socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Astrid McCornell: Wo sich Huhn und Eule gute Nacht sagen

Cover Astrid McCornell: Wo sich Huhn und Eule gute Nacht sagen. Tiergeschichten zum Vorlesen bei Demenz. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2014. 118 Seiten. ISBN 978-3-497-02478-0. D: 9,90 EUR, A: 10,20 EUR, CH: 14,90 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

In 21 Kurzgeschichten erzählt die Autorin vom Glück und den Tücken des Alltags älterer Tiere (vgl. Cover-Rückseite). Zu jeder der Geschichten gibt es spezifische Fragen an die Zuhörenden. Bei diesen Fragen handelt es sich um Fragen, die das biografische Erinnern anregen und die an das emotionale Erleben in der Retrospektive anknüpfen.

Autorin:

Astrid McCornell ist Krankenschwester mit der Zusatzqualifikation in Validation. Sie ist Dozentin und arbeitet seit vielen Jahren in der ambulanten Pflege.

Entstehungshintergrund

Die Autorin sagt von sich selbst, dass sie leidenschaftlich gerne schreibt. In ihren Anfängen entstanden die ersten Geschichten von Irmchen und Maria. Eine Freundin ermutigte sie, zu den Geschichten Puppen zu entwerfen. Diese Idee setzte sie in die Tat um und schrieb weitere Geschichten. Nach einem ersten Buch mit vier Geschichten liegt nun ihr zweites Buch mit 21 Geschichten über Irmchen und Maria vor. „Parallel dazu beschäftigte ich mich immer wieder mit dem Wunsch, meine ´Philosophie vom Umgang mit dem Menschen` weiterzugeben.“ (www.irmchen-und-maria.de/mich.html).

Zielgruppe

Mit dem Buch richtet sich Astrid McCornell an Verwandte, die privat einen lieben Menschen mit Demenz oder einer andern Erkrankung pflegen. Ebenso ist dieses Buch für all diejenigen gedacht, die beruflich in Kranken- und Altenpflege oder als sozialpädagogisches Personal in Alten- und Pflegeheimen tätig sind.

Aufbau und Inhalt

In ihrem Vorwort (S. 7f.) heißt sie die zukünftigen Vorleserinnen und Vorleser willkommen. Im Weiteren gibt Astrid McCornell ihren Leserinnen und Lesern dreizehn Ratschläge für die Vorlesepraxis. Beachtung finden hierbei folgende Aspekte: Planung, Zeit, Gruppengröße, Vorleseverhalten und Art des Vorlesens. Hiernach beginnt gleich die erste Geschichte von Irmchen und Maria.

In den Geschichten von Astrid McCornell geht es um die beiden Protagonistinnen Irmchen die Eule und Maria das Huhn. In der Übertragung spiegeln sich die körperlichen und geistigen Probleme, die sich mit dem Alter einstellen. Aber auch schöne Erinnerungen, Wünsche und Träume finden sich als Themen in den Geschichten wieder. Die Themen sind „[…] Brücken in die Welt der an Demenz erkrankten Menschen […]“ (Cover-Rückseite).

  • Irmchen und Maria (S. 9 – 14)
  • Die erste Liebe (S. 15 – 20)
  • Ostern (S. 21 – 25)
  • Irmchen, Maria und der Brunnen (S. 26 – 31)
  • Irmchen und Maria feiern Weihnachten (S. 32 – 37)
  • Maximilian (S. 38 – 41)
  • Der Liegestuhl (S. 42 – 46)
  • Tüdelig (S. 47 – 50)
  • Party-Vorbereitungen (S. 51 – 54)
  • Die Willkomensparty (S. 55 – 58)
  • Küken hüten (S. 59 – 64)
  • Verlaufen und Schulerinnerungen (S. 65 – 69)
  • Die Chor-Reise (S. 70 – 74)
  • Tanzvergnügen und Chor-Auftritt (S. 75 – 79)
  • Liebe im Alter (S. 80 – 84)
  • Arbeitsleben (S. 85 – 88)
  • Irmchen wird krank (S. 89 – 94)
  • Papierflugzeuge und Wegweiser (S. 95 – 99)
  • Rituale und Kuchen (S. 100 – 106)
  • Der Garten (S 107 – 112)
  • Die Berge (S. 113 – 118)

Diskussion

Das Besondere ist, dass das Vorlesen als interaktive Geschehen angedacht ist. Hierfür hat Astrid McCornell an entsprechenden Stellen der Geschichten Fragen für die Zuhörerinnen und Zuhörer eingefügt, da wo es passt, plante sie nützliche Aktionen ein. Die Fragen sollen die biografische Erinnerung anregen und ebenso das Erleben auf der emotionalen Ebene. Dieses interaktive Geschehen soll darüber hinaus auch die Stille durchbrechen, die für viele ältere Menschen, vor allem für an Demenz erkrankte Personen, zur ihrem Alltag gehört. Die Aktionen motivieren zum raten, ergänzendem Erzählen, singen, rezipieren oder zum sich bewegen.

Fazit

Das Buch von Astrid McCornell zeichnet sich zunächst durch die ganz persönliche Art der Ansprache aus. Vorlesen ist für viele Menschen etwas, an das sie sich aus der eigenen Kindheit oder in der Rolle als Mutter oder Vater, als Oma oder Opa gut erinnern. Bei an Demenz erkrankten Personen bleibt das Langzeitgedächtnis am längsten erhalten. Vor allem die Idee, Vorlesen interaktiv zu gestalten, möchte ich besonders herausheben. Die Geschichten von Irmchen und Maria wirken in sich ebenso persönlich, wie die Ansprache der Autorin in ihrem Vorwort. Das Buch ist eine schöner Anregung für ein Durchbrechen des sonst sehr schweigsamen Alltags ältere Menschen, dies gilt sowohl für den privaten als auch für den beruflichen Umgang mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Schade finde ich, dass der Titel diese schöne Idee auf das Vorlesen bei Demenz beschränkt. Ich bin überzeugt, dass sich auch ältere Menschen ohne diese erinnerungsraubende Krankheit darüber freuen, sich in einem interaktiven Geschehen mit sich und den eigenen Erinnerungen zu beschäftigen. Beim Lesen der Geschichten begann ich selbst, mich zu erinnern und das zeigte mir, dass im Austausch mit anderen Erinnern und Erzählen neben der Stille auch Einsamkeit verhindert. Ein wirklich schönes Buch, nicht nur für Menschen, die sich um an Demenz erkrankte Menschen kümmern.


Rezensentin
Diplom Sozialpädagogin Ulrike Koch
M.A. Zusatzqualifikation als Systemische Beraterin und Kulturpädagogin. Zwischen 2009 und 2015 tätig in den Bereichen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und Beratung sowie im Bereich Vertiefte Berufsorientierung. Zurzeit tätig als Jobcoach in der Arbeit mit langzeitarbeitslosen Menschen über dem 35. Lebensjahr
E-Mail Mailformular


Alle 14 Rezensionen von Ulrike Koch anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Ulrike Koch. Rezension vom 24.02.2015 zu: Astrid McCornell: Wo sich Huhn und Eule gute Nacht sagen. Tiergeschichten zum Vorlesen bei Demenz. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2014. ISBN 978-3-497-02478-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18087.php, Datum des Zugriffs 20.06.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!