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Michael Baumgartner, Petra Koch u.a.: Spielekartei Hund. Für die tiergestützte pädagogische Praxis

Cover Michael Baumgartner, Petra Koch, Kurt Gschwind: Spielekartei Hund. Für die tiergestützte pädagogische Praxis. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2014. 154 Seiten. ISBN 978-3-497-02483-4. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 55,90 sFr.
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Thema

Michael Baumgartner und seine drei Mitautorinnen bieten mit der Kartei ein Instrument zur Unterstützung von Unterrichts- und Therapiestunden sowie für freizeitpädagogische Szenarien an, welches als Lern- und Fördermaterial genutzt werden kann. Darüber hinaus soll mit der Spielkartei auch eine spannende Gestaltung der Lern- und Förderszenarien ermöglicht werden. Hierbei geht es nicht allein um die ausformulierten Ideen, sondern es geht um den Sinn und Nutzen des Zusammenspiels von Mensch und Hund bzw. von Schülerinnen und Schülern und Hund in den genannten Bereichen.

Diese Spielekartei bietet 140 Ideen für die hundegestützte pädagogische Arbeit in Förder- und Regelschulen und für den Bereich pädagogischer Freizeitangebote an. Ebenso lässt sich diese Kartei für hundegestützte Therapieangebote nutzen.

Autorinnen/Autor

Alle Autorinnen und der Autor verfügen über die Ausbildung Hundegestützte Pädagogik und Therapie.

Michael Baumgartner ist Spiel- und Heilpädagoge, Heilpraktiker für Psychotherapie mit einer eigenen Praxis. Er hat ein eigenes Trainingskonzept (FIT) für Familien- und Psychotherapie erarbeitet.

Petra Koch ist Grundschullehrerin und leitet den Arbeitskreis Schulhund Köln/Düsseldorf. Seit 2008 begleiten sie ihre eigenen Schul- und Therapiebegleithunde in den Regel- und Förderunterricht.

Souris Reiter – kulturelle Sozialpädagogin BSW – bietet eigene Praxisprojekte an und setzt seit 2011 ihre eigenen Schul- und Therapiebegleithunde ein.

Silvia Thielen ist Lehrerin für Primar- und Sekundarstufe. Zudem ist sie in dem Bereich Mantrailing (Personensuche) aktiv. Seit 2012 unterstützt sie dabei ihr Schul- und Therapiebegleithund und vor allem auch in ihrer Arbeit an einer Grundschule.

Zielgruppen

Mit der Spielekartei richten sich Michael Baumgartner und seine drei Mitautorinnen an Erzieherinnen/Erzieher, Sozialpädagoginnen/Sozialpädagogen, Lehrerinnen/Lehrer und Therapeutinnen/Therapeuten aller Ansätze, die tiergestützt tätig sein möchten und eine entsprechende Zusatzqualifikation haben. Dies gilt auch für Personen dieser Berufsgruppen, die sich in der Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team befinden.

Aufbau

Die Kartei ist nach einigen einleitenden Karten in sieben Kategorien bzw. Förderbereiche unterteilt. Diese Unterteilung wird visuell durch farblich unterschiedliche Karten je Kategorie unterstützt. Jede Kategorie umfasst zwanzig verschiedene Spielideen (mit und ohne Hund). Einleitend wird darauf verwiesen, dass verschiedene Zusatzkarten selbst angefertigt werden müssen: Spielkarten (individuell zu dem entsprechenden Spiel: Bildkarten oder Aufgabenkarten), Hundekarten (als Joker) und sogenannte Signalkarten (Kommandos, Tricks etc. für den Hund). Der Verlag bietet Käufern der Spielkartei online (passwortgeschützt) Mustervorlagen an. Nach den Einleitungskarten gibt es folgende Kategorien:

  1. Einführungsspiele (hell-orange Karten)
  2. Förderung emotional-sozialer Kompetenzen (blaue Karten)
  3. Förderung motorischer Kompetenzen (rosa Karten)
  4. Förderung kognitiver Kompetenzen (fliederfarbene Karten)
  5. Förderung mathematischer Kompetenzen (gründe Karten)
  6. Förderung sprachlicher Kompetenzen (gelbe Karten)
  7. Wahrnehmungsförderung (orange Karten)
  8. Redaktionelle und bibliografische Informationen

