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Josef Held, Johanna Bröse u.a.: Jugendliche im Übergang von Schule zum Beruf

Rezensiert von Ulrike Koch, 18.02.2015

Cover Josef Held, Johanna Bröse u.a.: Jugendliche im Übergang von Schule zum Beruf ISBN 978-3-86388-096-5

Josef Held, Johanna Bröse, Claudia Rigotti: Jugendliche im Übergang von Schule zum Beruf. Berufsorientierung junger Menschen mit Migrationsgeschichte. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. 139 Seiten. ISBN 978-3-86388-096-5. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 32,90 sFr.

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Thema

Schwerpunkt ist die Phase der Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern, v.a. von jungen Menschen mit einen Migrationshintergrund. Das Buch gibt zusammenfassend die Ergebnisse einer Untersuchung zur „[…] subjektiven Berufsorientierung von HauptschülerInnen […]“ (Cover-Rückseite) wieder.

Autor und Autorinnen

Josef Held ist Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Tübingen. Johanna Bröse (Diplom Pädagogin), Claudia Rigotti arbeiten als wissenschaftliche Angestellte und Dilek Donat arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft ebenfalls an der Universität Tübingen.

Entstehungshintergrund

Der Einführung (S. 7ff.) ist zu entnehmen, dass es zwar viele pädagogische Programme und Untersuchungen zum Thema Übergang-Schule-Beruf gebe, es jedoch an solchen fehle, die auch die subjektiven Prozesse mit in den Blick nehmen (vgl. S. 8). Aus dieser Erkenntnis heraus, dass die subjektive Orientierung Anknüpfpunkt für pädagoggische Programme sein sollten, entstand das Projekt der Forschergruppe an der Universität Tübingen. Das Buch gibt zusammenfassend die Ergebnisse dieser Untersuchung wieder und darüber hinaus wird „[…] ein Programm zur Unterstützung der Berufsorientierung junger Migranten und Migrantinnen […]“ vorgestellt (vgl. Cover-Rückseite).

Zielgruppe

Josef Held, Johanna Bröse, Claudia Rigotti und Dilek Donat richten sich mit dem Buch an Pädagoginnen und Pädagogen, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Sozialpädagoginnen/-arbeiterinnen und Sozialpädagogen/-arbeiter sowie an alle Expertinnen und Experten, die mit der Unterstützung junger Menschen in der Phase der Berufsorientierung beschäftigt sind.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst neben Inhaltsverzeichnis (S.5f.), Einführung (S. 7ff.) und Literaturliste (S. 133 – 139) acht etwa gleichlange Kapitel zum bereits genannten Forschungsprojekt. Im neunten Kapitel geht es im Schwerpunkt um ein praktisch umsetzbares Programm zur Berufsorientierung.

2. Der Übergang von der Schule in den Beruf (S. 10 – 32) In vier Unterpunkten wird der aktuelle Forschungsstand dargestellt, wobei die Erkenntnisse der Tübinger Forschergruppe hier eingebunden werden (vgl. S. 8).

3. Der Untersuchungsansatz (S. 33 – 38) Im dritten Kapitel steht das Gesamtprojekt im Mittelpunkt, insbesondere die Situation von jungen Migrantinnen und Migranten findet hier Beachtung. Darüber hinaus wird „[…] der subjektorientierte Forschungsansatz der Tübinger Forschungsgruppe erläutert.“ (S. 8)

4. Untersuchungen in der ersten und zweiten Projektphase (S. 39 – 48) und

5. Ergebnisse aus der ersten und zweiten Forschungsphase (S. 49 – 73) Zunächst beschreiben Josef Held und seine Mitautorinnen die ersten beiden Phasen und stellen im Folgekapitel die hieraus resultierenden Ergebnisse der Untersuchung vor. Im Rahmen des Projektes wurden folgende Einflussfaktoren einbezogen: Stadtteil, Milieu und Sozialisationsinstanzen.

