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Brigitte Pyerin: Kreatives wissenschaftliches Schreiben

Cover Brigitte Pyerin: Kreatives wissenschaftliches Schreiben. Tipps und Tricks gegen Schreibblockaden. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. 4. Auflage. 157 Seiten. ISBN 978-3-7799-2935-2. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 21,30 sFr.
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Thema

Das vorliegende Buch dient als Hilfe zur Selbsthilfe, da neben Grundlagen auch Übungen und Techniken zum Aufbau und zum Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten vermittelt werden.

Aufbau

Der in der 4. Auflage (und seit der zweiten Auflage 2003 unverändert) vorliegende Band ist wie folgt aufgebaut: neben der Einleitung (S. 9-11) wird in sieben Kapiteln in Grundlagen, Techniken und Übungen eingeführt:

  1. Was beim wissenschaftlichen Schreiben alles passiert: Ergebnisse der Schreibforschung (S. 13-21)
  2. Kreatives wissenschaftliches Schreiben: eine neue Form des Lernens und Forschens im Studium (S. 23-31)
  3. Damit Schreiben nicht zum Problem wird: Tipps und Tricks gegen Schreibblockaden (S. 33-43)
  4. Schreibspiele und Methoden des Kreativen Schreibens (S. 45-74)
  5. Grundlagen der wissenschaftlichen Textproduktion (S. 75-100)
  6. Wichtige Textsorten im Studium (S. 101-122)
  7. Etappen der Entstehung einer wissenschaftlichen Arbeit (S. 123-146).

Literatur, Quellennachweise und Sachregister folgen hinterdrein.

Inhalt

Die Einleitung informiert sachgebunden über die Inhalte der einzelnen Kapitel und gibt Hinweise zur Nutzung des Buches, das als Bausteinkonzept angelegt ist.

Im ersten Kapitel mit dem Titel „Was beim wissenschaftlichen Schreiben alles passiert: Ergebnisse der Schreibforschung“ werden in mehreren Unterkapitel die heterogenen und komplex interagierenden Dimensionen des Schreibens angesprochen. So wird im ersten Unterkapitel über die kognitive Dimension des Schreibprozesses berichtet, das zweite Unterkapitel rekurriert auf die „innere Sprache“ als Voraussetzung für den Schreibprozess und das dritte Unterkapitel gibt Aufschluss über die emotionale Dimension des Schreibprozesses. Im letzten Unterkapitel des ersten Kapitels werden ganzheitliche Modelle des Schreibprozesses und didaktische Konsequenzen vorgestellt.

Das zweite Kapitel fokussiert kreatives wissenschaftliches Schreiben als neue Form des Lernens und Forschens im Studium. Darin werden in einzelnen Abschnitten sowohl das Phänomen Kreativität (hier im Kontext des kreativen Schreibens) näher beleuchtet, einzelne Ansätze des kreativen Schreibens dargestellt (im einzelnen: Kreatives Schreiben als Stilaneignung, Kreatives Schreiben als Spiel, Kreatives Schreiben als Selbsterkenntnis und Selbsttherapie, aber auch Kreatives Schreiben als kulturelle und gesellschaftliche Partizipation) und Thesen zum Kreativen Wissenschaftlichen Schreiben vorgestellt, in denen Pyerin Schreiben sowohl als Kulturtechnik, als Medium für kreatives Gestalten, für Selbsterkundung, als Kompetenzaneignung knapp skizziert. Weitere Thesen stellen eher metatheoretische Betrachtungen vor.

Im dritten Kapitel wird auf die im Untertitel angekündigten Tipps und Tricks gegen Schreibblockaden verwiesen. Pyerin stellt darin Mythen als Quelle von Ängsten und Vorurteilen vor (und bloß), nimmt die oft falschen Vorstellungen und Vorurteile ins Visier. Daran knüpft der nächste Abschnitt an: mit dem Titel deutet Pyerin bereits an, dass zum Schreiben können auch Schreiben lernen gehört, „… ein langer, auch lustvoller Übungsprozess“ (S. 36). Dazu gehören ebenfalls die im nächsten Abschnitt angesprochenen Probleme beim Schreiben (ggf. aber schon vor dem Beginn des Schreibens), als deren Lösung (wenn das Problem nämlich Anfangs-Schreibblockaden sind) Pyerin z.B. vorschlägt: „Jeden Tag wenigstens eine Zeile schreiben. Damit wird Schreiben zu einer alltäglichen Sache, die immer wieder gelingt“ (S. 40). Das Kapitel wird mit Verweisen auf weitere Literatur abgeschlossen.

Im vierten Kapitel rekurriert die Autorin auf Schreibspiele als Instrument kreativen wissenschaftlichen Schreibens und stellt Methoden des kreativen Schreibens vor. Sie beginnt mit 28 Übungen zum individuellen Experimenten und Arbeiten, leitet mit 17 Übungen zu Gruppenarbeiten über und erläutert im darauffolgenden Abschnitt 6 Methoden des Kreativen Schreibens, darunter z.B. Free Writing und Mindmapping. Das wissenschaftliche Journal nimmt hier eine Sonderstellung ein. Pyerin charakterisiert es als Mischform aus Tage- und Notizbuch.

