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Monika Rummler (Hrsg.): Vorlesungen innovativ gestalten

Cover Monika Rummler (Hrsg.): Vorlesungen innovativ gestalten. Neue Lernformen für große Lerngruppen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. 190 Seiten. ISBN 978-3-407-36544-6. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Das Herausgeberwerk widmet sich der Frage, wie das Lehrformat „Vorlesung“ und weitere „Massenveranstaltungen“ derart (um-)gestaltet werden können, dass vermehrt eine Aktivierung von Denken und Lernen der Studierenden möglich wird. Verschiedene Autoren und Autorinnen stellen didaktische Techniken, Methoden und Szenarien anhand konkreter Beispiele aus der eigenen Lehrpraxis an der TU Berlin vor.

Entstehungshintergrund

Es ist dies das dritte Buch einer Buchreihe, die im Rahmen diverser Maßnahmen zur Unterstützung hochschuldidaktischer Innovationsprozesse an der Technischen Universität Berlin umgesetzt wird. Das Werk versteht sich als Beitrag zur Diskussion über Lehre und damit letztlich zur Verbesserung einer Lehr-/Lernkultur, die das Lernen der Studierenden ins Zentrum rückt.

Aufbau

Der Band beginnt mit einem Beitrag der Herausgeberin Monika Rummler zu grundlegenden Fragen rund um die Vorlesung: „Grosse Lerngruppen in Vorlesungen und anderen Massenveranstaltungen“ (S. 14 bis 36). Im Beitrag werden Kritikpunkte an Vorlesungen thematisiert und Verbesserungspotentiale aufgezeigt, anknüpfend an ein „neues“ Lehr-/Lernverständnis, welches die Lernprozesse der Studierenden ins Zentrum stellt und eine neuen Rolle der Lehrenden impliziert. Dabei behält das traditionelle Format Vorlesung zwar seine Berechtigung, es kann jedoch gemäss Autorin lernförderlich(er) gestaltet werden – etwa unter Einbezug von Selbststudium und Vernetzungsmöglichkeiten in Form neuer Medien.

Diesen grundlegenden Gedanken der Herausgeberin schließen sich diverse Kapitel an, in denen verschiedene methodische Ansätze allgemein und/oder anhand von Beispielen der TU Berlin vorgestellt werden. Damit sich die Leser und Leserinnen ein Bild über die Vielfalt der Beiträge machen können, werden im Folgenden die Inhalte der verschiedenen Kapitel kurz umschrieben.

Inhalt

Nach Monika Rummlers einführendem Kapitel folgt im Beitrag von Petra Jordan und Monika Rummler „Aktivierende Lehrformen für große Lerngruppen: Techniken und Methoden“ (S. 37 bis 84) ein Materialsammlung in Form von Planungsinstrumenten, von Techniken zur Lernprozeßstrukturierung und von aktivierenden Methoden für Großgruppenveranstaltungen. Die 22 aktivierenden Methoden, z.B. Kurzreferate, Leittext, Paar-Interview, Problemlösegruppen, Radio Hanoi etc. werden sehr kurz und praxisnah beschrieben anhand ihrer Anwendungsbereiche und ihrer Ziele. Tipps zu ihrem Einsatz in Großgruppen ergänzen die Darstellung.

Alexandra Schulz und Peer-Olaf Kalis stellen im Beitrag „Didaktische Einsatzszenarien für Vorlesungsaufzeichnungen“ (S. 85 bis 92) die Frage, was aus den bisherigen Erfahrungen mit Vorlesungsaufzeichnungen gelernt werden kann. Dabei thematisieren sie technische Aspekte ebenso wie Chancen und Schwierigkeiten, und sie weisen auf zentrale Entscheidungen hin, die im Vorfeld solcher Aufzeichnungen gefällt werden müssen.

Im Kapitel „Prüfungen in großen Gruppen“ (S. 93 bis 110) beantwortet Petra Jordan die Frage, welche Ziele mit welchen Prüfungsformaten und Ressourcen erreicht werden können. Dabei beschreibt sie kurz auch Alternativen zu Klausuren für Großgruppen bis zu ca. 150 Studierenden (etwa Posterpräsentationen, Forenbeiträge etc.).

Albrecht Gündel-vom Hofe stellt im Beitrag „der Faktor Mensch in der virtuellen Lernumgebung“ (S. 111 bis 121) eine zumeist im Bachelor-Studium und zu Beginn des Studiums besuchte Lehrveranstaltung vor, welche grundlegende mathematische Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt (Analysis I für Ingenieure). Die Veranstaltung richtet sich an 1200 bis 2300 Studierende und umfasst Vorlesung, Tutorien und Hausaufgaben, die Voraussetzung für die Teilnahme an der abschließenden Prüfungsklausur sind.

