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Carla van Kaldenkerken: Supervision und Intervision in der Mediation

Cover Carla van Kaldenkerken: Supervision und Intervision in der Mediation. Einführung, Methoden, Anleitungen. Wolfgang Metzner Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2014. 232 Seiten. ISBN 978-3-943951-12-7. D: 38,20 EUR, A: 39,30 EUR, CH: 50,90 sFr.
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Thema und Hintergrund

Supervision ist das klassische Reflexionsformat für Berufe, die es mit Menschen zu tun haben: soziale und kirchliche Berufe, aber auch zum Beispiel Mediatoren. Sie ist ein wirksames Instrument zur Reflexion des eigenen beruflichen Handelns. Daneben hat sich seit langem auch „Intervision“ etabliert: ein „Supervisionsformat ohne SupervisorIn“, eine strukturierte kollegiale Beratung. Die Vorsitzende des Berufsverbandes Mediation, Jutta Hohmann, stellt in ihrem Vorwort zu dem Band als Erstes fest: „Ohne Supervision können Mediatorinnen und Mediatoren nicht professionell arbeiten.“ (S.9) Deshalb richtet sich das Buch gezielt an alle, die im Bereich Mediation arbeiten: Mediatoren in der Ausbildung, praktizierende Mediatoren und Mediationsausbilder. (vgl. S. 13)

Mediation als Streitschlichtungsformat wird in dem Buch nicht eigens beschrieben, am Ende wird allerdings eine nicht ganz uninteressante Frage gestellt: „Supervision und Mediation – ein Unterschied?“ (S. 213) Mediatoren bieten Ausbildungen zum Supervisor an (zum Teil ohne nachvollziehbare Standards) und Supervisoren sind nicht selten in Konfliktlagen moderierend und klärend tätig. Das kann zu Rangeleien und Unklarheiten führen – und möglicherweise beide Formate beschädigen. Die Autorin hält allerdings an der deutlichen Zuordnung fest: Supervision supervidiert Mediation, nicht nur während der Ausbildung, sondern auch als professionelle Begleitung mediatorischen Handelns. Das ist Standard.

Ein Hinweis der Autorin: „Teile dieses Buches wurden aus meinem Lehr- und Praxisbuch für Supervisoren, ‚Wissen was wirkt – Modelle und Praxis pragmatisch-systemischer Supervision‘ (2014) übernommen. Auf der Basis systematischer Erforschung meiner supervisorischen Praxis sowie fortdauernder Auseinandersetzung mit den Theorien der Supervision und der allgemeinen Beratungslehre entstand dieses Lehrbuch.“ (S. 14) Möglicherweise ist das der Grund, warum nicht bei allen Teilen des Buches sofort erkennbar ist, welchen Bezug sie zum Thema Mediation haben.

Autorin

Carla van Kaldenkerken arbeitete nach Abschluss ihres Studiums der Sozialpädagogik bei verschiedenen Institutionen der Erwachsenenbildung und der beruflichen Bildung. Weiter arbeitet sie im Bereich der sozialen Unternehmensberatung, sie hat sich 1990 mit der Beratungsfirma step in Berlin selbständig gemacht. Seit 1990 arbeitet sie auch freiberuflich als Supervisorin (DGSv) und Lehrsupervisorin sowie Organisationsberaterin und seit 1998 als Mediatorin (BM©) und Ausbilderin für Mediation (BM©). Gemeinsam mit Roland Kunkel gründete sie im Jahr 1990 die Beratungsfirma „step“ in Berlin (www.stepberlin.de), die u.a. auch Weiterbildungen anbietet.

Aufbau und Inhalt

Kapitel 1 ist überschrieben mit: „Was ist Supervision?“. Es beginnt mit der Geschichte der Supervision (die freilich auch schon manches mal erzählt wurde…), schlägt einen Bogen über „Supervision heute“ zur „Systematik von Supervision und ihre Unterscheidung von anderen Beratungsformaten“ und zu „Formen von Supervision“. In dem Abschnitt „Formen von Supervision“ wird, wie auch am Ende des Buches, die Nähe von Supervision und Mediation geschildert: „Umfragen bei der DGSv bei Kunden von Supervision ergaben, dass die häufigsten Anlässe für Supervision Konflikte sind. Es mag erstaunen, dass viele Kunden Supervision und nicht Mediation nachfragen.“ (S. 27)

