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Serge Sulz (Hrsg.): Psychotherapie ist mehr als Wissenschaft

Cover Serge Sulz (Hrsg.): Psychotherapie ist mehr als Wissenschaft. Ist hervorragendes Expertentum durch die Reform gefährdet? Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2014. 416 Seiten. ISBN 978-3-7386-0327-9. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Entstehungshintergrund, Thematik und Anliegen

Auf dem 25. Deutschen Psychotherapeutentag wurde am 15.11.2014 mit 86 Ja- und 38 Nein-Stimmen bei 4 Enthaltungen ein Beschluss zur Reform der Psychotherapeutenausbildung verabschiedet, dessen Kernstücke wie folgt lauten (zitiert nach www.bptk.de/uploads/media):

  • „Ziel ist die zweiphasige wissenschaftliche und berufspraktische Qualifizierung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als Angehörige eines akademischen Heilberufs durch den Erwerb professioneller Kompetenzen, wie sie im Kompetenzprofil für die Berufsausübung im ambulanten und stationären Bereich sowie in Institutionen der komplementären Versorgung beschrieben wurden.
  • Im wissenschaftlichen Hochschulstudium (Qualifizierungsphase I bis einschließlich Masterniveau)erstreckt sich die Qualifizierung über die gesamte Altersspanne (Kinder, Jugendliche und Erwachsene). In dieser Phase sind die vier Grundorientierungen der Psychotherapie (verhaltenstherapeutisch, psychodynamisch, systemisch und humanistisch) mit Strukturqualität zu vermitteln.
  • In der anschließenden Weiterbildung (Qualifizierungsphase II) sind Vertiefungen in wissenschaftlichen Psychotherapieverfahren und -methoden sowie Schwerpunktsetzungen mit vertiefter Qualifizierung für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen bzw. von Erwachsenen einzurichten.
  • Hochschulstudium und zweite Qualifizierungsphase sind aufeinander zu beziehen. Nach dem Studium ist ein Staatsexamen mit Approbation vorzusehen. Die Approbation berechtigt zu Weiterbildungen, deren Abschlüsse insbesondere die Voraussetzung für die eigenständige Behandlung gesetzlich Krankenversicherter (Fachkunde) im ambulanten und im stationären Bereich darstellen.
  • In der Weiterbildung werden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im ambulanten, teilstationären, stationären und komplementären Bereich für eine verbesserte und differenzierte psychotherapeutische Versorgung aller Patientengruppen qualifiziert.
  • Die Weiterbildungsgänge werden über die gesamte Weiterbildungszeit von Weiterbildungsstätten koordiniert und organisiert einschließlich der Theorieanteile, Supervision und Lehrtherapien. Die derzeitigen staatlich anerkannten Ausbildungsstätten werden zu Weiterbildungsstätten übergeleitet, wenn sie die Anforderungen der Weiterbildungsordnung erfüllen. Dabei ist dafür zu sorgen, dass eine ausreichende Zahl an Plätzen zur Sicherung eines hinreichenden psychotherapeutischen Nachwuchses zur Verfügung gestellt wird.“

Die einen sehen im genannten Beschluss einen Durchbruch zu Neuem, die anderen wähnen, damit sei hierzulande das Ende einer Psychotherapie in der Güte, wie in den letzten anderthalb Jahrzehnten entwickelt, eingeläutet. Zu letzteren zählen der Herausgeber des vorliegenden Buches, alle Autor(inn)en des zweiten und wohl einige des ersten Buchteils. Den anderen Standpunkt hat Rainer Richter, derzeit Präsident des Vorstandes der Bundespsychotherapeutenkammer dargelegt: „Mit der geforderten Reform wollen wir die Voraussetzungen für die angemessene wissenschaftliche Ausbildung eines akademischen Heilberufs schaffen. Wir wollen die Qualifizierung so reformieren, dass sie zukünftig, von der Profession gestaltet, allen Bereichen der psychotherapeutischen Versorgung gerecht wird. Und wir wollen schließlich eine angemessene Finanzierung für die Berufstätigkeit während der Weiterbildung ermöglichen.“ (www.bptk.de/aktuell)

Wie entwürdigend schlecht in Deutschland die finanzielle Situation von Psychotherapeut(inn)en (zumindest) während ihrer Ausbildungszeit ist, erfuhr eine breite Öffentlichkeit im Vorfeld des 25. Deutschen Psychotherapeutentages durch Darstellungen in der ZEIT vom 6.11.2014 („Ausgenutzt und alleingelassen“; S. 6). Eben dort (auf S. 5) war denn auch unter dem Titel „Wir brauchen eine bessere Ausbildung“ ein (zusammengefasstes) Manifest der „Jungen Psychotherapeuten und der Psychotherapeuten in Ausbildung in der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung“ veröffentlicht worden. Ihre Klagen sind in den Forderungen des o. g. Beschlusses des 25. Deutschen Psychotherapeutentages aufgehoben, weshalb sie diesen auch umgehend begrüßt haben (http://piaportal.de).

