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Wolfgang George (Hrsg.): Sterben in stationären Pflegeeinrichtungen

Cover Wolfgang George (Hrsg.): Sterben in stationären Pflegeeinrichtungen. Situationsbeschreibung, Zusammenhänge, Empfehlungen. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2014. 250 Seiten. ISBN 978-3-8379-2430-5. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 41,90 sFr.
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Thema

Zum Themenkomplex von Sterben und Tod gibt es inzwischen zahlreiche Veröffentlichungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Der vorliegende Band lenkt die Aufmerksamkeit auf das Sterben in stationären Pflegeeinrichtungen, denn dies sind die Orte, wo die meisten Menschen ihr Leben beenden. Dieses Buch knüpft inhaltlich an den Band „Sterben im Krankenhaus (2013)“ an, der ebenfalls von Wolfgang George herausgegeben wurde, erweitert die dort vorgelegten Erkenntnisse hier um die Perspektive der stationären Pflegeeinrichtungen der Altenpflege mit ihren Spezifika.

Angesichts der zahlreichen Kapitel (23) und der Summe der beteiligten AutorInnen (35) ist diese Rezension mit den Angaben zu den AutorInnen und kurzen Kommentaren zu jedem Kapitel länger als üblich. Wer sich vor allem über geeignete Zielgruppen des Bandes und die Diskussion informieren möchte, kann direkt zu diesen Punkten „springen“.

Herausgeber

Wolfgang George ist Honorarprofessor an der technischen Hochschule Mittelhessen, Dipl.-Psych. und Krankenpfleger. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Versorgungsforschung und Beratung, Sterbebedingungen in klinischen Einrichtungen, Qualitätsmanagement, Gesundheitsversorgung und Fortbildung.

