Hans-Joachim Laewen, Detlef Diskowski: [...]Erwachsene () im Selbstbildungsprozess der Kinder
Rezensiert von Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner, 26.03.2015
Hans-Joachim Laewen, Detlef Diskowski: Kamingespräch "Die Rolle des Erwachsenen im Selbstbildungsprozess der Kinder”. AV1 Pädagogik-Filme (Kaufungen) 2014. 22,00 EUR.
DVD, 7 einzeln anwählbare Kapitel, 55 Minuten. Kauf über http://www.av1-shop.de/detail/index/sArticle/353.
Entstehungshintergrund
Das Gespräch wurde am 29. September 2014 während der Tagung „Forscherdialoge“ in Blossin geführt.
Gesprächsteilnehmer
Hans-Joachim Laewen ist Soziologe und Mitbegründer des Instituts für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e.V. (INFANS).
Detlev Diskowski ist Leiter des Referats „Kindertagesbetreuung, familienunterstützende Angebote, Betriebserlaubnis für Kindertageseinrichtungen, Kinder- und Jugendhilferecht“ im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg
Thema
Das Infans-Konzept der Frühpädagogik ist in vielen Kindertageseinrichtungen in Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz die Grundlage für die pädagogische Arbeit.
Aufbau und Inhalt
Im ersten Teil wird Hans-Joachim Laewen von Detlev Diskowski vorgestellt und ein Ausblick auf das Gespräch gegeben.
Diskowski gibt das Stichwort „Themen der Kinder, Fragen der Kinder“. Laewen führt aus, dass Kindertageseinrichtungen einen breiten Erfahrungsraum zur Verfügung stellen müssen. Die Einführung wissenschaftlicher Experimente per se bringe wenig; es müssen Fragen auftauchen oder entwickelt werden, erst dann zu deren Beantwortung sind Experimente sinnvoll. Erziehungspersonen sollen die Entwicklung von Interessen beobachten, sie eventuell umformulieren und erkennen, was hinter dem Interesse steckt (erläutert wird dies am Beispiel eines fünfjährigen Jungen, dessen Interesse für Ritter und Rennfahrer sein Bedürfnis ausdrückt, zu erfahren, was ein richtiger Mann ist). Erst die kindliche Reaktion auf Angebote jedoch zeigt, ob die Interpretation richtig war.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs geht Laewen darauf ein, dass die Entwicklung eines Konzepts für die Autoren eine große Verantwortung bringt; es sollte begründet sein, kann aber auch Fehler enthalten. Das Infans-Konzept verändert Einrichtungen; trotzdem arbeiten mittlerweile in Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz ca. 2000 Einrichtungen nach diesem Konzept.
Aus dem Publikum meldet sich Anna Winner und es wird das Thema Bindung – Emotionalität, Unterschied Mutter und Erzieherin diskutiert.
Im Folgenden erläutert Laewen die Rolle der Erwachsenen im Bildungsprozess in der Kindertagesstätte und fragt, was braucht das Kind zur Unterstützung. Es werden Ziele und Konzepte gebraucht um Lernsituationen zu schaffen (Partizipation wie in der Familie reicht nicht). Wie können Ziele operationalisiert und handhabbar gemacht werden? Wichtig sind dabei bewusste Teamprozesse.
Laewen kritisiert, dass häufig zu wenig Zeit für Reflexion, Erarbeitung von Konzepten, Zielen etc. zur Verfügung steht. Es würde sich lohnen, finanzielle Mittel dafür zur Verfügung zu stellen.
Anna Winner spricht den vermeintlichen Widerspruch von Individualisierung und Gruppenbeziehung an. Laewen erwidert, dass die Arbeit mit dem Infans-Konzept nicht egoistische Individuen hervorbringe, sondern sozial hochkompetente Kinder, weil sie Würdigung erfahren und beachtet werden.
Laewen geht auf die Risiken der Krippenbetreuung ein, die durch sorgfältige Arbeit aber vermieden werden können. Krippe kann richtig und gut sein, braucht aber höchste Qualität. Zentrales Qualitätskriterium ist u.a., dass das Team gut kooperiert.
Zur Sicherung der Qualität wird angeregt, einen Fachverband für die Vertretung der inhaltlichen Fragen zu gründen.
Abschließend geht Laewen auf Nachfrage aus dem Publikum (Salman Ansari) auf die Bedeutung der Bindung (sensu Ainsworth) bei den Eingewöhnungsverläufen ein.
Diskussion
Das Infans-Konzept ist in Kindertagesstätten in Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz eingeführt. In mehreren Studien konnte die Wirksamkeit des Konzepts belegt werden.
Es ist interessant, zwei Wegbegleiter des Konzepts in einem lockeren Gespräch zu erleben. Es gibt Eindrücke über die Denkweise der beiden Protagonisten. Das Gespräch sollte dem kritischen Resümee des ersten Tagungstages dienen. Es schien zwar Vorabsprachen über die Themen des Gesprächs gegeben zu haben, diesem wurde aber nicht allzu streng Folge geleistet.
Zielgruppen
Pädagoginnen und Pädagogen.
Fazit
Ein lockeres „Kamingespräch“ am Ende eines arbeitsreichen Tages.
Rezension von
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
ehem. Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen in Dorfen, Erding und Markt Schwaben im Einrichtungsverbund Steinhöring
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