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Jürgen Meier: Theater stört

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 01.12.2014

Cover Jürgen Meier: Theater stört ISBN 978-3-942468-24-4

Jürgen Meier: Theater stört. Betrachtungen zur bürgerlichen Stadt- und Theatergeschichte am Beispiel Hildesheims. Arete Verlag (Hildesheim) 2014. 200 Seiten. ISBN 978-3-942468-24-4. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,50 sFr.

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Was darf Kultur?

Mit dieser unbotmäßigen Frage, in der das ganze Elend und Machtgefüge von kulturellem Bewusstsein, von Anpassung und Widerstand, von (Ver-)Ordnung und Tradition gebündelt ist, bringt der Hildesheimer Autor Jürgen Meier ein Buch heraus, das sich mit dem Problem und der Prozedur des Theaterspielens auseinandersetzt. Jürgen Meier haben wir im Internet-Rezensionsdienst www.socialnet.de bereits in anderen Zusammenhängen kennen gelernt. Es sind kapitalismus- und neoliberalismuskritische Zugänge, wie z. B.: Jürgen Meier, „Eiszeit“ in Deutschland, 2005, www.socialnet.de/rezensionen/2405.php; ders., „Amokläufe zum Ich…“. Der Kommunismus als Voraussetzung des Individualismus, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11802.php, mit denen der Autor die Welt anschaut und interpretiert.

Mit dem neuen Buch greift er in die Wirrungen und Wirklichkeiten der deutschen Theaterlandschaft hinein und zeigt am Beispiel der niedersächsischen Hildesheimer Theatergeschichte und -landschaft auf, wie sich seit dem 18. Jahrhundert in den deutschen Städten die Theaterkunst entwickelt hat, wie Traditionen entstanden sind, (Sparten-)Programme gebaut wurden, das „Theater-Gehen“ zu einer bürgerlichen (Pflicht-)Veranstaltung wurde, sich den Zeitläuften, Mentalitäten und Ideologien angepasst hat, aber auch mit Ausbruchsversuchen neue Ufer angestrebt wurden.

Schauen wir uns erst einmal die Definition von „Kultur“ an, wie sie von der UNESCO, der Kulturorganisation der Vereinten Nationen als Ergebnis der Weltkonferenz über Kultur, 1982, gesehen wird: „Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen“. Darin kommt zum Ausdruck, dass das „Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen…“ ein Menschenrecht darstellt, das jeden Menschen in gleichem Maße zusteht, wie dies in Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bestimmt wird.

Aufbau und Inhalt

Damit sind wir auch bei der Motivation, die Jürgen Meier sicherlich angetrieben hat, ein Geschichts- und Mentalitätsbuch über das (Hildesheimer) Theater zu schreiben. Gleich zu Beginn teilt er den Lesern und Leserinnen seine Erwartungshaltungen mit, die er bei seinem Theaterbesuch im Hildesheimer Stadttheater, das seit September 2007 durch die Fusion mit der Landesbühne Hannover „Theater für Niedersachsen“ heißt, bei der Prämiere des „Faust“ hegte: Wie wird der Regisseur die traditionellen Figuren des Faust, des Mephisto, von Gretchen… dar- und wie werden die Schauspielerinnen und Schauspieler sie auslegen? Ist das vielleicht etwas zu spüren von der Macht, die auf Menschen durch Wort und Kapital ausgeübt wird – und zwar (auch) im Hier und Heute? Und: Um mit Bertolt Brecht die Frage anzugehen: Wie stellen sich Kunst und Theater dar, wenn sie „Sinngebung der Erscheinungen…, Rechtfertigung des Standpunktes… (und) Stärkung des Lebenswillens“ sein sollen?

Um (vielleicht) einigen Antworten näher zu kommen, braucht es der Nachschau, wie sich in einer Stadtkultur ein Stadttheater entwickelt hat. Beim Blick in die Geschichte, und mit dem Fokus auf die städtische Entwicklung in Hildesheim, kommt der Autor zur ersten Einsicht: „Am Anfang stand der Kirchenbau“ und mit ihm die Festigung der Macht des Adels und des Klerus, die es dem „gemeinen Volk“ höchstens ermöglichten, den geistlichen Chorälen ehrfürchtig zu lauschen und, später, die Kirchenlieder nachzusingen. „Fürstbischöflicher Grundbesitz und geistige Arbeit“ erforderten Handwerker, die Kunstgegenstände schufen, wie etwa die berühmte bronzene Bernwardtür und die Bernwardsäule im Dom zu Hildesheim. So ortet Jürgen Meier denn auch die Keimzelle des Theaters in Hildesheim in den liturgischen Darstellungen zu Ostern, zur Passions- Weihnachts- und Pfingstzeit, sowohl in den Kirchenräumen als auch auf dem Marktplatz, bei letzteren ergänzt durch Bierausschank und Marktgeschehen. Daraus entwickelte sich eine „Bürgerlust“, die vom Kirchlich-lateinischen ausbrechen und zur individualisierten und kommerzialisierten Zurschaustellung übergehen wollte. Das Mittelalter war geprägt von den aus Italien herüberschwappenden, auf der Druckerkunst basierenden „Comedia Dell´Arte“, bis schließlich mit Machiavellis Komödien die Zementierung der absoluten, monarchischen Macht dem Volk aufgezwungen wurde. Geradezu selbstläuferisch entwickelte sich mit „Luthers Theater“ die Festlegung, dass Theater zur Bibelfestigkeit und nicht zur Sinnlichkeit erziehen solle.

