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Werner Nauerth: Werteorientiertes Management mit Kennzahlen

Cover Werner Nauerth: Werteorientiertes Management mit Kennzahlen. Unternehmensethische Grundlagen, werteorientierte Konzepte, diakoniespezifische Konkretionen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. 390 Seiten. ISBN 978-3-8487-1801-6. D: 69,00 EUR, A: 71,00 EUR, CH: 99,00 sFr.
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Autor

Dr. Werner Nauerth hat mit dem Buch seine Dissertation an der Kirchl. Hochschule Bielefeld/Bethel (Institut für Diakoniewissenschaft und Diakonie-Management) vorgelegt. Er arbeitet als Leiter der Stabstelle Qualitätsmanagement bei der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen.

Thema

Die Verbindung von ethischen Werten in der Diakonie mit Themen wie Management und insbesondere mit Kennzahlen ist bereits mehrfach zum Gegenstand wissenschaftlicher Bearbeitung geworden. Es liegt jedoch bisher kein befriedigendes Gesamtkonzept vor, das allgemein anerkannt wäre und der Komplexität der zu lösenden Probleme gerecht würde. Insbesondere Fragen nach dem Verhältnis von Wertekategorien, Zielen und Leistungen in der Diakonie sowie nach deren konzeptionellem Zusammenhang mit Kennzahlen bleiben bisher weitgehend offen.

Die Arbeit leistet einen Beitrag zur Schließung dieser Lücke, indem sie grundlegende konzeptionelle Bausteine eines werteorientierten Diakoniemanagements entwickelt, Möglichkeiten seiner systematischen Verknüpfung mit Kennzahlen untersucht und beispielhafte Konkretionen diskutiert.

Aufbau und Inhalt

Nauerth unterteilt sein Buch in fünf Kapitel

Kapitel 1 enthält eine Einführung und einen Überblick über die Dissertation.

In Kapitel 2 definiert underläutert Nauerth die verwendeten Begriffe und Konzepte des Managements im Bereich diakonischer Unternehmen. Dabei stellt er jeweils die Ansatzpunkte für ein werteorientiertes Management heraus. Kapitel 2.1 beginnt mit dem Verständnis von Werten und Ethik, beschreibt Verwendungskontexte von Werten und grenzt sie von Normen ab. Es fragt danach, ob Unternehmen moralische Akteure sind und beschreibt Modelle zum grundsätzlichen Verhältnis von Ökonomie und Ethik. Die Möglichkeiten eines integrativen Ansatzes werden erkennbar. Im Kapitel 2.2 wird gefragt, was Diakonie ist und welche Bedeutung Werte für die Diakonie haben. Wichtig ist insbesondere die Feststellung, dass es keine besonderen diakonischen Werte gibt. Kapitel 2.3 fragt nach der Bedeutung von Werten in unterschiedlichen Managementkonzepten. Nach einer Klärung, was unter Management verstanden wird, werden dazu drei Arten von Konzepten untersucht: a) umfassende Managementkonzepte, die sich auf das gesamte Unternehmen beziehen, b) abgeleitete Managementkonzepte, die sich jeweils auf spezifische Ausschnitte des Managements beziehen, und c) diakoniespezifische Perspektiven.

Zu a) Folgende Konzepte werden dargestellt und analysiert:

  • Strategische Unternehmensführung nach Hinterhuber
  • Das neue Sankt Galler Management-Modell
  • Das Freiburger Management-Modell

Zu b) Folgende abgeleitete Konzepte werden präsentiert:

  • Corporate Governance
  • Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen
  • Governance-Ethik und Ethik-Management-System
  • NPO-Zielsystem
  • Qualitätsmanagement
  • Normatives Management

Zu c) Zu den diakoniespezifischen Perspektiven zählt Nauerth folgende Konzepte:

  • Diakonie als christliches Unternehmen
  • Das Bielefelder Diakonie-Management-Modell
  • Diakonische Corporate Governance

Die einzelnen Ansätze werden jeweils daraufhin befragt, in welcher Weise sie sich auf Werte beziehen, und welche Ansatzpunkte für Werte sie bieten. Kapitel 2.4 klärt Verständnisgrundlagen zum Thema Kennzahlen und Kennzahlensysteme. Neben der Vorstellung relevanter Konzepte wie der Balanced Scorecard werden auch konkrete Merkmale und Eigenarten von Kennzahlen kurz skizziert, um Möglichkeiten und Grenzen von Kennzahlen zu verdeutlichen.

Kapitel 3 enthält eine Analyse vorliegender Konzepte und Praxisansätze zu der Frage, in welcher Weise Werte mittels Indikatoren und Kennzahlen abgebildet werden. Die einzelnen Ansätze werden jeweils danach befragt, welche Arten von Werten thematisiert werden, welche Funktion Werte haben, und ob eine Systematik im Blick auf Werte erkennbar ist. Eine wesentliche Erkenntnis von Kapitel 3 besteht darin, dass es bereits zahlreiche und sehr unterschiedliche Vorschläge dazu gibt, welche Kennzahlen für werteorientierte Unternehmen wichtig sein könnten. Demnach ist ganz offensichtlich nicht in erster Linie eine weitere, umfangreiche Liste mit neuen und nochmals anderen Kennzahlen erforderlich. Was jedoch fehlt, ist ein konzeptionell begründeter Ansatz, werterelevante Themen zu identifizieren, sie zu strukturieren sowie Werte, Kennzahlen und Management systematisch miteinander zu verknüpfen.

