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Mathias Blanz: Forschungsmethoden und Statistik für die Soziale Arbeit

Cover Mathias Blanz: Forschungsmethoden und Statistik für die Soziale Arbeit. Grundlagen und Anwendungen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. 260 Seiten. ISBN 978-3-17-025835-8. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR, CH: 38,50 sFr.
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Thema

Ziel des Buchs ist es, umfassend in forschungsmethodische und statistische Grundlagen der empirischen Sozialforschung einzuführen. Dazu werden qualitative und quantitative Methoden sowie statistische Verfahren behandelt. Die Monographie ist als Lehrbuch konzipiert, das sich an Studierende, Forschende und Lehrende sowie an Praktiker*innen der Sozialen Arbeit und angrenzender Disziplinen richtet.

Autor

Prof. Dr. Mathias Blanz ist Hochschullehrer für empirische Sozialforschung in der Sozialen Arbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg Schweinfurt.

Entstehungshintergrund

In seinem Vorwort stellt Mathias Blanz fest, dass es im Gegensatz zu einer Vielzahl an Fachbüchern zu Methoden der Sozialen Arbeit nur eine geringe Anzahl an Publikationen gibt, welche sich mit Forschung und Evaluation im Kontext Sozialer Arbeit beschäftigen. Sofern sie es tun, dann jedoch entweder vorrangig mit Methoden oder mit Statistik. Indem sich der Autor umfassend beiden Themen widmet, beabsichtigt er diese Lücke im Bestand der Fachliteratur Sozialer Arbeit zu schließen.

Aufbau

Das Buch ist in zwei Themenbereiche gegliedert.

Der Themenbereich I Forschung ist in folgende Unterkapitel unterteilt:

  • Einleitung
  • Forschungsfragen und Untersuchungsplanung
  • Operationalisierung und Datenerhebung
  • Einführung in SPSS
  • Berichterstellung

Der Themenbereich II Statistik beinhaltet folgende Unterkapitel:

  • Beschreibende und schlussfolgernde Statistik
  • Prüfung von Zusammenhangshypothesen
  • Prüfung von Unterschieds- und Veränderungshypothesen
  • Fragebogen- und Testentwicklung
  • Evaluationsmethoden
  • Fehler und Fallen der Statistik

Zu Teil I

Nach einem Vorwort folgt der erste große Bereich Forschung. In diesem steigt der Autor in der Einleitung mit der Bedeutung von Forschung für die Soziale Arbeit ein und fährt dann mit Begriffsbestimmungen fort. Hier definiert er Begriffe, wie Forschungsmethoden oder quantitative und qualitative Sozialforschung. Ebenso nennt er die vier Hauptaufgaben von Wissenschaften. Mathias Blanz nimmt ebenso Bezug auf den Forschungsprozess und das Erstellen eines Exposés in der Sozialen Arbeit.

Im zweiten Kapitel Forschungsfragen und Untersuchungsplanung beginnt er mit Erläuterungen zu Hypothesen, Gesetzen und Theorien. Neben der Formulierung von Hypothesen und unterschiedlichen Hypothesenarten geht er differenziert auf die wissenschaftstheoretischen Grundlagen ein. Mit Gesetzmäßigkeiten leitet er sodann über zu Theorien als wissenschaftliche Erklärungsmodelle, deren Eigenschaften und Modifikation. Im Anschluss beschäftigt er sich mit explanativen, deskriptiven und explorativen Untersuchungsplanungen. Er nennt Kriterien für die Auswahl einer bestimmten Untersuchungsart und knüpft mit der Beschreibung verschiedener Forschungsdesigns an. Danach erklärt er ausführlich experimentelle Designs und schließt das Kapitel mit der Wahl der Untersuchungsteilnehmer*innen respektive der Stichprobenbildung ab.

Operationalisierung und Datenerhebung sind die Themen im dritten Kapitel. Als Einstieg wählt Matthias Blanz die messtheoretischen Grundlagen: Definition und Explikation von Begriffen, Messen und Skalen. Im Anschluss folgen die Datenerhebungsverfahren. Hier beschreibt er Beobachtungs- und in umfangreicher Weise die verschiedenen Befragungsverfahren. Auch die dokumentengestützten Verfahren, wie z. B. die qualitative Inhaltsanalyse schließt er dabei ein. Das Kapitel endet mit Aspekten zu der Durchführung von Datenerhebungen.