AutorInnen

  • Stefanie Becker ist Psychologin und Gerontologin sowie Leiterin des Instituts Alter der Berner Fachhochschule. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Lebensqualität und Demenz sowie Personalentwicklung in Gesundheitsberufen.
  • Karl Bitschnau ist Sozialarbeiter, Leiter des Hospizes Vorarlberg und Fachbereichsleiter der Caritas der Diözese Feldkirch. Seine Arbeitsschwerpunkte betreffen Hospizkultur und Palliative Care im Pflegeheim.
  • Kathrin Engel ist Professorin für Pflegewissenschaft an der Evangelischen Hochschule Dresden und Krankenschwester. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Qualitätsmanagement und Theorie-Praxis-Transfer in der Langzeitversorgung.
  • Feline Engling-Cardoso arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei einem Unternehmen im sozialpolitischen Bereich. Ihre Arbeitsschwerpunkte betreffen Sterbebedingungen und End-of-Life-Care in Irland.
  • Friedemann Ernst ist Internist, Allgemeinmediziner und Sozialmediziner sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kompetenz-Zentrums Geriatrie des GKV Spitzenverbandes. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Entwicklung von Versorgungsstrukturen und der Begutachtung.
  • Claus Fussek ist Dipl.-Soz.-Päd., tätig im Leitungsteam der Vereinigung Integrations-Förderung e.V. (VIF) und Pflegeexperte. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Öffentlichkeitsarbeit und Engagement für humane Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Pflege.
  • Wolfgang George ist Professor für Qualitätsmanagement und Marketing an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Seine Arbeitsschwerpunkte betreffen die Bereiche Versorgungsforschung, Management im Gesundheitswesen, regionale Gesundheitsversorgung, Sterben in Einrichtungen des Gesundheitswesens und Beratung.
  • Gerda Graf ist Pflegemanagerin und Geschäftsführerin der Wohnanlage Sophienhof gGmbH in Niederzier, Organisationsberaterin, Expertin für Palliative Care und Ehrenvorsitzende des DHPV. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Palliative Care und Hospizarbeit.
  • Reimer Gronemeyer ist emeritierter Professor für Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Alter und Gesellschaft sowie Modernisierungsprozesse religiöser und sozialer Institutionen,
  • Trutz Haase ist unabhängiger Sozial- und Wirtschaftsberater und Fachreferent im irischen Gesundheits- und Sozialwesen. In seinen Arbeitsschwerpunkten befasst er sich mit Armut, Ungleichheit und Gesundheit.
  • Katharina Heimerl ist promovierte Medizinerin und Gesundheitswissenschaftlerin, Leiterin des Institutes für Palliative Care und Organisationsethik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Ihre Arbeitsschwerpunkte betreffen partizipative Forschung in Palliative Care, Palliative Care und Organisationsentwicklung.
  • Jürgen Howe ist Professor für Geronto-Psychologie an der Universität Braunschweig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Betriebliches Gesundheitsmanagement, Mobilität und Alter sowie klinische Versorgung bei Demenz.
  • Giovanna Jenni ist Pflege- und Gesundheitsexpertin im Betagtenzentrum Laupen (CH). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Gerontologie und Palliative Care im Pflegeheim.
  • Cathrin Kliemt ist Dipl.-Psych. und psychologische Psychotherapeutin. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Gerontopsychologie.
  • Marina Kojer ist Ärztin, Psychologin, Fachärztin für Geriatrie und Honorarprofessorin an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Palliativarbeit in der Geriatrie mit dem Schwerpunkt Demenz.
  • Frieder Lang ist Dipl.-Psych., Leiter des Institutes für Psychogerontologie (IPG) und Professor für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Arbeitsschwerpunkte beziehen sich auf Entscheidungen am Lebensende, Vorsorgehandeln und Motivation.
  • Karl-Josef Laumann ist gelernter Maschinenschlosser, Fraktionsvorsitzender der CDU Fraktion im Landtag NRW, Staatssekretär, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigter für Pflege.
  • Norbert Lübke ist Internist, Geriater und Sozialmediziner, Leiter des Kompetenzzentrums Geriatrie des GKV-Spitzenverbandes und der Medizinischen Dienste beim MDK. Seine Arbeitsschwerpunkte betreffen Weiterentwicklung, Qualitätssicherung, Evidenzbasierung und Versorgungskonzepte für alte Menschen.
  • Kieran McKeown ist promovierter Wirtschafts- und Sozialberater und Fachreferent im irischen Bildungs- und Familienministerium. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. End-of-Life-Care, Wellbeing von Kindern und mentale Gesundheit.
  • Friedhelm Menzel ist Pfarrer, Vorstandsmitglied im Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege e.V., Vorsitzender des Fachausschusses Stationäre Altenhilfe. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich von Organisationsentwicklung von Pflege- und Hospizeinrichtungen, Palliative Care und Spiritual Care.
  • Dirk Müller ist Altenpfleger, MAS in Palliative Care, Vorstandsmitglied im Deutschen Hospiz- und Palliativverband e.V., Projektleiter Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Bildung und Organisationsentwicklung, Projektmanagement und Fundraising.
  • Friedemann Nauck ist Professor für Palliativmedizin an der Georg-August-Universität Göttingen, Direktor der Klinik für Palliativmedizin, Vorstandsmitglied des klinischen Ethikkomitees. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Versorgungsforschung am Lebensende, Symptomkontrolle, ethische und rechtliche Fragestellungen.
  • Andrea Newerla, Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ihre Arbeitsschwerpunkte betreffen Soziologie des Alter(n)s, Demenz und qualitative Sozialforschung.
  • Jens Papke, Internist und Palliativmediziner, Honorarprofessor für Palliative Care an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Seine Arbeitsschwerpunkte sind ambulante palliative Versorgung
  • Jonathan Pratschke, PhD in Soziologie, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Salerno, Italien und unabhängiger Sozial- und Wirtschaftsberater. In seinen Arbeitsschwerpunkten befasst er sich mit Arbeitsmarktentwicklung und Beschäftigungsverhältnissen in Europa sowie mit quantitativen Datenanalysen.
  • Elisabeth Reitinger ist Professorin für Palliative Care und Organisationsethik an der Universität Klagenfurt mit den Arbeitsschwerpunkten Palliative Care im Alter, Gender und Ethik.
  • Michael Schilder ist Professor für Pflegewissenschaft und Pflegepraxis an der Evangelischen Hochschule Darmstadt. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Demenz und Frühbetroffene von Demenz, Entlastung pflegender Angehöriger, Gesundheitsförderung.
  • Ulrike Schulze ist Professorin für Pflegewissenschaft und klinische Pflege an der Fachhochschule Frankfurt. In ihren Arbeitsschwerpunkten befasst sie sich mit Palliative Care, klinischer Pflegeforschung und didaktischen/fachdidaktischen Themen.
  • Walter Sendner, Dipl.-Rel.Päd., Dipl.-Caritas-Theologe, Referent für Trauerbegleitung und Hospizseelsorge. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Männer- und Seniorenseelsorge.
  • Johanna Tiedtke, Psychologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In ihren Arbeitsschwerpunkten befasst sie sich mit Beziehungsgestaltung am Lebensende und der psychologischen Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase.
  • Klaus Wegleitner ist Ass. Prof. am Institut für Palliative Care und Organisationsethik an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt. Seine Arbeitsschwerpunkte lauten Palliative Care und Public Health., Nachhaltigkeit und Caring Societies.
  • Birgit Weihrauch, Sozialmedizinerin, langjährige leitende Tätigkeit im Gesundheitsministerium NRW, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes . Sie ist Mitinitiatorin der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland.
  • Ursula Wiesli, Pflegeexpertin mit Masterabschluss in Pflegewissenschaften, Mitglied des Präsidiums der Akademischen Fachgesellschaft für gerontologische Pflege des Schweizerischen Vereins für Pflegewissenschaft (VfP). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind gerontologische Pflege in ambulanten und stationären Settings.
  • Hartmut Wolter, Altenpfleger, promovierter Gerontologe, Dipl. Pflegepädagoge, Geschäftsführer Freie Altenarbeit Göttingen e.V. In seinen Arbeitsschwerpunkten beschäftigt er sich mit Zeitzeugenarbeit, Wohnberatung und Dorfmoderation, Generationendialog und Lebensqualität im ländlichen Raum.
  • Andreas Zimber, Professor an der SRH-Hochschule Heidelberg, Psychologe M. Sc. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie, Personalpsychologie sowie Arbeitsbedingungen in der Altenpflege und Betriebliche Gesundheitsförderung.