Um wieder an die Hildesheimer Verhältnisse anzuknüpfen, gab es immerhin in der lutherischen St. Andreasschule ein reges, Calvinismus-verdächtiges theatrales Treiben, als nämlich im Schultheater Stücke des Deutsch-Schweizer Chirurgen und Schriftstellers Jakob Ruf (1505 – 1558) und von Shakespeare zur Aufführung kamen. Die sich daraus entwickelnden zaghaften, kritischen und zum Rat der Stadt oppositionellen Bewegungen hielten freilich nicht lange an. Hier finden wir eine bis heute in Hildesheim und in der Region andauernde Auseinandersetzung, die freiheitliches (protestantisches) mit dogmatischem (katholischem) Denken konfrontiert. Als nämlich 1597 die Jesuiten damit begannen, in der Stadt mit Prunk und barocker Ausstattung Theaterstücke an prominenten Plätzen der Stadt aufzuführen, da rüstete sich die katholische Macht gegen das vordringende Luthertum. Im bischöflichen Gymnasium Josephinum „theatrisierten“ die Schülerinnen und Schüler gewissermaßen gegen die vom Andreanum. 1650, zwei Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, entstand im Andreanum eine neue Initiative, eine „humanistische Theatertradition“ aufzunehmen und sozialkritische Stücke zu spielen: „Vom reichen Mann und dem armen Lazarus“, und sich an der nahen Leibnizschen Philosophie zu orientieren.

Der Autor gräbt in diesem Zusammenhang eine Reihe von kritischen Geistern aus, die in der Hildesheimer Chronik eher vergessen werden, wie etwa den Aufklärer und Theatergründer Karl Heinrich Frömmlichen. Und er erinnert an die im 17. und 18. Jahrhundert in Hildesheim lebendige, bürgernahe Freimaurerbewegung, die sich in ihrem praktischen, sozialen Wirken als „frühe Demokraten und Förderer des Theaters“ zeigten. Die Auswirkungen der Französischen Revolution und die bürgerliche Revolution von 1848 brachten sowohl die Gedanken der Aufklärung ins (Hildesheimer) Theater, als auch Veränderungsvisionen, in denen sich Gottgläubigkeit und -mächtigkeit mit Vorstellungen von der einen Menschheit verbanden. Der Einzug des „bürgerlichen Dramas“ ins Theater, etwa mit Lessing, vollzog sich in der Spannweite und Konfrontation von Zweckrationalismus und Humanismus, bis sich aus den gesellschaftlichen und staatlichen Aufbruchstimmungen als Kontrapunkt zu den traditionellen, aristokratischen und großbürgerlichen Mächten, die revolutionären, (vor-)demokratischen Kräfte unter der Führung des Bürgervorstehers und Rechtsanwalts Friedrich Weinhagen, der mit seiner Losung „Wahrheit gegen Alle – Gerechtigkeit für Alle – Liebe unter Allen – und Freiheit“ in der Hildesheimer Bevölkerung viel Zuspruch fand. Die Auseinandersetzungen zwischen Tradition und Veränderung wurden nicht nur im Ratssaal und auf der Straße geführt, sondern auch im Stadttheater, das sich im Saal des „Rheinischen Hofs“, dem Freimaurerhaus, befand. Die Bürgerlichen hingegen richteten im „Berghölzchen“ das „Tivoli“ ein, in dem überwiegend Lustspiele und Komödien aufgeführt wurden. In diesem „Kampf um die Volksseele“ gab es keine Gewinner; vielmehr trugen zunehmend völkische und nationale Ideologien dazu bei, dass kritisches, gar revolutionäres Theater Seltenheits- und eher Alibiwert hatte.

