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Andreas Gruschka, Nabuco Lastória Luiz A. C. (Hrsg.): Zur Lage der Bildung

Cover Andreas Gruschka, Nabuco Lastória Luiz A. C. (Hrsg.): Zur Lage der Bildung. Kritische Diagnosen aus Deutschland und Brasilien. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 272 Seiten. ISBN 978-3-8474-0638-9. 29,90 EUR.
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Thema

Trotz allem Geschwätz vom Gegenteil habe sich nichts in der Grundstruktur der bürgerlichen Gesellschaft geändert – diese Adornosche Feststellung, in der jedoch nicht Resignation steckt, sondern die tätige Hoffnung, die sich in der Kritischen Theorie als Analyse und kritischen Auseinandersetzung mit den bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften artikuliert, beinhaltet, dass es möglich und notwendig ist, die ungerechten, ideologisch-hierarchischen Entwicklungen und Zustände deutlich zu machen und eine gerechte und gleiche Gesellschaft von mündigen Bürgern zu schaffen. Diese wissenschaftliche, theoretische Gesellschaftsanalyse verbindet theoretische Reflexion mit der praktischen Umsetzung als Einheit. Es ist die Diskrepanz zwischen Sollen und Sein, der materialistisch-interessengesteuerten Macht und die Forderung nach Bildung für alle, die den kontroversen Diskurs um „Bildung“ bestimmt (Willehad Lanwer, Hrsg., Bildung für alle. Beiträge zu einem gesellschaftlichen Schlüsselproblem, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/16915.php). Das Dilemma verringert sich nicht, sondern potenziert sich noch dadurch, dass unter Bildung ganz unterschiedliche, pragmatische, emanzipatorische und nicht zuletzt ideologische Vorstellungen verstanden werden (Michael Maaser / Gerrit Walther, Hrsg., Bildung. Ziele und Formen, Traditionen und Systeme, Medien und Akteure, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12295.php).

Es sind zwei Stränge, die hinführen zu einem Bewusstsein vom freien Menschen, der sich aus seiner selbst verschuldeten Unfreiheit befreien kann; der eine, humanistische, mit dem Ziel, dass „der freie Mensch… gegenüber Manipulationen und Ausnutzung seiner Beeinflussbarkeit zum Vergnügen und Nutzen anderer ‚immun‘ werde“ (Erich Fromm, in: Burkhard Bierhoff, Kritisch-Humanistische Erziehung, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/14818.php); der andere, komparatistisch-marxistische der „Frankfurter Schule“, will mit der Aufdeckung der Macht und Einflüsse des globalen Kapitalismus den humanen Blick weiten helfen.

Entstehungshintergrund

In der halbjährlich erscheinenden Zeitschrift „Pädagogische Korrespondenz“ artikulieren sich Erziehungs- und SozialwissenschaftlerInnen, die im Hier und Heute kritische zeitdiagnostische Fragen zu gesellschaftlichen und pädagogischen Entwicklungen stellen. Sie wollen Fallstudien zu gesellschaftlich vernachlässigten oder tabuisierten Sachverhalten erstellen und mit ihnen Defizite und falsche Richtungen aufzeigen, dem kritischen, individuellen und gesellschaftlichen Denken eine Tür öffnen, historische Entwürfe und Theorien für heutiges kritisches Denken und Handeln analysieren und die Bildungsforschung auf neue Gleise setzen. In diesem Netzwerk zur Kritischen Theorie hat sich seit etwa 20 Jahren ein reger, wissenschaftlicher Austausch auf Augenhöhe zwischen deutschen und brasilianischen BildungswissenschaftlerInnen entwickelt, der einen interessanten Perspektivenwechsel bewirkt. Die gegenseitigen, kritischen Blicke auf die jeweiligen gesellschaftlichen (Bildungs-)Prozesse bringen neue Aspekte und Perspektiven in der Vergleichenden Pädagogik zutage und fördern die in den Zeiten der sich immer interdependenter und entgrenzender entwickelnden, globalisierten Welt geforderte „internationale Visibilität“. Die deutschen und brasilianischen WissenschaftlerInnen haben sich vorgenommen, „den gegenwärtigen Stand kritischer Erziehungswissenschaft wie den der Lage der Pädagogik… aus der eigenen nationalen Erfahrung zur Darstellung bringen“. Damit sollte es gelingen, entweder gleiche oder unterschiedliche Einschätzungen der Problemstellungen zu entdecken und gemeinsam nach Ankern für eine kritische Erziehungswissenschaft zu suchen.

