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Stephan Cinkl, Hans-Ullrich Krause: Praxishandbuch Sozialpädagogische Familiendiagnosen

Rezensiert von Ulrike Koch, 02.03.2015

Cover Stephan Cinkl, Hans-Ullrich Krause: Praxishandbuch Sozialpädagogische Familiendiagnosen ISBN 978-3-8474-0631-0

Stephan Cinkl, Hans-Ullrich Krause: Praxishandbuch Sozialpädagogische Familiendiagnosen. Verfahren - Evaluation - Anwendung im Kinderschutz. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. 2., durchges. Auflage. 278 Seiten. ISBN 978-3-8474-0631-0. D: 28,00 EUR, A: 28,80 EUR, CH: 38,50 sFr.

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Thema

Das Praxishandbuch bietet einen Einblick in die Methode der Sozialpädagogischen Familiendiagnostik. Besonders berücksichtigt werden auch Familien mit Kindeswohlgefährdung. Darüber hinaus soll das Buch auch ein „[…] Beitrag zu Theorie und Praxis einer Lebensweltorientierten Evaluationsforschung […]“ (Cover-Rückseite) sein.

Autoren

  • Stephan Cinkl ist Diplom Psychologe, arbeitet freiberuflich im Bereich Fortbildung, erforscht die Praxis, ist Familientherapeut und Vorsitzender des Brandenburger Instituts für Familientherapie e.V. Strausberg
  • Dr. Hans-Ullrich Krause leitet das Kinderhaus Berlin, er gehört der Alice Salomon Hochschule Berlin an, ebenso der Universität Luxemburg und dem Kronberger Kreis für Dialogische Qualitätsentwicklung und ist Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch ist die Fortschreibung einer langen Tradition der Auseinandersetzung mit dem hermeneutischen Instrument der Sozialpädagogischen Diagnosen und in der Weiterentwicklung eben auch der Sozialpädagogischen Familiendiagnosen, so möchten es die Autoren verstanden wissen (vgl. S. 12f.). Inhaltlich basiert das Buch auf dem Forschungsprojekt Kinderhaus Berlin – Mark Brandenburg e.V. – (2009 – 2011) von Stephan Cinkl und Dr. Hans-Ullrich Krause – eben den Autoren -. Insgesamt 40 Evaluationsdiagnosen – verteilt auf den Projektträger (Berlin 11) und Kooperationspartnern aus Hamburg (9), Cottbus (5), Dortmund (5), Bückeburg (5) und Dresden (5). Demgemäß war ein Querschnitt aus sechs Bundesländern gegeben.

Zielgruppe

Mit dem Praxishandbuch richten sich die Autoren an Praktikerinnen und Praktiker aus Familien- und Jugendhilfe, ebenso an Lehrende und Studierende in der Fort- und Weiterbildung. Letztere aus den Bereichen Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Pädagogik.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst sechs unterschiedliche lange Kapitel (S. 13 – 248).

Das Praxishandbuch beginnt einer Danksagung (S.5f.), dem Inhaltsverzeichnis (S. 7ff.) und einer Vorbemerkung (S. 11f.) Am Ende finden sich das Literatur-, ein Abbildungs- und Tabellenverzeichnis (S. 249 – 255) und ein umfangreicher Anhang (S.256 – 278).

1. Geschichte der Sozialpädagogischen Diagnosen (S. 13 – 32) Stephan Cinkl und Hans-Ullrich Krause beschreiben in ihrer Vorbemerkung, dass sie „[…] zunächst den gegenwärtigen Entwicklungsstand der Sozialpädagogischen Familiendiagnosen in die Geschichte einordnen […]“ (S. 12) werden. U.a. wollen die Autoren verdeutlichen, auf welche Tradition sie sich beziehen. Beginnend mit einem Blick auf die Arbeit von Klaus Mollenhauer zeichnen sie im Weiteren die Entwicklung des hermeneutischen Ansatzes der Sozialpädagogischen (Familien-)Diagnosen über Mollenhauer hinaus, bis in die Gegenwart nach. Die Darstellung der mehr als 20jährigen Geschichte reicht hier von ersten Überlegungen und ersten methodischen Schritte bis hin zur Entwicklung einer theoretischen Empirie. Sehr deutlich wird die Orientierung an der Lebenswelt der Familien.

2. Evaluation der Sozialpädagogischen Familiendiagnosen (S. 33 – 170) Die Autoren arbeiten in diesem Kapitel die zentralen Aspekte der genannten Studie heraus:

  • Ziele (S. 34ff.) Stephan Cinkl und Hans-Ullrich Krause erklären, dass es sich bei der Sozialpädagogischen Familiendiagnose zwar um eine etablierte Methode handele, es aber an einer systematischen Evaluation fehle (vgl. S. 34). Laut den Autoren liegt der Fokus vor allem auf dem Nutzen für die „[…] Hilfeempfänger […]“ (S. 34).
  • Theoretischer Rahmen (S. 37 – 42) Neben einigen Grundüberlegungen zentrieren sich die Ausführungen insbesondere um die theoretischen und methodologischen „[…] Bausteine […]“ (S. 38).
  • Fragestellungen (S. 42 – 50) Die Autoren sprechen vom „[…] Kernstück einer theoriebasierten Evaluation […]“ (S. 42) und meinen hiermit ein Modell der logischen Begründung mit Blick auf unterstellte Wirkungen. Im Hinblick auf die Wirkung Sozialpädagogischen Familiendiagnosen wurden Familien – als Schwerpunkt –, Experten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugendämtern interviewt. Stephan Cinkl und Hans-Ullrich Krause zogen hieraus sieben maßgebliche Schlussfolgerungen und schließend den Kreis mit einer ausführlichen Darstellung der Wirkfaktoren. Verschiedene Auszüge aus den Interviews dienen der Nachvollziehbarkeit.

