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Ulrike Loch: Kinderschutz mit psychisch kranken Eltern

Cover Ulrike Loch: Kinderschutz mit psychisch kranken Eltern. Ethnografie im Jugendamt. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. 444 Seiten. ISBN 978-3-7799-2995-6. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-7799-3391-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Seit den ersten Veröffentlichungen der Forschungsergebnisse von Fritz Mattejat vor inzwischen über zwanzig Jahren gewinnt die fachwissenschaftliche und -praktische Auseinandersetzung mit der Thematik „Kinder psychisch erkrankter Eltern“ im deutschsprachigen Diskurs zunehmend an Bedeutung. Gleichwohl betritt die vorliegende Publikation in diesem Kontext einen kaum erforschten Bereich, indem sie mit der Kinder- und Jugendhilfe die Perspektive eines „klassischen“ Arbeitsfeldes der Sozialen Arbeit einnimmt und damit differenziertes Wissen in einem Bereich rekonstruiert, in dem betroffene Familien regelhaft Unterstützung erhalten und der Bedarf an professionellen Handlungsansätzen damit besonders hoch ist.

Das Ziel, das die Autorin mit ihrem Forschungsansatz verfolgt (und erreicht) ist, „empirisch fundiertes Wissen über die Mikrostrukturen im Handlungsfeld Kinder- und Jugendhilfe zu erhalten, auf dessen Basis die Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen wissenschaftlich-fachlich, konzeptionell und organisatorisch weiterentwickelt werden kann“ (S. 113).

Autorin

Ulrike Loch ist Assistenzprofessorin für Sozialpädagogik der Lebensalter am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Kinderschutz, Trauma- und Familienforschung, Kinder- und Jugendhilfe, professionelles Handeln sowie Methoden und Methodologien qualitativer Forschung.

Entstehungshintergrund

Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich um die Habilitationsschrift der Autorin, in deren Zentrum eine ethnografische Studie in deutschen und österreichischen Jugendämtern zu Kinderschutzfällen mit Kindern bis zum Alter von sechs Jahren und psychisch erkrankten Eltern steht.

In der fachwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik liegen grundlegende Forschungsergebnisse bislang hauptsächlich aus medizinischer und psychologischer Perspektive vor. Nicht selten münden diese Veröffentlichungen in einer Aufforderung an die Profession der Sozialen Arbeit und insbesondere die Kinder- und Jugendhilfe, sich in Konzepten und Qualifikationen der Mitarbeitenden stärker auf die Arbeit mit diesen Familien einzustellen. Bei nachweislicher Präsenz elterlicher psychischer Erkrankung in den Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe allgemein und in Kinderschutzfällen insbesondere besteht hier jedoch bislang eine weitgehende Forschungslücke „zur Situation von Kindern psychisch erkrankter Eltern als AdressatInnen der Kinder- und Jugendhilfe und zur professionellen Hilfepraxis mit psychisch erkrankten Eltern“ (S. 11).

Hier schließen die Forschungen von Ulrike Loch an: Sie bereitet die vorliegenden Ergebnisse anderer Disziplinen für den Bereich der Sozialen Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe auf, erweitert sie durch Bezugnahme zur Trauma- und Familienforschung und liefert über eigene ethnografische Forschungen differenzierte Ergebnisse zur Praxis der Hilfegewährung sowie zu spezifischen Herausforderungen im Rahmen der Arbeit des Jugendamtes in Kinderschutzfällen mit psychisch erkrankten Eltern und rekonstruiert Bedingungen gelingender professioneller Arbeit in diesem Kontext.

Aufbau und Inhalt

Der Aufbau der Veröffentlichung folgt der Logik des von Ulrike Loch umgesetzten Forschungsprozesses: Im Anschluss an das einleitende erste Kapitel bildet Kapitel II den Forschungsstand zum Thema ab. Es geht gleichzeitig bereits deutlich darüber hinaus, indem die vorliegenden Ergebnisse anderer Disziplinen für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfeforschung aufbereitet sowie für die Profession der Sozialen Arbeit eingeordnet und diskutiert werden.