Herausgeberteam

Der Erziehungswissenschaftler von der Frankfurter Goethe-Universität, Mitherausgeber der Zeitschrift „Pädagogische Korrespondenz“ und Vorsitzender der Gesellschaft für Bildung und Wissen, Andreas Gruschka, und der brasilianische Sozialpsychologe von der Staatlichen Universität von São Paulo, Luis Antônio Calmon Nabuco Lastória, geben den Sammelband heraus. Es sind die je unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Analysen der Forschungsgemeinschaft, die sowohl gleiche und vergleichbare Annahmen und Ergebnisse in diesem komparatistischen Prozess bringen, als auch ein „Adeus Pädagogik“ provozieren, jedoch nicht mit resignativem Duktus, sondern herausfordernden Risiko- und Aufgabenbeschreibungen.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband wird in sieben Kapitel gegliedert.

  1. Im ersten wird zum Verhältnis von „Pädagogik und Kritische Theorie“ eine aktuellen Betrachtung vorgenommen;
  2. im zweiten das Contrecoup „Erziehung zur Mündigkeit oder zur flexiblen Persönlichkeit“ einer politischen Analyse der Erwartungen an das Erziehungssystem unterzogen;
  3. im dritten geht es um „Die Umwälzungen der öffentlichen Erziehungsverhältnisse im neoliberalen Zeitalter“;
  4. im vierten werden „Die neuen Informationstechnologien und ihre Funktionsweise in der Schule“ kritisch geprüft;
  5. im fünften werden „Die neuen Medien als das Zentrum der kindlichen und jugendlichen Lebenswelt und ihr Einfluss auf die Erziehungsverhältnisse“ diskutiert;
  6. im sechsten setzen sich die Autorinnen mit „Bildung, Halbbildung und Unbildung durch Unterricht“ auseinander;
  7. und im siebten und letzten Kapitel reflektieren die Autoren „Über die Entgrenzung der pädagogischen Verhältnisse und den Funktionsverlust der Pädagogik“.

Die Erziehungswissenschaftler Bruno Pucci und Luzia Batista de Oliveira Silva informieren im ersten Kapitel über den „aktuellen Stand der Verbindung zwischen Bildung und kritischer Gesellschaftstheorie in der akademischen Welt Brasiliens“. Sie zeigen auf, mit welcher Verve und Intensität die „Kritische Theorie“ im brasilianischen, intellektuellen Diskurs aufgenommen und verbreitet wurde. Es sind Themen wie Ethik, Geschichte, Erziehung, Psychologie und Psychoanalyse, Kultur und Ideologie, die sich in den Wirklichkeiten und ökonomischen, kulturellen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen spiegeln und konfrontieren.

Karl-Heinz Dammer von der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg und ebenfalls Mitherausgeber der Zeitschrift „Pädagogische Korrespondenz“ legt mit seinem Beitrag „Begründung, Entwicklung und Zukunftsaussichten der Kritischen Erziehungswissenschaft“ eine Bestandsaufnahme vor, mit der er sich für eine Rehabilitierung der (scheinbar) verloren gegangenen Kritikkompetenz in den Erziehungswissenschaften einsetzt. Dabei begründet er mit einem historischen Diskurs und einer aktuellen Analyse die Notwendigkeit, im erziehungswissenschaftlichen Denken und Handeln den Tendenzen der „neoliberalen Humanverwertung“ entgegen zu treten, hin zu einer Stärkung der Mündigkeit des Menschen.,

Luiz Antônio Calmon Nabuco Lastória und Luiz Roberto Gomes informieren im zweiten Kapitel mit ihrem Beitrag „Erziehung zur Mündigkeit oder zur flexiblen Persönlichkeit: eine politische und psychoanalytische Analyse der aktuellen Bedingungen“ mit einem geschichtlichen Überblick über die Entwicklung und Etablierung von pädagogischen Ideen und Konzepten in Brasilien. In einem zweiten Schritt analysieren sie die hegemonialen, „perversen“ Tendenzen und Politiken der „flexiblen“ Anpassung unter dem Deckmäntelchen einer „vermeintlich brasilianischen Herzlichkeit“, hin zu „einem neuen Zustand von Entfremdung“, sowie den sich in der brasilianischen Gesellschaft artikulierenden sozialen Bewegungen, dies zu verhindern.