1907 schließlich entstand das Stadttheater als preußische Theaterbühne; nicht zuletzt wegen der Konkurrenz, die Hildesheim durch die Theatergründungen in Hannover, Göttingen und Bielefeld verspürte. Banken, Brauereien, Handwerks-, Industriebetriebe, Großbürger und Offiziere ermöglichten durch Aktienkauf der Bau des Theaters. Auf dem Fries des mit Säulen geschmückten Haupteingangs ließen die Aktionäre den Spruch anbringen: „Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben“. Den Würdebegriff freilich verstanden die Erbauer anders, als er sich heute in der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen darstellt, nämlich als „monarchische Gesinnung … und Treue zu unserem Herrscherhause“. Ende des Ersten Weltkriegs, als in den deutschen Städten die Bürger- und Soldatenräte an der etablierten Macht der Honoratioren rüttelten und mit der Parole - „Das Alte stützt, es ändern sich die Zeiten und neues Leben blüht auf den Ruinen…“ - die Herrschaftsverhältnisse zu verändern suchten, da schien es auch, dass die Hildesheimer Theaterlandschaft in Bewegung geriet. Doch die alten Eliten gaben nicht so schnell auf. Mit der Gründung und Stärkung der preußisch-bürgerlichen Theaterverbände in der Stadt leisteten sie Widerstand gegen die von der Arbeiterbewegung getragene „Freie Volksbühne“, der es immerhin gelang, auf den Spielplan des Theaters Einfluss zu nehmen und eine „neue Kultur“ zu schaffen. Die reaktionären Kräfte, die das Theater nicht als revolutionären Vorreiter für gesellschaftliche Veränderungen, sondern als Bewahrer der althergebrachten Traditionen und als „Kulturtheater“ sehen wollten, trugen ohne Zweifel dazu bei, dass sich Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre völkische und nationalistische Stimmung breit machen konnte: es dauerte nicht lange, als der Hildesheimer Bürgermeister Ehrlicher und seine Parteigenossen auffordernd und siegessicher das „Heil Hitler“ auch auf die „Städtische Bühne“ bringen konnte. Es galt, wie der Präsident der Handwerkskammer W. Schmidt posaunte, auch im Theater den „undeutsche(n) Geist des liberalistisch-marxististischen Zeitalters“, und damit auch den des „undeutschen, gemeinen, marxistisch-jüdischen Wesen(s)“ von der Hildesheimer Bühne zu vertreiben. Mit der faschistischen und nationalsozialistischen Parole „Deutschland!!! Erwache!“ war es ein leichtes, die „Freie Volksbühne“ und die sie tragenden Kräfte als Volksfeinde zu diffamieren und das Theater aus kriegswichtigen Gründen zu schließen. Die parteiamtliche, einzige Tageszeitung in Hildesheim, der „Hildesheimer Beobachter“ kommentierte diese Entwicklung mit den patriotischen Worten: „Wenn die deutsche Bühne, wenn die deutsche Musik der Öffentlichkeit heute schweigen, dann nehmen beide solche Schweigsamkeit auf sich, um nach dem Sieg desto freier wieder sprechen, wieder tönen zu können“. Am 24. Februar 1945 wurde das Stadttheater, wie ein Großteil der Stadt Hildesheim durch Fliegerbomben zerstört.

Ein Denkmal setzt der Autor dem Theaterintendanten Walter Zibell (1908 – 2005), der nach dem Zweiten Weltkrieg von Berlin nach Hildesheim kam und von dort auch die Gedanken der „Freien Volksbühne“ mitbrachte: Theater war für ihn „geistiger Mittelpunkt, wie in einem Brennglas fasst es die Strömungen, die allgemeinen Probleme der Zeit zusammen, stellt sie vor seinen Zuschauern auf und zwingt sie zur Auseinandersetzung. Es muss ein ständiger geistiger Unruheherd sein, es muss die gewohnheitsträgen Gedanken und Gefühle aufstöbern…“. Bereits Mitte der 1960er Jahre setzte er sich gegen die ideologischen und parteipolitischen Zwänge hinweg und nahm Kontakt zu Künstlern in der DDR auf. Daraus entstand ein Austauschprogramm, bei dem das Hildesheimer Ensemble in Magdeburg O´Neills „Der Strohhalm“ spielte, und die Magdeburger in Hildesheim Kohouts „Reise um die Erde in 80 Tagen“ aufführten. Diese Aktivitäten, und die Neugestaltung des Spielplans mit Stücken, die den Hildesheimer (CDU-dominierten) Stadtrat überhaupt nicht gefielen, wie etwa Peter Ustinovs „Die Liebe der vier Obersten“, die Oper „Montserrat“, oder die „Ermittlung“ von Peter Weiss. Auch die Zibell nachfolgenden Intendanten hatten Mühe, ihre Auffassungen vom Theater als „kulturelles Nervenzentrum der Stadt“ umzusetzen; viel zu sehr dominierten und dominieren weiterhin die Finanz- und Bürokratieverwalter die Programmgestaltung, viel zu oft wird die „Volksseele“ und der „Volkswille“ kapitalistisch und neoliberal interpretiert, und viel zu selten wird dem „freien Geist“ Gelegenheit geboten, theatral gegen gesellschaftliche Entwicklungen anzugehen: „Wenn es in der Gesellschaft keine klar erkennbaren Bewegungen für Demokratie, Frieden, Abrüstung, Menschenwürde oder gegen Entrechtung, Entfremdung, Zerstörung von Mensch und Natur gibt, rutscht ein Künstler oder Intendant leicht und oft mit bester Absicht in die Phantasiewelt der Utopien ab oder lässt seinen aufrechten Gang durch Aufsichtsräte knicken“ (vgl. dazu auch: Kurt Bayertz, Der aufrechte Gang. Eine Geschichte des anthropologischen Denkens, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/17706.php).