Inhalt

Einleitung (10 Karten). Nach der Deckblattkarte folgen Informationen zum Autor und zu den drei Autorinnen sowie zu dem Aufbau der Kartei. Im Folgenden wird erklärt, welche Zusatzkarten notwendig sind und wie diese hergestellt werden können Es folgen allgemeine Hinweise und die Information, wofür die Kartei angedacht ist. Jedem Förderbereich sind zwei Inhaltskarten vorangestellt. Diese Karten bieten neben der Auflistung der Spieltitel auch einen Überblick darauf an, in welchen weiteren Förderbereichen die jeweiligen Spiele – mit und ohne Hund – nützlich sein könnten. Jeder Förderbereich hat ein eigenes Symbol. Der Hund übernimmt ganz verschiedene Rollen. Manchmal ist er Bindeglied, dann wieder Motivator, oder Unterstützer. Er vermittelt Stärke oder macht Mut. Bei manchen Spielen bzw. Aufgaben ist er unterstützender Partner oder manchmal auch der Herausforderer. Der Hund wird aber auch ein Mitspieler sein, oder ein Ansichts- und Beispielhund.

1. Einführungsspiele (22 Karten). In den ersten Spielen steht die Sicherheit der Kinder und des Hundes und entsprechendes Wissen über verschiedene Rassen im Vordergrund. Hiernach folgen einige Spiele zum Kennenlernen. Bei diesen Spielen nehmen die Kinder auch erste Kontakte zum Hund auf. Bei anderen Spielen erfahren die Kinder etwas über den Hund, über seine Fähigkeiten und über seine Vitalfunktionen. Darüber hinaus gibt es Aufgaben bei denen die Zusammenarbeit und die Kooperationsbereitschaft der Kinder gefordert bzw. herausgefordert werden.

2. Förderung emotional-sozialer Kompetenzen (22 Karten). Neben Spielen in denen es um Geben und Nehmen geht, gibt es auch Aufgaben, in denen die Kinder Verantwortung übernehmen oder abgeben sollen. Aber auch Lösungsvermögen und Kooperationsbereitschaft werden angesprochen. Zu den emotional-sozialen Kompetenzen gehören auch die Fähigkeiten andere zu überzeugen und Dinge verständlich zu erklären, oder auch die Fähigkeit Anweisungen oder Meinungen von anderen annehmen zu können. In entsprechenden Spielen geht es genau um diese Fähigkeiten. Auch Rücksichtnahme und die Bereitschaft anderen zu helfen findet hier Beachtung.

3. Förderung motorischer Kompetenzen (22 Karten). Gefördert werden Grob- und Feinmotorik (z.B. Pinzettengriff, zielgerichtetes Werfen etc.), aber auch Beweglichkeit und Fitness. Bei einigen Spielen geht es auch darum, bestimmte Bewegungsabläufe zu koordinieren. Darüber hinaus gibt es Aufgaben, bei denen es gilt, die eigenen Bewegungsabläufe mit denen anderer Kinder in Einklang zu bringen. Eine weitere Herausforderung stellt sich da, wo es gilt, Hürden zu überwinden.

4. Förderung kognitiver Kompetenzen (22 Karten). Bei diesen Spielen und Aufgaben geht es nicht allein darum, Wissen zu vermehren, sondern zu lernen geplant, strukturiert und gezielt zu lernen. Da gibt es Spiele, in denen geht es darum Entscheidungen zu treffen, die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, oder es geht darum, sich bestimmten Herausforderungen zu stellen. Bei anderen Aufgaben und Übungen werden sowohl gezieltes und geplantes Denken als auch Kreativität notwendig. Auch lösungsorientiertes Vorgehen bzw. die Fähigkeit systematisch vorzugehen, finden Beachtung.

5. Förderung mathematischer Kompetenzen (22 Karten). Die Spiele reichen vom Zahlfeld bis zur Orientierung in Zahlenräumen. Es gibt Spiele in denen geht es um Rechnen mit Nachbarzahlen oder es gilt Größen zu ordnen. Alle Grundrechenarten sind vertreten und darüber hinaus das Rechnen mit Geldbeträgen.

6 Förderung sprachlicher Kompetenzen (22 Karten). Auch hier bietet die Spielekartei ein breites Spektrum an spannenden Herausforderungen. Ob Buchstabenspiele, Wort- und Satzbildung alles findet in spielerischen Sequenzen statt. Es wird gelesen und es werden Verben konjugiert, oder die Zeitformen stehen im Mittelpunkt.