Der Darmstädter Humanwissenschaftler Peter Euler betrachtet mit seinem Beitrag „Mündigkeit: Bildung im Widerspruch“ die Bedeutung des „Achsenbegriffs: Mündigkeit“ unter den gesellschaftlichen Bedingungen einer total werdenden Kapitalisierung. Dabei zeigt er die historische Entwicklung des Begriffs und der Wertvorstellung im pädagogischen Denken auf und setzt sich mit dem (gesellschafts- und human-)politischen Anspruch auseinander und fordert zu einer sensiblen, selbst- und kollektiv-kritischen Reflexion über Bildungsvorstellungen und -praxen auf.

Im dritten Kapitel stellt Valdemar Sguissardi „Hochschulbildung ultraliberaler Zeiten in Brasilien“ vor, indem er über Ungleichheiten und Vermarktungspositionen informiert und staatlich-öffentliche Regulierung fordert. Durch den elitären Charakter in der Hochschulbildung wird gesellschaftliche Ungleichheit produziert und gefestigt: „Der beschleunigte Prozess der Vermarktung, ja Oligopolisation im Zuge dessen, was in der gegenwärtigen kapitalistischen Art der Produktion abläuft, ist besonders auffällig“. Seine Prognosen für humane, gleichberechtigte Veränderungsprozesse fallen eher pessimistisch aus, es sei denn es gelänge, eine Volksbewegung zustande zu bringen, die Sozial- und Bildungsungleichheiten beseitigt.

Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Frank-Olaf Radtke setzt sich in seinem Beitrag „Das Regime der Betriebswirte“ mit den neoliberalen „neuen Steuerungs“-Systemen im deutschen Bildungssystem auseinander. Die hegemonial und medial gesteuerten Argumentationen für eine Anpassung von Bildung an die (scheinbar logischen und naturwüchsigen) Anforderungen an ökonomische und fiskalische Grundlagen, hat zu einem „betriebswirtschaftlichen Umbau des Erziehungssystems“, und damit auch zu einem „umfassenden Umbau des Sozial- und Wohlfahrtsstaates unter dem Druck der Märkte“ geführt. Ob sich unter diesen Machtpositionen ein Perspektivenwechsel weg vom „Regime der Betriebswirte“, hin zu einem Bewusstsein schaffen lässt, dass Bildung und Erziehung unverzichtbare und notwendige öffentliche Güter sind?

Das vierte Kapitel thematisiert die neuen Informationstechnologien und ihre Bedeutung für die schulische Bildung. Ari Fernando Maia und Belarmino Cesar Guimarães da Costa stellen mit dem Beitrag „Digitalkultur und Bildung“ Überlegungen zu Technologie, Sprache und Ästhetik an. In der Auseinandersetzung darüber, dass Informationen nicht nur inhaltliche Bedeutung haben, sondern auch über ihre Übermittlungswege und Formate beeinflussen, Lernen und Verhaltensänderungen bewirken können, kommt der weltumspannenden IT-Ära eine zunehmende, kaum mehr relativierbare, wertorientierende Bedeutung zu. E-Learning hat sich – auch in Brasilien – längst in der schulischen und akademischen Bildung etabliert. Zu einer Herausforderung zählt, die technischen Möglichkeiten zur Informationsaufnahme und Lebenssteuerung nicht nur zu nutzen, sondern sich damit lehrend und lernend kritisch auseinander zu setzen: „Das Selbstbewusstsein ist eine Bildungsaufgabe, um das Individuum aus dem technologischen Dunkel zu ziehen, in dem es seine eigenen Besonderheiten nicht mehr erkennt“.

