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Juliane Falk: Basiswissen Demenz

Cover Juliane Falk: Basiswissen Demenz. Lern- und Arbeitsbuch für berufliche Kompetenz und Versorgungsqualität. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. 288 Seiten. ISBN 978-3-7799-2402-9. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema

Die Publikation behandelt eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung, und zwar die Versorgung und Begleitung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Die gesellschaftliche Relevanz dieses Themas wird daran deutlich, dass einerseits unter anderem die Prävalenz der Demenzen steigt und andererseits das Phänomen Demenz zunehmend in den Medien thematisiert wird. Die Versorgung von Menschen mit Demenz kann nur gemeinsam mit pflegenden Angehörigen und einem multiprofessionellen Team qualitativ gestaltet werden. Um diesen Anspruch zu realisieren, bedarf es eines Wissenstransfers aus der Theorie in die Praxis, um den relevanten Akteuren in der Versorgung von Menschen mit Demenz handlungsrelevantes Wissen bereit zu stellen.

Autorin

Juliane Falk ist verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift „Pflege & Gesellschaft“ und arbeitet als freiberufliche Dozentin im Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich. Sie war Leiterin einer Pflegeschule und absolvierte ein Lehramtsstudium Erziehungs- und Sozialwissenschaften.

Zielgruppe

Als Zielgruppe für die vorliegende Publikation benennt die Autorin in erster Linie Personen, die Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen beruflich begleiten. Dies spricht eine breite multidisziplinäre Leserschaft an.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Publikation erschien 2015 bereits in der dritten Auflage. Anlass für die Überarbeitung waren Veränderungen in der Gesundheitspolitik und Pflegewissenschaft. Die veränderten gesetzlichen Leistungen und der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie das Thema evidenzbasierte therapeutische und psychosoziale Interventionen wurden ergänzt und aufgenommen. Die erste Auflage der vorliegenden Publikation erschien 2004, die zweite 2009.

Aufbau und Inhalt

Das erste Kapitel vermittelt die grundlegenden Informationen zum Phänomen Demenz. Den Anfang machen Ausführungen zur demografischen Entwicklung. Darauf folgen Erklärungen zur Bedeutung der Früherkennung mit einem Überblick über diagnostische Maßnahmen und Abgrenzungen zur Differentialdiagnose. Abschließend werden primäre und sekundäre Demenzen klassifiziert und Symptome beschrieben.

Das zweite Kapitel zeigt zunächst den Verlauf der Alzheimer-Demenz auf. Im Anschluss daran werden relevante Diagnoseinstrumente vorgestellt, die zur Erhebung der Pflege- und Betreuungssituation eingesetzt werden. Unter anderem werden hier Instrumente zur Schmerzeinschätzung und zur Ermittlung des Sturzrisikos präsentiert. Außerdem wird der Erhebungsbogen zur Ermittlung der Belastungssituation der pflegenden Angehörigen als auch ein Reflexionsbogen zur Wahrnehmung psychischer Überforderungen in der Arbeitssituation mit Menschen mit Demenz dargestellt.

Das dritte Kapitel befasst sich mit der Behandlung und Begleitung von Menschen mit Demenz. Unter psychosoziale und pflegerisch-therapeutische Interventionen werden Interventionen zur kognitiven Stabilisierung, Interventionen zur Orientierung und Sicherheit, mit ihren Zielen und teilweise auch Grenzen vorgestellt. Außerdem werden Grundsätze zur Verständigung und Förderung der Selbständigkeit, Grundsätze zur Motivierung und sozialen Einbindung, Maßnahmen zur Stärkung der Ich-Identität sowie Unterstützungsmöglichkeiten in den Lebensaktivitäten dargelegt. Weitere Schwerpunkte bilden die medikamentöse Behandlung sowohl der Hirnleistungsstörungen als auch der Verhaltensstörungen sowie therapeutische und psychosoziale Interventionen unter Berücksichtigung von Evidenz.

Das vierte Kapitel ist der Begleitung von Angehörigen gewidmet. Neben einführenden Bemerkungen zur Situation der Angehörigen werden Handlungshilfen zum Führen von Beratungsgesprächen gegeben. Daran schließt eine Übersicht gesetzlicher Leistungen bei Pflegebedürftigkeit sowie dem Begutachtungsverfahren an. Auch das Thema Wohnformen und demenzgerechte Wohn- und Versorgungsformen werden dargestellt.

Zu jedem Kapitel werden eingangs Lernziele definiert und abschließende Übungsaufgaben und Reflexionsfragen formuliert.