Das redaktionelle Vorwort von Heft 3/2014, dem letzten vor dem 25. Deutschen Psychotherapeutentag erschienen Heft des „Psychotherapeutenjournals“, der Zeitschrift für Mitglieder der Psychotherapeutenkammern, beginnt mit den Worten „Berufsstand – quodis?“, um dann fort zufahren: „Wird es der Profession gelingen, die Diskussionsprozesse in den Kammern wie auch in den Berufs- und Fachverbänden so zu bündeln, dass die für den 25. Deutschen Psychotherapeutentag im November angestrebte Richtungsentscheidung zur Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) getroffen werden kann? Die Zeit drängt, schon längst geht es nicht mehr nur um eine Reform der Ausbildung und ihrer Zugangsvoraussetzungen, sondern um die Weiterentwicklung des Psychotherapeutenberufes angesichts sich wandelnder Anforderungen der Gesundheitsversorgung.“ (S. 249)

Jenen Gruppierungen, denen es nach diesen Worten „nur um eine Reform der Ausbildung und ihrer Zugangsvoraussetzungen“ ging und geht, die aber eine völlige Neugestaltung wie auf dem 25. Deutschen Psychotherapeutentag beschlossen, ablehnen, hatte die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung schon im Vorfeld eine klare Absage erteilt: das seinen offensichtliche Ablenkungsmanöver (www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de). Eine dieser Gruppierungen ist die „Fachgruppe Arbeitsgemeinschaft Zugang und Qualitätssicherung der Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (AZA-KJP)“, einer spezifischen Arbeitsgruppe des European Centre for Clinical Social Work (http://eccsw.eu/about/fachgruppe-aza-kjp.html); in deren Namen hatte Margret Dörr, Professorin am Fachbereich Soziale Arbeit der Katholischen Hochschule Mainz, Anfang November 2014 zu einer entsprechenden Unterstützung (Näheres unter: http://zugang.psychotherapeutenausbildung.org) aufgerufen.

In der Arbeitsgruppe AZA-KJP finden sich Vertreter(innen) der deutschen Sozialen Arbeit, die sich seit Jahren dafür einsetzen, dass Absolvent(inn)en von Studiengängen, die der Sozialen Arbeit und Pädagogik zuzurechnen sind, in Deutschland auch weiterhin die Möglichkeit haben, sich zu Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en weiterzubilden. „Weiterhin“, weil diese Möglichkeit zu „Diplom“-Zeiten (und auch schon vor 1999; vgl. Heekerens, 2009a) selbstverständlich war, seit der Bologna-Reform aber strittig ist. Würden die o. g. Beschlüsse des 25. Deutschen Psychotherapeutentages (Gesetzes-)Wirklichkeit werden, wäre diese Option hinfällig. Nicht, weil es keine auf Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie spezialisierten Psychotherapeut(inn)en mehr gäbe (dazu unten mehr), sondern weil das bisherige Modell der „Eingangs- oder Zugangsberufe“ ersetzt würde durch einen Approbationsstudiengang „Psychotherapie“.

Serge Sulz hat – zu Recht, wie sich am 15.11.2014 zeigte – befürchtet, der 25. Deutsche Psychotherapeutentag könne zur allfälligen Reform der Psychotherapeutenausbildung Beschlüsse fassen, die ihn um die Zukunft der Psychotherapie in Deutschland bangen lassen. Das vorliegende Buch wurde daher von ihm mit einer klaren bildungs- und gesundheitspolitischen Zielsetzung heraus gebracht: „In diesem Buch ist auch keine ausgewogene Mischung kontroverser Standpunkte zu finden. Vielmehr ist es der späte Versuch, bei weit fortgeschrittenen politischen Entscheidungen doch einmal zu Wort zu kommen. Die Gegenseite hat die psychotherapeutische Berufsöffentlichkeit so einseitig mit ihren Darstellungen beliefert, dass sich dieses Buch als eine notwendige und längst fällige Ergänzung versteht – derjenigen, die bislang nicht gehört wurden.“ (S. 9) Das Buch kam spät heraus; den Rezensenten erreichte es erst in der Woche vor dem 25. Deutschen Psychotherapeutentag.

