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Theo Hug, Gerald Poscheschnik: Empirisch forschen

Cover Theo Hug, Gerald Poscheschnik: Empirisch forschen. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2015. 2., überarbeitete Auflage. 224 Seiten. ISBN 978-3-8252-4304-3. D: 17,99 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,40 sFr.

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Thema

Das Buch richtet sich an Studierende, die mit der Planung und Umsetzung von studentischen empirischen Forschungsprojekten befasst sind. Studierenden soll der Einstieg in Methodenfragen erleichtert werden. Schritt für Schritt sollen forschungsrelevante Kompetenzen erworben werden. Darüber hinaus werden Leserinnen und Leser befähigt, bestehende empirische Forschungsarbeiten besser zu verstehen und einzuschätzen.

Autoren

Theo Hug und Gerald Poscheschnik lehren an der Universität Innsbruck, Fakultät für Bildungswissenschaften. Das Buch entstand unter Mitarbeit von Bernd Lederer und Anton Perzy, die Mitarbeiter derselben Fakultät sind.

Aufbau

Die inhaltliche Gliederung des Buches folgt der Logik, nach der empirische Forschungsprozesse üblicherweise ablaufen. Das Buch ist in sechs Hauptkapitel gegliedert.

  1. Ausgangspunkte
  2. Von der Idee zum Forschungsprojekt
  3. Erste Schritte: Die Planung eines Forschungsprojekts
  4. Datenerhebung und Datenaufbereitung
  5. Datenauswertung
  6. Darstellung der Ergebnisse und Ausblick

Über das ganze Buch verteilt finden sich sog. Überblicke, die sehr anschaulich wesentliche Informationen zusammenfassen wie etwa Ablauf der Themenauswahl oder Bestandteile eines Exposés. In Kastenform hervorgehoben werden ebenfalls durchgängig Tipps und Literaturhinweise sowie Definitionen und zentrale Informationen. In den Kapiteln 4 und 5 befinden sich jeweils eigene Abschnitte zur qualitativen und quantitativen Forschung. Am Ende des Buches befinden sich eine Literaturliste und ergänzende Literaturhinweise zu den einzelnen Kapiteln. Ein Sachregister schließt das Buch ab.

Inhalt

Im ersten Teil des Buches werden grundlegende Themen der empirischen Forschung beleuchtet. Gleichzeitig erhalten die Leserinnen und Leser Unterstützung dabei, eigene Standpunkte und Ideen begründet zu entwickeln. Dies geschieht auch anhand von Fragebögen.

Im Kapitel 2 geht es um den Prozess, wie aus einer Idee eine Forschungsfrage wird. Dazu werden Kreativitätstechniken vorgestellt, aber auch inhaltliche Kriterien für Themenformulierung und Themenwahl und letztlich Kriterien für die Formulierung eines Forschungsexposés genannt.

Die Planung eines studentischen Forschungsprojektes wird anhand von Ablaufmodellen, Forschungsdesigns und den Gütekriterien empirischer Forschung entfaltet. In diesem Zusammenhang werden die Unterschiedlichkeiten qualitativer und quantitativer Forschungsansätze sichtbar gemacht (Kapitel 3). Analog eines ‚realen‘ Forschungsprozesses gerät nun die Auswahl der Datenerhebungs- und Aufbereitungsmethoden in den Blick.

Quantitative und qualitative Erhebungsmethoden werden dabei im vierten Kapitel jeweils einzeln betrachtet. Für die qualitative Forschung werden die wichtigsten Interviewtechniken, Beobachtungsformen und die Gruppendiskussion vorgestellt. Für den Bereich der quantitativen Forschung werden Beobachtung und Befragung eingehender beleuchtet. Im dritten Abschnitt dieses Kapitels erfahren die Leserinnen und Leser, wie erhobene Daten aufbereitet werden um diese so für die Auswertung vorzubereiten (Transkription, Protokollierung, Feldnotizen, Tagebücher, Spezifizierung von Datensätzen, Prüfung auf Messfehler und technische Aufbereitung).

Informationen zur Datenauswertung werden ebenfalls für quantitative und qualitative Methoden vorgestellt. Es werden gängige Auswertungsmethoden vorgestellt: Qualitative Inhaltsanalyse, Grounded Theory, Qualitative Typenbildung, Psychoanalytische Textinterpretation, Diskurs- und Konversationsanalyse und Metaphernanalyse werden für die qualitative Sozialforschung näher ausgeführt. Für die quantitative Auswertung werden Kenngrößen und Vorgehensweisen aufgewiesen und in die beschreibende und vergleichende Statistik eingeführt (Kapitel 5).

Das letzte Kapitel (6) zur Darstellung der Forschungsergebnisse beginnt sinnvoll mit einem Rückblick auf die Zielsetzungen und Erkenntnisinteressen, die am Beginn des Forschungsprozesses formuliert wurden. Schriftliche und mündliche Darstellungsweisen von Forschungsprozessen werden beschrieben. Verschiedene Möglichkeiten, Ergebnisse überzeugend zu präsentieren, werden einander gegenüber gestellt. Ergänzend werden Hinweise auf nützliche Internetquellen gegeben.

Diskussion

Studierende werden durch die Lektüre des Buches befähigt, begründete Entscheidungen zu treffen im Hinblick auf die Wahl der Forschungsfrage und der Erhebungs- und Auswertungsinstrumente eigener studentischer Projekte. Die Prozesshaftigkeit allen forschenden Tuns wird deutlich. Gleichzeitig bietet das Buch aber auch eine sinnvolle Struktur, im deren Rahmen Studierende Schritt für Schritt ihr eigenes Projekt entwickeln können, ohne von der Komplexität der Forschungsprozesse gleichsam ‚erschlagen‘ zu werden.

Verschiedene Erhebungs- und Auswertungsmethoden der qualitativen wie quantitativen Forschung werden sehr gut strukturiert und auf den Punkt gebracht vorgestellt. Sollte sich ein Student, eine Studentin für die Anwendung einer dieser Methoden entscheiden, wird eine vertiefende Lektüre notwendig werden. Dazu geben die Autoren in ihren Literaturtipps wertvolle Hinweise.

Fazit

Das Buch eignet sich m. E. sowohl als begleitende Lektüre von Lehrveranstaltungen im BA Studium, wie auch zur Planung von Abschlussarbeiten und von eigenen studentischen Forschungsprojekten, etwa im Rahmen von Master-Studiengängen.

Das Buch ist m. E. ebenfalls hilfreich für die Lehre empirischer Forschungsmethoden, das es durch die klare Struktur und die Vielfalt der thematischen Bereiche Anregungen für die Gestaltung entsprechender Seminare gibt.


Rezensentin
Dr. Petra Richter
Lehrkraft für besondere Aufgaben, Fachhochschule Kiel
Homepage www.fh-kiel.de
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Zitiervorschlag
Petra Richter. Rezension vom 07.03.2015 zu: Theo Hug, Gerald Poscheschnik: Empirisch forschen. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2015. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8252-4304-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18372.php, Datum des Zugriffs 23.08.2019.


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