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Frank Nestmann, Frank Engel u.a. (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Band 2: Ansätze und Methoden

Cover Frank Nestmann, Frank Engel, Ursel Sickendiek (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Band 2: Ansätze und Methoden. dgvt-Verlag (Tübingen) 2004. 712 Seiten. ISBN 978-3-87159-049-8. 46,00 EUR.

Band 1 und 2 zusammen im Schuber: EUR 82,00. ISBN 3-87159-050-9.
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Einführung in das Thema, Hintergrund und Autoren

Der Beratungsmarkt blüht - trotz welker Finanzlage in vielen Institutionen. Nicht wenige Verantwortliche versprechen sich von der richtigen Beratung den entscheidenden Durchbruch. Sehen zu können, was man bisher nicht sah. Entscheidungen nahe gelegt zu bekommen, für die man die Courage nicht hatte. Entwickeln zu können, was brachlag. Beratung wird eingekauft als externe Leistung. Aber auch innerhalb von Institutionen und Firmen ist Beratungskompetenz gefragt und MitarbeiterInnen zu entsprechenden Fortbildungen geschickt. Und schließlich haben die klassischen und gut eingeführten Beratungs"agenturen" nach wie vor Zulauf: schulpsychologische Dienste, Studienberatungen, Berufsberatungen, Ehe- und Familienberatungsstellen etc. Da der Markt so umfangreich ist, ist er entsprechend schwer zu überschauen. Unterschiedliche Beratungsansätze folgen einer unterschiedlichen Logik. Verschiedene Themen legen ihre eigenen Methoden nahe. Die Beratungssysteme haben ihre je eigene Umwelt. Um so verdienstvoller also, dass sich die HerausgeberInnen daran gemacht haben, einen Überblick über das Feld zu versuchen.

Das Herausgeberteam

Frank Engel und Ursel Sickendiek sind MitarbeiterInnen des "Instituts für Beratungsforschung und Weiterbildung" (ibfw) in Bielefeld. Frank Nestmann ist Diplompsychologe und Inhaber des Lehrstuhls für Beratung und Rehabilitation am Institut für Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Wohlfahrtswissenschaften der TU Dresden.

Aufbau und Inhalt

Der zweite Band umfasst die Kapitel VIII bis XII des Handbuchs, die Artikel unterschiedlicher AutorInnen unter prägnanten Überschriften zusammenfasst.

  • Kap. VIII diskutiert "Statt einer 'Einführung': Offene Fragen 'guter Beratung'" und reflektiert dabei die Bedingungen von Professionalität im Feld Beratung: "Der Trend zur Professionalisierung von Beratung ist in Deutschland und Europa ebenso zwingend wie sicher, wenn auch umstritten." (S. 603)
  • Im IX. Kapitel werden unterschiedliche Beratungsansätze dargestellt, die Spanne reicht von "psychoanalytisch orientierter Beratung" über kognitiv-behavioristische Modelle, systemische, klientenzentrierte, integrative, konstruktivistische Ansätze bis zum Referat einer "feministischen Beratung" als einer Form ausdrücklich parteilicher Beratung.
  • Das X. Kapitel ist den Methoden und der Forschung gewidmet, wobei Nestmann in seinem einleitenden Kapitel nicht eine neue Methodensammlung eröffnet, sondern gerade die Orientierung an Beratungs"technik" in solchen Sammlungen kritisiert: "Häufig genug entsteht so ein sehr 'technizistisches' Bild und Verständnis von Beratung." (S. 784) Sein Ziel liegt in der Integration von Beratungsbeziehung und Methoden - beides beeinflusst sich nämlich gegenseitig. Der folgende Artikel von Rudolf Sander thematisiert dann auch entsprechend "Die Beziehung zwischen Ratsuchendem und Berater". (S. 797ff) Der angestrebten Professionalisierung von Beratung dienen u.a.: Beratungsforschung, Evaluation und Qualitätssicherung - diesen Feldern sind die letzten drei Aufsätze des Kapitels gewidmet.
  • Das XI. Kapitel bietet einen sehr umfangreichen (ca. 350 Seiten!) Überblick über die verschiedenen Beratungsfelder, die alle aufzuzählen hier nicht möglich ist. Es sind sowohl die klassischen Beratungsfelder wie schulpsychologische Beratung, Studienberatung, Berufsberatung, Schuldnerberatung vertreten als auch neuere Felder wie Coaching, Career Counseling etc.
  • Das abschließende XII. Kapitel benennt die "institutionellen und professionellen Bedingungen": die gesetzlichen Grundlagen sowie die Finanzierungsbedingungen von Beratung in unterschiedlichen Arbeitsfeldern.