Aufbau

Der Band umfasst 274 Textseiten und ist in dreiundzwanzig Kapitel aufgeteilt. Es folgen biographische Angaben zu den AutorInnen.

In seinem Vorwort weist der Staatssekretär Karl-Josef Naumann auf die großen Errungenschaften des medizinisch-technischen Fortschritts bei der Behandlung von Krankheiten hin und die damit verbundene höhere Lebenserwartung. Gleichzeitig macht er aufmerksam auf notwendige Diskussionen über die Rahmenbedingungen in stationären Einrichtungen.

In einer Übersicht stellt Wolfgang George die fünf inhaltlichen Bereiche des Bandes vor und gibt Einblicke in jedes der 23 Kapitel. Bei den Bereichen handelt es sich um

  1. Grundlagen,
  2. Standortbestimmung bundesdeutscher Praxis,
  3. Zielstellung, Vorgehen und Standortbestimmung in drei europäischen Ländern,
  4. Empirische Studien und
  5. Spezielle Aspekte.

Zu Teil I Grundlagen

Psychosoziale Bedingungen des Sterbens in Pflegeeinrichtungen – Gerontopsychologische Überlegungen und Ansätzen erläutern Johanna Tiedtke und Frieder Lang im ersten Kapitel. Ihr Fokus liegt auf den Bedingungen einer gelingenden Auseinandersetzung mit Verlust- und Abbauerfahrungen im Alter, insbesondere der Bedeutung von Beziehungen. Sie regen an, der Bedeutung und der Qualität emotionaler Beziehungen im Kontext von Pflegeheimen zukünftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Im Kapitel über Komplexe Bedürfnisse und Gestaltungsoptionen. Eine gerontologische Perspektive auf das Sterben gibt Stefanie Becker Hinweise zur Entwicklung eines empfehlenswerten Gesamtkonzeptes, das Kommunikation in den Mittelpunkt stellt. Das SENS-Modell fördert mit seinen Fragestellungen eine systematische Erfassung der Bedürfnisse und hilft, Barrieren in der Kommunikation mit Betroffenen und den beteiligten Profis abzubauen.

Caring. Zur Subjektorientierung im palliativen Setting lautet das Kapitel von Ulrike Schulze. Sie stellt als Erkenntnisse eines palliativen Forschungsprojektes zentrale Dimensionen wie face-to-face, body-to-body und side-by-side vor, die den Wunsch nach „Umsorgt-Werden“ pflegewissenschaftlich vertiefen.

