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Kristina Calvert: 48 Bildkarten zum Philosophieren mit Kindern

Cover Kristina Calvert: 48 Bildkarten zum Philosophieren mit Kindern. Zur Förderung individueller Begabungen - Mit 48-seitigem Booklet. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 48 Seiten. ISBN 978-3-407-62933-3. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema

Philosophieren bedeutet, begründet zu argumentieren und kontrovers zu diskutieren. Man könnte beinahe von der wundersamen, überraschenden und erstaunlichen Wiederauferstehung der Bildkarten sprechen, den guten, alten Lern- und Arbeitsmaterialien, mit denen pädagogische Fachkräfte Lernende motiviert haben, sich lernend zu entwickeln. Erstaunlich auch deshalb, weil angesichts des sich immer rapider entwickelnden medialen Einsatzes von Lernmitteln das Ende von haptischen Lernmaterialien vorausgesagt wurde. Muss erst die Entdeckung des philosophischen Lernens ein neues Aha-Erlebnis bewirken, dass Lernen als Wissensvermittlung und Verhaltensänderung mehr braucht als die allzeit auf Tastendruck verfügbaren Informationen? Aber vielleicht braucht es dieses vielleicht überzogene Erstaunen gar nicht, um sich bewusst zu machen, dass Lernen sich am besten im dialogischen Verhältnis vollzieht: „Philosophieren bedeutet einen Dialog auf Augenhöhe zu führen…, also die unterschiedlichen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen der Kinder zu berücksichtigen, ohne sie zu hierarchisieren“.

Lernen in diesem Sinne muss ganz früh, kind- und situationsgerecht erfolgen; in der Familie, im Kindergarten und in der Schule (Dieter Sinhart-Pallin / Mechthild Ralla, Handbuch zum Philosophieren mit Kindern. Kindergarten, Grundschule, freie Einrichtungen, 2015, www.socialnet.de/rezensionen/18377.php). Der Theoriediskurs zu diesen Bildungs- und Erziehungsherausforderungen ist in vollem Gang. Pädagogische Konzepte für die Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften in den institutionalisierten Bildungseinrichtungen bestimmen den erziehungswissenschaftlichen Wettstreit; und Praktiker entdecken in ihrer Arbeit das kreative Philosophieren mit Kindern. Mit der vom Königsberger Philosophen Immanuel Kant eingeführten Systematisierung beim philosophischen Denken – „Was kann ich wissen?“ – „Was soll ich tun?“ – „Was darf ich hoffen?“ – „Was ist der Mensch?“ – werden existentielle Herausforderungen angesprochen, die jeder Mensch, ob Kind oder Erwachsener, alltäglich erleben kann.

Autorin

Die Philosophin Kristina Calvert ist Dozentin an der Hamburger Universität. Sie hat bereits mehrere Werke über Philosophieren mit Kindern veröffentlicht. Mit ihrem Konzept „Kreatives Philosophieren“ will sie Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern Anregungen vermitteln, wie sich im Dialog pädagogische Diagnostik vollziehen kann, Lernprozessen entwickeln können und ein „didaktisch strukturierter Denkraum“ entsteht. „Philosophiert wird in einer wertschätzenden und respektvollen Atmosphäre, in der pädagogische Fachkräfte als Ko-Konstruktivisten und Moderatoren von individuellen Lernprozessen mit einem ressourcenorientierten Blick wirken“.

Aufbau und Inhalte der Bildkarten

Die stabilen, strapazierfähigen, farbigen Foto-Bildkarten in der Größe von 14 x 17 cm Größe sind den vier Kantischen Fragenbereichen zugeordnet, wobei die einzelnen Karten jeweils Zugänge zu der einen, wie auch der anderen Frage ermöglichen. Jede Bildkarte ist mit einer Frage versehen, z. B.: die Bildkarte, in der ein Menschenaffe in einem Zoo abgebildet ist: „Haben Tiere einen Geist?“; oder eine andere Karte mit der Frage: „Planen Ameisen ihren Tag?“, oder: „Wer hat mehr Recht auf den Fisch: der Fischer, die Möwe oder der Fisch?“, oder: „Was ist ein Wunder?“. Im Booklet werden Anregungen dazu gegeben.

Die ausgewählten Karten lassen sich aber auch als exemplarisches Material betrachten, und sie bieten für die Philosophierer die Möglichkeit, andere Symbole zu suchen und eigene Bildkarten zu erstellen. Diese kreativen Aspekte werden in der didaktischen Analyse besonders hervorgehoben; ebenso die Erläuterung, dass „kreatives Philosophieren – Philosophieren mit präsentativen und diskursiven Symbolen“ bedeutet. Mit den Symbolen auf den Bildkarten können auch Spiele gespielt, Geschichten erzählt, Ordnungen sortiert und Systeme gebildet werden. So kann im Laufe der Zeit aus der Bildkartenbox eine Bildkartenkiste, oder ein Regal entstehen, das Kinder motiviert, selbständig in immer wieder neu sich bildenden Gruppen zu philosophieren.

Fazit

Die auf den Bildkarten ausgewählten Motive und die jeweiligen Fragen führen hin zur Beschäftigung mit den philosophischen Fragen zur Erkenntnislehre („Was kann ich wissen?“), zur Ethik („Was soll ich tun?“), zur Metaphysik („Was darf ich hoffen?“) und zur Anthropologie („Was ist der Mensch?“). So erfahren Kinder auf spielerische, kreative Art, was Philosophie ist, nämlich eine Herausforderung und ein Abenteuer zum Denken (vgl. auch: „Wer philosophiert – lebt!“, 28.01.2014, www.socialnet.de/materialien/174.php).


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 16.02.2015 zu: Kristina Calvert: 48 Bildkarten zum Philosophieren mit Kindern. Zur Förderung individueller Begabungen - Mit 48-seitigem Booklet. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. ISBN 978-3-407-62933-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18376.php, Datum des Zugriffs 20.08.2019.


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