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Bernhard Schmidt-Hertha (Hrsg.): Kompetenzen im Erwachsenenalter

Cover Bernhard Schmidt-Hertha (Hrsg.): Kompetenzen im Erwachsenenalter. Befunde aus der Bildungsforschung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2014. 109 Seiten. ISBN 978-3-7639-5349-3. 17,90 EUR.

Zeitschrift für Weiterbildungsforschung, 37. Jahrgang, 3/2014, ISSN 0177-4166.
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Thema

Im Mittelpunkt der vorliegenden Schwerpunktausgabe der Zeitschrift „Report. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung“ steht das Thema der „Kompetenzen im Erwachsenenalter – Befunde aus der Bildungsforschung“. In insgesamt fünf Beiträgen wird dieses Thema aus verschiedenen Perspektiven diskutiert, ergänzt um einen themenunabhängigen Forumsbeitrag. Ebenso werden fünf Rezensionen vorgestellt.

Im Vordergrund des Thementeils steht die Diskussion von empirischen Ergebnissen der PIAAC-Studie (Programme for International Assessement of Adult Competencies), einer Studie aus 23 OECD-Ländern, die repräsentative Ergebnisse der Kompetenzen von 16-65jährigen in drei [bei weiterer Differenzierung vier] unterschiedlichen Kompetenzbereichen erlaubt. Ziel der Untersuchung war die Erfassung und der Vergleich von Kompetenzen von Erwachsenen in Verbindung mit soziodemografischen, berufs- und bildungsbiografischen Daten und damit die Eröffnung der Untersuchung von Zusammenhangsmustern jenseits rein deskriptiver Zusammenhänge.

Hier knüpfen die fünf Aufsätze des Schwerpunktes an.

Aufbau und Inhalte

Rudolf Tippelt und Stepanka Kadera [S.15ff.] skizzieren in ihrem Beitrag die Tradition der Kompetenzdebatte in den Sozial- und Erziehungswissenschaften und deren theoretische, methodische wie methodologische Grundlagen. Besonders heben die Verfasser die Potentiale und Grenzen von Repräsentativstudien und v.a. die Möglichkeiten und Chancen von im Längsschnitt angelegten Untersuchungen vor. Insbesondere werden hierbei Konzeptions- und Differenzierungsmöglichkeiten für Alters- und Kohorteneffekte diskutiert. Dabei sind es insbesondere die Ergebnisse der PIAAC und CiLL (Competencies in Later Life) Studien, die hier als Grundlage für weitere Kompetenzmessungen im Erwachsenenalter diskutiert werden, wobei die Autoren v.a. die Potentiale für die Erwachsenenbildung in längsschnittlichen Bildungsstudien am Beispiel der Panel-Studie NEPS diskutieren.

Auch Barbara Nienkemper, Alisha M.B. Heinemann und Anke Grotlüschen [S.29ff.] diskutieren in ihrem Beitrag die Ergebnisse der PIAAC Studie, verbinden in ihrem Aufsatz die dort gewonnenen empirischen Erkenntnisse mit bereits vorliegenden nationalen Daten der leo.-Studie (Level-One-Studie), einer Untersuchung die 2011 für 14,5% der erwerbsfähigen Bevölkerung funktionalen Analphabetismus nachweisen konnte. Die Autorinnen diskutieren dabei vergleichend in ihrem Beitrag beide Studien, diskutieren aber v.a. die Ergebnisse zur Weiterbildungsbeteiligung, wobei „die Bauart der beiden Studien, bzw. die Levels der Kompetenzmodelle grundlegend unterschiedlich sind“ und ein direkter Vergleich der Ergebnisse nicht möglich ist. Dennoch verstehen die Verfasserinnen einen Vergleich „von Datenstruktur und errechneten Zusammenhängen als aufschlussreich“ (S. 34) mit dem Ziel nicht nur die Stärken beider Studien zu nutzen, sondern v.a. die Einordnung und Interpretation von Forschungsergebnissen in größeren Forschungskontexten zu ermöglichen.