Zu Teil II Standortbestimmung bundesdeutscher Praxis

Der Beitrag Fachliche und politische Voraussetzungen zur Organisation eines guten Sterbens in stationären Pflegeeinrichtungen von Birgit Weihrauch weist auf gute Beispiele der Implementierung von Hospizkultur und Palliativkompetenz hin und nennt wichtige fachliche Voraussetzungen bzw. Prinzipien für eine erfolgreiche palliative Orientierung. Als Ansatzpunkte für politisches Handeln nennt Birgit Weihrauch kommunale und regional basierte Konzepte, um sich nicht nur an Einrichtungen zu orientieren.

Die Implementierung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in stationäre Pflegeeinrichtungen lautet das Kapitel von Friedemann Nauck. Der Beitrag stellt zunächst die Grundlagen der SAPV vor und im Anschluss Möglichkeiten der Implementierung der SAPV in stationäre Pflegeeinrichtungen anhand eines Stufenmodells.

In ihrem Beitrag Reflexionen und Empfehlungen zur Entwicklung eines menschenwürdigen Sterbens in stationären Pflegeeinrichtungen reflektiert Gerda Graf eine Haltung der Annahme am Beispiel von Organisationsentwicklung mithilfe eines Entwicklungskreislaufes.

Kathrin Engel erläutert Sterben in stationären Altenpflegeeinrichtungen. Aspekte professioneller Pflege und Betreuung. Ihr Beitrag setzt beim QM an und sie nennt professionelle Herausforderungen der verschiedenen Qualitätsdimensionen. Sie weist nachdrücklich auf die Expertenstandards als professionell gut abgesicherte Instrumente hin und regt an, diese mehr als bisher anzuwenden.

Das nachfolgende Kapitel von Dirk Müller setzt an mit einer Standortbestimmung zu Palliative(r) Geriatrie – mehr als Sterbebegleitung. Er richtet den Fokus anhand von sozial-epidemiologischen Daten auf die Perspektive der Betroffenen. Deutlich wird das Spannungsfeld zwischen den bekannten Problemen (Schmerzen, Aufklärung, Mitbestimmung, Kommunikation), den Wünschen für die letzte Lebensphase und den Anforderungen an die Profis in der Praxis palliativer Geriatrie.

Mit einer Teilauswertung der Gießener Sterbestudie 2013 befasst sich das Kapitel von Eckhard Dommer anhand der Frage: Wirken sich die Art der Station und die berufliche Tätigkeit als Arzt oder in der Pflege auf die Qualität der Betreuung Sterbender aus? In diesem Kapitel erfolgt eine ergebnisbezogene Interpretation anhand von Korrelationen bzw. Variablen. Es ist für die Zielgruppe der LeserInnen wenig verständlich geschrieben und setzt profunde Kenntnisse der quantitativen Sozialforschung voraus.

Der Beitrag Wenn man einem Menschen seine Würde nimmt, dann hört er auf zu leben von Claus Fussek stellt anhand von eindrücklichen Fallbeispielen exemplarisch die problematische Personalsituation in vielen Pflegeheimen vor. Er betont als Grund- und Menschenrecht eine schmerzfreie Versorgung, die zu oft nicht gewährleistet wird – trotz vermeintlicher palliativer Haltung.

Friedhelm Menzel wirft in seinem Kapitel Palliativ kompetente Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen aus Trägersicht. Ein politischer Lösungsversuch über die Soziale Pflegeversicherung Fragen auf, die sich auf die Finanzierung angemessener Pflege aus Sicht der Träger richten. Als einen Weg zur bedarfsgerechten Versorgung und Finanzierung spricht er sich im Namen der Diakonie für die Einführung eines personenbezogenen Vergütungszuschlages mit Zweckbindung aus.

Zu Teil III Zielstellung, Vorgehen und Standortbestimmung in drei europäischen Ländern

Erfahrungsbezogene Einschätzungen zur Einführung von mehr Hospizkultur in Kliniken liefert der Beitrag von Feline Engling Cardosso, Trutz Haase, Kieran McKeown und Jonathan Pratschke zu Sterben im Krankenhaus und hospizfreundliche Krankenhäuser. Reflexionen aus Irland. Dieses Kapitel gibt u.a. empirisch gestützte Einblicke in das Programm „Hospice Friendly Hospitals“ und beleuchtet präzise den palliativen Pflegeauftrag in Kliniken anhand von Behandlungsergebnissen und Einflussgrößen. Ein selbstkritischer Fokus richtet sich auf das engagierte Ermöglichen des Sterbens zu Hause.

