Diemut Kucharz, Katja Mackowiak et al.: Alltagsintegrierte Sprachförderung
Rezensiert von Diplom-Heilpädagogin Katharina Keucher-Wünsche, 17.04.2015
Diemut Kucharz, Katja Mackowiak, Christine Beckerle: Alltagsintegrierte Sprachförderung. Ein Konzept zur Weiterqualifizierung in Kita und Grundschule. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 140 Seiten. ISBN 978-3-407-62900-5. 24,95 EUR. CH: 34,60 sFr.
Thema
Sprache als unser Kommunikationsmittel nimmt einen hohen Stellenwert in der pädagogischen Arbeit ein. Die Sprachförderung von Kindern in Kindergarten, Grundschule und Hortalltag ist ein wichtiges und aktuelles Thema. Die tägliche Herausforderung im beruflichen Alltag von Pädagogen und Pädagoginnen ist es, jedes einzelne Kind entsprechend seines Sprachentwicklungsstandes und gleichzeitig auch die Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen oder -auffälligkeiten zu fördern.
Die Autorinnen legen ihren Schwerpunkt auf eine für alle Kinder geeignete alltagsintegrierte Sprachförderung, welche im kindlichen freien Spiel in der Kita ebenso wie im Schulunterricht und Hortalltag umgesetzt werden kann.
Autor und Autorinnen
Dietmut Kucharz ist Professorin für Grundschulpädagogik und Sachunterricht am Institut für Pädagogik der Primar- und Elementarstufe der Goethe-Universität Frankfurt, Katja Mackowiak ist Professorin für Sonderpädagogische Psychologie am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover, Christine Beckerle ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover
Entstehungshintergrund
Die Autorinnen veröffentlichen mit diesem Buch das sogenannte „Fellbach-Konzept“. Dieses Konzept zur Sprachförderung wurde von der Stadt Fellbach in Auftrag gegeben mit dem Ziel, ein praxisrelevantes Sprachförderkonzept vom Kindergarten bis zur Grundschule für Pädagogen und Pädagoginnen zu entwickeln und durchzuführen. Es wurde durch die Pädagogische Hochschule Weingarten, die Goethe-Universität Frankfurt und die Leibniz Universität Hannover entwickelt, durchgeführt und evaluiert.
Aufbau
Das Buch gliedert sich in die Grundlagen des Sprachförderkonzeptes, die einzelnen Bausteine der Weiterqualifizierung, einen Überblick über den Downloadbereich und eine umfangreiche Literaturliste.
Einleitend wird auf die Brisanz des Themas und die Zielgruppe, Pädagogen und Pädagoginnen aus dem Bereich der Elementar- und Primarerziehung (Erzieher /innen, Pädagog/innen der frühen Kindheit, Grundschullehrer/innen) sowie Fachberater/innen, Sprachförderkräfte und Fortbildner/innen usw. (S. 8), eingegangen. Das „Fellbach-Konzept“ wird anschließend vorgestellt und Evaluationsergebnisse veröffentlicht. Danach werden die einzelnen Bausteine der Qualifizierung ausführlich dargestellt.
Der Downloadbereich bietet die Möglichkeit, übersichtlich und gut strukturiert die Themen zu vertiefen, zu präsentieren und Arbeitsmaterialien auszudrucken.
Inhalt
In den Bausteinen der Weiterbildung werden übersichtlich, klar aufbereitet und gut verständlich die wichtigsten Themen zur Sprachförderung dargestellt.
Für das Üben und Verstehen im Team oder für das eigenständige Arbeiten bzw. für den Rahmen einer Weiterbildung sind Arbeitsaufträge, Diskussionen, Arbeitsmaterialien, Fragen sowie Folien im Downloadbereich, den einzelnen Kapiteln zugeordnet, zu finden.
Kapitel 4 umfasst die Grundlagen der Sprachentwicklung: Erstspracherwerb, in welchem hauptsächlich die Ebenen und Meilensteine der Sprachentwicklung behandelt werden. Besonderen Wert legen die Fortbildnerinnen dabei auf Wahrnehmung und Artikulation von Lauten (Phonologie und Prosodie), Wörter und ihre Bedeutung (Lexik und Semantik), Grammatikerwerb auf Wort- und Satzebene (Morphologie und Syntax), Entwicklung der Interaktion und Kommunikation (Pragmatik) und die Analyse sprachlicher Strukturen (metasprachliche Kompetenz). Bei allen Themen wird die altersgerechte Entwicklung aufgezeigt und im Anschluss Auffälligkeiten der kindlichen Sprachentwicklung benannt.
