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Christel Spitz-Güdden (Hrsg.): Inklusion im Kindergarten

Cover Christel Spitz-Güdden (Hrsg.): Inklusion im Kindergarten. Olzog Verlag (München) 2014. 87 Seiten. ISBN 978-3-7892-2698-4. 29,90 EUR.
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Herausgeberin

Christel Spitz-Güdden ist Diplom-Sozialpädagogin, Psychologische Beraterin IAPP, Kinderschutzfachkraft und Fachkraft für den Situationsorientierten Ansatz DGQ/IFAP. Sie leitet eine Integrative Tagesstätte / Familienzentrum.

Als Koautoren werden Ferdinand Klein (emeritierter Professor für Heil- und Sonderpädagogik) und Merle Jacobs (Erzieherin, in Ausbildung zur Heilpädagogin) angegeben.

Thema

Die Weiterentwicklung von der Integration zur Inklusion im Bereich der Kindertagesstätten ist Thema dieser Veröffentlichung. Die Bedürfnisse der Kinder und die Haltung des pädagogischen Personals stehen im Mittelpunkt.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Kapitel wird kurz Inklusion erklärt und gegen Integration abgegrenzt sowie ein Konzept inklusiver Bildung und die Konsequenzen, die sich daraus für die Kindertagesstätte ergeben, erläutert.

Das zweite Kapitel ist das umfangreichste und hat die kindorientierte Entwicklungsbegleitung in der Praxis zum Thema. Es werden die heutigen kindlichen Lebensbedingungen beschrieben und gefragt, was ein Kind unter diesen Bedingungen braucht. Es werden 13 kindliche Grundbedürfnisse angesprochen, die beachtet und erfüllt werden sollten, als Beispiele seien genannt: Respekt, Wertschätzung und Achtung erfahren, Vertrauen erleben, verstanden werden, Zeit und Ruhe haben, Gefühle und Liebe erleben und neugierig sein. Die Behandlung jedes dieser Themen hat einen ähnlichen Aufbau: Es wird jeweils das Ziel aus der Sicht der pädagogischen Fachkraft und der Bereich, der gefördert wird, aus der Sicht des Kindes beschrieben. Ein Schaubild erläutert, um welches Bedürfnisse es geht, was die Basisfähigkeit ist, welche Fertigkeit entwickelt wird und welche Irritation, welche Folgen bei Nichtbeachtung entstehen und welche Erwachsenenkompetenz dadurch erreicht wird. Ein Fallbeispiel und Hinweise zur Inklusion für Kinder mit besonderen Bedürfnissen vervollständigen die Darstellung.

Im dritten Kapitel berichtet Merle Jacobs über das Projekt „Nehmt uns Kinder ernst“, das in einer Integrationsgruppe mit 15 Kindern durchgeführt wurde. Es wurde versucht, der Unruhe und Unsicherheit in der Gruppe zu begegnen: Die Kinder wurden mehr gemäß ihren Bedürfnissen beteiligt; eine zentrale Rolle spielte die Kinderkonferenz.

Im vierten Kapitel werden kurz Fragen der internen und externen Vernetzung und Kommunikation angesprochen.

Im fünften Kapitel (Ferdinand Klein) wird die Bedeutung der Haltung der pädagogischen Fachkräfte hervorgehoben. Es werden u.a. das empathische Wahrnehmen, die Vermittlung einer sicheren Bindung und das Schaffen verlässlicher Erfahrungsräume angesprochen.

Diskussion

Das vorliegende Heft wird als Sonderausgabe 2014/2015 bezeichnet, es bleibt aber unklar, von was es eine Sonderausgabe ist.

Die kindlichen Bedürfnisse, wie sie im Hauptteil beschrieben werden, und deren Beachtung und Würdigung ist für alle Kinder wichtig, nicht nur für die Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Diese so ausführlich zu behandeln ist sicherlich richtig. Die Hinweise zur Inklusion sind dagegen oft nur kurz gefasst.

Deutlich herausgearbeitet wird die Bedeutung der Haltung. Diese kommt auch wieder allen Kindern zu Gute. So wird z.B. auch Verständnis dafür geweckt, dass Wickeln und Füttern zutiefst pädagogische Situationen in der Kinderkrippe sind und nicht nur lästige Pflichterfüllung.

Insgesamt lässt das Heft viel Engagement und Enthusiasmus erkennen. Dies ist wohl auch notwendig, wenn man Veränderungen bewirken will. Aber es sollten auch andere Formen anerkannt werden, die auch ihren Beitrag zur Inklusion des einzelnen Kindes leisten. Ich denke da an die schulvorbereitenden Einrichtungen an Förderschulen. Auch diese Einrichtungen leisten wertvolle Arbeit, in denen die Kinder gut gefördert werden und sich wertvoll und erfolgreich erleben können.

Der Text ist prägnant geschrieben, wird durch Graphiken und Bilder gut unterstützt. Es finden sich viele Anregungen, sowohl für die konkrete Praxis wie auch zum Nachdenken und Reflektieren.

Zielgruppen

Zielgruppe sind pädagogische Fachkräfte in der Kindertagesstätte

Fazit

Das Heft thematisiert praxisnah die kindorientierte Entwicklungsbegleitung im Rahmen der Inklusionsdebatte. Es wird auch die Bedeutung der Haltung herausgearbeitet und von einem konkreten Projekt berichtet. Das Heft ist mit Enthusiasmus geschrieben, aber auch sehr prägnant mit guten umsetzbaren Anregungen.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 18.06.2015 zu: Christel Spitz-Güdden (Hrsg.): Inklusion im Kindergarten. Olzog Verlag (München) 2014. ISBN 978-3-7892-2698-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18114.php, Datum des Zugriffs 22.03.2019.


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