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Brigitte Dorst: Therapeutisches Arbeiten mit Symbolen

Rezensiert von Dr. Kirsten Oleimeulen, 23.06.2015

Cover Brigitte Dorst: Therapeutisches Arbeiten mit Symbolen ISBN 978-3-17-025259-2

Brigitte Dorst: Therapeutisches Arbeiten mit Symbolen. Wege in die innere Bilderwelt. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2014. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. 223 Seiten. ISBN 978-3-17-025259-2. D: 29,99 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 34,50 sFr.
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Symbole in der Psychotherapie

Symbole sind die Sprache unseres Unterbewusstseins und unserer Seele. Sie zeigen Wirkung – gerade auch im spirituellen und heilenden Bereich. Auch wenn der Verstand alleine sie manchmal nicht deuten kann, so vermitteln sie doch eine Botschaft an unser höheres Bewusstsein und leiten unseren Weg zu Gesundheit und Harmonie. Mit inneren Vorstellungsbildern lässt sich nicht nur eine Leistungssteigerung im Sport oder Beruf erzielen, sie werden auch sehr erfolgreich bei der Behandlung von seelischen Störungen eingesetzt und sogar schwere Krankheiten wie Krebs können durch Imaginationen geheilt oder gelindert werden.

Kreativität

Die meisten Menschen halten Kreativität für eine seltene Gabe, über die nur eine exklusive Minderheit verfügt. Dabei ist jeder Mensch auf seine Weise schöpferisch. Wir können nicht nicht kreativ sein. Die entscheidende Frage ist, ob wir diese natürliche Fähigkeit aktiv pflegen oder verkümmern lassen. Kreativität bezieht sich nicht auf ein bestimmtes Themengebiet, sondern ist überall möglich, ob ich ein exotisches Gericht koche oder mir für mein finanzielles Problem eine neue Lösung einfallen lasse. Kreativ sein bedeutet, sich etwas anderes vorstellen zu können als das, was gerade ist. Auch ein Maurer, dem es gelingt, eine Mauer mit weniger Steinen zu errichten, ist kreativ. Ebenso eine Hausfrau, die in der viel zu kleinen Küche durch ein intelligentes Ordnungssystem alles unterbringt. Peter Weil beobachtet, dass Kreativität häufig mit Innovation verwechselt wird. Auch das sei ein Grund dafür, dass viele ihr Licht unter den Scheffel stellen und sich als einfallslos bezeichnen.
Man sagt dann: Steve Jobs mit seinem iPhone ist kreativ, ich bin es nicht. Innovationen sind kreative Ideen, die so aufbereitet werden, dass sie in eine Geschäftsstrategie münden und in einen Businessplan passen. Den Umkehrschluss, wem nichts bahnbrechend Neues einfällt, der ist auch nicht kreativ hält Peter Weil für falsch.

Wenn wir uns etwas vorstellen, sind im Gehirn dieselben Zellen aktiv wie dann, wenn wir es tatsächlich tun. Beschäftigt sich etwa ein Pianist oder Geiger intensiv mit seiner Partitur, werden im Moment des Lesens exakt die motorischen Zellen aktiviert, die er braucht, um das Stück tatsächlich zu spielen. „Innere Bilder sind Verschaltungsmuster von Nervenzellen, die sich einmal herausgebildet haben und auf die man zurückgreifen kann“, sagt Gerald Hüther, leitender Professor der Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen.

Autorin

Brigitte Dorst ist Professorin für Psychologie, Jung´sche Analytikerin und Psychotherapeutin in eigener Praxis in Münster. Sie ist wissenschaftliche Leiterin der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören die Themen Spiritualität, Symbolpsychologie, Identität und Alter. Sie leitet seit vielen Jahren Weiterbildungen in Analytischer Psychologie sowie ein Meditationszentrum.