Sachwort- und Personenregister sowie ein AutorInnenverzeichnis (mit Anschriften und email-Adressen!) beschließen den Band. Im Anhang finden sich noch ein Text des Forums Beratung in der DGVT sowie ein Statement der AG Beratungswesen zum "psychosozialen Beratungsverständnis".

Zielgruppen

Wer auch immer sich einen Überblick über das umfangreiche Feld der Beratung verschaffen will, wird zu diesem Handbuch greifen - sei es in Studien- oder Ausbildungskontexten, sei es in der Forschungsarbeit, oder sei es in der Reflexion eigener beraterischer Tätigkeit. Ob es jede/r BeraterIn im Bücherschrank haben muss, weiß ich nicht. Aber er/sie sollte wissen, wo dieses Handbuch zu haben ist, denn es wird der Tag kommen, an dem er/sie etwas darin nachschlagen wird!

Einschätzung der Tauglichkeit, Lesbarkeit und Nützlichkeit

Ich teile die Meinung des Rezensenten des 1. Bandes: "Der enorme Umfang diese ersten Bandes bietet eine Differenziertheit des Themas 'Beratung', die in Deutschland ihresgleichen sucht." (vgl. die Rezension). Das ist beim 2. Band nicht anders. Allerdings kann ich die Breite des behandelten Stoffes durchaus schätzen und wünsche mir nicht unbedingt "etwas mehr praktische und konzeptionelle Vereinheitlichung". Mir reicht es durchaus, dass die Aufsätze gut sortiert und zusammengestellt sind, dass die Literaturangaben kurz und übersichtlich gehalten und durch Internethinweise ergänzt sind. Damit kann ich gut weiterarbeiten, und mehr als eine einführende Darstellung können die 10 - 15 Seiten langen Texte ohnehin selten bieten. Darüber hinaus halte ich es für eine Stärke des Bandes, dass nicht versucht wird, disparate Beratungsansätze und -konzepte über einen Leisten zu schlagen, sondern den jeweiligen fachlichen Beitrag als solchen zu würdigen.

Dafür, dass HerausgeberInnen und AutorInnen auf der Höhe des gegenwärtigen Diskurses sind, sprechen die Kapitel über "Beratungsforschung", "Evaluation in der Beratung" und "Qualitätssicherung von Beratung", denn hier liegen die Herausforderungen und die Aufgaben, denen sich Beratung jetzt widmen muss. Für die Supervision haben Petzold u.a. damit bereits begonnen (Supervision auf dem Prüfstand. Wirksamkeit, Forschung, Anwendungsfelder, Innovation). Das Kriterium für gute, professionelle Beratung ist neben einer profunden theoretischen Begründung letztlich ihre (nachgewiesene) Wirksamkeit. Ich halte es für eine Stärke des Handbuches, dass an ihm AutorInnen aus dem universitären Bereich und aus dem Bereich der unmittelbaren Praxis mitgewirkt haben - wobei ersteren die Praxiserfahrung keineswegs abgesprochen werden soll, sie ist in den Beiträgen deutlich genug zu spüren. Vielleicht gehört es sogar zu den Stärken des Faches Beratung, dass Theorie hier fast immer als Praxistheorie auftritt.

Auf gute Lesbarkeit ist bei diesem Band geachtet worden: wenig Fachchinesisch macht die Artikel auch für LeserInnen verständlich, die den Beratungsjargon nicht fließend sprechen. Dass die Beiträge nicht mit einer ausufernden Länge aufwarten, macht gewiss manch einem Lust, das dicke Buch zur Hand zu nehmen und ggf. auch nur selektiv zu lesen. Handbücher sind keine Lehrbücher, die man von Anfang bis Ende durcharbeitet. Sie sind Nachschlagewerke und orientierende Zusammenstellungen. Für das Fach Beratung kenne ich keine Publikation, die in diesem Sinne ähnlich nützlich und hilfreich ist wie das "Handbuch der Beratung".

Fazit

Auch im Beratungssektor gibt es viele Publikationen, die man nicht vermissen würde, gäbe es sie nicht. Hier aber liegt ein zweibändiges Werk vor, das ausgesprochen wertvoll ist!


Rezensent
Peter Schröder
Pfarrer
(Lehr-)Supervisor (DGSv), Seniorcoach (DGfC)
Homepage www.resonanzraeume.de
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Zitiervorschlag
Peter Schröder. Rezension vom 16.11.2004 zu: Frank Nestmann, Frank Engel, Ursel Sickendiek (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Band 2: Ansätze und Methoden. dgvt-Verlag (Tübingen) 2004. ISBN 978-3-87159-049-8. Band 1 und 2 zusammen im Schuber: EUR 82,00. ISBN 3-87159-050-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1832.php, Datum des Zugriffs 20.06.2019.


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