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Harald Blonski (Hrsg.): Risikomanagement in der stationären Altenhilfe

Cover Harald Blonski (Hrsg.): Risikomanagement in der stationären Altenhilfe. Anforderungen, Methoden, Erfahrungen. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2014. 156 Seiten. ISBN 978-3-89993-334-5. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 43,50 sFr.
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Herausgeber

Harald Blonski ist Pädagoge (M.A.) mit langjähriger Leitungserfahrung in der stationären Altenhilfe. Derzeit ist er vor allem in der Fort- und Weiterbildung und als Auditor tätig.

Entstehungshintergrund

Nach dem Herausgeber spielt das Jahr 1986 eine Schlüsselrolle für das Risikomanagement, als nicht nur der Reaktorunfall in Tschernobyl die Risiken der Technologien aufzeigte, sondern auch das Buch des jüngst verstorbenen Soziologen Ulrich Beck „Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne“ erschien. Erstmals wurde das Risiko thematisiert; als Bedrohung, aber auch als Chance und Wagnis. Heute ist „Risikomanagement“ ein oft genutzter Begriff in vielen Disziplinen: Klientensicherheit, Arzneimittelversorgung, Gesundheits- und Brandschutz, Hauswirtschaft oder Datensicherheit. Gerade im Bereich der Altenhilfe sieht der Herausgeber die Notwendigkeit, die entsprechenden Regelungen, Maßnahmen und Prophylaxen zu treffen, um die Risiken so gering wie möglich zu halten.

Aufbau

Nach der Einleitung des Herausgebers folgen neun Aufsätze verschiedener Autorinnen und Autoren, die sich alle im weitesten Sinne mit dem Risikomanagement beschäftigen. Als Risiko wird nach der DIN EN 15224 definiert: „Der Begriff Risiko wird allgemein nur benutzt, wenn zumindest die Möglichkeit negativer Konsequenzen besteht.“ Auf dieser Begrifflichkeit basieren die einzelnen Aufsätze, wobei das Risikomanagement aus den vier Phasen Identifikation, Bewertung, Steuerung und Kontrolle besteht. Hierauf gehen die einzelnen Beiträge in unterschiedlicher Form ein und es werden zahlreiche Beispiele angeführt. Insgesamt hat das Buch ein gelungenes Layout mit Heraushebungen von Grafiken, Tabellen und Praxisbeispielen.

Inhalte

Die Aufsätze im einzelnen: Stephanie Welters, Anwältin, spricht in ihrem Aufsatz „Neue gesetzliche Anforderungen an ein funktionierendes Risikomanagement“ die rechtlichen Aspekte an. Der zweite Beitrag von Karla Kämmer „Pflegerisches Risikomanagement“ stellt das von ihr entwickelte RiP-Verfahren vor, das sie auch als Dienstleistung für unterschiedliche Pflegedienste anbietet. Manfred Borutta, freiberuflicher Dozent, erläutert in seinem Aufsatz „Hohe Zuverlässigkeit – Risikomanagement in der Pflege nach dem Achtsamkeitsansatz der HRO-Prinzipien“, welchen Beitrag der Achtsamkeitsansatz nach den HRO-Prinzipien leisten kann. HRO leitet sich aus dem Begriff „high-reliability-organization“, also „hohe Zuverlässigkeitsorganisation“, von Weick & Sutcliff (2003) ab, wie es zum Beispiel Stromnetzbetreiber sein müssen. Eher pragmatisch wird die Bedeutung von Normen von Claus Offermann, stv. Geschäftsführer der Konformitätsbewertungsstelle ZertSozial GmbH, in seinem Aufsatz „Risikomanagement in der stationären Altenhilfe – DIN 15224 uns ISO 31000 als Orientierung“ dargestellt.

Die beiden folgenden Beiträge gehen auf das Risikomanagement einzelner Pflegebereiche ein. Frank Hanke beschäftigt sich mit dem heiklen „Risikomanagement in der Arzneimittelversorgung chronisch kranker Senioren – Aspekte einer Geriatrischen Pharmazie“. Und Carola Reiner erläutert das „Risikomanagement in Hauswirtschaft und Küche“, wobei sie auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen kann. Stefan Baars, Facharzt für Arbeitsmedizin, geht in seinem Aufsatz „Risikomanagement und Anforderungen an Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz“ den Anforderungen und Fragen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes nach.

Wie weit der Bogen des Risikomanagements gespannt wird, zeigen die beiden abschließenden Beiträge. „Risikomanagement – Brandschutz in Pflegeeinrichtungen“ lautet der Titel des Aufsatzes von Andreas Elser, der im baulichen Brandschutz und der Sicherheitstechnik auch für Pflegeorganisationen tätig ist. Den Abschluss bildet der Beitrag des Wirtschaftsinformatikers Thomas Althammer „Datenschutz & Datensicherheit: Risiken erkennen, einschätzen, vermeiden“.

Diskussion

Risikomanagement ist in den letzten Jahren zu einem Schlagwort geworden, das von vielen Disziplinen geradezu okkupiert wurde. Handelte es sich ursprünglich um einen eher technischen und technologischen Begriff, so findet man ihn heute fast in jeder wissenschaftlichen Disziplin. Als eher soziologische Abschätzung der Risikofolgen bis hin zum „financial Riskmanagement“ und den „Stresstests“ bei Banken. Die inflationäre Nutzung des Begriffs „Risiko“ und seine fehlende eindeutige Definition lassen es möglich erscheinen, viele Aktivitäten hierunter zu subsumieren.

Und so finden sich in diesem Buch mit seiner funktionalen Gliederung Bezüge zu vielen wissenschaftlichen Ansätzen. Von der Systemtheorie Luhmanns bis hin zur Business Impact Analyse bei IT-Systemen reicht die Spannweite. Dies alles macht das Risikomanagement schwer greifbar. Das hier vorgestellte Risikomanagement hat zudem viele Bezüge zum Qualitätsmanagement und den entsprechenden Systemen. Nicht immer werden die Unterschiede, aber auch die Bezüge deutlich herausgearbeitet.

Fazit

Es ist immer schwierig, einen Sammelband abschließend zu beurteilen, da die einzelnen Beiträge sehr unterschiedlich sind. Als minimaler gemeinsamer Nenner ist es sehr zu begrüßen, dass das Thema Risikomanagement auch in der Altenpflege Eingang findet. Dem Herausgeber ist zuzustimmen, wenn er ausführt, dass es zunächst darum geht, „für das Thema sensibel zu machen und zu bewirken, dass sich Träger und Organisationen, Verantwortliche und Mitarbeiter ihm gegenüber öffnen und sich so im Wachstumssektor Altenpflege ein dringend notwendiges Risikomilieu entwickeln kann.“ (S. 20) Es bleibt also noch genug zu tun, ein Risikomanagementsystem für die Altenpflege zu entwickeln; die vorliegende Publikation kann ein erster Einstieg hierzu sein.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 03.02.2015 zu: Harald Blonski (Hrsg.): Risikomanagement in der stationären Altenhilfe. Anforderungen, Methoden, Erfahrungen. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2014. ISBN 978-3-89993-334-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17941.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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