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Johanne Nolte: Fachberatung von Kitas

Cover Johanne Nolte: Fachberatung von Kitas. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2015. 96 Seiten. ISBN 978-3-589-24538-3. 14,95 EUR.

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Thema und Aufbau

Der Aufbau ist eher deduktiv gehalten. Er geht vom Allgemeinen zum Einzelnen. Daher wird zunächst auf den Begriff der Fachberatung, ihre Entstehung, den gesetzlichen Hintergrund, die Trägerzuordnung und die Finanzierung eingegangen. Dann folgen Ziele der Fachberatung, Kernaufgaben, die Frage nach den Kompetenzen und Qualifikationen und die Wirkungsweise. Weiter geht es über die verschiedenen Ebenen, mit denen Fachberatung zu tun hat, und den Funktionen in der Kita hin zu dem Kapitel „Wie Fachberatung in der Praxis funktioniert“. Schließlich werden besondere Situation und Fragestellungen beleuchtet und ein Ausblick auf die Zukunft von Fachberatung gegeben.

Inhalt

Da der Aufbau vom Allgemeinen zum Einzelnen geht, ist der Inhalt entsprechend: In den ersten beiden Kapiteln „Ein erster Blick von oben – der Rahmen ist gesetzt“ und „Mitten ins Geschehen – das Handlungsfeld von Fachberatung“ finden sich sehr viele Definitionen und Positionen. Es werden alle möglichen Aufgaben und Erwartungen, Hemm- und Hindernisse bezüglich Fachberatung genannt. (Der praxisorientierte Leser schielt auf die kommenden Seiten …)

Es werden gewichtige Themen angeführt: Qualifizierung, Professionalisierung, Qualitätsentwicklung und -sicherung, Lobbyarbeit, Kompetenzvermittlung. Überall soll Fachberatung sein, sich einmischen und passgenau tätig werden – in der Beziehung zu Kita-Leitungen und Trägern. (Dabei stellt man sich als Leser unweigerlich die Frage nach der Überforderung.)

Fachberatung wird als impulsgebendes, wertschätzendes, aufrüttelndes Element verstanden (Frage 13, S. 20) – den Punkt „beruhigendes Element“ hätte man noch gut anführen können. Leider kommt es zu keiner inhaltlichen Füllung dieser drei elementaren Gesichtspunkte. Stattdessen folgen erneut gewichtige Notwendigkeiten: „Managementwissen“, „strategische Kompetenz“, „rechtliche und gesetzliche Vorgaben“, „hohes Spezialwissen“.

Hilfreich sind die Feststellungen zur Wirkung der Fachberatung (Frage 16). Sie wirkt am besten, wenn sie „Praxisnähe“ und „Feldkompetenz“ besitzt, häufiger in einer Einrichtung präsent ist, wertschätzend beraten kann und vor allem für eine überschaubare Anzahl an Einrichtungen tätig ist. Das sind Eckpunkte, mit denen sich etwas anfangen lässt.

Interessant ist die Äußerung, dass sich Fachberatung in der Realität im „Dazwischen“ bewegt. (Dazu eine Anmerkung: Das Dazwischensein wird in Latein als „interesse“ bezeichnet. Fachberatung ist interessiert:) „Tatsächlich ist der Beratungsansatz maßgeblich beeinflusst durch die Person, die Fachberatung macht“ (Frage 21, S. 33), welche Impulse zur Weiterentwicklung sie selbst für gut, geeignet und praktikabel hält. Dabei spielt das gute und vertrauensvolle Verhältnis zwischen Fachberatung und Kita-Teams eine enorme Rolle. Sie geht in schwierigen und undurchsichtigen bzw. neuen Prozessen „nebenher“ und stützt (Frage 24, S. 36).

Wichtig ist der Hinweis (Frage 22, s. 34) zur Rolle in der Qualitätsentwicklung. Tatsächlich ist die Frage nach der Qualität in einer Einrichtung von größter Bedeutung und muss individuell beantwortet werden, auch durch die gezielte Auswahl von Fort- und Weiterbildungen und deren Transfer in die Einrichtungen (Frage 23). Fachberatung wird verstanden als eine strukturierende Größe und als Transferwache mit Erinnerungsaufgaben (S. 35). Dazu gehört auch die Einführung und Betreuung eines sinnvollen Beschwerdemanagements in der Einrichtung vor Ort (Frage 25).

