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Frank Natho, Markus Hasselbach: Gespräche mit dem inneren Schweinehund

Rezensiert von Ulrike Koch, 10.12.2014

Cover Frank Natho, Markus Hasselbach: Gespräche mit dem inneren Schweinehund ISBN 978-3-525-40155-2

Frank Natho, Markus Hasselbach: Gespräche mit dem inneren Schweinehund. Arbeit mit Tierfiguren in systemischer Beratung und Therapie. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2013. 3. Auflage. 141 Seiten. ISBN 978-3-525-40155-2. D: 17,90 EUR, A: 18,40 EUR, CH: 31,90 sFr.
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Thema

Der Untertitel beschreibt das Schwerpunktthema des Buches: Arbeit mit Tierfiguren in der Systemischen Beratung und Therapie. Im Kern geht es um die sogenannte Teilearbeit in Settings, wie der Familienberatung und -therapie, der Trauerbegleitung bei Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung, der Sucht- und der Teamberatung. In einem Beitrag von Markus Hasselbach stellt dieser diese Technik aus neuropsychologischer Perspektive dar.

Autor

Frank Natho ist Religionspädagoge, evangelischer Theologe, Familien- und Lebenstherapeut, systemischer Supervisor und Lehrtherapeut sowie Trainer für TZI (Themenzentrierte Interaktion). Er gründete und leitet das Instituts für Fortbildung, Supervison und Familientherapie (FST) Halberstadt. Seit 1996 ist er auch in einer eigenen Praxis tätig.

Entstehungshintergrund

Der Autor spricht im Vorwort (S. 11f.) von der „[…] Anziehungskraft […]“ (S. 11) von Tierfiguren für Kinder und von dem „[…] Reiz […]“ (S. 11) dieser auch auf Erwachsene. Er möchte mit diesem Buch die Aufmerksamkeit auf eine „[…] kleine Auswahl methodischer Arbeitsweisen […]“ (S. 11) lenken, in deren Rahmen es um die Arbeit mit verschiedenen Persönlichkeitsanteilen (Teilearbeit) geht (vgl. S. 12). Zudem ist es ihm ein Anliegen, aufzuzeigen, dass sich eben nicht nur Kinder, sondern eben auch Erwachsene auf diese spielerisch-kreative Technik in Beratung und Therapie einlassen können und/oder sogar wollen (vgl. S. 17).

Zielgruppen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Studierenden der Sozialen Arbeit, der Psychologie, der Theologie, der Neuropsychologie, der Elementarpädagogik (Erzieherinnen und Erzieher) sowie Expertinnen und Experten aus der Systemischen Beratung und Familientherapie. Angesprochen werden auch Supervisorinnen und Supervisoren.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst neben Vorwort (S. 11f.), Dank (S. 13) und einer Einleitung (S. 15 – 21) vier etwa gleich lange Kapitel (S. 27 – 116).

In einem gesonderten Kapitel (S. 117 – 131) kommt Markus Hasselbach zu Wort. Dieser ist Psychologe (vgl. S. 117) in einem neuropsychologischen Rehabilitationszentrum (Schwerpunkt: Nachsorge für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Hirnschädigungen und Erkrankungen des zentralen Nervensystems).

Einführung (S. 15 – 21). Ausgehend von der Aussage „Tierfiguren – Wo und für wen sie im Einsatz sind“ (S. 15) beschreibt Frank Natho geht neben der Entwicklungsgeschichte dieser Technik auch auf das Spielen als „[…] natürliche Bedürfnis des Kindes [,,,]“ ein. Im Weiteren skizziert er zentrale Aspekte der „[…] Arbeit mit Tierfiguren in der systemischen Bratung und Familientherapie“ (S. 18ff.) – insbesondere mit Blick auf die Fragetechnik des zirkulären und hypothetischen Interviews -. Die Einführung beschließt der Autor mit einem Einblick in seinen eigenen Weg (S. 20f.) hin zur Arbeit mit Tierfiguren und übertitelt dies mit den Worten: „Wie ich selbst auf den Hund kam“ (S. 20). Im Mittelpunkt steht hier die Begegnung mit einem „[…] inneren Schweinehund […]“ (S. 20).