Diskussion

Juliane Falk hat einen guten Überblick geschaffen, relevante Inhalte ausgewählt und didaktisch aufbereitet. Zentrale Sachverhalte werden durch Abbildungen oder Tabellen visualisiert. Didaktisch gut aufbereitet ist beispielsweise die Abgrenzung der Demenzen. Hier werden übersichtliche Tabellen zur Unterscheidung zum Beispiel von Demenz und Depression, Delir und Demenz oder primärer und sekundärer Demenzen eingebunden. Die Autorin intendiert einen Perspektivwechsel beim Leser, der einfühlend und Menschen mit Demenz verstehend sein soll. Diese Intention realisiert die Autorin gut über die Übungsaufgaben und Fragen zur Reflexion, deren Hintergrund darauf basiert "wie würde es mir ergehen, was würde ich in dieser Situation wollen, dass die Menschen tun oder unterlassen sollen" (S.25). Der Perspektivwechsel wird beispielsweise am "herausfordernden Verhalten" gezeigt, dass dieses nicht eine Herausforderung für die pflegenden Angehörigen darstellt, sondern als Kommunikationsversuch und Bedürfnismitteilung zu deuten ist (vgl. S. 125).

Zu jedem Kapitel gibt es Lernkontrollfragen und/oder Übungs- und Reflexionsfragen, welche das Wissen festigen und vertiefen sollen. Zu ersteren gibt es Lösungshinweise. Aus didaktischer Sicht fände ich es für ein "Lern- und Arbeitsbuch" für das Selbststudium hilfreich, zu den Reflexionsfragen ebenfalls Auswertungshinweise zu geben: worauf zielen sie ab, wie arbeite ich als Lernender mit dem Reflexionsnotizen weiter, z.B. wie wird eine Verhaltensbeobachtung aus Kapitel 2 ausgewertet und welche Maßnahmen sollen ergriffen werden? Das ließe sich meiner Ansicht nach gut anhand eines Fallbeispiels lernförderlich einbinden.

Zu den im zweiten Kapitel vorgestellten Diagnoseinstrumenten fände ich aus akademischer Perspektive eine kurze kritische Diskussion der Objektivität von Beobachtungen sowie dem Einsatz, der Potentiale und vor allem Grenzen hilfreich, um auch gerade im Selbststudium einen kritischen Umgang mit standardisierten Instrumenten zu vermitteln und zur Reflexion anzuregen.

Die Ausgestaltung der multiprofessionellen Kooperation und Versorgungsgestaltung findet stellenweise Erwähnung, müsste aber hinsichtlich förderlicher Faktoren der Kooperation sowie dem Umgang mit Barrieren der berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit angereichert werden, um nicht nur mit Allgemeinaussagen zu arbeiten, wie z.B. dass eine multiprofessionelle Sichtweise in der Beratung davon entlastet, alleinig für einen betroffenen Menschen verantwortlich zu sein (vgl. S. 198). Hinweise zur konkreten Gestaltung von Schnittstellenarbeit zwischen Professionen und Institutionen könnten in das vierte Kapitel einfließen.

Das dritte Kapitel stellt anschaulich die Vielfalt der Lebenssituationen vor und verdeutlicht die Multidimensionalität der Behandlung und Begleitung von Menschen mit Demenz sowie ihrer Angehörigen.

Fazit

Insgesamt ist das vorliegende Lern- und Arbeitsbuch ein empfehlenswertes Grundlagenwerk, welches seinem Anspruch gerecht wird, differenziertes Grundlagenwissen über Demenz zu vermitteln. Die Vielfältigkeit des Syndroms Demenz wird deutlich. Diagnoseinstrumente und Handlungshilfen für die Angehörigenarbeit werden anschaulich vermittelt. Gesetzliche Leistungen werden prägnant und strukturiert zusammengefasst. Durch ergänzende, abwechslungsreiche Übungsaufgaben und Reflexionsfragen lassen sich die Inhalte gut im Selbststudium aneignen.


Rezensentin
Dr. phil. Daniela Schmitz
Dipl.-Päd., Wissenschaftliche Mitarbeiterin im multiprofessionellen Masterstudiengang Masterstudiengang „Multiprofessionelle Versorgung von Menschen mit Demenz und chronischen Einschränkungen“ an der Universität Witten/Herdecke
Homepage www.uni-wh.de/studium/studiengaenge/multiprofession ...
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Zitiervorschlag
Daniela Schmitz. Rezension vom 25.02.2015 zu: Juliane Falk: Basiswissen Demenz. Lern- und Arbeitsbuch für berufliche Kompetenz und Versorgungsqualität. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-7799-2402-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18261.php, Datum des Zugriffs 24.08.2019.


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