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Theo Jannet: Der Burnout-Kompass

Cover Theo Jannet: Der Burnout-Kompass. Alles, was Sie für Ihren persönlichen Ausweg brauchen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. 240 Seiten. ISBN 978-3-407-85977-8. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 23,90 sFr.
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Thema

Ein Kompass bietet seit Jahrhunderten Orientierung. In der heutigen Welt der modernen satellitengestützten Navigation hat er allerdings stark an Bedeutung verloren.

Dagegen erlebt der Begriff Kompass in der Ratgeberliteratur seit vielen Jahren einen regelrechten Boom. Eine schnelle Recherche bei amazon zeigt, dass es in diesem Buchsegment über 250 Titel gibt, in denen der Begriff Kompass vorkommt.

Auch Theo Jannet benutzt in seinem Buch „Kompass Burnout – Alles was Sie für Ihren persönlichen Ausweg brauchen“ dieses viel strapazierte Bild.

Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern setzt er dieses Leitbild allerdings sehr konsequent und sinnstiftend ein. Dazu später mehr.

Autor

Theo Jannet berät seit vielen Jahren Menschen mit Depressionen und Burnout-Syndrom für eine große deutsche Krankenkasse. Er ist Diplompädagoge und Gestaltpsychotherapeut und lebt in Berlin.

Aufbau

„Wenn der eigene Kurs im Leben nicht mehr gehalten werden kann oder ganz aus dem Blickfeld zu geraten droht, bedarf es der Orientierung an der Außenwelt, wie durch einen Kompass.“

Mit diesen Worten begründet Theo Jannet, warum er sein Buch wie einen Kompass aufgebaut hat. Er gibt in seinem Buch in vier Teilen analog den Himmelsrichtungen vier Richtungen vor, die Betroffene auf ihrem Weg aus dem Burnout einschlagen können.

Zu Teil 1: Orientierung

In diesem Teil erhält der Leser eine erste Orientierung zur Diagnose Burnout-Syndrom.Jannet gibt Beispiele für typische Burnout-Persönlichkeiten, benennt Symptome, beschreibt die Stadien der Erkrankung und beschäftigt sich mit den Parallelen von Burnout zur Depression und zur Sucht.

Ein Fragebogen zum Thema gibt dem Leser die Möglichkeit, seine eigene Gefährdung oder auch Betroffenheit einzuschätzen.

Auch die Geschichte des Krankheitsbegriffes wird skizziert und problematisiert. Am Schluss des Kapitels benennt Jannet explizit die Kriterien zur Unterscheidung eines Erschöpfungszustandes von einem Burnout und gibt, wie in allen anderen Kapiteln auch, mit einem „Blick nach vorn“ Anregungen in Form von Fragen für Betroffene.

Zu Teil 2: Behandlung

Teil zwei zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten für die Behandlung von Patienten auf und benennt konkrete Wege dorthin.

Der Autor beschreibt Schritt für Schritt den besten und kürzesten Weg zum richtigen Facharzt, betont die Wichtigkeit des Hausarztes als ersten Ansprechpartner und setzt sich ideologiefrei, kritisch und kurz mit den unterschiedlichen, anerkannten therapeutischen Verfahren sowie den wichtigsten möglichen medikamentösen Behandlungsmethoden auseinander. Er gibt anhand von Beispielen und Wochenplänen Einblicke in die stationäre und teilstationäre Behandlung.

Darüberhinaus gibt er Tipps, wie ein erfolgversprechender Reha-Antrag zu stellen ist und zeigt exemplarisch an einem Anti-Suizid-Vertrag auf, wie wichtig Notfallpläne für den Krisenfall sind.

Zu Teil 3: Selbstmanagement

Der dritte Teil des Buches leitet zum Selbstmanagement an.

Hier werden zunächst die fünf Säulen der Identität nach Hilarion Petzold kurz vorgestellt und danach werden neun unterschiedliche Typen kurz vorgestellt.

Er benennt verschiedene Methoden um Stress abzubauen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Bewegung, Sport, Entspannung und Achtsamkeit werden in ihrer Bedeutung des Selbstmanagements beschrieben und mit Beispielen unterlegt.