Das zweite Kapitel schildert die „Ausbildungssupervision im Rahmen der Mediationsausbildung“. Das Mediationsgesetz, das den professionellen Rahmen der Mediatoren sichert, schreibt Supervision im Rahmen der Ausbildung vor. Dementsprechend haben die Verbände Supervision in ihre Curricula übernommen – ohne freilich in jedem Fall eindeutig zu definieren, was sie unter Supervision in diesem Kontext verstehen und welche Standards diese haben soll. Van Kaldenkerken differenziert die Formate Praxislehre, Praxisanleitung, Praxisberatung, Intervision und Supervision , damit am Ende Ausbildungssupervision und Berufsbegleitende Supervision prägnante Formate sind. Eine weitere Klärung liegt darin, dass die Autorin „einige zentrale Anforderungen an die Qualifikation des Ausbildungssupervisors“ formuliert, die Rahmenbedingungen von Ausbildungssupervision beschreibt und schließlich den (für Ausbildungssupervision typischen) Dreieckskontrakt reflektiert. Ein sehr umfassendes, aber auch sehr hilfreiches Merkblatt für Ausbildungsteilnehmende und -institute beendet das Kapitel.

Beim dritten Kapitel hat man einmal mehr das Gefühl, man habe es schon einige Male gelesen: Es geht um „Supervision als Prozess“: Erstkontakt, Sondierung und Auftragsklärung, Kontrakt, Supervisionsprozess, Evaluation. Jeder dieser Abschnitte wird abgeschlossen mit einem kurzen Absatz unter der Überschrift: „Besondere Anforderungen an Supervisoren“. Auch dieses Kapitel bietet am Ende eine Sammlung von Arbeitsblättern zu den einzelnen Phasen des Supervisionsprozesses: Checklisten und Vertragsentwürfe sowie eine Sammlung von Methoden vom Einstieg bis zur Evaluation.

Das vierte Kapitel beschreibt „Die Programmelemente von Ausbildungssupervision“ und stellt die Einleitung zu den folgenden Kapiteln dar, die die Programmelemente im Einzelnen darstellen.

Das Thema des fünften Kapitels ist die „Fallsupervision im Rahmen der Ausbildungssupervision“. Das Kapitel beschreibt Ablauf und Methoden sowie auch hier immer wieder die „besonderen Anforderungen an Supervisoren“, zunächst für Fallsupervision in der Gruppe, dann auch für Fallbearbeitung im Einzelsettig. Arbeitsblätter und Methodenbeispiele beschließen das Kapitel.

Ein weiteres „Programmelement“ von Ausbildungssupervision befasst sich mit dem Thema „Rollenberatung und berufliche Identität“. Das ist Gegenstand des sechsten Kapitels. Mediation ist üblicherweise eine Ergänzung zu einem ausgeübten Hauptberuf, z.B. Jurist, Berater, Trainer oder Führungskräfte im Bereich Organisations- und Personalentwicklung oder auch (sozial-)pädagogische Fachkräfte. Ausbildungsteilnehmende müssen in Bezug zu und in Abgrenzung von ihrem Hauptberuf eine prägnante Identität als Mediatoren entwickeln. Die Ausbildungssupervision begleitet diesen Prozess. Für solche Rollenklärung stellt die Autorin wieder Methoden und Arbeitsblätter zur Verfügung.

Das siebte Kapitel thematisiert den „Umgang mit Störungen“ im Verlauf eines Supervisionsprozesses, z.B. „Spiegelphänomene“ und „Widerstand“.

Weiterbildungen wie auch die zum Mediator sind meist so strukturiert, dass es zwischen den einzelnen Kursphasen Lerngruppentreffen gibt, die dazu dienen, das Gelernte zu vertiefen und die eigenen beginnende mediatorische Praxis zu begleiten. Das achte Kapitel behandelt „Lerngruppen und Intervision im Rahmen der Mediationsausbildung.“ Es werden wesentliche Aspekte der Lerngruppenarbeit vorgestellt: von der (manchmal schwierigen) Gruppenbildung über die Aufgabenstellung bis zur Strukturierung der einzelnen Treffen.