Sieglinde Jornitz vom Deutschen Institut für wissenschaftliche Forschung in Frankfurt/M. reflektiert „Informationstechnologien und ihre Wirkungen auf die Schule in Deutschland“. Der Diskurs und die Auseinandersetzungen über die Entwicklung und Nutzung der neuen Medien in der schulischen Bildung und Erziehung, wie insgesamt im Gesellschaftsprozess reicht dabei von der Horrorvorstellung von der „digitalen Demenz“ (Manfred Spitzer) bis hin zur Propagierung eines „neuen Kosmos“. Doch die Ausstattung der Schulen mit neuen technologischen Informationszugängen ist die eine, eher leicht didaktisch und curricular handhabbare Herausforderung; viel komplexer und herausfordernder jedoch stellt sich dar, ob neue Medien und Methoden Lernen im Sinne des Begriffs, als Verhaltensänderung nämlich, ermöglichen. An drei Fallbeispielen thematisiert die Autorin diese bedeutsame Problematik.

Das fünfte Kapitel, mit dem die Auseinandersetzungen um die Bedeutung und Nutzung der neuen Medien in der kindlichen und jugendlichen Lebenswelt weitergeführt werden, beginnt Antõnio A. S. Zuin mit dem Nachdenken über die „neuen Medien und ihre Veränderung der Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler“. Es ist die „zwanglose Zwanghaftigkeit“, die eine „Schwäche … (des) konzentriert zerstreuten Ichs“ schafft und ein gestörtes, (unverbindliches und unpersönliches) Bild der Schülerinnen und Schüler vom Lehrer produziert und damit auch die notwendige, im pädagogischen Eros unverzichtbare Empathie des Erziehers gegenüber den zu Erziehenden schwächt oder gar auflöst.

Der vormals an der Bauhaus Universität in Weimar tätige, jetzt an der Universität Rio de Janeiro lehrende Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bock fragt: „Neue Medien als Erzieher?“. Mit seiner Kritik an der „digitalisierten Pädagogik“ widerspricht er den interessen-, materialistischen und neoliberalistisch-orientierten Verheißungen, dass Lernen mit neuen Technologien besser und einfacher möglich sei; vielmehr wirke sich die Entwicklung, dass „die Geräte als alltägliche Erzieher“ omnipräsent seien, nachteilig auf Selbstfindungs- und Identitätsprozesse aus. Es gehe jedoch nicht darum, die digitalen Medien abschaffen zu wollen; vielmehr sollte der Umgang mit den neuen Medien es ermöglichen, „auch und vor allem (zu) verstehen, welche Grenzen sie setzen, um neue Motive und Formen zu finden“.

Im sechsten Kapitel stellt die Sozialwissenschaftlerin Rita Amelia Teixeira Vilela mit ihrem Beitrag „Bildung, Halbbildung und Unbildung“ Ergebnisse aus Unterrichtsstudien an Schulen in Belo Horizonte vor. Der Forschungsansatz beruht dabei auf der aus dem neomarxistischen Denken übernommenen Annahme, dass empirische Untersuchungen im Klassenzimmer auf der Grundlage einer „kritischen Orientierung“ durchgeführt werden sollen. Die beobachteten Ergebnisse werden am Fallbeispiel des Geographie-Unterrichts dargestellt. Die Autorin stellt lapidar fest: „Es fand kein Geographieunterricht statt. Die Schüler bearbeiteten lediglich das Arbeitsblatt“, und „im Unterricht (wurde) keine pädagogische Arbeit mit dem Ziel durchgeführt ( ), die Fähigkeiten der Schüler im Beobachten, Verstehen, Erklären, Vergleichen und Darstellen der geographischen Merkmale … zu erweitern, um dessen Eigenheiten zu verstehen“.

