Stephan Sallat, Markus Spreer et al. (Hrsg.): Sprache professionell fördern
Rezensiert von ao. Prof. i.R. Dr. Franz Dotter, 12.02.2015
Stephan Sallat, Markus Spreer, Christian W. Glück (Hrsg.): Sprache professionell fördern. Kompetent, vernetzt, innovativ. Schulz-Kirchner Verlag (Idstein) 2014. 536 Seiten. ISBN 978-3-8248-1186-1. D: 29,99 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 40,90 sFr.
Thema und Entstehungshintergrund
Das Buch enthält die Beiträge zum 31. Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik in Leipzig 2014 in Form von drei etwa 13seitigen Hauptvorträgen und 59 weiteren Beiträgen im Umfang von jeweils etwa 6-10 Seiten.
Aufbau und Inhalt
Die Beiträge (alle enthalten ihr je eigenes Literaturverzeichnis) sind entsprechend dem Untertitel des Buchs auf drei Themenbereiche (dort noch weitere, jeweils 2-5 Vorträge zusammenfassende Unterteilungen)
- „Kompetenz“,
- „Vernetzung“ und
- „Innovation“
sowie „Praxis- und Workshopbeiträge“ aufgeteilt.
Die Hauptvorträge nehmen vor allem Bezug auf die Veränderungen in Richtung auf ein inklusives Bildungssystem und die dadurch z. T. stark wechselnden Aufgaben der SprachheilpädagogInnen. Diese Herausforderungen werden im ersten Hauptbeitrag unter den Kapiteln „Kompetenz“, „Vernetzung“ und „Innovation“, im zweiten unter dem Aspekt der Verbindung von alltagsintegrierter und spezialisierter Sprachförderung und im dritten unter dem Aspekt der Wirksamkeit verschiedener Ansätze bzw. Theorieanwendungen diskutiert.
Die Beiträge decken – wie bei einem Kongresssammelband zu erwarten - unterschiedlichste Bereiche ab (aus dem Vorwort geht nicht hervor, ob sie einem Evaluationsprozess unterworfen waren); sie besitzen auch unterschiedliche „Informationsqualität“, von allgemeinen, eher programmatischen Texten über kurze Projektberichte bis zu praktischen Arbeitsvorschlägen.
Ein Stichwort- und ein Autorenverzeichnis inklusive Emailadressen sind vorhanden.
Diskussion und die Frage des Mediums
Aufgrund der Fülle der Beiträge und ihrer Unterschiedlichkeit kann ich nicht auf einzelne eingehen. Ohne ihre Aktualität und Qualität anzuzweifeln: Man gewinnt den Eindruck, dass die Beiträge den oben genannten Themenbereichen und ihren z. T. deutlich überlappenden Unterkapiteln (z.B. „Lesen und Schreiben lernen“ neben „Arbeiten mit Texten“ oder „Förderkompetenzen entwickeln“ neben „Professionalisierung“) im Interesse einer relativen Gleichverteilung z.T. willkürlich zugeordnet wurden. Die Workshopbeiträge wurden überhaupt keinem Themenbereich (nicht einmal „Innovation“) zugeordnet. Dazu kommt, dass das Stichwortverzeichnis eine Katastrophe ist: Einerseits kommen Lemmata wie „Wirksamkeit“, „Zusammenarbeit“, „Psychologie“ oder „Förderung“ vor, andererseits sind ganze Artikel (z.B. zum Thema „Kita“) nicht im Verzeichnis unter dem Stichwort („Kita“) aufzufinden (vgl. etwa S. 54-60, 296-310). Viele andere Fachausdrücke (z.B. „Williams-Beuren-Syndrom“, „produktives Lexikon“, „bootstrapping“, „fast mapping“) wurden nicht aufgenommen. Damit erhalten LeserInnen im Buch keine gute Orientierung.
Viele wissenschaftliche Vereinigungen sind bereits dazu übergegangen, Kongresspublikationen (d.h. Sammlungen vieler verschieden orientierter Kurzbeiträge zu einem weiten Rahmenthema) online zu publizieren und die sich dadurch ergebenden elektronischen Möglichkeiten für die Erhöhung der Benutzerfreundlichkeit einzusetzen. So kann z.B. jeder Beitrag mittels einer Reihe von Stichwörtern für Suchvorgänge charakterisiert werden oder es ist überhaupt eine Volltextsuche möglich. Eine solche Publikationsform würde außerdem dem immer stärker werdenden Prinzip des offenen Zugangs („open access“) nutzen, weil viel mehr Personen die elektronische Version für Einzelfragen nutzen könnten, ohne sich durch 536 Seiten kämpfen zu müssen. Dadurch entstünde eine viel bessere, auch interdisziplinäre Wissensverteilung.
Fazit
Das Buch gibt sicherlich den aktuellen Stand der Sprachheilpädagogik wieder und enthält viele interessante Beiträge, aber es bietet keine gute Orientierung für Leser, weil es im falschen Medium veröffentlicht wurde.
Rezension von
ao. Prof. i.R. Dr. Franz Dotter
Sprachwissenschaftler, Universität Klagenfurt
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