3. Das Verfahren der Sozialpädagogischen Familiendiagnose (S. 171 – 194) Zentrales Thema des dritten Kapitels ist das Verfahren selbst. Das heißt, die Autoren gehen hier auf die Regeln und notwendigen Rahmenbedingungen ein, durch die eine Sozialpädagogische Familiendiagnose als „[…] alltagstaugliches Routineinstrument […]“ (S. 12) erst anwendbar wird. Nach einem ersten kurzen Überblick (S. 171ff.) folgt im Weiteren eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Schritte des Verfahrens:

  • Diagnoseanleitung (S. 173ff.)
  • Vorgespräch (S. 175f.)
  • Interviews (S. 176ff.)
  • Teamauswertung des Sprachmaterials (S. 178 – 183)
  • Rückmeldungen (S. 183 – 186)
  • Reflexionsgespräch (S. 186ff.)
  • Hilfeeinleitung (S. 187ff.) und
  • Selbstevaluation (S. 189 – 193)

Im Abschluss des Kapitels findet sich das von den Autoren so benannten „[…] Logische Modell der Sozialpädagogischen Familiendiagnose“ (S. 199).

4. Praxisbeispiele Sozialpädagogischer Familiendiagnosen (S. 195 – 219) Aufbauend auf das vorangegangene Kapitel geben die Autoren im vierten Kapitel einem Einblick in die Praxis. In die Darstellung wurden auch Aussagen aus der Studie mit einbezogen.

5. Sozialpädagogische Familiendiagnosen bei Familien mit Kindeswohlgefährdung (S. 220 – 243) In diesem Kapitel geht es sowohl um die Sicht der Familien selbst (S. 221 – 227), als auch um die Sicht von Fachkräften (S. 227 – 230). Hieran schließen die Autoren mit Schlussfolgerungen für die Praxis an (S. 230 – 234). Das Kapitel endet mit der Darstellung eines Fallbeispiels (S. 234 – 243) und einem kurzen Resümee (S. 243).

6. Schlussbemerkungen: Philosophie und Perspektiven (S. 244 – 248) Stephan Cinkl und Hans-Ullrich Krause beschließen das Praxishandbuch mit der Frage „[…] ob es eine konsistente Philosophie der Sozialpädagogischen Familiendiagnose geben kann […]“ (vgl. S. 12). Neben der ethnografischen Perspektive (S. 244f.) richtet sich das Augenmerk auch auf die Selbstsicht der Fachkräfte zur Bewertung des eigenen Könnens, auf die Bedeutung der Fähigkeit des Zuhörens (S. 245f.) und auf die Bedeutung des Faktors Macht (S. 246). Außerdem gehen Stephan Cinkl und Hans-Ullrich Krause an dieser Stelle auch auf die Bedeutung des Dialogs innerhalb des Verfahrens und in seiner Wirkung auf den innerfamiliären Austausch ein (S. 246f.). Ebenso Beachtung findet die Orientierung an der

Diskussion

Die Autoren betonen in ihrer Vorbemerkung, dass sie dieses Praxishandbuch – im Schwerpunkt mit Blick auf die dargestellte Forschungsarbeit – als Teil und als Weiterentwicklung einer langen Tradition und Geschichte der Sozialpädagogischen (Familien-) Diagnosen einordnen. Wer sich mit der Geschichte dieses hermeneutischen Verfahrens befasst hat und vor allem mit den Arbeiten von Klaus Mollenhauer und Uwe Uhlendorff, kann der Aussage von Stephan Cinkl und Hans-Ullrich Krause zustimmend begegnen. Ihre Praxisnähe lässt das Verfahren in der Gesamtheit und in seiner Komplexität nachvollziehbar werden. Insbesondere das Kapitel „Praxisbeispiele […]“ (S. 195) eröffnet – vor allem mit Blick auf die Wirkung des Verfahrens – die Möglichkeit dem hermeneutisch-diagnostischen und dialogischen Verfahren nachzugehen.

Fazit

Ich empfehle das Praxishandbuch all jenen, die in den Bereichen Familiendiagnostik und Familienhilfe tätig sind und all jenen, deren Beruf es erfordert und/oder die Interesse haben, sich mit der Weiterentwicklung des hermeneutischen Verfahrens zu beschäftigen. Mich hat das Buch überzeugt, insbesondere durch den guten Einblick in die Praxis des Verfahrens.

Rezension von
Ulrike Koch
M.A., Zusatzqualifikationen als Systemische Beraterin und Kulturpädagogin. Zwischen 2009 und 2018 tätig in den Bereichen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Beratung von Familien, vertiefende Berufsorientierung, Jobcoaching und zum Schluss als Sozialarbeiterin im Kinderschutz.
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Es gibt 14 Rezensionen von Ulrike Koch.

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Zitiervorschlag
Ulrike Koch. Rezension vom 02.03.2015 zu: Stephan Cinkl, Hans-Ullrich Krause: Praxishandbuch Sozialpädagogische Familiendiagnosen. Verfahren - Evaluation - Anwendung im Kinderschutz. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. 2., durchges. Auflage. ISBN 978-3-8474-0631-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18298.php, Datum des Zugriffs 26.05.2024.


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