Nach der ausbildungsbegleitenden Supervision wird im neunten Kapitel „Fallsupervision als Instrument der Qualitätssicherung für praktizierende Mediatoren“ behandelt. Anlässe für Fallsupervision werden beschrieben – und dann werden, etwas überraschend an dieser Stelle, die Qualitätsmerkmale von Supervision unter der Überschrift „Standards der Supervision“ beschrieben, was nicht direkt im Zusammenhang mit Fallsupervision steht.

Das abschließende zehnte Kapitel fragt, wie oben schon benannt, unter der Überschrift „Auf gute Nachbarschaft – Perspektiven und Ausblick“ nach dem Unterschied von Supervision und Mediation und bietet auch ein Modell für „Niveaus der Handlungsfähigkeit“, das die graduellen, qualitativen Unterschiede von Aufgabe, Problem, Konflikt, Katastrophe markiert und reflektiert und die Einsatzgebiete der verschiedenen Konfliktbearbeitungsformate beschreibt.

Diskussion

Als Weiterbildner ist mir die Tatsache gut vertraut, dass es für wichtige Inhalte der Weiterbildung keine Literatur gibt, die man den Teilnehmenden hilfreich an die Hand geben kann. Das löst nicht selten den Impuls aus, selbst ein solches Buch zu schreiben. Ein ähnlichen Auslöser dürfte es auch für das vorliegende Buch geben: Es richtet sich in erster Linie an Menschen in Ausbildungskontexten, also an TeilnehmerInnen und WeiterbildnerInnen, das Ziel ist weniger die Beförderung eines fachinternen Diskurses. Das macht das Buch in hohem Maße praxisrelevant.

Ginge es um fachliche Diskurse, wären manche Kapitel und Passagen überflüssig, weil sie schon oft genug geschrieben worden sind: Die Geschichte der Supervision ist spätestens seit Belardi bekannt, der (ideale) Prozessverlauf ist häufig beschrieben, Dreiecksverträge häufig bedacht worden etc. Dankbar bin ich allerdings für die vielen Perspektiven auf die Ausbildungssupervision, die so oder etwas anders ja auch andere Weiterbildungen begleitet. Van Kaldenkerken lenkt hier den Blick auf wichtige Themen und bietet hilfreiche Methoden und Checklisten an. Dabei ist auch das Methodenrepertoire nicht neu, das ist aber vermutlich auch nicht der Anspruch. Gewiss aber gibt die Autorin eine gute Orientierung, welche Methode an welcher Stelle besonders gut am Platz sein kann. Die Checklisten sind oft gut, manchmal wirken sie aber auch wie Nachhilfe für Supervisoren, die nichts gelernt haben – und es ist doch zu hoffen, dass die Ausbildungssupervision (wie auch die berufsbegleitende Supervision) von qualifizierten SupervisorInnen durchgeführt wird, die auf manch eine Frage möglicherweise auch von selbst kämen.

Wem kann man das Buch empfehlen? Zunächst einmal allen Weiterbildnern, die Mediations-, Supervisions- oder auch Coachingweiterbildungen durchführen. Sie werden es mit Gewinn lesen, an vielen Stellen nicken, an anderen Stellen Markierungen an den Rand machen, um wichtige Stellen leichter wiederzufinden. Es ist, auch was die Checklisten und Hinweise betrifft, eine dankenswerte Zuarbeit. Dann aber auch allen Weiterbildungsteilnehmenden im Bereich Supervision, denn die werden auf wesentliche Fragestellungen, Problemlagen und Chancen aufmerksam gemacht und werden einen nicht zu unterschätzenden Gewinn für ihre berufliche Praxis haben, vor allem dann, wenn sie (auch) im Bereich von Mediation arbeiten.

Fazit

Ein kenntnisreiches Buch aus der Praxis und für die Praxis, das auch für diejenigen lesenswert ist, in deren Praxis Mediation weniger eine Rolle spielt.


Rezensent
Peter Schröder
Pfarrer
(Lehr-)Supervisor (DGSv), Seniorcoach (DGfC)
Homepage www.resonanzraeume.de
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Zitiervorschlag
Peter Schröder. Rezension vom 06.07.2015 zu: Carla van Kaldenkerken: Supervision und Intervision in der Mediation. Einführung, Methoden, Anleitungen. Wolfgang Metzner Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2014. ISBN 978-3-943951-12-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18209.php, Datum des Zugriffs 22.07.2017.


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