Die Wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Institut für Pädagogik der Sekundarstufe an der Frankfurter Goethe-Universität, Marion Pollmanns, fragt danach, „Wie die unterrichtliche Praxis auf Bildung bezogen ist“. Sie benutzt dabei, in der Unterrichtspraxis vorfindbare Benennungen, wie „Bildung als notwendig unterbotene Idee, Halbbildung als falsche Notwendigkeit und Unbildung als Resignation angesichts der systematischen Schwierigkeit, den pädagogischen Sinn des Unterrichts einzulösen“. Diese erst einmal fingerzeigartig und resignativ daherkommende Einschätzung belegt die Autorin allerdings mit einer Reihe von Unterrichtsbeispielen, aus denen Halbbildung abzulesen sind. Ihr Plädoyer: Der Begriff der Bildung hat in der pädagogischen Befassung mit Unterricht nicht ausgedient. Mit der Kritischen Theorie verweist sie vielmehr darauf, „dass diese Idee noch in den Formen überlebt, in denen sie unterboten oder gar negiert wird“.

Im letzten, siebten Kapitel fragt Mateu Cabot: „Abschied von der Schule?“. Er unternimmt den Spagat und zeichnet auf, ob und wie sich eine Entwicklung von der „alphabetisierenden Schule“ hin zur „diffusen Audio-Visualität“ vollzieht. Dabei zeigt er mit seiner Kritik an der aktuellen, traditionellen Schule Zielsetzungen und Perspektiven für eine „neue Schule“ auf, „die als ein Raum der sozialisierten und formalisierten Erziehung verstanden wird, in dem eine autoritäre, hierarchische und disziplinierende Struktur durch eine demokratische, offene und kritische Struktur ersetzt wird“.

Andreas Gruschka setzt mit seinem fragenden Beitrag „Adeus Pädagogik?“ ein Contra gegen die Ein- und Anpassungstendenzen in der aktuellen pädagogischen Theorie und Praxis. Er widerspricht dabei der (gewachsenen, gepflegten, lediglich in den Aufbruchsstimmungen der neueren pädagogischen Reformbemühungen in den 1960er Jahren angekratzten) Auffassung, „man könne in der Schule nur für, nicht aber gegen die Gesellschaft erziehen“. Er fragt kritisch nach, ob denn in den Zeiten des globalen Kapitalismus und Neoliberalismus „die Pädagogik als die Bildung eines Subjekts und die Erziehung zur Mündigkeit überhaupt noch genügend gesellschaftlich geerdet ist, damit sie als wirkmächtiger Faktor der Gestaltung und des Nachdenkens über Erziehung und Bildung bestehen kann“. Wenn weiter gelten soll, dass Mündigkeit das Ziel von Erziehung und Bildung ist, muss das wissenschaftliche wie alltägliche Bemühen weiter gehen, trotz der pessimistischen, ohnmächtigen Einschätzungen des Hier und Heute. Eine Perspektive könnte sich etwa in der Erwartung auftun: „Wer akzeptiert hat(te), was er lernen soll(te), (will) wollte nicht selten verstehen, was das (ist) war, was er lernen soll(te)“.

Fazit

Wer gegen den Strich bürstet, kratzt an den Oberflächen der vermeintlich selbstverständlichen und gesellschaftlich und ideologisch festgetretenen „Wirklichkeiten“. Wenn der Mensch sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er aufgrund seiner Vernunft und seiner Fähigkeit, Richtiges von Falschem zu unterscheiden vermag, sollten Alternativen zu ausbeuterischen, an kapitalistischen und neoliberalen „Gewissheiten“ orientierten Vorstellungen, Theorien und Praktiken im menschlichen Dasein gedacht und getan werden können. Falsch laufende Entwicklungen auf den Gebieten der Bildung und Erziehung bedürfen der Korrektur und der Ersetzung durch humane, gerechte und auf der Menschenwürde basierende Konzepte. Die Kritische Theorie liefert für die Theorie und Praxis der Pädagogik eine Fülle von Argumenten, die einen Perspektivenwechsel ermöglichen hin zu einer notwendigen „internationalen Visibilität“, die komparatistische Perspektiven im Wissenschaftsdiskurs zwischen deutschen und brasilianischen Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftlern „auf Augenhöhe“ aufzeigen.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 09.02.2015 zu: Andreas Gruschka, Nabuco Lastória Luiz A. C. (Hrsg.): Zur Lage der Bildung. Kritische Diagnosen aus Deutschland und Brasilien. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. ISBN 978-3-8474-0638-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18295.php, Datum des Zugriffs 26.08.2019.


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