6. Die dritte Phase: Berufsorientierungspraxis (S. 75 – 82) Entlang konkreter Versuche zur Förderung der Berufsorientierung erfolgte eine weitere Erhebung (vgl. S. 9). Im sechsten Kapitel finden sich demgemäß die Ergebnisse dieser Phase.

7. Untersuchungen verschiedener Einflussbereiche (S. 83 – 103) Um dem Ziel gerecht zu werden, eine angemessene Unterstützung während der Berufsorientierung anzubieten, untersuchte die Forschergruppe auch Kontextbereiche im Leben der Probandinnen und Probanden wie z.B. Familie, Institutionen oder Sozialraum. Die Erkenntnisse werden in diesem Kapitel detailliert dargestellt.

8. Strategien und Bewältigungsformen im Übergang (S. 105 – 128) Im Schwerpunkt geht es an dieser Stelle um die Art und Weise, wie die jungen Menschen mit psychosozialen Problemen umgehen. Der Fokus liegt hier u.a. auf psychologischen Hilfeformen.

9. Ein Programm für die Praxi zur Unterstützung der Berufsorientierung junger Menschen (S. 129ff.) Wie bereits angedeutet, stellen Josef Held und seine Mitautorinnen am Ende ihres Buches ein Programm vor, welches auf den Ergebnissen des Projektes basiert.

Diskussion

Forschungsleitend war die Idee sich an der Perspektive des einzelnen Subjektes zu orientieren (vgl. S. 39). Die Bedeutung dessen und die grundlegenden Bedingungen hierfür werden nachvollziehbar (3. Kapitel) erläutert. Insbesondere den Subjektbezug gilt es hier hervor zu heben. Dies vor allem, weil hiermit die Mitwirkung der Jugendlichen an dem Forschungsprojekt sich – im Sinne einer intersubjektiven Beziehung zwischen diesen und den Forschenden – (vgl. S. 35) als tragender Faktor darstellt. Hieraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass es den Forscherinnen und Forschern nicht allein darum ging, neue Erkenntnisse zu erhalten, sondern gleichwohl auch Möglichkeiten für positive Veränderungen für die mitwirkenden Jugendlichen heraus zu arbeiten. In der Darstellung des Projektes wird dies sehr deutlich.

Fazit

Mit dem Buch erhalten die Fachleserinnen und Fachleser einen guten Einblick in das Thema Berufsorientierung und es verdeutlich die Bedeutung der individuellen Voraussetzungen der Jugendlichen in der Phase des Übergangs von Schule in den Beruf. Josef Held, Johanna Bröse, Claudia Rigotti und Dilek Donat gelingt vor allem der Übertrag in die Praxis, das heißt, letztendlich bieten sie ein umsetzbares Programm an und die Gewissheit, dass die mitwirkenden jungen Menschen im Projekt nicht Objekt, sondern jede/jeder für sich ein maßgebliches Subjekt war. Besonders hat mir der Blick auf junge Menschen mit Migrationshintergrund gefallen. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass hier die Bedeutung des Faktors Religion vertiefend mit gedacht worden wäre.

Ich kann das Buch nicht nur den Expertinnen und Experten empfehlen, die in der Praxis der Berufsorientierung tätig sind, sondern auch denen, die sich mit Bildungspolitik und mit der Konzeptionierung entsprechender Programme befassen.

Rezension von
Ulrike Koch
M.A., Zusatzqualifikationen als Systemische Beraterin und Kulturpädagogin. Zwischen 2009 und 2018 tätig in den Bereichen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Beratung von Familien, vertiefende Berufsorientierung, Jobcoaching und zum Schluss als Sozialarbeiterin im Kinderschutz.
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Es gibt 14 Rezensionen von Ulrike Koch.

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Zitiervorschlag
Ulrike Koch. Rezension vom 18.02.2015 zu: Josef Held, Johanna Bröse, Claudia Rigotti: Jugendliche im Übergang von Schule zum Beruf. Berufsorientierung junger Menschen mit Migrationsgeschichte. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. ISBN 978-3-86388-096-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18299.php, Datum des Zugriffs 05.12.2022.


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