Im Frage 28 („Vertritt die Fachberatung unsere Praxis auch bei unserem Träger und der Politik?“) ist der Hinweis auf die Brückenfunktion der Fachberatung zwischen den wissenschaftlichen bzw. fach(politischen) Instanzen und der Kita-Praxis gegeben. Es braucht diese überspannende Instanz, damit Theorie und Praxis nicht auseinandertriften.

Das folgende Kapitel „Lieber nicht, oder doch? – Wie Fachberatung in der Praxis funktioniert“ (S. 40 bis 54) ist lesenwert. Die Beantwortung der angeführten Fragen zur Zuständigkeit, zu den Einsatzfeldern, zur Arbeitsweise, zur Vertraulichkeit, zur Praxisorientierung, zur Konzeptions- und Personalentwicklung, zu Hilfestellungen bei Finanzierung und Betriebsorganisation spiegelt die Bedürfnisse in der Praxis wider. So darf man sich auch das angeführte Beratungsziel „sich freiwillig auf Nicht-Freiwilliges einzulassen“ und die Ermutigung „keine Veränderung oder Neuerung wirft ‚alles‘ um“ ganz fest einprägen (S. 47)!

Die letzten beiden Kapitel eignen sich zum Überfliegen. Es geht um „Fachberatung in besonderen Situationen und Fragestellungen“ (z. B. Krisen und Konflikte, Qualitätsmanagementsysteme, Kindeswohlgefährdung) und um „Ein Blick in die Zukunft“ (z. B. veränderte Kita-Welt, Profilierung von Fachberatung).

Leseempfehlung

Am besten beginnt man mit dem praxisorientierten Kapitel „Lieber nicht, oder doch? – Wie Fachberatung in der Praxis funktioniert“. Dann sollte man „Der (Beratungs-)Bühnen sind es viele – Ebenen der Fachberatung“ lesen, anschließend „Auch wenn die Farbe wechselt – Fachberatung und ihre Funktionen in der Kita“. Schließlich ordnen sich die beiden ersten oder die beiden letzten Kapitel ein.

Fazit

Wer wird mit diesem Buch angesprochen? Diese Frage begleitet durch die Lektüre. Für Interessierte, die sich im Bereich Fachberatung engagieren wollen, ist es in der vorliegenden Gliederung aufgrund der vielen aufgeführten Möglichkeiten zu wenig klar geführt und kann überfordernd wirken. Für in der Fachberatung Stehende ist es in Ansätzen interessant, weil Fachberatung immer mit der Notwendigkeit einer Profilierung befasst ist. Für Institutionen, die Fachberatung engagieren, kann der Eindruck entstehen: Die ist für alles zuständig, kennt sich überall aus und meistert alles. Die Autorin definiert Fachberatung einmal als „Blackbox“. Wie will man einen „schwarzen Kasten“ in seinen inneren Strukturen beschreiben, dass er farbenfroh und motivierend wirkt? Das ist wahrscheinlich ein Problem, wenn man ein Buch über Fachberatung vorlegt.

Die Fülle des Buches und die vielen darin enthaltenen Eventualitäten führen hoffentlich hin zur Frage: Was interessiert mich an Fachberatung, worauf kann ich mich konzentrieren, wie möchte ich meine Beratung fachlich und inhaltlich füllen, wie gleiche ich meine Erwartungen mit denen des „Dienstgebers“ ab?

Ein Ergebnis des Buches könnte sein: Die Dinge sind komplexer als ein Begriff vermuten lässt. Ein weiteres: Das Nachdenken über die dargelegten Gedankengänge ist sicherlich lohnenswert. Und schließlich wird deutlich, dass eine eigene Positionierung unabdingbar ist.


Rezension von
Dipl.-Relpäd. Thomas Brunnhuber
Fachberater für Religionspädagogik in Kitas im Diözesan-Caritasverband Regensburg
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Zitiervorschlag
Thomas Brunnhuber. Rezension vom 25.06.2015 zu: Johanne Nolte: Fachberatung von Kitas. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2015. ISBN 978-3-589-24538-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18271.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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