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Tanja Stein: Bausteine für die Aktivierung von Demenzkranken: Winter

Cover Tanja Stein: Bausteine für die Aktivierung von Demenzkranken: Winter. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2014. 136 Seiten. ISBN 978-3-8346-2581-6. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 50,40 sFr.

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Autorin

Tanja Stein ist staatlich anerkannte Ergotherapeut, sie hat drei Jahre den Bereich soziale Betreuung in einem Alten- und Pflegeheim geleitet und arbeitet gegenwärtig als Heilpädagogin und Kursleiterin in der Altenarbeit.

Thema

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um ein praxisorientiertes Materialpaket aus einer jahreszeitlich aufgebauten Reihe, die insgesamt die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter umfasst. Der Winter ist das Thema des vorliegenden Materialpaketes. Hauptzielgruppe des Buches sind alle Fachkräfte und Alltagsbegleiter, die im Bereich der sozialen Betreuung von alten Menschen mit unterschiedlichen körperlichen und geistigen Einschränkungen tätig sind. Anspruch und Ziel der Autorin ist, mit den vorgestellten Aktivierungen die vorhandenen körperlichen und geistigen Fähigkeiten alter Menschen im Blick auf biografische Erfahrungen und Erlebnisse zu erhalten, zu aktivieren und zu fördern.

Aufbau und Inhalt

Das Materialpaket umfasst ein Handbuch, das zehn Kapitel mit unterschiedlichen Übungen enthält. Ergänzt wird das Buch durch Begleitmaterialien im Anhang und einer beigefügten AudioCD und einer CD-Rom, auf denen sich Liedtexte, Gedichte, Märchen und verschiedene Vorlagen und Bildkarten finden.

Das Handbuch ist aufgeteilt in einen Einführungs- und Praxisteil sowie einen umfangreichen Anhang der außer Glossar und Stichwortverzeichnis auf 43 Seiten für die vorgestellten Übungen entsprechende Kopiervorlagen umfasst.

Im Einführungsteil wird kurz und knapp das Stadienmodell der Demenzerkrankung vorgestellt, wobei zugleich betont wird, dass die Praxisübungen sich vorrangig an Demenzkranken in einem früheren Stadium orientieren bzw. als Zielgruppe im Blick haben.
Ausgangspunkt für die vorgestellten Übungen ist die Ansicht der Autorin, dass herkömmliche Übungen zur Seniorengymnastik bzw. zur körperlichen Mobilisierung den sog. multimorbiden Krankheitsbildern alter und hochaltriger Menschen nicht mehr gerecht werden. Erforderlich ist aus ihrer Sicht eine „ganzheitliche Bewegungsförderung“, die sich sowohl an den kognitiven wie körperlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen orientiert.

Im weiteren Abschnitten des Einführungsteils werden Hinweise und Empfehlungen zu der Nutzung des Materialbandes, zu Aufbau und Gestaltung der Beschäftigungseinheiten, zum Umgang mit Störungen, zur Zusammensetzung von Gruppen, zur Materialausstattung sowie zur Dokumentation von aktivierenden und betreuenden Aktivitäten und Gestaltung von biografischen Gesprächen gegeben.

Der anschließende Praxisteil umfasst thematisch orientierte Übungen, die mit der Adventszeit beginnen und nach der Faschingszeit mit dem Winterausklang und der Sicht auf den kommenden Frühling enden.

Die einzelnen Kapitel sind mit folgenden Titeln überschrieben: Advent, Nikolaus, Glockenklang und Engelssang, Winterzeit ist Lesezeit, Es schneit, O Tannenbaum, Heiligabend und Weihnachten, Silvester und Neujahr, Helau und Alaaf und der letzte Abschnitt trägt den Titel: Winter, ade.

Jeder dieser Kapitel ist nach einem ähnlichen Muster aufgebaut: es beginnt mit einer kurzen Beschreibung des Themas, dann werden dazu unterschiedliche Übungen vorgestellt, die jeweils Hinweise zu den einzusetzenden Materialien, zur Durchführung und Zielsetzung sowie des möglichen Zeitumfanges geben. Beispielsweise beinhaltet das erste Kapitel unter dem Titel: Advent, Advent als Einstieg einen Liedertext zum gemeinsamen Singen, dann folgt ein Vorschlag zu erinnernden Gesprächen in der Runde, als weitere Übung wird eine Kreativübung zur Gestaltung von Kerzen, das Vorlesen eines Märchens sowie die eher alltagspraktisch ausgerichtete Gestaltung eines Lebkuchenhauses vorgestellt.