Hat dessen Beschluss die Lektüre des vorliegenden Buches überflüssig gemacht? Mitnichten. Der Beschluss ist, weil der Bundespsychotherapeutentag kein öffentlich-rechtliches Organ ist und seine Beschlüsse keine Rechtsverbindlichkeit haben, eine Willenserklärung. Die wird in der Fachöffentlichkeit und den Gremien der deutschen Psychotherapie sicherlich sehr ernst genommen. Welchen Weg der Beschluss nehmen, wie viel Zeit es dauern und welche Veränderungen er erleben wird, bis ein Gesetz in puncto Reform der Psychotherapeutenausbildung verabschiedet sein wird, weiß heute niemand genau. Da wird noch viel Wasser am Bundestagsgebäude vorbei fließen – und die Spree ist in Berlin von wahrlich ausgesuchter Trägheit. Es ist noch Zeit zum Diskutieren, und es ist doch offensichtlich auch genügend Raum dafür; so jedenfalls lese ich den in letzter Minute ins Buch gebrachten Hinweis (S. 362-364) von Serge Sulz auf ein Papier zur Reform des Psychotherapeutengesetzes, das die Arbeitsgemeinschaft des Länderrates und des Vorstandes der Bundespsychotherapeutenkammer erarbeitet (aber noch nicht veröffentlicht) hat.

Da gibt es noch zwei offene Fragen zur Entstehungsgeschichte des Buches. Die eine betrifft die offensichtliche Verzögerung des Drucks oder der Auslieferung; jedenfalls wurden an dem Buch Interessierte von Verlagsseite schon einige Zeit vor Auslieferung darauf hingewiesen, der Inhalt sei zu Teilen im Internet einzusehen (etwa die beiden ersten Buchbeiträge unter http://cip-medien.com/media und der letzte unter http://cip-medien.com/media/Direktausbildung).

Eine zweite Frage ist die, ob das Buch nicht unter einem anderen Titel hätte erscheinen sollen, oder aber der erste Teil gesondert vor dem zweiten (Näheres s. unter „Aufbau und Inhalt“) unter einem anderen Titel. Zu solchen Fragen Anlass geben verschiedene Indizien, wie etwa folgendes: Da geben Serge Sulz und Miriam Sichart-Hebing in einem Beitrag des zweiten Buchteils („Kann die Psychotherapie-Ausbildung ein Direkt-Universitätsstudium werden?“) auf S. 253 als Quelle „Fliegel 2014“ an, die im Literaturverzeichnis des Artikels mit der bibliographischen Angabe „Direktausbildung Psychotherapie – ein Weg mit fatalen Konsequenzen. In: Sulz S. (Hrsg.): Zukunft der Psychotherapie ohne Direktausbildung. München: CIP-Medien“ ausgewiesen ist. Es ist nur so: Ein Buch solchen Titels ist nicht ermittelbar, und der genannte Aufsatz findet sich im ersten Teil des vorliegenden Buches.

Herausgeber

Der Mediziner und Psychologe Serge Sulz (ausf.: www.serge-sulz.de), Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Facharzt mit der Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“, Psychologischer Psychotherapeut und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, sich immer wieder souverän über „(therapie-)schulische“ Grenzen hinweg setzend, hat mit dem „Centrum für Integrative Psychotherapie“ (CIP) und der ihm angeschlossenen Akademie wie Verlag, eines der bedeutendsten deutschen Zentren für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Psychotherapie geschaffen, und sein Name ist als (Mit-)Autor wie (Mit-)Herausgeber mehrerer Bücher zur Psychotherapie bekannt.

Aufbau

Das Buch beinhaltet nach dem (im Inhaltsverzeichnis nicht aufgeführten) Vorwort des Herausgebers, in dem er die Funktion des Buches als einer Streitschrift (nicht sein Ausdruck) aus gegebenem Anlass erläutert und eine kurze Inhaltbeschreibung gibt, aus zwei Teilen mit insgesamt 16 Kapiteln, denen ein Anhang folgt, in dem – aus Gründen, die dem Rezensenten verborgen bleiben – das Psychotherapeutengesetz von 1998, die Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Psychologische Psychotherapeuten von 1998 sowie auszugsweise die bayerischen Bestimmungen in Fassungen von 2006 über die fachärztlichen Weiterbildungen in Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie enthalten sind. Am Ende findet sich ein (im Inhaltsverzeichnis nicht erwähntes) Autorenverzeichnis (Steffi Nodop fehlt dort). Zwischen dem Ende des zweiten Buchteils und dem Anhang findet sich eine von Serge Sulz stammende und auf den 10. Oktober datierte Ergänzung aus aktuellem Anlass.

Das Buch besteht aus zwei Teilen mit insgesamt 16 Buchbeiträgen, die in sich abgeschlossen sind und ihr je eigenes Literaturverzeichnis (teilweise mit Lücken) haben.