Wie eine technikorientierte Vorlesung des Ingenieurstudiums interaktiv und studierendenzentriert gestaltet werden kann, ist in „Experiment, Filmausschnitt und Lernplattform: Ein neues didaktisches Konzept in den Ingenieurwissenschaften“ von Petra Nikol nachzulesen (S. 122 bis 131). Seit dem Wintersemester 2012/2013 wird ein neues didaktisches Konzept erprobt. Es basiert auf alltagsnahen Experimenten zu elektrotechnische Prinzipien, die beschrieben, vorgeführt, gefilmt und projiziert werden, so dass große Gruppen von Studierenden mit sehen können. Ergänzend werden Übungsmöglichkeiten wie Hausaufgaben und Tutorien etc. angeboten. Mit den neuen aktivierenden Sequenzen wird eine große Anzahl von Studierenden besser erreicht als zuvor.

Auch im nächsten Beitrag „Quizfragen, Alltagsbeispiele und Bildfolgen: Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik“ (S. 132 bis 139) von Sabine Enders geht es um die Frage, wie abstrakte Lehrsätze anhand von Alltagsbeispielen fassbar und motivierend vermittelt werden können, diesmal in einem Modul „physikalische Chemie“. Auch hier steht die Strukturierung des zu erwerbenden Wissens anhand von Problemen und ihrer Lösung mit Hilfe von konkreten Beispielen bzw. Experimenten im Zentrum.

Christian Thomsen stellt Konzept und Umsetzung von „Peer Instruction: Studierende helfen sich selbst“ (S. 140 bis 148) vor. Es geht um eine Einführung in die Physik, die in den drei Formaten Vorlesung, Große Übung und Tutorien stattfindet. Für die Große Übung werden Aufgaben vorgängig gelöst und während der Übung unter Peers besprochen. Erst wenn Lösungen in den Kleingruppen unklar bleiben, werden Tutor/innen zur Klärung herangezogen. Eine Aufgabe – durch Internetabstimmung auserkoren – wird am Schluss im Plenum exemplarisch „vorgerechnet“, womit aktives Lernen mit Hilfe von Peers angeregt wird.

Wie Lehrvideos in Vorlesungskonzepte eingebaut werden können, beschreiben Uwe Nestmann und Arno Wilhelm (S. 149 bis 158): „Screencasts Pro: Wie Lehrvideos die Vorlesung ergänzen können“ ganz konkret, Beispiele sind im Internet einsehbar.

Felix Ziegler beantwortet im Beitrag „Die Grundlagenvorlesung: Qual oder Höhepunkt“ die Frage, wie man Grundlagenvorlesungen aufwerten kann (S. 159 bis 169). Der Autor bezieht sich auf eine Vorlesung vor ca. 500 Studierenden im Bereich der Physik, die flankiert wird u.a. durch Tutorien und Übungen. Dabei zeigt der Autor auf, wie die Funktionen von Vorlesung, Übung und Tutorien aufeinander abgestimmt sind, indem beispielsweise in der Vorlesung Grundlagen ausgehend von Problemstellungen/Experimenten entlang einem schrittweisen Erkenntnisprozess aufgezeigt werden. Auch mit Grundlagenwissen soll kreativ und lebendig – forschend – gelernt und gearbeitet werden.

Das abschließende „kleine ABC des Präsentierens“ von Astrid Schürmann (S. 170 bis 180) zeigt in 25 Stichwörtern ausgehend von den Buchstaben t-r-a-d-i-t-i-o-n-e-l-l d-o-c-h i-n-n-o-v-a-t-i-v auf, inwiefern Lehrende für eine innovative Lehre darauf angewiesen sind, sich Antworten auf vielfältige Grundfragen (am besten vor dem Lehreinsatz) zurechtzulegen.

Diskussion

Das vorliegende Werk stellt eine Reihe didaktischer Techniken und Methoden rund um die Aktivierung von Studierenden für (sehr) große Lehrveranstaltungen vor. Es zeigt mit Hilfe von Best-Practice Beispielen und einer Menge Tipps auf, wie in einem konstruktivistischen Lehr-/Lernverständnis die Motivation und Aufmerksamkeit der Studierenden gewonnen und genutzt werden kann. In den verschiedenen Beiträgen wird der Blick immer wieder auf zentrale Fragen der didaktischen Planung und Durchführung von Lehrveranstaltungen gelenkt. Auch wenn von „innovativen“ Gestaltungsmöglichkeiten gesprochen wird, so sind doch viele der vorgestellten Mittel/Methoden nicht (gänzlich) neu. Zudem liegt der Fokus der Beiträge weniger auf einem „Lehrformat Vorlesung“ als auf einem didaktisch innovativen Umgang mit großen Lerngruppen.

Fazit

Das Buch dürfte in erster Linie Lehrende an Universitäten, die Großveranstaltungen für Bachelor und Masterstudierende zu planen und auszuführen haben, ansprechen. Es unterstützt die Weiterentwicklung der Lehre durch eine Menge von Ideen und konkreten Hinweisen, wie mit Hilfe motivierender Lehrsequenzen ein aktives Lernen der Studierenden erreicht werden kann.


Rezension von
Prof. Dr. Elisabeth Müller Fritschi
Homepage www.fhnw.ch
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Zitiervorschlag
Elisabeth Müller Fritschi. Rezension vom 20.03.2015 zu: Monika Rummler (Hrsg.): Vorlesungen innovativ gestalten. Neue Lernformen für große Lerngruppen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2014. ISBN 978-3-407-36544-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18123.php, Datum des Zugriffs 21.06.2021.


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