Catherine Lieger: Professionelle Betreuung in Kindergärten
Rezensiert von Prof. Dr. Harald Christa, 25.03.2015
Catherine Lieger: Professionelle Betreuung in Kindergärten. Praxistaugliche Erfassung der Betreuungsqualität. Tectum-Verlag (Marburg) 2014. 287 Seiten. ISBN 978-3-8288-3408-8. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 46,90 sFr.
Thema
Die Elementarpädagogik erlebt in Deutschland gerade einen signifikanten Wandel. Im Fokus stehen nach dem quantitativen Ausbau nunmehr qualitative Aspekte wie die fundierte Unterstützung von Lernentwicklung. Von besonderem Interesse sind in dieser gegenwärtigen Phase praxistaugliche Konzepte zur Überprüfung und Verbesserung der für die Entwicklung der Kinder sehr wichtigen Betreuungsqualität in Spielsituationen.
Entstehungshintergrund
Catherine Lieger hat eine Arbeit verfasst, in welcher sie ein Kategoriensystem für die Beurteilung der Betreuung in freien Spielsituationen entwickeln wollte. Die Ergebnisse der Studie liegen nunmehr publiziert vor. Das Buch basiert auf der Dissertation der Autorin an der pädagogischen Hochschule Weingarten.
Autorin
Die Autorin verfügt über einen Master of Advanced Studies in Teacher Education der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz und St. Gallen. Sie war in internationalen Forschungsprojekten tätig, ist Dozentin an verschiedenen Hochschulen und Beraterin unter anderem für Organisationsentwicklung.
Aufbau und Inhalte
Die Publikation enthält sieben Abschnitte.
In der Einleitung skizziert die Autorin die Hintergründe ihres Forschungsvorhabens und führt in die Arbeit ein.
Im zweiten Abschnitt wird eine „theoretische Situierung“ vorgenommen. Ausgehend von einer Schilderung der gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen wird die Bedeutung des Spiels für das jüngere Kind aufgezeigt, auf frühe Lern- und Bildungsprozesse eingegangen sowie der Begriff der Qualität in einen Bezug zu Spiel- und Lernprozessen gesetzt, aber auch Konzeptionen und Modelle des Freispiels sowie pädagogische Handlungsfelder in Spielprozessen werden dargelegt und erörtert.
Gegenstand des dritten Abschnitts ist der Forschungsstand im Bereich der Spiel- und Lernbegleitung von Kindern im Alter von 3-7 Jahren. Die Autorin schildert ausgewählte Studien zur Wirkung der Begleitung von Kindern dieser Altersgruppe in Bildungsstätten.
Im mit „Desiderat“ überschriebenen vierten Abschnitt entwickelt die Autorin die Fragestellungen ihrer Untersuchung auf der Grundlage der von ihr ausgewählten und analysierten Theorieansätze und Forschungsergebnisse.
Im fünften Abschnitt werden die Anlage der Untersuchung und die methodische Vorgehensweise beschrieben.
Ausführlich werden dann im sechsten Abschnitt die Ergebnisse der empirischen Untersuchung dargelegt. Die Autorin geht dabei detailliert auf die von ihr gewählten vier Forschungsfragen bzw. deren Beantwortung ein. Interessant sind unter anderem die über die videographische Analyse identifizierten Häufigkeiten und Varianzen im Repertoire der pädagogischen Interventionen sowie die vergleichsweise geringe Zahl an sozialkonstruktivistischen Interventionen, aber auch die von der Autorin untersuchten Korrelationen mit Faktoren wie der pädagogischen Strukturqualität (u.a. Ausbildung resp. Qualifikation) sind von Bedeutung. Zur Prozessqualität kann festgestellt werden, dass die Breite des Repertoires einen Einfluss auf die Güte der Interventionen hat.
Der siebte und letzte Abschnitt ist der Diskussion der Untersuchungsergebnisse gewidmet. Vor dem Hintergrund der theoretischen Analyse werden die zentralen Befunde zusammengefasst, es werden methodische Überlegungen diskutiert, das entworfene Kategoriensystem reflektiert sowie Ansätze für weitere Forschungen aufgezeigt. Im Kontext der Diskussion um eine weitere Akademisierung der Ausbildung muss der Befund dieser Untersuchung hervorgehoben werden, dass die Qualifikation der Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen einen nachweisbaren Einfluss auf die Betreuungsqualität hat.
Diskussion
Die vorliegende Publikation erscheint uns aus verschiedenen Gründen von Relevanz. Zum einen wird ein guter Überblick zum aktuellen Forschungsstand im Bereich der Betreuungsqualität in Kindergärten gegeben. Zum anderen ist die Forschungsleistung der Autorin zu würdigen, die ein standardisiertes Kategoriensystem für die Evaluation der Betreuung in freien Spielsituationen entworfen hat. Dieses System wurde von ihr auch mit spannenden Ergebnissen erprobt und validiert. Eine wissenschaftliche Beurteilung von Betreuungsqualität ist damit möglich, der Ansatz kann ein Baustein der Professionalisierung im Bereich der Elementarpädagogik sein.
Fazit
Interessante Forschungsergebnisse zur Betreuungsqualität in der Elementarpädagogik.
Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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