Kapitel 5 umfasst den zweiten Teil der Grundlagen der Sprachentwicklung: Zweitspracherwerb. Hier wird auf Definition, Einflussfaktoren, Erwerbsbedingungen und Ebenen sowie Stufen des Zweitspracherwerbs und verdeckte Sprachschwierigkeiten eingegangen.
Kapitel 6 befasst sich mit dem Thema Sprachdiagnostik. Hierbei wird ein Überblick über verschiedene Methoden des diagnostischen Prozesses gegeben. Diese sind Befragung von Eltern/ Bezugspersonen des Kindes, Beobachtung und Testung. Die dafür erforderlichen Kompetenzen der pädagogischen Fachkraft werden herausgearbeitet. Anschließend werden im Überblick gängige Verfahren für Elternfragebögen, Beobachtungsbögen (z.B. SISMIK, SELDAK, SELSA) und Tests dargestellt. Ausführlich wird auf eine Sprachprobe als informelle Form der Beobachtung eingegangen.
Kapitel 7 soll zum Kennenlernen und zum Erwerb von Kompetenzen zum selbständigen Erstellen eines Förderplanes hinsichtlich der Sprache dienen. Hierbei werden unter anderem anhand einer Sprachprobe kleinschrittig die Sprachbereiche analysiert und daraus Entscheidungen abgeleitet. Darauf aufbauend wird die Erarbeitung eines Sprachförderplanes erläutert. Ein Überblick wird, ergänzend zum Kapitel 6, über die standardisierte Diagnostik gegeben.
Kapitel 8 stellt ausführlich und praxisnah die alltagsintegrierte Sprachförderung dar. Die Pädagog/innen sollen befähigt werden, Unterschiede zwischen inszenierter und alltagsintegrierter Sprachförderung zu verstehen, geeignete Situationen für die alltagsintegrierte Sprachförderung in ihrem pädagogischen Alltag zu erkennen und verschiedene Sprachförderstrategien zu erlernen. Das gezielte Anwenden der Sprachfördertechniken: Korrektives Feedback, Modellierungs- und Stimulierungstechniken wird u.a. anhand von Arbeitsaufträgen erlernt.
Kapitel 9 beschreibt die Zusammenarbeit mit den Eltern, welche im pädagogischen Alltag notwendig und für die partnerschaftliche Erziehungsarbeit und förderliche Sprachentwicklung der Kinder unerlässlich ist.
Kapitel 10 erläutert das Coaching innerhalb des „Fellbach-Konzeptes“, dessen Übertragung und ggf. Erweiterung besonders im Rahmen einer Weiterbildung für Fortbildner/innen oder Fachberater/innen und Lehrkräfte interessant und umsetzbar ist.
Fazit
Der Schwerpunkt des Konzeptes zur Weiterqualifizierung liegt in der Gestaltung des sprachlichen Alltags für alle Kinder in Kita und Grundschule/ Hort. Dabei legen die Autorinnen Wert auf die prägnante Vermittlung theoretischer Kenntnisse, welche der Nutzer bei Bedarf noch anhand weiterführender Literaturangaben vertiefen kann, und deren Festigung und Erprobung anhand von Arbeitsaufträgen, Diskussionen und Materialien. Die Reflexion des eigenen Sprachvorbildes und damit verbunden das Erlernen und Üben von Sprachfördertechniken für die geeigneten Alltagssituationen sind für die professionelle Anwendung sehr hilfreich.
Die Downloadmaterialien sind übersichtlich und klar strukturiert und besonders für Teamarbeit, Fortbildner/innen und Lehrkräfte eine gute Arbeitshilfe.
Dieses Buch ist Pädagog/innen für die Gestaltung ihrer eigenen Sprachförderarbeit ebenso zu empfehlen wie Lehrkräften, Fachberater/innen und Fortbildner/innen.
Rezension von
Diplom-Heilpädagogin Katharina Keucher-Wünsche
Lehrkraft an Fachschule für Sozialwesen, Lehrbeauftrage an Hochschule für Soziale Arbeit
Mailformular
Es gibt 5 Rezensionen von Katharina Keucher-Wünsche.