Aufbau

Das Buch „Therapeutisches Arbeiten mit Symbolen. Wege in die innere Bilderwelt“ setzt sich aus zwei Teilen und zehn Kapiteln zusammen:

Zu Teil I Theoretische Grundlagen der Symbolarbeit

1 Einführung in die Symbolpsychologie. Seit dem 18. Jahrhundert meint der Begriff „Symbolik“ die sinnbildliche Bedeutung oder Darstellung von etwas Geistigem. Ein Symbol ist somit ein sichtbares Zeichen einer nicht sichtbaren Wirklichkeit, mit der es in einem inneren Bezug steht. Symbole sind also Bedeutungsträger. Sie bringen etwas zusammen, das eine Ganzheit bildet – ein äußeres Bild und einen Sinnkontext.

2 Alte und neue Symbole. Alles kann für den Menschen zum Symbol werden, z.B. die Welt der Formen, der Elemente, Landschaften, Zahlensymbole und geheime Zahlenwerte etc. Aus verschiedenen Symbolbereichen werden exemplarisch einige Symbole näher erläutert, um den symbolischen Blick für die therapeutische Arbeit mit Symbolen zu schärfen und zwar:

  • Symbole in der Alltagssprache
  • Das Labyrinth – ein altes Wegsymbol
  • Das Auto – ein modernes Selbstsymbol
  • Tiersymbolik
  • Das Element Wasser
  • Zahlensymbolik: die Zahl Dreizehn

3 Das Menschenbild der Analytischen Psychologie. Eine der wichtigsten Erkenntnisse von Jung war die Bedeutung des Unbewussten nicht nur als Speicher für Vergangenes, sondern auch als Orientierung auf die Zukunft hin. Die Zukunftsorientierung des Unbewussten zeigt sich für viele Menschen darin, dass ihre Träume auf zukünftige Möglichkeiten der Lebensgestaltung verweisen. Auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie war C.G. Jung einer der ersten, die Entwicklungs- und Reifungsprozesse der zweiten Lebenshälfte erforschte und beschrieb und von einem lebenszeitlichen Kontinuum, dem menschlichen Lebenslauf als Ganzem, ausging. Er betonte, dass der Individuationsprozess ein lebenslanges Bemühen um Bewusstwerdung und seelische Ganzheit ist.

4 Symbole und Symbolarbeit in Gruppen. Die Gruppe ist ein Ort, an dem der Einzelne seine Individualität und seine Verbundenheit mit anderen lebendig erfährt. Die mit dem Begriff Individuation gemeinten psychischen Wachstums- und Reifungsprozesse können nicht beim Individuum ihren Abschluss finden. Auch Zweierbeziehungen, Familien, Gruppen und soziale Systeme müssen Veränderungs- und Reifungsprozesse durchlaufen und können darin höhere Grade an Selbststeuerung und Bewusstheit erreichen. Zu den symbolischen Handlungen einer Gruppe gehören auch ihre Rituale. Über Rituale werden auch im Leben von Gruppen Zugehörigkeit und Gemeinschaft hergestellt.

Zu Teil II Methoden der Symbolarbeit

5 Traumsymbole und Traumarbeit. In der Therapie hat die Arbeit mit Träumen diagnostische und therapeutische Funktion. Die Trauminhalte stehen mit dem Leben der Träumerin oder des Träumers, gegenwärtigen Situationen sowie auch der Lebensgeschichte in Verbindung. Die Trauminhalte sind bedeutungsvoll und keineswegs ein bloßes nächtliches Neuronengewitter des Gehirns, wie eine überholte wissenschaftliche Position eine Zeitlang postulierte. Sie erschließen sich allerdings erst, wenn sie in den entsprechenden Lebenskontext gestellt werden.

6 Arbeit mit Märchen. Man kann Märchen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven betrachten: religionsgeschichtlich, literarisch, soziologisch, völkerkundlich oder eben tiefenpsychologisch. Dabei treten jeweils andere Bedeutungsebenen in den Blick. Beim tiefenpsychologischen Zugang geht es darum, die Bilder und Symbole des Märchens mit psychischen Phänomenen und Prozessen in Verbindung zu bringen und das Märchen insgesamt als ein Zusammenspiel archetypischer und individueller Lebensmuster und Erfahrungen zu deuten und zu verstehen.

