Völcker. Rezension vom 05.06.2015 zu: Otto Hansmann: Die Bildung des Menschen und des Menschengeschlechtes. Eine herausfordernde Synopse vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Logos Verlag (Berlin) 2014. ISBN 978-3-8325-3819-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17827.php, Datum des Zugriffs 30.03.2017.


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