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Jenny Kühne, Matthias Reiche: Die erfolgreiche Gründung einer Kindertages­einrichtung

Rezensiert von Dipl.Soz-Päd. Martin Walz, 29.04.2015

Cover Jenny Kühne, Matthias Reiche: Die erfolgreiche Gründung einer Kindertages­einrichtung ISBN 978-3-556-06752-9

Jenny Kühne, Matthias Reiche: Die erfolgreiche Gründung einer Kindertageseinrichtung. Von der Idee bis zum laufenden Betrieb. Carl Link (Hürth) 2015. 287 Seiten. ISBN 978-3-556-06752-9. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.

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Thema

Die Kindertagesbetreuung befindet sich im Umbruch. Auf der einen Seite gingen die Geburtenzahlen in den letzten Jahren fortlaufend zurück, und auf der anderen Seite wurde eine Rechtsanspruch für die Betreuung von unter dreijährigen Kinder geschaffen, der Kommunen und Träger vor neue Herausforderungen stellte und stellt. Außerdem sieht das Subsidiaritätsprinzip vor, dass kleineren oder freien Trägern Vorrang bei der Erfüllung der sozialen Dienstleistungen eingeräumt werden sollte. Warum also nicht eine eigene Kinderbetreuungseinrichtung gründen? Die vorliegende Publikation wendet sich laut Buchrückseite an Gründungsinteressierte und zukünftige Träger von neuen Einrichtungen. Diesen möchten die Verfasser eine Schritt-für-Schritt-Anleitung an die Hand geben.

Autorin und Autor

  • Jenny Kühne, Diplom-Sozialarbeiterin (M.A.), Gründungsmitglied einer Kita, berät und begleitet Leitungskräfte von Kitas, Familienzentren und Ganztagesangeboten an Schulen, Kontaktstelle selbstorganisierter Bildungseinrichtungen für Kinder (ksb) im Rheinland e.V.
  • Matthias Reiche, Gründungsmitglied einer Elterninitiative, berät Elternvereine von Kitas und Ganztagesschulen, Kontaktstelle selbstorganisierter Bildungseinrichtungen für Kinder (ksb) im Rheinland e.V.

Aufbau

Nach dem Vorwort ist das Buch in seiner Grobgliederung in fünf Kapitel aufgeteilt:

  • Einführung oder Warum Sie eine Kita gründen wollen (24 Seiten)
  • Baustein 1: Rahmenbedingungen kennen und erste Entscheidungen treffen (78 Seiten)
  • Baustein 2: Den Weg bis zur Einrichtungseröffnung gehen (60 Seiten)
  • Baustein 3: Erfolgreich bleiben im laufenden Betrieb (26 Seiten)
  • Nützliche Hintergrundinformationen (56 Seiten)

Zwischen den Kapiteln finden sich fünf Abschnitte mit Erfahrungsberichten zu Kita-Gründungen in Bayern (6 Seiten), Hessen (8 Seiten), Baden-Württemberg (6 Seiten), Nordrhein-Westfalen (4 Seiten), Bayern und deutschlandweit (6 Seiten).

Ein Stichwortverzeichnis schließt die Publikation ab.

Inhalt

In ihrem Vorwort stellen die AutorInnen die verwendeten Begrifflichkeiten und Ziele, die Anlage des Buches sowie Aufbau und Vorgehen dar. Dabei heben sie hervor, dass ihnen eine Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kinder wichtig ist und sie den Gründern anraten, das pädagogische Konzept vor der eigentlichen Personalsuche zu erstellen, um langwierige Abstimmungsprozesse zu vermeiden.

Im Mittelpunkt der „Einführung“ stehen eher allgemeine Themen. Kühne und Reiche blicken hier zunächst auf die Gründe für eine Kitagründung, auf die Bedürfnisse von Kindern und wie diese aufgefangen werden können, und auf die Erwartungen der Eltern. Im weiteren Verlauf nennen die sie eine Reihe von Rahmenbedingungen und aktuellen Themen, die beachtet werden sollten, bevor sie einen kurzen Überblick über die Kinderbetreuung im europäischen Umfeld geben und kapitelabschließend den Ablauf eines Gründungsprosses wie auch Schwierigkeiten und mögliche Lösungen skizzieren.

Im Baustein 1 „Rahmenbedingungen kennen und erste Entscheidungen treffen“ gehen die AutorInnen auf Erfolgskriterien von Kindertagesstätten als soziales Unternehmen ein und weisen auf grundlegende und vertiefende gesetzliche Bestimmungen hin. Den umfangreichsten Teil des Kapitels nehmen die Ausführungen zu „Möglichkeiten der Finanzierung & Förderung“ ein – hier stellen Kühne und Reiche auch eine Modellrechnung für den laufenden Betrieb dar und gehen auf einzelne Kostenarten ein. Im weiteren Verlauf werden gängige Rechtsformen und deren Vor- und Nachteile genannt. Die AutorInnen gehen noch kurz auf die Themen „Gemeinnützigkeit“ und „Steuern“ ein, bevor die sie am Ende des Kapitels mögliche Gruppenformen beschreiben.