Zunächst erfolgt eine Darstellung der Risiko- und Belastungsfaktoren, denen betroffene Kinder und Familien häufig ausgesetzt sind. Aus der Perspektive der sozialpädagogisch orientierten Kinder- und Jugendhilfe wird hier die den Erkenntnissen der Individualpsychologie entstammende Haltung kritisch hinterfragt, die betroffenen Kinder als „Risikogruppe“ zu definieren. Dieser erneuten Stigmatisierung im Rahmen von Forschung aber auch innerhalb der Hilfesysteme begegnet Loch sprachlich mit der Formulierung des „Aufwachsens unter riskanten Lebensbedingungen“ und inhaltlich durch Erweiterung des Fokus von Individuum und Familie auf Lebenswelt und Lebenslage der betroffenen Kinder und Familien.

Dieser Perspektive entsprechend wird auch im sich anschließenden Überblick über die Erkenntnisse der Resilienzforschung das Konzept der Förderung resilienzorientierter Prozesse im Kontext sozialer Ungleichheit diskutiert sowie der geringen Beachtung sozial belastender Lebensbedingungen in den oft stark am Individuum orientierten Konzepten des Gesundheitssystems. Den Fokus legt die Autorin hier gleichwohl einerseits auf die Potenziale einer resilienzorientierten Arbeit im Hinblick auf die Förderung familialer Schlüsselprozesse sowie andererseits auf die wesentliche Frage, wann aus Perspektive des Kinderschutzes Grenzen der Resilienzorientierung erreicht sind.

Einer Zusammenstellung der bisherigen Erkenntnisse zu subjektivem Erleben der Kinder sowie der Perspektive der Eltern auf die Situation ihrer Kinder schließt sich eine differenzierte Beleuchtung der Eltern-Kind-Beziehung und hier insbesondere der Gefahr der destruktiven Parentifizierung sowie von Misshandlung, psychischer Gewalt und Vernachlässigung an.

Kapitel III stellt das Forschungsdesign der Studie vor: Auf Basis grundlegender Ausführungen zum ethnografischen Ansatz werden Chancen und Herausforderungen dieser Forschungsstrategie im hier gewählten Handlungsfeld – Kinderschutz im Jugendamt – herausgestellt: Dies betrifft zum einen die Notwendigkeit, sich der bereits dargestellten Forschungslücke zuzuwenden – dem Mangel an empirisch fundiertem Wissen zu professionellem pädagogischen Handeln bei Kindeswohlgefährdung im Kontext psychischer Erkrankung der Eltern. Gleichzeitig wird über eine Auseinandersetzung mit dem Diskurs zur gesellschaftlichen Skandalisierung von Jugendamtshandeln im Kontext von Kindeswohlgefährdung herausgearbeitet, wie sich in diesem in der medialen Öffentlichkeit geführten Diskurs die Tendenz zur Individualisierung schwieriger Lebenslagen der AdressatInnnen Sozialer Arbeit widerspiegelt, die einher geht mit einer Haltung, Kinderschutz nur unzureichend als gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und die Alleinzuständigkeit für diese Aufgabe an die einzelfallbezogene Arbeit der Jugendämter zu delegieren

Dementsprechend verfolgen die von Ulrike Loch gestellten Forschungsfragen sowohl das Ziel der Rekonstruktion der Fallprozessierung von Kinderschutzfällen auf der Ebene des individuellen Handelns der Fachkräfte innerhalb der Jugendämter als auch dessen Einbindung in fachliche, gesellschaftliche und organisationale Rahmenbedingungen.

Das Sample für die vorliegende Studie bilden Kinderschutzfälle mit Kindern bis zum Alter von sechs Jahren mit psychisch erkrankten oder psychisch instabilen Eltern in deutschen und österreichischen Jugendämtern. Entsprechend der beiden Forschungsfragen wird ein Forschungsdesign entworfen, das sowohl Einzelsituationen und Genese des Hilfefalls in ihrem Zusammenhang rekonstruiert als auch organisationale und rechtliche Rahmungen in die Analyse mit einbezieht. Ausgewertet wurden dazu verschiedene Datengruppen wie ethnografische Protokolle der Interaktionspraxis in der Fallarbeit, digitale Aufzeichnungen professioneller Gesprächskontexte, ExpertInnen-Interviews mit den fallzuständigen Fachkräften, die Analyse der Fallakten sowie Dokumente der Jugendämter.