Bernhard Schmidt-Hertha und Karin Julia Rott [S. 38ff.] diskutieren in ihrem Beitrag vor allem den Kompetenzbereich des technologiebasierten Problemlösens [Problemlösen im Internet], wobei sie zwischen der Problemlösekompetenz Erwachsener und dem Umgang mit Medien unterscheiden. Der Beitrag ist als Auseinandersetzung mit dem Konzept des technologiebasierten Problemlösens, v.a. als Analyse von Problemen und Aspekten der Operationalisierung unterschiedlicher Kompetenzkonstrukte zu lesen, wobei die Autoren das PIAAC-Instrumentarium und andere empirische Instrumente zur Erfassung von Medienkompetenz und/oder digital competence und entsprechende Unterschiede wie Gemeinsamkeiten dieser Messinstrumente skizzieren, wobei die Verfasser dafür plädieren, dass mit PIAAC ein Instrument vorliegt, „das wesentliche Lücken in der bisherigen Operationalisierung von beiden Konstrukten schließen kann“ (S. 48).

Johanna Gebrande/Carolin Knauber/Christina Weiß [S.50] stellen in ihrem Beitrag und am Beispiel der CiLL-Studie Ergebnisse einer Untersuchung über Kompetenzen und Kompetenzanforderungen der 66-80jährigen in den Bereichen der Lesekompetenz, der Alltagsmathematik und technologiebasiertem Problemlösens vor und diskutieren hierbei insbesondere den Zusammenhang zwischen Qualifikation, sozialer Zugehörigkeit, Altersjahrgang und Kompetenz.

Eine kritische Auseinandersetzung mit PIAAC unternimmt Cornelia Maier-Gutheil [S. 68ff.] in ihrem Beitrag, wobei die Autorin Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Forschungszugänge – quantitativ-messende/testende Verfahren (PIACC 2012), einer Mixed-Method-Studie zu Kompetenzbiografien (vgl. Erpenbeck/Heyse 2007) und ersten Ergebnissen einer qualitativen Längsschnittstudie (vgl. Kade/Nolda 2010) – vergleicht und dabei v.a. Potentiale und Grenzen der jeweiligen Forschungszugänge skizziert. Letztendlich plädiert Maier-Gutheil für die Vorteile triangulativ ausgerichteter Vorgehensweisen.

Im abschließenden Beitrag im themenungebunden Forumsteil widmen sich Julia Steinfort-Diedenhofen und Holger Vinke [S. 83ff.] dem Thema der Fremdenfeindlichkeit im Alter, wobei die Autoren empirische Forschungsbefunde zur Fremdenfeindlichkeit älterer Menschen vorstellen und hierbei insbesondere Formen und Ausprägungen und Aspekte von Diskriminierungen systematisieren. Abschließend formulieren sie Ziele und potentielle didaktische Orientierungen einer sozialraumorientierten, interkulturellen Geragogik, wobei v.a. die Subjekte und die Gestaltung von Beziehungen wie auch das Einbringen in gesellschaftliche Diskurse im Mittelpunkt ihrer Überlegungen stehen.

Fazit

Den Herausgebern ist mit vorliegendem Band gelungen, durch und durch lesenswerte wie informative Beiträge zu versammeln und differenzierte Einblicke in Forschungsbefunde über Kompetenzen im Erwachsenenalter aus der empirischen Bildungsforschung zu diskutieren. Das Schwerpunktheft bietet einen fokussierten Einblick in einzelne Teilbereiche und abgeschlossene wie laufende Forschungsprojekte in der Auseinandersetzungen mit dieser spannenden Thematik.


Rezension von
Matthias Völcker
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft der Georg-August-Universität Göttingen. Arbeitsschwerpunkte: neben sozialisations- und identitätstheoretischen Fragestellungen im Besonderen die empirische Bildungsforschung
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Zitiervorschlag
Matthias Völcker. Rezension vom 02.02.2016 zu: Bernhard Schmidt-Hertha (Hrsg.): Kompetenzen im Erwachsenenalter. Befunde aus der Bildungsforschung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2014. ISBN 978-3-7639-5349-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18116.php, Datum des Zugriffs 28.01.2022.


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