Schlafprobleme sowie der bewusste Umgang mit sozialen Kontakten werden ebenfalls thematisiert.

Am Ende des Kapitels geht Jannet der Frage nach, inwieweit Veränderungen im Verhalten eines Menschen überhaupt möglich ist und in welchen Phasen solche Prozesse typischerweise ablaufen können.

Dabei geht er kritisch mit dem Modebegriff Veränderung um und stellt zum Ausklang des Kapitels in seinem „Blick nach vorn“ eine Reihe von anregenden Fragen zum Thema Selbstmanagement.

Zu Teil 4: Gesundung

Im vierten und letzten Teil des Buches stellt Jannet dann verschiedene Wege vor, wie Betroffene nachhaltig gesund bleiben können.

Er beschäftigt sich hier mit Fragen wie zum Beispiel der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, beruflicher Wiedereingliederung, möglicher Verrentung oder auch einer eventuellen Behinderung, die sich aus einem Burnout entwickelt kann. Dabei gibt er zahlreiche Praxistipps und Beispiele.

Schließlich beschreibt er noch drei Schutzfaktoren gegen Burnout und regt Betroffene dazu an, ihre Erkrankung auch als eine Art Heldenreise zu sehen. Durch solche Umdeutungen ändert sich auch der Zugang zu sich selbst.

Ein Interview mit einem Betroffenen rundet das Buch ab.

Im Anhang gibt es eine Fülle von nützlichen Adressen und Links, Kurzbeschreibungen von weiterführender Literatur sowie einige rechtliche Grundlagen.

Diskussion

Das Buch ist in erster Linie für Betroffene geschrieben. Der Autor schöpft sein Wissen über das Burnout vor allem aus seiner jahrelangen Beratungsarbeit mit über 1500 Burnout-Patienten. Dies ist in jeder Zeile des Buches zu spüren. Seine unzähligen Beispiele und Fallgeschichten verdeutlichen diesen sehr praktischen Zugang zum Thema.

An keiner Stelle des Buches kommt das Gefühl beim Leser auf, Jannet wüsste nicht wirklich, wovon er schreibt. Sein Sprachstil ist angenehm sachlich und verständlich. Dabei wirkt er nie belehrend oder dozierend.

Er gibt eine Menge sehr praktischer Tipps und Informationen zum Thema. Auch die Gliederung des Buches analog der vier Himmelsrichtungen eines Kompasses wirkt auf mich nicht künstlich aufgesetzt.

Burnout erfordert auch meiner Meinung nach tatsächlich mehr Orientierung als Navigation. Diese setzt ja eine klare Zielsetzung voraus und gerade das ist eines der Probleme eines Burnout-Patienten. Seine Ziele sind ja zum Teil verloren gegangen oder werden stark in Zweifel gezogen.

Ein Kompass hingegen weckt eher die Lust sich überhaupt auf den Weg zu machen. Wohin auch immer. Und trotzdem eine Orientierungshilfe an der Hand zu haben. Ich halte dieses Buch aber nicht nur für Betroffene für empfehlenswert. Auch Angehörigen und Freunden kann es dabei helfen, den Patienten gut zur Seite stehen zu können.

Darüber hinaus ist das Buch aufgrund seiner zahlreichen Praxistipps auch Ärzten, Sozialarbeitern oder Personalchefs zu empfehlen.

Das Buch ist ansprechend gestaltet und hervorragend gegliedert. Der Preis ist angemessen.

Fazit

Absolut empfehlenswert! Grundlagenwissen für Betroffene, Angehörige und Menschen, die im beruflichen Kontext mit dem Burnout-Syndrom zu tun haben.

Kompakt, klar verständlich und praxisorientiert.


Rezensent
Dipl.Sozialarbeiter Jörg Dahlbeck
Freiberuflicher Berufs- und Projektcoach, systemischer Berater


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Zitiervorschlag
Jörg Dahlbeck. Rezension vom 05.11.2014 zu: Theo Jannet: Der Burnout-Kompass. Alles, was Sie für Ihren persönlichen Ausweg brauchen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. ISBN 978-3-407-85977-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17847.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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