Tierfiguren in der Familienberatung – Wenn der Vater zum Pferd und die Mutter zum Elefanten wird (S. 22 – 51). In diesem Kapitel geht es zentral um die Bedeutung des Einsatzes von Tierfiguren in der Anfangsphase einer systemischen Familienberatung oder -therapie. Frank Natho bedenkt sowohl die Sicht der Klienten zur eigenen Situation als auch (S. 31 – 38) bedeutende „[…] tiefenpsychologische Zeichentests […]“ (S. 31) – im Zusammenhang mit Tierfiguren als Anregungsmaterial -. Er beschreibt „Tierfigurenskulpturen als familiendiagnostisches Instrument“ (S. 22 – 31). Unter dem Punkt „Die Familie in Tierfiguren“ (S. 38) – als Grundlage des kommunikativen Austauschs in familientherapeutischen Settings – (S. 38 – 51) wird die Wirkung von Tierfiguren näher in den Blick genommen. Frank Natho zeichnet an dieser Stelle den „[…] Verlauf der Arbeitstechnik […]“ (S. 40) nach (S. 40 – 45). Mit einem Fallbeispiel (S. 46 – 50) schließt er dieses Kapitel ab. Hiermit zeigt er auf, in welcher Weise ein Kind die eigene Familiensituation mit Tierfiguren darstellt und in welcher Weise die Arbeit der Familie für den Erkundungsprozess dienlich sein kann.

Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen – Wenn sich Gefühle in Tierfiguren verwandeln (S. 52- 82). Zunächst ermöglicht der Autor einen Einblick in die Grundlagen der Trauerarbeit im Bereich der Heimerziehung (S. 52 – 57) – hier im engeren Sinne als seelsorgerisches Angebot zu verstehen. Anschließend geht Frank Natho auf verschiedene Konzepte zur Teilearbeit (S. 60 – 67) ein, insbesondere auf solche, die als „[…] Grundlage für die Darstellung von Gefühlen mit Tierfiguren“ (S. 60) beschrieben werden. Darüber hinaus erläutert er, was unter Teilearbeit zu verstehen ist. Auch im Weiteren steht die Gefühlswelt im Mittelpunkt (S. 67 – 82). Der Autor zeigt auf, wie es gelingen kann, die herausgearbeiteten inneren Anteile über die Tierfiguren miteinander ins Gespräch zu bringen. Hiernach erfolgt der Blick in die Praxis. Frank Natho beschreibt die Grundlage der Umsetzung (S. 72f.) und gibt Einblick in das Transkript eines Fallbeispiels (S. 74 – 82).

Beratung bei Suchtverhalten – Welchen inneren Schweinehund hätten sie denn gern? (S. 83 – 103). Die Problematik suchtkranker Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Sozialen Arbeit steht in diesem Kapitel im Mittelpunkt, wobei der Autor dies insbesondere mit Blick auf das Phänomen Burnout vollzieht. Nach einleitenden Worten zu einem konkreten Fall (S. 83f.) erlaubt sich Frank Natho einen Exkurs (S. 85f.) zum „Zusammenhang zwischen Suchtverhalten und Burnout“ (S. 85). Im Weiteren (S. 86ff.) geht es um die „Grundhaltungen des inneren Antreibers“ (S. 86) und es geht um die systemisch-lösungsorientierte Perspektive auf Suchtverhalten (S. 88 – 92). Vor allem das Thema Rückfall und die Idee einer „[…] sich selbsterfüllenden Prophezeiung?“ werden erläutert. Beachtung findet zudem der Zeitpunkt des Einstiegs in Suchtverhalten – auch dies aus systemischer Perspektive heraus. Aufbauend beschreibt Frank Natho Interventionsmöglichkeiten im Kontext von Suchtberatung (S. 94ff.). Auch hier werden die theoretischen Inhalte anhand eines Fallbeispiels vertieft (S. 86 – 103).

Tierfiguren in der Teamberatung – Wenn der Chef zum Schwein wird (S. 104 – 116). Frank Natho möchte zeigen (S. 104 – 116), dass sich Tierfiguren „[…] auch außerhalb des klassisch beraterischen bzw. familientherapeutischen Settings […]“ (S. 104) einsetzen lassen. Zu Beginn geht er auf „Tiermetaphern im Team […]“ (S. 104) ein, vor allem auf die kreativ-kommunikative gemeinsame Lösungssuche in einem Team. Ausgehend von der Frage „[…] – Wie böse ist der Wolf wirklich?“ (S. 107) finden auch Aspekte der Teamentwicklung Beachtung (109 – 113), wie z.B. Möglichkeiten mit „Tierfiguren zur Rekonstruktion von Wirklichkeit im Team“ (S. 109) zu gelangen, oder der Darstellung vom „Team in Tierfiguren“ (S. 113). Zur Beschreibung des letztgenannten Sachverhaltes gehört auch der Blick auf die einzelnen Arbeitsschritte (114 – 116).