7. Wahrnehmungsförderung (22 Karten). Alle Sinne finden Beachtung. In den ersten Spielen geht es um die visuelle Wahrnehmung. Da wird Memory gespielt oder es wird gepuzzelt, es wird um die Wette ein Leckerli gesucht und es wird gemalt. Es folgen Spiele, bei denen die olfaktorische Wahrnehmung angesprochen wird. Hier gilt es eine gute Nase zu haben. Aber auch die Ohren werden herausgefordert (auditive Wahrnehmung). Dann gibt es Spiele, da müssen sich die Kinder auf ihre taktile oder auf ihre gustatorische Wahrnehmung einlassen können.

Diskussion

Die Spielesammlung ist eine Sammlung von Aufgaben und Übungen – größtenteils im Miteinander von Mensch und Hund in Schule, Beratung, Therapie oder in freizeitpädagogischen Einrichtungen – mit zum Teil einer ganzheitlichen Wirkung auf alle Mitwirkenden und dient der Förderung in den schon erwähnten Bereichen. Die den Förderbereichen zugeordneten Spiele sind nicht gebunden an die gleichen. Die meisten Aufgaben und Übungen sind übertragbar auf andere Förderbereiche. Zwei Beispiele hierfür sind:

  • Die „Warme Dusche“ (Spiel 02: Förderung emotional-sozialer Kompetenzen) lässt sich auch in den Bereichen Einführung, Übungen für die Einzelförderung und für die Förderung in Großgruppen nutzen.
  • Das Spiel „Streichelzonen“ (Spiel 10: Einführungsspiele) kann ebenso in den Bereichen Förderung emotional-sozialer Kompetenzen, Wahrnehmungsförderung, Einzelförderung und Förderung in Kleingruppen Anwendung finden. Ähnliche Beispiele finden sich bei fast jedem der Spiele.

Darüber hinaus bietet die Spielekartei zu fast jedem Spiel weitere – erklärte – Varianten an. Ein Bespiel hierfür ist: „Hundegeschichte in Bewegung“ (Spiel 07: Förderung motorischer Kompetenzen). So lesen die Kinder – nicht wie ausgehend angedacht der Spielleiter – die Geschichte selbst vor.

Über die Förderbereiche hinaus, ist auf den jeweiligen Inhaltskarten vermerkt, wie, wo und in welcher Form die Spiele noch genutzt werden können. Gemeint sind die Bereiche Einzelförderung, Förderung in Klein- und in Großgruppen. Als Bespiel lässt sich hier das Spiel „Schau genau!“ (Spiel 01: Wahrnehmungsförderung) anführen. Neben dem Spiel in Gruppen von Schule, Therapie oder freizeitpädagogischem Bereich, eignet sich dieses Spiel eben auch für die Einzelförderung. Auch hier gilt, fast jedes Spiel lässt sich über die genannten Förderbereiche hinaus nutzen.

Fazit

Ich kann die Spielkartei für tiergestützte pädagogische (auch für freizeitpädagogische Angebote) und therapeutische Settings empfehlen. Vor allem, weil sich die Aufgaben und Übungen meiner Meinung nach auch für therapeutische Angebote, die auf Erwachsene ausgelegt sind, modifizieren lassen. Hierbei denke ich u.a. an ergotherapeutische Settings, die Arbeit mit Demenzkranken oder Angebote für Menschen mit einer Wahrnehmungsstörung. Gut geeignet ist die Kartei auch für die Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team. Nicht ganz gefällt mir die Bezeichnung Spielekartei Hund. Dies impliziert meiner Auffassung nach, dass der Hund ein Spielkamerad oder gar ein Spielzeug sei. Auch den Preis halte ich für sehr hoch. Hervorheben möchte ich aber noch die Vielfalt der Möglichkeiten die sich mit dieser Kartei für die tiergestützte pädagogische und therapeutische Arbeit ergeben.


Rezensentin
Diplom Sozialpädagogin Ulrike Koch
M.A. Zusatzqualifikation als Systemische Beraterin und Kulturpädagogin. Zwischen 2009 und 2015 tätig in den Bereichen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und Beratung sowie im Bereich Vertiefte Berufsorientierung. Zurzeit tätig als Jobcoach in der Arbeit mit langzeitarbeitslosen Menschen über dem 35. Lebensjahr
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Zitiervorschlag
Ulrike Koch. Rezension vom 23.12.2014 zu: Michael Baumgartner, Petra Koch, Kurt Gschwind: Spielekartei Hund. Für die tiergestützte pädagogische Praxis. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2014. ISBN 978-3-497-02483-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17961.php, Datum des Zugriffs 20.06.2019.


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ISSN 2190-9245

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