Das fünfte Kapitel ist Grundlagen der wissenschaftlichen Textproduktion gewidmet. Im ersten Abschnitt werden Grundregeln wissenschaftlichen Schreibens erläutert, im nächsten Abschnitt grundlegende Techniken wissenschaftlichen Schreibens erörtert (darunter z.B.: Lesen und Schreiben miteinander verbinden) und Techniken wissenschaftlichen Lesens dargestellt.

Das sechste Kapitel dient zum Überblick über wichtige Textsorten im Studium. Pyerin fasst darunter ausschließlich Hausarbeiten, deren Funktion, Gestaltung und elementaren Textmuster sie vorstellt, Referate (mit einer Untergliederung zu Funktion, Vorbereitung, Gestaltung, aber auch zum Vortragsmanuskript und dem Einsatz von Medien und Handout) sowie der Diplomarbeit inklusive Funktion und Aufbau derselben.

Das siebte Kapitel zeigt Etappen der Entstehung einer wissenschaftlichen Arbeit auf: Pyerin fasst die Etappen in 4 Phasen zusammen, die sie als sammeln, klären und planen in der ersten Phase, gliedern und strukturieren in der zweiten Phase, formulieren und edieren in der dritten Phase und überarbeiten und korrigieren in der Schlussphase versteht.

Eigene Abschnitte zu weiterführender Literatur, verwendeten Quellennachweise und einem Sachregister beschließen den Band.

Diskussion

Pyerin widmet sich einem aktuellen (und immer wieder aktuell werdenden) Thema, dem wissenschaftlichen Schreiben. Ihren Ansatz skizziert sie knapp als aufbauend auf den Ansätzen von Lutz von Werder und Kollegen als kreatives wissenschaftliches Schreiben. In sieben Kapitel geht sie dabei auf differente Themen ein, die sich logisch miteinander verbinden lassen. Kritisch ist jedoch anzumerken, dass der Band auffallend hinter den Neuerungen (seit ca. Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre) zurückbleibt – dies freilich ohne Erklärungen. So wird im Band z.B. auf eine Form der Abschlussarbeit einer wissenschaftlichen Ausbildung verwiesen, die in dieser Form nicht mehr existent ist – nicht einmal mehr die dazugehörige Ausbildung. Seit der Umstellung auf BA- und MA-Studiengänge hätte zumindest diese Umstellung auch im vorliegenden Buch reflektiert werden müssen. Unverständlich und enttäuschend, dass dies nicht nachgeholt wurde, liegt doch mit der vorliegenden Ausgabe die 4. Auflage vor. Ebenso unverständlich, dass nicht einmal Lektorat und Verlag darauf reagierten. Genauso kritisch ist die Nichterwähnung weiterer Formen wichtiger Textsorten im Studium (im gleichnamigen Abschnitt) zu bewerten: neben Referat und Hausarbeit haben sich längst weitere Formen etabliert: auch Rezensionen und Portfolios gehören längst zum Standardrepertoire. Und eine Vernachlässigung von Ansätzen zum Verfassen von Journalartikeln ist geradezu als fahrlässig zu bewerten.

Äußerst kritisch ist ebenfalls Pyerins Absatz zum Einsatz von Medien und Handout zu bewerten: als Medien finden Wandtafeln, Overhead-Projektor und entsprechende Folien benannt: Whiteboards, Smartboards, Beamer – Fehlanzeige. Ebenso ist keine Erklärung zur Ignoranz der nicht aufgeführten Medien zu finden. Es bleibt also zu raten, warum die Autorin auf Techniken des 20. Jahrhunderts verweist (und im Falle der Wandtafeln auf Jahrhunderte davor), die Techniken des 21. Jahrhunderts hingegen mit Nichtachtung belohnt (wobei bei einer kritischen Überprüfung sicherlich mindestens Beamer und Whiteboards noch zum 20. Jahrhundert gezählt werden dürften).

Positiv hervorzuheben sind die vielen versammelten Übungen zu Schreibspielen und Methoden, die in dieser Vielfalt sicherlich beste Anreize zum Experimentieren bieten – wenngleich die meisten Methoden nur mehr der Überwindung von Anfangsblockaden dienen, eher selten der Überwindung von Blockaden, wie sie in späteren Stadien von Arbeiten auftreten können.

Fazit

Das Buch ist nicht uneingeschränkt zu empfehlen – immerhin auch nicht uneingeschränkt zu verteufeln. Für den Einsatz in der Lehre (oder in entsprechenden Schreibschulen, Zentren o.ä.) ist es der Vielfalt der vorgestellten Übungen und Methoden wegen uneingeschränkt zu empfehlen, jedoch keinesfalls als alleiniges Werk. Dafür sind die aufgeführten Kritikpunkte zu schwerwiegend.


Rezension von
Dr. Miriam Damrow
Hochschule Magdeburg-Stendal
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Zitiervorschlag
Miriam Damrow. Rezension vom 27.07.2015 zu: Brigitte Pyerin: Kreatives wissenschaftliches Schreiben. Tipps und Tricks gegen Schreibblockaden. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. 4. Auflage. ISBN 978-3-7799-2935-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17883.php, Datum des Zugriffs 28.11.2021.


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