Unter „Den Weg bis zur Eröffnung gehen“ (Baustein 2) subsumieren die Verfasser zum einen, wie anfänglich schon angedeutet, das Konzept und stellen dar, was ihrer Ansicht nach darin beschrieben werden sollte. Zum anderen erläutern sie Raumbedarf und Raumsuche, Gewinnung und Bindung von Personal, Ernährung und Hygiene, wie auch eine Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit und die Eröffnung einer derartigen Einrichtung.

Ein Einblick in die Buchhaltung steht zu Beginn des kurzen dritten Bausteins. Außerdem greifen Kühne und Reiche die dauerhaften Pflichten eines Arbeitgebers wie auch die Qualitätssicherung und -entwicklung auf.

Die nützlichen Hintergrundinformationen enthalten Anschriften von Arbeitsgemeinschaften, Dachverbänden und Trägerorganisationen. Außerdem stellen die AutorInnen die Unterschiede in den verschiedenen Bundesländer in Bezug auf folgende Aspekte dar: Landesgesetze zur Kindertagesbetreuung, Bau- und Raumvorgaben, Bedarfsfeststellung, Betreuungsdauer, Elternbeiträge, Finanzierung, gemeindefremde Kinder, Gruppen- und Einrichtungsformen, Inklusion, Investitionskosten, Leitungsfreistellung, Personalvorgaben, privat-gewerbliche Träger, Qualitätsentwicklung sowie Vorschriften zur Kindertagespflege. Auf einige hilfreiche Webseiten weisen sie hin. Außerdem findet sich noch ein untergliedertes Verzeichnis empfohlener Literatur (28 Nennungen).

Diskussion

Man könnte schreiben „Wer einen Rechtschreibfehler findet, darf ihn behalten.“, doch die falsche Schreibweise des Bundeslandes Baden-Württemberg im Inhaltsverzeichnis und in der Kapitelüberschrift fällt doch negativ auf. Dies hätte zumindest dem Lektorat auffallen sollen.

So findet sich auch manch andere Stelle, über die der ein oder andere Leser „stolpern“ oder „schmunzeln“ könnte: Sei es „Allerdings benötigt man in Deutschland unbedingt eine Geburtsurkunde, sonst existiert man für die Behörden nicht.“ (S. 97) oder, dass man als Arbeitgeber vor Arbeitsantritt vom Arbeitnehmer eine Eheurkunde benötigt (Vgl. S. 167). Auf S. 179 wird unerwartet erwähnt, dass ein Einsteckthermometer für fünf Euro erhältlich ist, auf S. 204 erfährt man, dass man durch Umstellung von Apfelsaftschorle auf „Kranenburger“ 50 % Getränkekosten sparen kann. Folgender Hinweis ist auch besonders hervorgehoben: „In manchen Werbeagenturen wird Eierlikör getrunken, um auf gute Ideen zu kommen. Das hilft Ihnen vielleicht auch!“ (S. 182).

Diese einzelnen Punkte bewerte ich aber nicht zu hoch, da ich die gute und lobenswerte Absicht der AutorInnen erkenne: Gründungsinteressierten Menschen, die vielleicht noch keinen oder wenig Kontakt zur Kindertagesbetreuung haben, einen Wegweiser an die Hand zu geben. Der Weg zur eigenen Kita ist lang und viele Dinge sind dabei zu beachten, um ans Ziel zu gelangen.

Kühne und Reiche haben mit dieser Publikation eine Sammlung von Bausteinen und Einzelschritten vorgelegt. An mancher Stelle hätten sie dabei gern noch etwas mehr in die Tiefe gehen oder auf die Strukturierung der Teilabschnitte achten können. Insgesamt aber ist es eine gelungene Schritt-für-Schritt-Auflistung, aus der man zwischen den Zeilen auch die Erfahrung der AutorInnen in diesem Bereich lesen kann. Personen, die sich dafür einsetzen möchten, eine bedarfsgerechte Betreuung für Kinder zu ermöglichen, können sich daran gut orientieren und werden ermutig, am Ball zu bleiben. Auf weitere Anlauf- und Beratungsstellen wird im Buch hingewiesen und weiterführende Literatur oder Fortbildungsanbieter können letztendlich auch selbst recherchiert werden.

Fazit

Jenny Kühne und Matthias Reiche stellten sich der Herausforderung, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Personen zu schreiben, die eine eigene Kinderbetreuungseinrichtung gründen möchten. Dies ist ihnen gelungen. Die drei Baustein-Kapitel schlagen einen Bogen von der ersten Idee über den Weg der Gründung bis hin zu den Pflichten im laufenden Betrieb und geben so erste Orientierungspunkte. Die eingestreuten Erfahrungsberichte von Kitagründungen machen Mut und regen an, am Ball zu bleiben.

Das Buch eignet sich für Gründungsinteressierte und zukünftige Träger, die eine erste Orientierung für den Weg „Gründung einer Kindertageseinrichtung“ suchen.

Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Es gibt 68 Rezensionen von Martin Walz.

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ISSN 2190-9245