Kapitel IV stellt den Kern der Ergebnisse vor: Exemplarisch wird in drei Fallbeispielen die Mikrostruktur der Hilfepraxis in Kinderschutzfällen mit psychisch erkrankten Eltern rekonstruiert. Der Aufbau des Kapitels folgt differenziert der Chronologie der Fallbeispiele, so dass aufgrund der Vielfalt der extrahierten Erkenntnisse diese hier leider nicht erschöpfend dargestellt werden können, sondern hauptsächlich mit den von der Autorin herausgearbeiteten Schwerpunkten.

Am Beispiel des ersten Falles werden verschiedene Ausrichtungen der Kooperation zwischen Erwachsenenpsychiatrie und Jugendhilfe diskutiert. Sowohl auf Ebene der professionellen Haltung und Handlungsmuster als auch auf konzeptioneller Ebene der Jugendamtsarbeit werden Gelingensbedingungen interinstitutioneller Kooperationen rekonstruiert, die zu einer professionellen Fallentwicklung in beiden Organisationen beitragen würden. Das Fallbeispiel sensibilisiert für die ggf. weitreichenden Folgen eines interdisziplinären Missverstehens in Bezug auf die elterliche Diagnose und die Tendenz zur Delegation von Verantwortung und Deprofessionalisierung Sozialer Arbeit durch instrumentalisierende Nutzung klinischer Diagnosen innerhalb der Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe. Gleichzeitig werden die Gefahren einer Fokussierung der Fachkräfte auf Beziehungsarbeit mit den Eltern und eine Orientierung an deren emotionalen Bedürfnissen beleuchtet, über die gerade bei sehr jungen Kindern leicht kindliche Bedürfnisse und die Grenzen der elterlichen Kompetenzen aus dem Blick geraten können.

Das zweite Fallbeispiel steht für einen Hilfefall, in dem Bedingungen einer (im Sinne des Kinderschutzes) gelingenden Fallprozessierung über wechselnde Fachkräfte und zwischen verschiedenen Institutionen rekonstruiert werden können. Gleichzeitig werden „klassische“ Dilemmata Sozialer Arbeit für diesen Kontext reflektiert und Möglichkeiten eines professionellen Umgangs damit entwickelt. Darüber hinaus erfolgt eine differenzierte Diskussion sowohl sozialpädagogischer als auch klinischer Diagnostiken sowie Erziehungsfähigkeitsgutachten in ihren Notwendigkeiten und Chancen, aber auch im Hinblick auf immanente Gefahren, die in einer Nutzung zur Verantwortungsdelegation liegen können, einer Hierarchisierung von Diagnosen der verschiedenen Professionen sowie der generellen Problematik von Diagnosen als entkontextualisierten Momentaufnahmen – gerade in der Arbeit mit Familien, die krankheitsbedingt von vielen Instabilitäten geprägt sind.

Schwerpunkt des dritten Fallbeispiels liegt in der Rekonstruktion der transgenerationellen Traumatisierung von Kindern durch parentifizierende Eltern. Differenziert werden hier Auswirkungen der elterlichen Traumatisierungen auf die Beziehungsmuster zwischen Eltern und Kindern herausgearbeitet – wie auch Wirken und Wirkungen traumabezogener Interaktionsmuster zwischen traumatisierten Eltern und Fachkräften. Darauf aufbauend werden Möglichkeiten vorgestellt, diesen professionellen Anforderungen in traumasensiblen Interaktionsmustern und Settings zu begegnen, so dass Fachkräfte auch vor diesem Hintergrund das Kindeswohl angemessen einschätzen und schützen sowie Chancen bieten können, die durch die Traumatisierung geprägten Interaktionen zwischen Eltern und Kindern positiv zu verändern.