Zu Teil I Psychotherapie und Wissenschaft

1. Wie Psychotherapie-Ausbildung sein sollte. Rainer Sachse, Jana Fasbender und Philipp Hammelstein skizzieren auf Basis von Ergebnisse der Expertise-Forschung, was Psychotherapeut(inn)en als Expert(inn)en ausmacht bzw. ausmachen sollte.

2. Empirische Fundierung von Psychotherapie: Grundlegende Paradigmen (Rainer Sachse, Philipp Hammelstein und Janine Breil). Die Charakteristika der Paradigmen EST (Empirically Supported Treatments) und EBP (Evidence Based Practice) werden vergleichend dargestellt und ihre Vor- und Nachteile gegen einander abgewogen.

3. Ein Vierteljahrhundert bis zum Psychotherapeutengesetz – und die 15 Jahre danach. Benedikt Waldherr beschreibt die Entwicklungsgeschichte der deutschen Psychotherapie bis zum Zwischenbericht der Psychiatrie-Enquete 1973, das darauf folgende Vierteljahrhundert bis zur Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes 1998 und die Jahre seither.

4. Zusammenfassung der Ergebnisse des Forschungsgutachtens (Christine Amrhein). Das „Forschungsgutachten zur Ausbildung von Psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen“ von 2009 ist einzusehen unter: www.bundesgesundheitsministerium.de.

5. Direktausbildung Psychotherapie – Ein Weg mit fatalen Konsequenzen. Steffen Fliegel legt detailliert dar, mit welchen Konsequenzen die Einrichtung eines Approbationsstudiums Psychotherapie verbunden wäre und weshalb er diese in aller Regel als nachteilig bewertet.

6. Qualitätsverlust? Die Ausbildungsdiskussion vier Jahre nach dem Forschungsgutachten

Bernhard Strauß und Steffi Nodop stellen (noch einmal; s. o. Kap. 4) die zentralen Ergebnisse des „Forschungsgutachtens“ vor und berichten (auf dem Kenntnisstand von 2012) von der anschließenden Diskussion

7. Das Kuckucksei. Über das pharmakologische Modell in der Psychotherapie-Forschung. Grundlegende wissenschaftstheoretische und -methodische Ausführungen von Dirk Revenstorf, die er im Wesentlichen schon 2005 in einem „Psychotherapie“-Artikel dargelegt hat.

8. Wie evident ist die Evidenzbasierung? Die schon früher an anderen Orten vorgebrachten Überlegungen von Jürgen Kriz münden in der Feststellung: „Insgesamt gesehen ist das Ausmaß an methodischem Unverständnis und faktischem Missbrauch der guten Ideen von ‚Evidenzbasierung‘ gerade auch von einflussreichen Gremien wie dem G-BA derart gravierend, dass EbM daher für die Bewertung von Psychotherapie sehr kritisch gesehen werden muss.“ (S. 182; G-BA: Gemeinsamer Bundesausschuss; EbM: Evidenzbasierte Medizin)

9. Wissenschaftsdiskussion vor Reformdiskussion: Psychotherapie ist mehr als Wissenschaft. In diesem letzten Beitrag zum ersten Buchteil verfolgt Serge Sulz folgendes Anliegen: „Hier soll geprüft werden, ob zwei gegenwärtig mit großer Macht verfolgte Tendenzen hilfreich sind, um die Profession der PsychotherapeutIn und ihre Identität zu wahren und auszubauen. Die eine Tendenz besteht darin, Psychotherapie zum Universitätsstudium zu machen und sie damit der Wissenschaft gleichzusetzen. Die zweite Tendenz besteht darin, die psychologische PsychotherapeutIn zur FachärztIn zu machen.“ (S. 186-187)

Zu Teil 2 Wird die Psychotherapie der Emanzipation der psychologischen Psychotherapeuten geopfert?

10 Psychotherapie-Definition, Berufsbild und Kompetenzprofil – Der Teufel liegt im Detail. Serge Sulz entwickelt hier eine seiner zentralen Thesen, „dass eine basale Direktausbildung nicht realisierbar ist und auf keinen Fall sofort nach dem Studium eine Approbation erteilt werden kann“ (S. 243):

11 Kann die Psychotherapie-Ausbildung ein Direkt-Universitätsstudium werden?Serge Sulz verneint die Frage (natürlich), stellt der „basalen Direktausbildung“ (Universitätsstudium) eine „duale Direktausbildung“ (postgraduiert in Institut) vergleichend gegenüber und benennt die drei großen „Player“ in der derzeitigen Auseinandersetzung um eine Reform der Psychotherapieausbildung, von denen das Bundesgesundheitsministerium, das schon seit Langem und am längsten einen Approbationsstudiengang Psychotherapie favorisiert, (noch) zu wenig im Blickfeld der Öffentlichkeit ist.