Im sechsten Kapitel lässt Frank Natho den Experten Markus Hasselbach – aus dem Bereich der Neuropsychologie – zu Wort kommen.

Arbeit mit Tierfiguren im Kontext neuropsychologischer Rehabilitation (S. 117 – 131). Markus Hasselbach gibt einen Einblick in die grundlegenden Aspekte der Anwendung von Tierfiguren im neuropsychologisch-klinischen Kontext (117ff.). Aufbauend ermöglicht der Neuropsychologe einen Blick in ein Transkript zu einer seiner therapeutischen Arbeiten mit einem Patienten (S. 122 – 129). Mit einer Nachbetrachtung (S. 130f.) zum Fall beschließt Markus Hasselbach seinen Beitrag.

Literatur (S. 132 – 136)

Kleine Auswahl von Tiermetaphern (S. 137 – 141)

Diskussion

Mit dem ersten Kapitel stellt Frank Natho den Leserinnen und Lesern die Arbeit mit Tierfiguren vor und gewährt darüber hinaus einen Einblick in seinen ganz eigenen Zugang zu dieser Technik. Kurz angerissen werden zudem die Grundlagen der systemischen Beratung und Familientherapie (S. 18ff.). In den folgenden drei Kapiteln vertieft der Autor seine Ausführungen über den Einsatz von Tierfiguren in beratenden und therapeutischen Settings und dies aus ganz unterschiedlichen sozialen Arbeitsfeldern heraus. Insbesondere erhalten die Leserinnen und Leser Informationen zur Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen (Teilearbeit). Mit dem fünften Kapitel geht er auf den Bereich der Teamberatung ein und hier vor allem auf die Bedeutung von Tiermetaphern. Entlang der systemischen Idee, dass Wirklichkeit ein Konstrukt ist, beschreibt der Autor die einzelnen Schritte der Arbeit mit Tierfiguren in Teamkonstellationen. Markus Hasselbach stellt die rehabilitative Arbeit bzw. den Einsatz von Tierfiguren in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen im neuropsychologisch-klinischen Kontext in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. In den Kapiteln zwei bis vier und ebenso im Beitrag von Markus Hasselbach werden die theoretischen Sachverhalte zum Einsatz von Tierfiguren und -metaphern anhand von konkreten Fallbeispielen und auch über viele Bilder und Abbildungen verdeutlicht.

Fazit

Herausheben möchte ich die Kapitel zwei und drei. In den Ausführungen zur Arbeit mit Tierfiguren in der Familienberatung gelingt es Frank Natho sehr gut, herauszustellen, welche Bedeutung Tiere für Kinder und welche wichtige Rolle (Kuschel-)Tiere im Leben von Kindern haben. Insbesondere die Art und Weise wie er den Bogen von der Bedeutung zum praktischen Einsatz von Tierfiguren (ob in Holz, Plüsch oder als Zeichnung) spannt, macht die Ausführungen nachvollziehbar. Fachlich hat mich vor allem die Beschreibungen über den Einsatz von Tierfiguren in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung angesprochen. Hier insbesondere die Erläuterungen zur emotionalen Komplexität der Gefühlswelt der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Insgesamt liegt hier ein Buch vor, dass sowohl inhaltlich als auch über die Art und Weise der Darstellung, zur Auseinandersetzung mit dieser Technik – vor allem mit Blick auf die Arbeit mit inneren Anteilen – anregt. Ich kann das Buch allen empfehlen, die einen theoretischen Einblick in diese kreative Arbeitstechnik erhalten und darüber hinaus einen Blick in die Praxis dergleichen werfen möchten.

Rezension von
Ulrike Koch
M.A., Zusatzqualifikationen als Systemische Beraterin und Kulturpädagogin. Zwischen 2009 und 2018 tätig in den Bereichen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Beratung von Familien, vertiefende Berufsorientierung, Jobcoaching und zum Schluss als Sozialarbeiterin im Kinderschutz.
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Es gibt 14 Rezensionen von Ulrike Koch.

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Zitiervorschlag
Ulrike Koch. Rezension vom 10.12.2014 zu: Frank Natho, Markus Hasselbach: Gespräche mit dem inneren Schweinehund. Arbeit mit Tierfiguren in systemischer Beratung und Therapie. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2013. 3. Auflage. ISBN 978-3-525-40155-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17890.php, Datum des Zugriffs 03.10.2022.


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