Besonders geeignet für die Diakonie sind die ausgewogenen und mehrdimensionalen Reporting und Steuerungsmodelle, die als „Balanced Scorecard“ entwickelt wurden. Folgende Konzepte der Balanced Scorecard stellt er dar:

  • Lean Controlling mit der BSC
  • BSC mit strategischen Stoßrichtungen
  • BSC für Pflegeeinrichtungen
  • Controlling in karitativen NPO
  • BSC in der Behindertenhilfe
  • ganzheitliche Unternehmensführung in NPO
  • Sustainable Balanced Scorecard
  • Balanced Valuecard

Zu den weiteren branchenübergreifenden Ansätzen, die Nauerth darstellt, gehören:

  • Steuerung sozialer Unternehmen mit Kennzahlen
  • Performance Management in NPO
  • Performance Measurement in NPO
  • FMM-Kennzahlensystem
  • Normatives Controlling
  • Wertekompass

Weitere branchenspezifische Ansätze sind QM-Systeme, Zertifizierungen und Siegel:

  • Kooperation für Transparenz und Qualität (KTQ)
  • proCum Cert (pCC)
  • Qualitätsindikatoren für Kirchliche Krankenhäuser (QKK)
  • Diakonie-Siegel Pflege

Kapitel 4 hat die Entwicklung eines eigenen Ansatzes für ein werteorientiertes Management diakonischer Unternehmen zum Inhalt. Dazu werden im Kapitel 4.1 zunächst das Verständnis und die Bedeutung von Werten in diakonischen Unternehmen präzisiert. Unterschiedliche Anliegen und Interessen einzelner Akteure werden im Kapitel 4.2 mittels einer vertiefenden Betrachtung am Beispiel der Teilhabeplanung ausdifferenziert. Im Kapitel 4.3 werden konzeptionelle Elemente für werteorientiertes Management entwickelt – KeRN zur Identifikation werterelevanter Themen, die Domäne zur werteorientierten Einbettung des Unternehmens in sein Umfeld und schließlich WEA zum Ausbalancieren wertebezogener Zieldimensionen. Im Anschluss daran thematisiert Kapitel 4.4 einzelne methodische Schritte und Anwendungsfragen zum Abbilden von Werten in Kennzahlen sowie zum Aufbau entsprechender Kennzahlensysteme. Schließlich werden im Kapitel 4.5 Beispiele für eine werteorientierte Gestaltung und Nutzung von Kennzahlen vorgestellt. Mit den Erkenntnissen aus Kapitel 4 liegen damit konzeptionelle Bausteine vor, die von diakonischen Unternehmen zum Aufbau und zur Strukturierung ihres spezifischen werteorientierten Managements auf der Basis von Kennzahlen verwendet werden können.

In Kapitel 5 fasst Nauerth in einem Fazit die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse in komprimierter Form zusammen, zudem wird deren Anschlussfähigkeit an praktische Anwendungsinteressen sowie an die weitere Forschung aufgezeigt.

Es folgt ein Literaturverzeichnis über 24 Seiten. Wie bei einer Dissertation üblich fehlt leider ein Stichwortverzeichnis, so dass sich der Leser mit der sehr detaillierten Gliederung begnügen muss.

Fazit

Mit seiner Dissertation „Werteorientiertes Management mit Kennzahlen“ legt Nauerth eine beeindruckende Arbeit vor. Ihm gelingt es, den für ein christliches Wohlfahrtsunternehmen besonders wichtigen Aspekt der Ethischen Fundierung so darzustellen, dass dem Leser der Stand der theologischen und ökonomischen Forschung vermittelt wird.

Nauerth argumentiert durchgehend in verständlicher Sprache, dies ist bemerkenswert, da die Management-Modelle, die er untersucht und präsentiert, sehr unterschiedlich verfasst sind und mitunter zum praktischen Einsatz in eine allgemein verständliche Sprache übersetzt werden müssen.

Es ist dem Buch zu wünschen, dass es im Bereich der Unternehmensführung viele Leserinnen und Leser findet. Diese dürften die konzeptionellen Bausteine von Nauerth nutzen, um ein spezifisches werteorientierte Management auf der Basis von Kennzahlen zu konzipieren und zu implementieren.

Aber auch für Studierende und an der Wissenschaft interessierte Leser enthält das Buch wichtige Passagen, etwa zu den heute aktuell diskutierten Managementmodellen und den Steuerungs- und Reportingkonzepten.

Das Buch ist keine theoretische Dissertation im Wolkenkuckucksheim, sondern eine auf die unternehmerische Praxis gerichtete Arbeit. Deshalb sollte das Buch „Werteorientiertes Management mit Kennzahlen“ von Nauerth eine gute Resonanz erhalten.


Rezensent
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 28.10.2016 zu: Werner Nauerth: Werteorientiertes Management mit Kennzahlen. Unternehmensethische Grundlagen, werteorientierte Konzepte, diakoniespezifische Konkretionen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2014. ISBN 978-3-8487-1801-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17839.php, Datum des Zugriffs 20.02.2019.


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