12 Weshalb Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie als Beruf mit eigenständiger Approbation nicht abgeschafft werden darf. Serge Sulz und Annette Richter-Benedikt begründen ihre doppelte Befürchtung, die Abschaffung einer gesonderten Approbation für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie könne zum einen deren Qualifikationsniveau absenken als auch deren wissenschaftliche Weiterentwicklung hemmen.

13 Wieso das Facharztweiterbildungsmodell ungeeignet für die Psychotherapeuten-Ausbildung ist (Serge Sulz und Anette Hoenes). Es wird dargelegt, dass die (auch erst zehn Jahre alte) Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, wie sie in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken durchgeführt wird, kein Modell für die Ausbildung von Psychologischen Psychotherapeuten sein könne.

14 Weiterbildung nach der dualen Direktausbildung in Psychotherapie. Ein Konzept zur Gestaltung der Zukunft der Psychotherapie (Serge Sulz). Kern des Beitrags ist die (wiederholte; s. o. Kap. 11) vergleichende Darstellung zwischen „basaler Direktausbildung“ (Approbationsstudiengang Psychotherapie) und „dualer Direktausbildung“ (postgraduiert in Institut).

15 Medizinische Psychotherapie als neuer medizinischer Beruf (Serge Sulz und Stephanie Backmund-Abedinpour). Skizziert wird das Ausbildungsmodell eines neuen möglichen Berufes: des Medizinischen Psychotherapeuten als einer bedeutsamen Alternative sowohl zum Psychologischen Psychotherapeuten als auch zum in psychomedizinischen Bereichen weiter gebildeten Arzt.

16 Kleine Reform für eine große Zukunft der Psychotherapeutenausbildung incl. PiA-Bezahlung (Serge Sulz). Es wird (noch einmal und abschließend) dargelegt, weshalb die – vom „Forschungsgutachten“ -geforderte kleine („minimalinvasive“) Reform der Ausbildung und ihrer Zugangsvoraussetzungen – und nur sie! – hierzulande die Zukunft der Psychotherapie im Allgemeinen und die der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie im Besonderen gewährleisten könne.

Diskussion

Das Buch enthält viel Material, das in die derzeitige und künftige Diskussion um die psychotherapeutische Ausbildung in Deutschland eingebracht werden kann und sollte. Was man vermisst, ist ein Blick über die Landesgrenzen; ein Vergleich mit den Ausbildungsmöglichkeiten und -richtlinien in etwa einerseits den USA, Canada und dem Vereinigten Königreich bzw. Österreich andererseits würde die derzeitige deutsche Diskussion etwas weltläufiger daher kommen lassen.

Vieles – vor allem im 1. Teil – ist seit Längerem den an Psychotherapie vertiefter Interessierten bekannt; das bedeutet aber nicht, dass das mitunter schon seit geraumer Zeit Vorgetragene veraltet wäre. Es gibt in dem Buch – vor allem im 2. Teil – viele Redundanzen und manches ist mit speziellem Blick auf den 15.11. 2014 geschrieben; das bringt aber nicht zwangsläufig mit sich, die angesprochenen Themen seien nicht mehr aktuell. Denn zunächst einmal steht bis zur Verabschiedung eines (Veränderungs-)Gesetzes in Sachen „Psychotherapie“ ein langer Prozess, dessen Verlauf und Ergebnis ungewiss ist und durch (auch) in diesem Buch vorgetragene Argumente bedeutsam beeinflusst werden könnte. Und zum anderen verlieren die Anfragen und Bedenken hinsichtlich des Projekts „Approbationsstudiengang Psychotherapie“ ja nicht einfach dadurch ihre Bedeutung und Gültigkeit, dass eine gesetzliche Regelung im Sinne des Beschlusses des 25. Psychotherapeutentages getroffen werden würde.

Das Buch gibt reichlich Anlass zu Nachfrage und Kritik. Nicht nur dort, wo Thesen ausgebreitet und Forderungen erhoben werden, sondern auch da, wo scheinbar neutral und objektiv über Entwicklungen und Sachverhalte berichtet wird. Ich will mich in Nachfrage und Kritik hier auf einen einzigen Punkt konzentrieren, der dem Herausgeber und mir gleichermaßen am Herzen liegt: die Zukunft der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Die sah Serge Sulz schon vor dem 15.11.2014 so sehr gefährdet, dass zu seiner Rettung die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Familientherapie (dgkjpf, 1. Vizepräsident: Serge Sulz; http://dgkjpf.de) (mit) initiiert wurde (vgl. S. 346 in diesem Buch).