Das abschließende Kapitel V arbeitet fallübergreifend Perspektiven im Hinblick auf eine Weiterentwicklung und Neuorientierung in der Praxis des Kinderschutzes insbesondere für die betrachteten AdressatInnen heraus. Die erfassten Auswirkungen auf betroffene Kinder erfahren eine Einordnung nicht nur in den Kontext der Belastung durch die psychische Erkrankung der Eltern selbst, sondern insbesondere auch durch weitere exkludierende Faktoren wie Armut, Arbeitslosigkeit, fehlende Bildungsabschlüsse sowie unzureichendem Zugang zu Angeboten der Kinderbetreuung und der Gesundheitsvorsorge. Die Autorin verweist in diesem Zusammenhang auch auf den Mangel an passenden Unterstützungsangeboten für Eltern und Kinder wie auf die problematische Tendenz einer Individualisierung entsprechender Problemlagen und der Delegation des Kinderschutzes an ein einzelnes, unzureichend ausgestattetes gesellschaftliches Teilsystem.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt darin, die Arbeit mit psychisch erkrankten Eltern und ihren Kindern im Kontext der Traumaforschung zu diskutieren, d.h. Prozesse transgenerationaler Traumatisierungen hinter den nicht-intendierten Kindeswohlgefährdungen aufzuzeigen sowie über die Einnahme der Mehrgenerationenperspektive weitere wesentliche Aspekte für professionelle Konzepte, Handlungsstrategien sowie notwendige Qualifikationen in der Arbeit mit den Familien abzuleiten.

Diskussion

Die Publikation von Ulrike Loch ist aus mehreren Gründen aus dem Kanon der bisherigen Veröffentlichungen zum Thema hervorzuheben: Zum einen lenkt sie mit ihrem Fokus auf das Jugendamt und die Träger von Hilfen zur Erziehung den Blick auf die Profession der Sozialen Arbeit und auf diejenigen Bereiche des Unterstützungssystems, in denen betroffene Familien vielfach Unterstützung erhalten. Die höchst differenzierte Rekonstruktion der Prozesse und Fallverläufe wird kontinuierlich an den fachwissenschaftlichen Diskurs zum Thema wie auch zur Kinderschutzarbeit allgemein rückgebunden. Sie erfährt darüber hinaus eine wertvolle Bereicherung durch die Perspektive der Trauma- und Familienforschung sowie eines konsequent eingenommenen systemischen Blicks auf Kinder, Eltern und Fachkräfte.

Auf dieser breiten theoretischen Basis werden konkrete Anforderungen an Fachlichkeit und Handlungsorientierung der Mitarbeitenden sowie die Qualität der institutionellen Rahmenbedingungen erarbeitet, die einer Professionalisierung Sozialer Arbeit in diesem Bereich zuträglich wären.

Ohne die Notwendigkeit der Anpassung der Angebotsstruktur für diese Zielgruppe außer Acht zu lassen, hebt sich Ulrike Loch in Forschungsansatz und entwickelten Handlungsempfehlungen konstruktiv ab von der „einfachen“ Forderung nach mehr oder sicherer finanzierten spezialpräventiven Projekten. Die Arbeit mit psychisch erkrankten Eltern ist insbesondere innerhalb der vielfältigen Formen der „Hilfen zur Erziehung“ – rein statistisch – Normalität: Loch gelingt es durch Einordnung der Familien in den Kontext der belasteten Lebenslagen vieler AdressatInnen der Kinder- und Jugendhilfe ein schärferes Bild davon zu zeichnen, welche Aspekte die „Besonderheit“ in der Arbeit mit eben diesen Familien ausmachen könnten, wodurch sich also ggf. Professionalität in diesem Bereich beweisen müsste.

