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Peter Reinicke (Hrsg.): [...] Töchter besitzender Stände zum Studium an der Hochschule

Cover Peter Reinicke (Hrsg.): Von der Ausbildung der Töchter besitzender Stände zum Studium an der Hochschule. 100 Jahre Evangelische Fachhochschule Berlin. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2004. 255 Seiten. ISBN 978-3-7841-1537-5. 18,00 EUR, CH: 31,90 sFr.
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Thema und Anspruch der Veröffentlichung

Bereits der Titel dieser Festschrift wird sicher den Erwartungshorizont des potentiellen Lesers auf die richtige Spur bringen: es geht in der Tat zunächst um die Beschreibung und Bewertung einer beachtenswerten Historie zur Entwicklung der Professionalisierung in der sozialen Arbeit. Für eine solche Darstellung eignet sich - und diese Festschrift belegt dies - in besonderer Weise die Beobachtung der Entwicklung einer Ausbildungseinrichtung für soziale Berufe mit der wohl längsten Tradition in Deutschland. Die heutige Evangelische Fachhochschule in Berlin kann zurückblicken auf Ausgangspunkte, als 1899 die ersten Jahreskurse für Mädchen und Frauengruppen der "besitzenden Stände" für soziale Hilfsarbeit organisiert und durchgeführt wurden. Bereits 1904 gab es sechsmonatige Kurse zur Einführung in die " Kenntnis der christlichen weiblichen Liebestätigkeit". Es dauerte dann nicht mehr allzu lange bis zur von Alice Salomon in Berlin gegründeten ersten "Sozialen Frauenschule" Deutschlands mit einer zweijährigen Ausbildung und einem - heute würde man sagen - statusbildenden Abschluss für einen sozialen Beruf.

Aber die Festschrift will mehr: anlässlich des 100jährigen Bestehens der Fachhochschule sollen über das Gestern und das Heute Entwicklungen transparent werden, die das Künftige besser erklären und begründen können. Prof. Dr. Peter Reinicke, Herausgebers dieses Buches, kann sicher, als Urgestein vor allem der praktischen sozialen Arbeit im Bereich des Gesundheitswesens, als Garant dafür gelten, dass jene Leser bedient werden, die eine praxisbezogene Verwertung bei der Lektüre eines Buches in den Vordergrund stellen.

Aufbau und Inhalt

Die Festschrift gliedert in vier Abschnitte.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den ausbildungsbezogenen Entwicklungen der Fachhochschule. In den Anfängen gab es freilich für die jeweiligen Ausbildungsinstitute andere Bezeichnungen. Die Überschriften der acht Beiträge unterstellen allerdings, als ob von Anfang an die einzelnen zeitbezogenen Aktivitäten absichtsvolle Entwicklungsschritte mit Blick auf die Gründung einer Fachhochschule gewesen seien. Der Rückblick verdient ja vor allem deshalb Beachtung, weil die zeitbezogenen Perspektiven und Lösungsansätze mit Blick auf den Zeitgeist und der damaligen Erkenntnisse möglicherweise hilfreiche Hinweise zur Lösung von Gegenwartsproblemen offenbaren. Bis 1910 war die Frauenschule der Inneren Mission in Berlin Kristallisationspunkt beruflicher Ausbildung für Frauen die in sozialen Einrichtungen tätig waren und später Ausbildungsstätte für Frauen und Männer in der Wohlfahrtspflege. Das erste Kapitel informiert sehr umfassend über die verschiedenen Ausbildungen bis zur Gründung der selbständigen Evangelischen Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Etwas zu kurz kommt die Schilderung der Geschehnisse während der Zeit des Nationalsozialismus: nur eine knappe Seite muss reichen um dieses wichtige Thema darzustellen. Positiv hervorzuheben dagegen ein ausführlicher Beitrag über die Ausbildung von kirchlichen Fürsorgerinnen und Fürsorgern in der damaligen DDR. Das Kapitel schließt mit Berichten über neue Ausbildungsgänge - unter anderem über die Entwicklung eines Studienganges Pflege/Pflegemanagement.

Auch das zweite Kapitel unter dem Leitthema Lehre und Forschung bietet eine Vielzahl interessanter Einblicke in die Werkstatt Fachhochschule. Neben den verschiedenen Ausbildungsperspektiven in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern der Sozialarbeit werden auch eine Reihe zwar kleiner aber dennoch sehr eindrucksvoller Projekte und Evaluationen vorgestellt: will man ein Projekt hervorheben so verdienen die Ergebnisse zur Untersuchung "Niedrigschwellige Familienhilfe" besonderer Aufmerksamkeit. Am Beispiel der praktischen Durchführung dieses Projektes lassen sich eindrucksvoll die Vorzüge und das Spezifikum eines Studiums an einer Fachhochschule anschaulich machen.

Mit grundsätzlichen Beiträgen zur hochschulpolitischen Bedeutung der Praxisorientierung des Studiums und einem historischen Blick auf eine Reihe von Gründungspersönlichkeiten und Dozenten der Vorgängereinrichtungen bieten die Kapitel drei und vier weitere Einblicke in die konzeptionelle Arbeit der Evangelischen Fachhochschule Berlin. Zusatzqualifikationen werden vorgestellt und die auf die nahe Zukunft gerichteten Perspektiven in der Lehre und Forschung entwickelt.

Fazit

Insgesamt hat der Herausgeber dieser Festschrift eine gute Auswahl praxisbezogener interessanter Beiträge vorgenommen. Sie erleichtern den Zugang zu sehr verschiedenen Perspektiven bei der Konzeptualisierung und Umsetzung spezifischer Ausbildungsgänge ohne dabei schön zureden, zu übertreiben oder zu verdrängen. Alles in allem ein lesenswertes Buch vor allem für Studenten und Lehrende an Fachhochschulen für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.


Rezensent
Dr. Peter Michael Hoffmann
freier Autor, Lehrbeauftragter Hochschule Düsseldorf
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Zitiervorschlag
Peter Michael Hoffmann. Rezension vom 25.01.2005 zu: Peter Reinicke (Hrsg.): Von der Ausbildung der Töchter besitzender Stände zum Studium an der Hochschule. 100 Jahre Evangelische Fachhochschule Berlin. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2004. ISBN 978-3-7841-1537-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1788.php, Datum des Zugriffs 12.12.2019.


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