In einem anderen Kapitel wie z.B zum Thema Nikolaus werden auch Übungen zum „Hirnleistungstraining“, die sich an erworbenen Wissen und erfahrungsorientierten Kenntnissen orientieren oder Übungen, die unter der Kennzeichnung „basale Stimulation“ eine Förderung der Sinnes- und Körperwahrnehmung anstreben, vorgeschlagen. Desweiteren werden Übungen zur Förderung des Miteinander oder der Geselligkeit insbesondere während der Faschingszeit vorgestellt

Bei allen diesen vorgestellten Übungen gibt es Verweise auf die im Anhang oder auf der Audio-und Text-CD dazu passenden Vorlagen, Lieder und Texte.

Alle in den einzelnen Kapiteln vorgestellten Übungen wie auch die vorgeschlagene Struktur sind nicht verbindlich, d.h. alle Bausteine aus jedem Kapitel können als einzelne Bausteine ausgewählt und beliebig kombiniert werden. Denn der Anspruch des gesamten Buches ist es, das die einzelnen Bausteine als Anregung und Impuls für eine den jeweiligen Bewohnern und der Situation angepasste Gestaltung und Ausführung verstanden und eingesetzt werden. Oder mit anderen Worten: das Buch mit allen seinen Übungen und Materialien bietet Anregungen für eine eigene Gestaltung verschiedenster Aktivierungen alter Menschen, die als Gäste oder Bewohner in unterschiedlichen Senioreneinrichtungen anzutreffen sind.

Zielgruppen

Die Autorin gibt als Zielgruppe des Materialpakets die verschiedenen Fachkräfte wie Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Altenpfleger sowie Alltagsbegleiter nach §87 SGB XI an, die in der sozialen Betreuung von alten und demenzkranken Menschen tätig sind. Auch Angehörige können ihrer Ansicht entsprechende Anregungen und Ideen zur Beschäftigung und Aktivierung von Betroffenen finden.

Fazit

Das Materialpaket ist sehr strukturiert, anschaulich und übersichtlich gestaltet. Nützlich und ausgesprochen hilfreich ist für Praktiker auch der leicht auffindbare und umfassende Materialteil im Anhang und auf beiden CDs. Den oben aufgeführten Fachkräfte, die bereits seit längerer Zeit in der sozialen Betreuung von alten, pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen tätig sind, wird der Band zwar weniger neue inhaltliche Anregungen bieten, da die vorgestellten Übungen als „Klassiker“ in der sozialen Betreuung gelten. Doch die zahlreichen Hinweise und Verweise zur Umsetzung können trotzdem eine Anregung zur Überarbeitung bisheriger Übungen bewirken. Hingegen für Neueinsteiger in der sozialen Betreuung, insbesondere von wenig erfahrenen Alltagsbegleitern nach §87 SGB XI, kann das Materialpaket sowohl Anregung bieten als auch eine sehr nützliche Arbeitshilfe sein, weil damit die in der Praxis oft mühsame Zusammenstellung und Erarbeitung von entsprechenden Materialen und Ablaufgestaltungen erleichtert wird bzw. zumindest zu Beginn sogar weg fällt, vor allem dann, wenn in den Pflegeeinrichtungen die soziale Betreuung noch in den „Kinderschuhen“ steckt oder wenn den eingesetzten Fachkräfte für eine gründliche Einarbeitung von Alltagsbegleitern die zeitlichen Kapazitäten fehlen.

Kritisch anzumerken ist allerdings, dass kaum eine Übung zu finden ist, die wirklich neu und innovativ wäre und auch der Anspruch eine ganzheitliche Bewegungsförderung vorzustellen, nur punktuelle eingelöst wird. Denn der größte Teil der Übungen ist eher freizeitorientiert und weniger an einem Berufs- und familienbezogenen Erfahrungswissen orientiert und entsprechend weniger auf die Förderung tätigkeitsorientierter Alltagsfertigkeiten ausgerichtet.


Rezensentin
Dipl. Soziologin Angela M. Laußer
Dipl. Soziologin, Beraterin, Trainerin und Coach
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Zitiervorschlag
Angela M. Laußer. Rezension vom 14.10.2015 zu: Tanja Stein: Bausteine für die Aktivierung von Demenzkranken: Winter. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2014. ISBN 978-3-8346-2581-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17935.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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