7 Geschichten als Medizin – Der Prinz, der glaubte ein Truthahn zu sein und andere Weisheitsgeschichten. Zu den therapeutischen Hilfsmitteln im Bereich des Symbolischen zählen auch die Gleichnisse, Parabeln und Weisheitsgeschichten aus den spirituellen Traditionen der Welt. Es sind Lebenswahrheiten und Weisheiten, die religions- und kulturübergreifend weitererzählt wurden und ein gemeinsamer Erfahrungsschatz aller Menschen sind, unabhängig davon, ob sie aus Zen-Geschichten, Sufi-Geschichten, aus dem indianischen, christlichen, hinduistischen oder Chassidischen Kontext entstanden.

8 Imaginationen als Zugang zur inneren Bilderwelt. Imagination ist eine alte Technik der Bewusstseinsveränderung und -erweiterung, die bereits bei den frühen schamanischen und spirituellen Heilpraktikern verwendet wurde. Zugleich ist Imaginieren, das Produzieren innerer Bilder, etwas, das wir ständig machen. Imagination basiert auf der psychischen Aktivität der Phantasie. Bei jedem Kind können wir immer wieder staunen über den Reichtum an schöpferischen Ideen und phantasievollen Impulsen. Imagination ist eine Vorstellungsleistung des Wachbewusstseins, das Denken, Fühlen Empfinden und Intuition verbinden kann.

9 Symbole malen und gestalten. In der Kindheit zeichnen und malen fast alle Menschen mit Begeisterung. Im Laufe des Erwachsenwerdens verlieren jedoch viele den Zugang zum kreativen Ausdruck ihres inneren Erlebens und verlieren damit Spontaneität, Gestaltungsfreude und ein wichtiges Hilfsmittel ihrer Selbsterkundung. Dabei geht es nicht um ästhetische Aspekte. Der Sinn liegt vielmehr darin, seelische Inhalte durch Selbstausdruck kennenzulernen und Zugang zu finden zu dem, was die Psychodynamik des Seelenlebens bestimmt. Aus Sicht der Analytischen Psychologie bietet das Malen und Gestalten dem Selbst Möglichkeiten, sich über das Ich hinaus im Bild zu verdeutlichen.

10 Symbolarbeiten mit einzelnen Gegenständen. Alle Dinge unserer Welt können uns zur vertiefenden Betrachtung und zur Suche nach sinnvollen Bezügen einladen, z.B. der Weg, der Berg, der Baum, der Spiegel, der Knoten in einer Schnur, die Hand oder die Schale. Alles kann zum Hilfsmittel für Sinnerleben und für spirituell bedeutsame Erfahrungen werden, und so ermöglichen die Symbolarbeit mit einzelnen Gegenständen sowie Rituale, sich der „Tiefe des Seins“ anzunähern.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an erfahrene therapeutische arbeitende Berufsgruppen, die sich unbewussten Prozessen ihrer Klienten/-innen nähern möchten.

Fazit

Das Buch „Therapeutisches Arbeit mit Symbolen. Wege in die innere Bilderwelt“ von Brigitte Dorst ist eine sehr schöne, gelungene Übersichtsdarstellung über mögliche Zugangswege zur inneren Bilderwelt über Symbole. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass Symbole mehr als nur Zeichen sind. Zu ihren Hauptmerkmalen gehört ihr Bindung an ggf. starke Emotionalitäten. Die Grundfunktion der Symbole ist es, vielfältige Aspekte einer sehr komplexen Realität zusammenzufassen. Die bildproduzierende Psyche zeigt uns innere Zustände, Motive und Vorgänge und erweiterte so die Selbsterfahrung des Menschen.

Das Buch möchte einen Beitrag dazu leisten, die integrative Weiterentwicklung der Psychotherapie voranzubringen, bei der die einzelnen Schulen und Richtungen in einen wechselseitig anregenden, korrigierenden und die eigenen Sichtweisen erweiternden Dialog treten. Das ist Brigitte Dorst hervorragend gelungen.

Rezension von
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
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Es gibt 96 Rezensionen von Kirsten Oleimeulen.

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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 23.06.2015 zu: Brigitte Dorst: Therapeutisches Arbeiten mit Symbolen. Wege in die innere Bilderwelt. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2014. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-17-025259-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18068.php, Datum des Zugriffs 14.08.2022.


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