Nachdem der 25. Psychotherapeutentag seinen oben auszugsweise referierten Beschluss gefasst hatte, meldete sich Serge Sulz auf seiner Homepage umgehend wie folgt zu Wort: „Leider hat der 25. DPT keine Rücksicht auf die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie genommen. Er hat sich für die Direktausbildung entschieden und damit die hoch qualifizierte Ausbildung und Patientenversorgung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie preisgegeben. Diese geht endgültig verloren.“ (http://www.serge-sulz.de/).

Halten wir zunächst einmal fest, was von dem Beschluss des 25. Psychotherapeutentags die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie berührt: 1. Im wissenschaftlichen Hochschulstudium (Qualifizierungsphase I bis einschließlich Masterniveau) erstreckt sich die Qualifizierung über die gesamte Altersspanne (Kinder, Jugendliche und Erwachsene), 2. in der anschließenden Weiterbildung (Qualifizierungsphase II) sind Schwerpunktsetzungen mit vertiefter Qualifizierung für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen bzw. von Erwachsenen einzurichten, 3. die Weiterbildungsgänge werden über die gesamte Weiterbildungszeit von Weiterbildungsstätten koordiniert und organisiert; zu solchen Weiterbildungsstätten werden die derzeitigen staatlich anerkannten Ausbildungsstätten übergeleitet, wenn sie die Anforderungen der Weiterbildungsordnung erfüllen. Wie soll man angesichts dessen die o. g. Schulzsche Aussage werten? Reine Panikmache?

Würde der Beschluss des 25. Deutschen Psychotherapeutentages Gesetzeswirklichkeit, gäbe es sicherlich Veränderungen in zwei Punkten. Unterstellt, der Zugang zum Approbationsstudiengang „Psychotherapie“ setzte die Allgemeine Hochschulreife und einen so strengen Numerus clausus wie derzeit das Psychologiestudium (beides sind realistische Annahmen), so bliebe Menschen, die eine der beiden Voraussetzungen nicht erfüllen, künftig die Möglichkeit versperrt (es sei denn, sie könnten oder wollten den Weg über ein Studium der Humanmedizin oder die Heilpraktikerprüfung einschlagen). Das ist die eine zu erwartende Veränderung, und die zweite hängt eng damit zusammen. Der Anteil derer, die bei vertiefter Qualifizierung für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen die psychodynamische Grundorientierung wählen, wird sinken; die wird in der derzeitigen Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie nämlich – aus Gründen, die noch weitgehend unerforscht sind – besonders von den (Sozial-)Pädagoginnen gewählt. Dass eine der beiden Veränderungen oder beide zusammen aber zwangsläufig eine Verschlechterung für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit sich brächte, ist nicht ausgemacht; im vorliegenden Buch wird Dergleichen jedenfalls nicht einmal glaubhaft gemacht.

Bei alledem ist unterstellt, dass die im deutschen Gesundheitssystem für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bereitgestellte (Wo-)Manpower auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie durch eine mögliche Gesetzesänderung nicht verringert wird. Hier eine klare Prognose zu treffen, dürfte niemandem möglich sein. So viel aber kann man jetzt schon sagen: Besagte (Wo-)Manpower hängt nicht nur, ja wohl noch nicht einmal vorrangig ab von der Anzahl derer, die die Fachkunde auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie haben, sondern auch davon, wie viele Zulassungen es gibt (viel weniger jedenfalls, als nachgefragt werden) und wie viele der mit einer Zulassung verbundenen möglichen Behandlungsstunden denn auch tatsächlich realisiert werden („viel zu wenige“ sagen Kritiker).

Serge Sulz hatte schon vor dem 15.11.2014 “10 Gründe, weshalb ein Direktstudium an der Universität die Zukunft der Psychotherapie beschädigt“ (http://www.serge-sulz.de/Hintergrundwissen/) genannt, von denen man zwei für das Gebiet der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie als „einschlägige Begründungen“ bewerten kann:

„7. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist kein Teilgebiet der Psychologie, die sich nie groß um sie gekümmert hat – und jetzt auf einmal?

8. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie entspringt ebenso der Pädagogik, Sozialpädagogik und Medizin.“

Dass die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie kein Teilgebiet der Psychologie – aber auch kein Teilgebiet irgendeiner anderen akademischen Disziplin! – ist, weiß jede(r) halbwegs Informierte(r); was also will uns Serge Sulz eigentlich sagen? Etwa, dass sich um die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie die deutsche und internationale Klinische Psychologie wenig bis gar nicht gekümmert habe? Dies wäre ein grobes Fehlurteil. Seit, ich beschränke mich auf (die Bundesrepublik) Deutschland, es hierzulande Klinische Psychologie gibt, war dort die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie vertreten - auch durch Universitätsprofessor(inn)en. Anfangs spielte die klientenzentrierte Ausrichtung eine Rolle, zunehmend mehr aber die verhaltenstherapeutische. Wenn das „Forschungsgutachten“ feststellt, die Hälfte aller Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en seien verhaltenstherapeutisch weiter gebildet (die Angabe wäre heute eher nach oben zu korrigieren), dann fragt man sich doch, wer, wenn nicht die Klinische Psychologie, die verhaltenstherapeutische Kinder- und Jugendlichentherapie in diesem Lande voran gebracht hätte.

Wenn Serge Sulz meinen sollte, der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie käme im Ganzen der Klinischen Psychologie nicht die Bedeutung zu, die ihr angemessen wäre, so stimme ich ihm darin zu. Auch ich wünsche mir eine bildungs-, gesundheits- und sozialpolitische Aufwertung der psychotherapeutischen Arbeit bei psychischen und Verhaltens-Störungen im Kindes- und Jugendalter. Nur muss man ernsthaft fragen, ob man im vorliegenden Zusammenhang gerade der Klinischen Psychologie den Schwarzen Peter zuschieben kann. Auf dem Feld der Psychiatrie sehen wir doch ebenfalls ein deutliches Ungleichgewicht von Erwachsenen- und Kinder-/Jugendpsychiatrie. Und hat(te) denn – um mal auf die Grundorientierungen zu schauen – die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in der Psychoanalyse eine größere Bedeutung als in der Verhaltenstherapie?

Was die Aussage „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie entspringt ebenso der Pädagogik, Sozialpädagogik und Medizin“ anbelangt, so weiß man nicht so recht, ob sie eine historische oder eine systematische (oder beides) sein will. Was die Historie anbelangt, so kann ich im Großen und Ganzen zustimmen (vgl. Heekerens, 2009a). Und was die Systematik anbelangt: Sollte der Hinweis bedeuten, man müsse bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen die Konzeption eines bio-psycho-sozialen Grundmodells möglicherweise noch ernster nehmen als bei Erwachsenen, so findet das meine volle Unterstützung. Sollte mit Blick auf „Medizin“ ferner gemeint sein, ein gediegenes Maß an kinder- und jugendpsychiatrischem Wissen und Können – etwa die souveräne Handhabung des „Multiaxialen Klassifikationssystems“ – würde der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie gut tun, so stimme ich zu.

Und was nun das „Sozial(pädagogische)“ betrifft. Ja, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en sollten über ein gewisses Maß an (sozial-)pädagogischer Kompetenz verfügen. Und das nicht nur im Umgang mit den kindlichen / jugendlichen Klient(inn)en, sondern auch bei der Arbeit mit deren Bezugspersonen. Nur lässt es die deutsche Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie gerade eben daran mangeln: Sie schöpft, so meine wohl begründete These, die sich in empirischen Erhebungen bestätigen dürfte, den ihr möglichen Rahmen für bezahlte Arbeit mit Bezugspersonen nicht aus, wohl noch nicht einmal zur Hälfte. Hier wäre Einiges zu verbessern; insbesondere wäre die Kompetenz in und die Bereitschaft für – auch (sozial-)pädagogische fundierte – Arbeit mit Bezugspersonen und Familien zu fördern.

Die Vorstellung aber, durch den Zustrom von Sozialpädagogen – und eben nur dadurch - würde „das Soziale“ in die Psychotherapie befördert (das einzige Rationale, das ich hinter dem Bemühen der AZA-KJP-Initiative sehen kann), darf man getrost unter „Illusionen“ ablegen. Wer je mit einer hinreichend großen Menge von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en (in Ausbildung oder mit Ausbildung) mit der Zugangsqualifikation Sozialpädagogik und/oder Sozialarbeit in vertrauensvoller Atmosphäre hat sprechen können, muss zu der Überzeugung gelangt sein, an den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en mit solcher Eingangsqualifikation sei an dem Früheren soviel sichtbar ist wie an einem Schmetterling von einer Raupe, der sie einst entschlüpfte. Maria Ohling hat in ihrem unlängst erschienenen Buch „Soziale Arbeit und Psychotherapie“ (2015) auf der Basis vieler einschlägiger Interviews deutlich gezeigt, dass Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en (in oder mit Ausbildung) mit Zugangsberuf Sozialarbeit / Sozialpädagogik mit dem „Sozial(arbeiterisch)en“ nichts (mehr) am Hut haben und selbst mit dem „Pädagogischen“ nichts mehr zu tun haben wollen. Beides gehöre nicht ihrer Identität, die sie nur durch das „Psychotherapeutische“ – und zwar ein von jeglicher sozialarbeiterischen / -pädagogischen Bemischung freies – gewährleistet sehen.