Wenn Theatergeschichte, am Beispiel der kulturellen Entwicklung in Hildesheim, interpretiert werden soll, darf die Aufbruchstimmung nicht ignoriert werden, wie sie sich in der „68er-Bewegung“ etablierte, mit dem Berliner „Grips-Theater“ und Aktivitäten des Theaters auf der Straße. In Hildesheim zeigte sich das Bewusstsein, dass Theater zum Lernen, also zu Verhaltensänderungen beitragen könne, vor allem in den Initiativen des damaligen Dramaturgen Jörg Peter Nebelung, der mit den Schauspielern in die Schulen ging und die Schülerinnen und Schüler ins Theater lockte; eine Entwicklung im übrigen, die sich an der Geschichte der Stiftung Universität Hildesheim (2003) als Prozess der Lehrerbildung mit der Gründung des „Katholischen Lehrerseminars Hildesheim“ (1855), der Pädagogischen Hochschule Alfeld/Hildesheim (1946 / 1965 / 1978), der Universität Hildesheim (1989) zeigt und heute mit dem Fachbereich II – „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ – und den Instituten für Kulturpolitik (UNESCO-Chair), Medien und Theater, u.a., einen guten Ruf weit über die Hildesheimer Region hinaus genießt, und die starke, andauernde Einflüsse und Initiativen für das „freie Theater“ bewirkt; allerdings auch in den Zeiten des „neoliberalen“, eher distanzfernen und kapitalisierten und verwertungsoptimierten Theaters immer weniger Chancen erhält, „frei“ zu spielen.

Wenn also das Theater nicht mehr stören soll, sondern nur bequem unterhalten will, und die „Ökonomisierung und Kommerzialisierung der Kultur“ weiter voranschreitet, bleibt nur noch der blockierte, gesteuerte und konsumtive Blick, der zu Egoismus und ins Leere führt. Diese Einsicht diskutiert der Autor zum Schluss seines Buches mit der ungarischen Philosophin Agnes Heller. Das Interview ist in der Zeitung „Freitag“ am 29.06.2001 abgedruckt. Im Sinne des Philosophen Georg Lucács verweist sie darauf, dass „Kunst als Mittel zur Defetischisierung unseres Lebens“ verstanden werden wollte, und wir uns bewusst werden müssten, dass unser Wissen über die Wirklichkeit begrenzt ist; vielmehr komme es darauf an zu erkennen, dass „die Kunst die() Funktion hat, die Wahrheit zu offenbaren“. Deshalb sei sie der Überzeugung, dass das Theater eine Zukunft habe: „Ich kann mir überhaupt keine Zukunft vorstellen ohne Theater“.

Fazit

Der Titel des Buches „Theater stört“ ist als Programmatik zu verstehen. Jürgen Meier richtet seine „Betrachtungen zur bürgerlichen Stadtkultur und Theatergeschichte“ zwar mit dem historischen, gesellschafts-, kulturpolitischen Blick auf die Theaterentwicklung und -landschaft in der Stadt Hildesheim (die sich gerne als „heimliche Kulturhauptstadt Niedersachsens“ bezeichnet); doch seine zeit- und ideologiekritischen Analysen über das kulturelle, nationale Werden lassen Raum, die vorfindbaren Wirklichkeiten auf die Entwicklung von Theaterkultur auch in anderen Städten zu übertragen und Vergleichsmaßstäbe dafür zu entwickeln. Die Einsicht: Theater muss stören, muss zur kritischen, individuellen und gesellschaftlichen Identitätsfindung und -veränderung beitragen und muss – soll Theater mehr sein als seichte Unterhaltung – die Menschen wach machen für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Friedlichkeit: Rüttlelt, trommelt die Leute aus dem Schlaf, wie dies Heinrich Heine forderte, und sorgt dafür, ihr Schauspielerinnen und Schauspieler, dass der notwendige, humane Perspektivenwechsel sich vollzieht, wie ihn die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ 1995 eindringlich fordert: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“. Es gibt Strukturen und Possibilitäten dafür, im Theater für Alle!

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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ISSN 2190-9245