Hervorzuheben ist hier die konsequent eingenommene ressourcenorientierte Perspektive sowohl im Hinblick auf Eltern und Kinder als auch auf die Professionellen: Durch Einbezug der Mehrgenerationen-Perspektive gelingt ein Blick auf die erkrankten Eltern, der die Grenzen ihrer Kompetenzen in der Fürsorge für ihre Kinder nicht beschönigt und dies gleichwohl weder als beabsichtigt noch als unveränderbar darstellt. Durch Einbezug der gesellschaftlichen und organisationalen Rahmenbedingungen, z. T. auch der professionellen Tradition und Ausbildung der Sozialen Arbeit, gelingt ebenfalls ein Blick auf die Professionellen, der es ermöglicht, problematische Handlungsorientierungen zu verdeutlichen und gleichzeitig Möglichkeiten zu ihrer Veränderung aufzuzeigen, so dass dieses Buch, anders als die meisten seiner „Vorgänger“, nicht in der Klage über für diesen Arbeitsbereich unzureichend qualifizierte SozialarbeiterInnen stecken bleibt, sondern Handlungsspielräume eröffnet.

Da die für die Fachkräfte Sozialer Arbeit hier rekonstruierten Erkenntnisse weit über die als zusammenfassend gekennzeichneten Passagen des Buches hinausgehen, wäre es unbedingt zu wünschen, dass sie in einer – möglicherweise von der Darstellung des Forschungsverlaufs abgekoppelten – Fassung veröffentlicht werden, um sie PraktikerInnen Sozialer Arbeit in kompakterer Form zur Verfügung zu stellen.

Fazit

Die Veröffentlichung hat grundlegenden Charakter für den weiteren fachwissenschaftlichen Diskurs und die Professionalisierung der Sozialen Arbeit im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe mit Familien mit psychisch erkrankten Eltern.

Aufgrund der gewählten Form des Forschungsberichts mag sie auf den ersten Blick für PraktikerInnen weniger ansprechend sein. Gleichwohl bietet sie gerade mit der Einnahme der Mikro-Perspektive auf die Interaktionen zwischen Professionellen und Eltern wie auch zwischen Eltern und Kindern eine wertvolle Reflexionsfläche für das individuelle professionelle Handeln und liefert konkrete Handlungsansätze, die sich konstruktiv abheben von den bisherigen Handlungsempfehlungen auf Richtlinienebene.

Die Veröffentlichung von Ulrike Loch bietet einerseits eine fachlich sehr fundierte Rekonstruktion und ressourcenorientierte Diskussion von passenden und weniger passenden Handlungsstrategien der Fachkräfte und Institutionen im Bereich der Jugendhilfe und liefert andererseits einen differenzierten Einblick in die Belastungen gerade derjenigen Kinder, die diese aufgrund ihres geringen Alters am wenigsten selbst mitteilen können.

Loch liefert damit eine Perspektive, die den Blick der Fachkräfte schärfen kann, Gefährdungen des Kindeswohls frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Durch einen konsequent systemischen Blick sowie durch Einbezug ihrer Kenntnisse über Kinderschutzarbeit allgemein und die Folgen von Traumatisierungen andererseits, gelingt es Ulrike Loch, den bereits anfänglich gelegten Tenor ihrer Arbeit, nach dem die Kinder psychisch kranker Eltern unter riskanten Bedingungen aufwachsen und gleichwohl nicht als Risikokinder zu bezeichnen sind, durchzuhalten und einer weiteren Stigmatisierung der Kinder entgegenzuwirken.

Gleichzeitig geschieht die detaillierte Rekonstruktion und Reflexion professioneller Handlungssetzungen sowie deren Einordnung in die Lebenswirklichkeit der Eltern und Kinder auf eine Weise, die nicht nur eine Fülle an Reflexionsmomenten für das individuelle, institutionelle und interinstitutionelle Handeln der Fachkräfte bietet, sondern auch den Blick auf Handlungsspielräume und Verbesserungsmöglichkeiten eröffnet.


Rezensentin
Heike Gumz
M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Heike Gumz. Rezension vom 08.07.2015 zu: Ulrike Loch: Kinderschutz mit psychisch kranken Eltern. Ethnografie im Jugendamt. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2014. ISBN 978-3-7799-2995-6.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-7799-3391-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17968.php, Datum des Zugriffs 21.09.2018.


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