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Elvira Muffler (Hrsg.): Kommunikation in der Psychoonkologie

Cover Elvira Muffler (Hrsg.): Kommunikation in der Psychoonkologie. Der hypnosystemische Ansatz. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. 240 Seiten. ISBN 978-3-8497-0062-1. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 35,50 sFr.
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Thema und Zielgruppe

Die ressourcenorientieren Ansätze aus Hypnotherapie und systemischer Therapie enthalten wirksame Möglichkeiten, Klienten in stark belasteten Lebenssituationen – wie z.B. bei einer Krebserkrankung – zu unterstützen. Die Beiträge wollen das Interesse an hypnosystemischer Unterstützung bei unterschiedlichen im Gesundheitswesen tätigen Berufsgruppen wecken und dazu beitragen, hypnosystemische Unterstützung in der Psychoonkologie fortzuentwickeln.

AutorInnen

Die Beiträge stammen von 13 deutschen und Schweizer Autorinnen und Autoren: PsychologInnen, Ärzte/ Ärztinnen, SozialpädagogInnen und Naturwissenschaftler. Es ist der Autorin und Herausgeberin Elvira Muffler gelungen, namhafte Experten der medizinischen Hypnose im deutschsprachigen Raum für das Thema zusammenzubringen.

Aufbau

Das Buch spannt einen weiten Bogen: Zunächst geht es um Grundlagen hypnosystemischer Kommunikation in der Psychoonkologie und um nonverbaler Aspekte der Kontaktgestaltung, die dann speziell im Hinblick auf die ärztliche Kommunikation vertieft werden. Nach Ausführungen über phasen- und funktionsspezifische Strategien werden dann einzelne speziellere Aspekte vertieft:

  • Selbsthypnose in der Psychoonkologie
  • Märchen
  • Migration und Krebs
  • Hypnotherapie in der Palliativmedizin
  • Trauer und Verlust
  • Die Wirkung der Vorstellungskraft auf Heilung, Krankheit und Tod

Abschließend werden noch einmal Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit hypnotherapeutischer Interventionen im Zusammenhang dargestellt.

Ausgewählte Inhalte

Angesichts der zahlreichen Beiträge kann ich an dieser Stelle nicht auf alles im Detail eingehen. Besonders deutlich wird bereits aus dem ersten Beitrag von Elvira Muffler, dass im Zustand einer großen psychischen Belastung eine besonders hohe Suggestibilität besteht und Worte ein wichtiges Werkzeug darstellen, über das Ärzte und andere im Gesundheitswesen Tätige verfügen. Wenn es gelingt, verbal und nonverbal bei der Diagnosevermittlung einer Krebserkrankung, bei therapeutischen Eingriffen und in der Nachsorge so zu kommunizieren, dass die Chancen der Bewältigung dieser schwierigen Situationen wachsen, ist viel gewonnen. Viele Ausdrücke der medizinischen Umgangssprache stellen jedoch Negativ-Suggestionen dar. Diese werden von Ernil Hansen näher analysiert: Schon die Äußerung: „Der Befund war negativ“, kann zu Missverständnissen führen. Wie Hansjörg Ebell und auch andere der AutorInnen betonen, liegen Gelingen und Scheitern nahe beieinander; und ob es gelingt, mithilfe der Hypnose Voraussetzungen für das große Ziel der Heilung zu schaffen, unterliegt letztendlich nicht unserer Kontrolle.

Es geht in diesem Buch nicht um eine selbstüberschätzende Haltung, sondern darum gemeinsam mit den Patienten maßgeschneiderte Suggestionen zu entwickeln, die Leiden lindern, mehr Aktivität und Selbstwirksamkeit ermöglichen und die persönliche Entwicklung unterstützen. Dorothea Thomaßen zeigt mithilfe von Fallvignetten konkrete Strategien in unterschiedlichen Behandlungsphasen bei Krebspatienten auf, die von Anne M. Lang durch Möglichkeiten der Selbsthypnose vertieft werden. Im weiteren Krankheits- und Genesungsprozess ist es beispielsweise von großer Bedeutung wieder eine Beziehung zum eigenen Körper aufzubauen und zu realisieren, dass es viele Teile im Körper gibt, die unabhängig von der Krebserkrankung wichtige Arbeit für das Leben vollziehen.

Besonders hervorheben möchte ich noch den Beitrag von Ulrich Freund über Märchen am Lebensende und Märchen für Trauernde, der sehr ausführliche Fallbeispiele zur Arbeit mit Märchen und Gedichten bei onkologischen Patienten enthält.

Gary Bruno Schmid setzt sich besonders kritisch mit Schuldprojektionen nach dem Motto „Was habe ich Falsches zu mir genommen, berührt oder getan, dass ausgerechnet ICH Krebs bekommen habe“, auseinander und analysiert alternative kommerzielle Heilmethoden. Aus seinen Forschungen zu spontanen Remissionen generiert er, ohne sich hierbei selbst zu überschätzen, heilende psychologische Faktoren und Glaubensbedingungen, die sich in therapeutischen Strategien umsetzen lassen.

Diskussion

Wie auch der letzte Beitrag von Michael Teut aufzeigt, gibt es wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit von Hypnose bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen. Das vorliegende Buch führt eindrucksvoll vor Augen, wie sehr die Möglichkeiten hypnosystemischer Kommunikation im medizinischen Regelbetrieb vernachlässigt werden und welche Chancen in einer heilungsunterstützenden Kommunikation und in der gezielten Anwendung der Hypnose liegen. Durch die große Zahl der Autoren gibt es bei den Beiträgen hier und da Überschneidungen insbesondere bei den Grundlagen hypnosystemischer Kommunikation, allerdings stellt jeder Beitrag wieder durch die ganz konkreten Fallbeispiele im Umgang mit krebskranken Menschen eine große Bereicherung der.

Fazit

Es handelt sich um ein wichtiges Buch, dem ich große Verbreitung bei unterschiedlichen Berufsgruppen im Gesundheitswesen wünsche.


Rezension von
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialpsychiatrie an der Fakultät 4 der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg
Homepage www.b-tu.de/fg-sozialpsychiatrie/
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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 28.04.2015 zu: Elvira Muffler (Hrsg.): Kommunikation in der Psychoonkologie. Der hypnosystemische Ansatz. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. ISBN 978-3-8497-0062-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18342.php, Datum des Zugriffs 09.07.2020.


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