Kapitel 4 umfasst auf knapp 10 Seiten Erläuterungen zur Analyse-Software SPSS. Das Kapitel ist untergliedert in die Unterkapitel Dateneingabe und Datenverarbeitung. Es finden Aspekte wie Variablenansicht, fehlende Werte, Datentransformation und Datendarstellung Erwähnung.

Teil 1 des Buchs wird durch Kapitel 5 Berichterstellung abgeschlossen. Der Autor widmet Abschlussarbeiten, Publizieren in der Sozialen Arbeit sowie dem Thema Anschlussfähigkeit und Promotion insgesamt 6 Seiten.

Zu Teil II

Auf beinahe doppelt so vielen Seiten (ca. 170, Teil 1 umfasst 100) wird der zweite Teil Statistik in dem Buch behandelt.

In Kapitel 6 führt Blanz anhand beschreibender und schließender Statistik in die Grundlagen der Häufigkeitsberechnung und der Kennwerte ein. Ebenso stellt er verschiedene Prüfverfahren vor.

Kapitel 7 umfasst das Thema Prüfung von Zusammenhangshypothesen. Hier stehen zum einen die Korrelationsanalysen und zum anderen die Regressionsanalysen im Vordergrund.

Unterschieds- und Veränderungshypothesen sind Kern des achten Kapitels. Die Verfahren werden hierbei detailliert für Nominal-, Ordinal- und Intervalldaten dargestellt.

Im neunten Kapitel folgen dann Aspekte der Fragebogen – und Testentwicklung. Der Autor beginnt mit Item-Analysen (u. a. Schwierigkeitsanalyse, Trennschärfe- und Homogenitätsanalyse). Daran schließen die Gütekriterien für Testverfahren und die entsprechende Normierung von Testverfahren an.

Auf Evaluationsmethoden wird in Kapitel 10 eingegangen. Dabei werden sowohl die Funktionen und allgemeine Aspekte von Evaluationsstudien thematisiert, als auch Evaluationen im Individualfall sowie als Experimentaldesign im Gruppenkontext (Metaanalysen und Implementationsforschung).

In Kapitel 11 referiert Blanz dann letztlich auf 7 Seiten Fehlerquellen und Fallen in der Statistik.

Diskussion

Mit Sicherheit liegt hier ein anspruchsvolles, größtenteils quantitativ ausgerichtetes Buch zu Forschung in der Sozialen Arbeit vor. Das kann möglicherweise auch an der Herkunftsdisziplin des Autors liegen, welcher von Haus aus Psychologe ist. Dies mag auch dazu geführt haben, dass die Veröffentlichung vor allem durch den Tiefgang in die statistischen Verfahren besticht, was hohe Präzision gewährleistet, gleichzeitig aber auch Geduld und Ausdauer der Rezipienten erfordert. Qualitative Verfahren kommen aufgrund der quantitativen Schwerpunktsetzung als Forschungsmethoden zu kurz, was allerdings erst bei genauerer Auseinandersetzung mit den Inhalten auffällt.

Partiell zu bemängeln ist allenfalls der inhaltliche Aufbau des Buchs. So könnte Kapitel 4 als Einführung in SPSS etwas deplatziert erscheinen. Es würde sich im zweiten Teil des Buchs – vor Kapitel 6 – vermutlich sinnvoller einreihen.

Fazit

Das Buch ist in Bachelorstudiengängen nur eingeschränkt zu empfehlen, da sich die Lehre in Statistik 1 und 2 auf dem Bachelor-Niveau in Studiengängen der Sozialen Arbeit (noch) in Grenzen hält und über allgemeine Grundlagen der Dateninterpretation nur selten hinausgeht.

In forschungsorientierten Master-Studiengängen Sozialer Arbeit ist das Buch gut aufgehoben und für die Anwendung in der Lehre als auch für das Selbststudium geeignet. Einschlägige (einführende und vertiefende) Werke der qualitativen Forschung ersetzt es aber keineswegs.


Rezensent
Jens M. Schneider
Sozialarbeitswissenschaftler, M.A. (Hochschule Fresenius - Standort Frankfurt am Main)
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Zitiervorschlag
Jens M. Schneider. Rezension vom 18.11.2015 zu: Mathias Blanz: Forschungsmethoden und Statistik für die Soziale Arbeit. Grundlagen und Anwendungen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-17-025835-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18172.php, Datum des Zugriffs 21.11.2019.


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