Hospiz und palliative Kultur in österreichischen Pflegeheimen lautet der Titel des Kapitels von Elisabeth Reitinger, Katharina Heimerl, Karl Bitschnau, Marina Kojer und Klaus Wegleitner. Nach einem historischen Rückblick in die frühere Versorgungsstruktur stellen sie Aspekte der Organisationsentwicklung wie z.B. Partizipation sowie spezifische Fort- und Weiterbildung in den Mittelpunkt einer palliativen Qualitätsentwicklung.

Die Nationale Strategie Palliative Care aus der Schweiz wird vorgestellt im Kapitel Rahmenbedingungen für die Pflege am Lebensende in Deutschschweizer Pflegesituationen. Ursula Wiesli und Giovanna Jenni geben Einblicke in das Gesundheitssystem der Schweiz mit Chancen und Grenzen kantonaler Zuständigkeiten, kommen gleichwohl zu einem positiven Resümee der Entwicklungen.

Zu Teil IV Empirische Studien

Cathrin Kliemt und Jürgen Howe befassen sich auf der Basis einer empirischen Untersuchung mit Suizide(n) im Altenpflegeheim. Bewohner geben vor suizidalen Handlungen deutliche verbale und nonverbale Hinweise auf ihren Wunsch nach einem vorzeitigen Lebensende. Diese Signale werden von den Fachkräften jedoch überwiegend nicht erkannt oder nicht ernst genommen.

Wolfgang George gibt Einblicke in Ergebnisse der Gießener Studie zu den Sterbebedingungen in der stationären Pflege und stellt sowohl zentrale Trends als auch problematische Bedingungen in Anknüpfung an die von ihm erstellte und mit dem Band „Sterben im Krankenhaus (2013)“ veröffentlichte Studie vor. Dieses Kapitel ist mit knapp 50 Seiten besonders umfangreich und gibt anhand von zahlreichen Tabellen Einblicke in Details der Untersuchung, die sich vor allem LeserInnen mit einschlägiger Expertise in empirischer Forschung erschließen.

Zu Teil V Spezielle Aspekte

Norbert Lübke und Friedemann Ernst befassen sich in ihrem Kapitel zu Sterben im Pflegeheim – mehr als eine Herausforderung für die MDK-Qualitätsprüfungen mit aktuellen rechtlichen Voraussetzungen. Sie machen aufmerksam auf die für eine angemessene Finanzierung unverzichtbare Dokumentation der Leistungen und regen die Vertragsärzte zu einer intensivierten Auseinandersetzung bzw. Fortbildung an mit palliativmedizinischen Themen.

Eine pädagogische bzw. vermittlungsbezogene Perspektive vertritt Hartmut Wolter in seinem Beitrag Sterben im Altenheim lehren und lernen. Anhand von fünf Spannungsfeldern verdeutlicht er die Notwendigkeit einer sowohl wissens-, als auch kompetenzbasierten Debatte, die vor allem in den Aus- und Fortbildungen zu führen ist.

Die Stunde der Ratlosigkeit lautet das Kapitel von Andrea Newerla und Reimer Gronemeyer. Sie machen aufmerksam auf die vielfach noch ungelösten Probleme bei der Versorgung und beim Sterben von Menschen mit Demenz.

Die Palliativversorgung in stationären Pflegeeinrichtungen aus der Perspektive des niedergelassenen Arztes steht im Mittelpunkt des Kapitels von Jens Papke. Er beleuchtet die Versorgungsstrukturen und macht aufmerksam auf die große Anzahl von BewohnerInnen, stationärer Pflegeeinrichtungen, die trotz entsprechenden Bedarfs nicht mit SAPV palliativ versorgt werden.

Der Beitrag von Michael Schilder macht vertraut mit Kultursensible(r) und interreligiöse(r) Pflege sterbender Muslime in stationären Altenpflegeeinrichtungen. Fachkräfte benötigen hierfür vor allem transkulturelle Kompetenzen und ein großes Maß an Selbstreflexivität, das sich auf der Verhaltensebene zeigt bzw. zeigen sollte sowie durch fortlaufende Personalentwicklung zu fördern ist.