Aber immerhin: Die heutigen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en betreiben Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie mit Herzblut, denn sie haben sich eben dieses und kein anderes Handlungsfeld ausgesucht. Ja, in all meinen Ausbildungs- und Berufsjahren bin ich seit Psychagog(inn)en-Zeiten vielen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en begegnet, deren Herz voll und ganz für die Sache der Kinder und Jugendlichen schlug. Nur: Warum soll es denn solche Menschen in Zeiten eines möglichen Approbationsstudiengangs „Psychotherapie“ denn nicht mehr geben? Und: Man sollte in diesem Punkte die derzeitigen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en nicht glorifizieren. Nur von deren Minderheit können wir sagen, sie habe sich bewusst für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie entschieden; die Mehrheit hatte ja gar keine andere Wahl. Ferner: Lautet nicht eine der dringlichsten Forderungen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, dass sie auch / auch sie Erwachsenenpsychotherapie betreiben dürfen? Nein, dass nur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie als Beruf mit eigenständiger Approbation der Garant für die richtige Gesinnung sei, will man nicht so recht glauben.

Sollte der Beschluss des 25. Psychotherapeutentages Gesetzeswirklichkeit werden, würden in Masterstudiengängen für Klinische Sozialarbeit keine Studierenden mehr zu finden sein, die nur dort sind, weil sie die Eintrittskarte für die Weiterbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie erwerben wollen. In deren Fehlen kann ich keinen Verlust für die Klinische Sozialarbeit sehen. Wie man psychotherapeutisches Wissen und Können in Soziale Arbeit so integriert, dass deren Integrität nicht nur nicht in Frage gestellt ist, sondern auf dem Gebiet der (Sozialen) Einzelfallhilfe ihr besonderes Gepräge erhellt, kann man am historischen Beispiel der Functional School des Social Case Work studieren (vgl. Heekerens, 2014; Müller, 2012). Und die „Aufsuchende Familientherapie“ (vgl. Heekerens, 2012) könnte der hiesigen Klinischen Sozialarbeit als Beispiel dafür dienen, wie man mit hoher psychotherapeutischer Kompetenz gesellschaftliche Aufgaben, deren Bewältigung in den Aufgabenbereich des SGB VIII fällt, erfolgreich angehen kann. Und nur eine Klinische Sozialarbeit, die sich zuvörderst als „Sozialarbeit“ versteht, kann solche Arbeit mit einer „hard to reach„-Klientel zustande bringen. Schließlich: Die Klinische Sozialarbeit könnte sich auf (gesundheits-)politischem Felde einsetzen für Sonderzulassungen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Dort erreicht die psychische Not die Qualität von „Elend“, kinder- und jugendpsychotherapeutische Hilfe ist aber (nicht nur räumlich) fern (vgl. Heekerens, 2009b).

Fazit

Das Buch ist allen zur Lektüre zu empfehlen, die am Fortgang der Psychotherapie als Disziplin und Profession in Deutschland interessiert sind. Interessiert daran sollten aus dem Bereich der Sozialen Arbeit zumindest diejenigen sein, die mit dem Projekt „Klinische Sozialarbeit“ befasst sind.

Quellennachweis

  • Heekerens, H.-P. (2009a). Der Beruf der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin – ein Abriss seiner Geschichte. Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen – Zeitschrift für die psychosoziale Praxis, 5, 85-97.
  • Heekerens, H.-P. (2009b). Das Elend der Heimkinder. Unsere Jugend, 61, 477-489.
  • Heekerens, H.-P. (2012). Aufsuchende familienbezogene Vorgehensweisen und Gemeindepsychologie - historische und systematische Betrachtungen. Forum Gemeindepsychologie, 2012, 17(1) (www.gemeindepsychologie.de).
  • Heekerens, H.-P. (2014). Rezension vom 08.08.2014 zu Müller, B. (2012). Professionell helfen. Ibbenbüren: Münstermann. Socialnet Rezensionen (www.socialnet.de/rezensionen/17368.php).
  • Müller, B. (2012). Professionell helfen. Ibbenbüren: Münstermann.
  • Ohling, M. (2015). Soziale Arbeit und Psychotherapie. Weinheim – Basel: Beltz Juventa.

Rezensent
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 28.11.2014 zu: Serge Sulz (Hrsg.): Psychotherapie ist mehr als Wissenschaft. Ist hervorragendes Expertentum durch die Reform gefährdet? Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2014. ISBN 978-3-7386-0327-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/17976.php, Datum des Zugriffs 18.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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