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Gabriele Häußler (Hrsg.): Psychoanalytische Säuglingsbeobachtung und Säuglings-Kleinkind-­Eltern-Psychotherapie

Cover Gabriele Häußler (Hrsg.): Psychoanalytische Säuglingsbeobachtung und Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2015. 240 Seiten. ISBN 978-3-95558-116-9. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.
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Herausgeberin

Gabriele Häußler, analytische Kinder-und Jugendlichentherapeutin in eigner Praxis (VAKLP), Dozentin und Supervisorin am Psychoanalytischen Institut Stuttgart und Würzburg, Mitarbeiterin der Babyambulanz Stuttgart; Herausgeberin und Redakteurin der Fachzeitschrift Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie.

Thema

Dieser Herausgeberband thematisiert die psychoanalytische Säuglingsbeobachtung nach der Methode von Ester Bick und zeigt deren Schlussfolgerungen und Konsequenzen für die Psychoanalytische Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie auf.

Ziel

Diese Veröffentlichung will einen umfassenden Einblick in die Methode der psychoanalytischen Säuglingsbeobachtung vermitteln wie sie vor gut 70 Jahren an der Travistock Clinic in London von Ester Bick entwickelt wurde. Dieser schließt eine wissenschaftliche Einordnung dieses Ansatzes ebenso ein wie ein schlussfolgerndes Aufzeigen verschiedener therapeutischer Ansätze z.T. vor dem Hintergrund von Fallskizzen und ausführlichen Fallbeispielen ein. Dabei wird insbesondere auf die spezifischen Bedingungen und Herausforderungen in diesen therapeutischen Kontexten hingewiesen.

Dieser Herausgeberband richtet sich an ein interessiertes Fachpublikum in Forschung und Praxis und setzt das Wissen um die besondere Konstruktion eines psychoanalytischen Menschbildes und dem daraus resultierenden Entwicklungs- und Therapieverständnis voraus.

Aufbau und Inhalt

Neben dem einleitenden Vorwort der Herausgeberin besteht dieser Sammelband aus 14 Beiträgen unterschiedlicher Autorinnen und Autoren. Alle Verfasserinnen und Verfasser sind in der analytischen Praxis tätig bzw. sind in ihrem beruflichen Handeln eng mit dieser verbunden.

Diese Veröffentlichung gliedert sich in zwei Kapitel.

  1. Das erste beinhaltet grundlegende Beiträge zur psychoanalytischen Säuglingsbeobachtung nach der Methode von Esther Bick;
  2. der zweite Abschnitt zeigt einen Weg auf von der psychoanalytischen Säuglingsbeobachtung zur psychoanalytischen Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie.

Beiträge des ersten Abschnittes thematisieren u.a. die

  • „Säuglingsbeobachtung als Lernerfahrung in der psychoanalytischen Ausbildung“;
  • „Psychoanalytische Beobachtungen von Frühgeborenen“;
  • „frühe Mutter-Kind-Beziehungen“.

Die Grundlage und gleichzeitig die Einführung in den zweiten Abschnitt bietet Barbara Hirschmüller mit ihrem Beitrag „Von der Säuglingsbeobachtung zur analytischen Psychotherapie von Müttern und sehr kleinen Kinder“.

Weiter Beiträge dazu sind u.a.

  • „die Dynamik psychoanalytischer Therapien der frühen Eltern-Kind-Beziehung“;
  • „Das Besondere in der psychoanalytischen Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie“;
  • „Baby und Kleinkind als Subjekt in therapeutischen Settings“.

Diskussion

Alle Beiträge in diesem Herausgeberband beruhen auf den theoretischen Grundannahmen der Psychoanalyse im Allgemeinen wie im Speziellen auf die psychoanalytische Sichtweise auf die frühe Entwicklung wie sie insbesondere in den Werken von Siegmund Freud, D.W. Winnicott, M. Klein, W.R. Bion, Donald Meltzer sowie D. Stern grundgelegt wird. Dieses alle Autorinnen und Autoren einende Grundverständnis stellt auch die verbindende Klammer der einzelnen Beiträge dar. Dieses dokumentiert sich auch in der Quersicht der von den Einzelnen verwendeten Literatur. Alle beziehen sich im Wesentlichen auf dieselben wissenschaftlichen Grundlagen und die dazu einschlägigen Veröffentlichungen. Das psychoanalytische Gedankengebäude wird somit über die gesamte Veröffentlichung hinweg nicht verlassen und lässt eine gute Konzentration auf diesen Zugang zur Wirklichkeit der ersten Lebensjahre zu.

Eine besondere Qualität ist in den vielen Fallbeispielen und Fallskizzen insbesondere im zweiten Kapitel zu erkennen. Sie vermitteln einen lebendigen Einblick in die gängige therapeutische Praxis und wie diese mit dem Theoriekonzept der psychoanalytischen Säuglingsbeobachtung verbunden werden kann. Besonders beachtenswert sind die am Ende der einzelnen Beiträge zu findenden Auswertungen und Reflexionen der Autorinnen und Autoren.

Kritisch anzumerken ist die ausschließliche Ausrichtung auf die psychoanalytische Perspektive. Diese ist zwar Thema und Anliegen dieser Veröffentlichung, dennoch stehen die frühen Entwicklungsschritte des Menschen im Fokus unterschiedlicher Forschung und wissenschaftlicher Diskussion jenseits der psychoanalytischen Perspektive. Eine Auseinandersetzung damit sowie eine Positionierung dazu würde der Einordnung dieser Veröffentlichung in den doch sehr breit angelegten wissenschaftlichen Diskurs gut tun.

Fazit

In der Summe liegt hier eine beachtenswerte Veröffentlichung zu einem sehr spezifischen Thema vor. In der Zusammenstellung und Ausgestaltung der Beiträge ist es der Herausgeberin und Ihren Autorinnen und Autoren gelungen für ein interessiertes Fachpublikum einen vertieften Einblick in die psychoanalytische Säuglingsbeobachtung und die daraus abgeleitete therapeutische Praxis anzubieten.


Rezensent
Prof. Dr. Helmut Lechner
Hochschule München
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Zitiervorschlag
Helmut Lechner. Rezension vom 27.08.2015 zu: Gabriele Häußler (Hrsg.): Psychoanalytische Säuglingsbeobachtung und Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2015. ISBN 978-3-95558-116-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18206.php, Datum des Zugriffs 22.08.2019.


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