Andreas Zimber geht der Frage nach, wie es um Belastungen und Ressourcen in der professionellen Pflege steht. Nach einer Analyse der Arbeitsbelastungen stellt er ressourcenorientierte Interventionen und Schwerpunkte eines spezifischen Qualifizierungsprogramms vor.

Empfehlungen aufgrund der Studienergebnisse und das Deutsche Palliativsiegel (palliativfreundliche Einrichtung) gibt Wolfgang George. Anhand seiner Studienergebnisse zeigt er eine Liste von Empfehlungen auf, die gelingende Sterbebegleitung ermöglichen. Anschließend gibt er Einblicke in ein neuartiges Prüfverfahren zur Erlangung des Deutschen Palliativsiegels, mit dem die praktizierte Anwendung palliativer Versorgung auf der Prozess- und Strukturebene abgebildet wird.

Walter Sendner stellt mit Spiritual Care – den Himmel offen halten. Orientierungen und (Vor-) Bilder aus der christlichen Sterbekultur vor. Er begründet die Notwendigkeit spiritueller Begleitung von sterbenden Menschen exemplarisch mit theologischen und psychologischen Beispielen und unterlegt sie mit anregenden Bildern. Sein Ziel von Spiritual Care richtet sich auf Dimensionen von Emotionen, die nicht nur religiös vermittelt werden können.

Zielgruppen

Dieser Band ist ausschließlich für Profis geeignet, die einen Überblick über die vielfältige Thematik gewinnen wollen oder die auf der Basis von Vorkenntnissen nach aktuellen Anregungen zur Vertiefung suchen. Besonders sinnvoll ist der Band für Fachkräfte der Pflege- und Gesundheitsberufe in Weiterbildung(en) mit dem Schwerpunkt Palliative Care und für Studierende pflegebezogener sowie verwandter Studiengänge.

Diskussion

Wolfgang George ist es gelungen, zahlreiche AutorInnen mit bester fachlicher Expertise für diesen Band zu gewinnen, der den ebenfalls von ihm herausgegebenen Band „Sterben im Krankenhaus“ um wichtige und neue Perspektiven erweitert.

Die große Anzahl namhafter und einschlägig kompetenter AutorInnen (35) und Kapitel (23) spiegelt die Komplexität und Vielfalt des Themas in bester Weise wider. Gleichwohl ist damit auch die Schattenseite dieses Bandes angesprochen, denn der Umfang der Kapitel liegt zwischen 5und 50 Seiten, die meisten Kapitel umfassen einschließlich der Quellenangaben ca. 10 Seiten. Mit der Zusammenstellung ist ein breites Spektrum relevanter Aspekte abgedeckt, die jedoch aufgrund der Kürze der Beiträge ihre besondere Relevanz und auch Dynamik kaum entfalten können.

Für die m.E. besonders geeignete(n) Zielgruppe(n) des Buches liefern vor allem Aspekte wie z.B. die kommunale /regionale Orientierung (Kap. 4), gesundheitspolitische und trägerbezogene Positionierungen (Kap. 10), verkannte Suizidwünsche (Kap 14), Vermittlungsprozesse in Aus- und Fortbildungen (Kap. 17), die Perspektive niedergelassener MedizinerInnen (Kap. 19) oder kultursensible Elemente (Kap. 20) sehr gute Anknüpfungspunkte sowohl für den Alltag in der Pflege, als auch für eine Vertiefung im Rahmen eines Referates/Leistungsnachweises.

Fazit

Für einen Überblick über aktuelle Diskussionsstränge eignet sich das Buch gut. Der verbesserungsfähige Bereich liegt in einer stärkeren Bündelung z.B. zugunsten von

  1. innovativen und erfolgreichen Projekten oder
  2. zugunsten von primär auf Pflegepraxis oder
  3. auf Managementprozesse ausgerichteten Erkenntnissen.

Rezensentin
Prof. Dr. Margret Flieder
Evangelische Hochschule Darmstadt
Fachbereich Pflege- und Gesundheitswissenschaften
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Zitiervorschlag
Margret Flieder. Rezension vom 23.09.2015 zu: Wolfgang George (Hrsg.): Sterben in stationären Pflegeeinrichtungen. Situationsbeschreibung, Zusammenhänge, Empfehlungen. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2014. ISBN 978-3-8379-2430-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18016.php, Datum des Zugriffs 21.04.2019.


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ISSN 2190-9245

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