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Friederike von Gross, Dorothee M. Meister u.a. (Hrsg.): Die Geschichte der Medienpädagogik in Deutschland

Cover Friederike von Gross, Dorothee M. Meister, Uwe Sander (Hrsg.): Die Geschichte der Medienpädagogik in Deutschland. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 280 Seiten. ISBN 978-3-7799-3240-6. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Herausgeber / Autorenteam

Die Herausgeber sind Professoren der Universität Paderborn und der Universität Bielefeld. Sie konnten renommierte Kolleginnen / Kollegen sowie wissenschaftliche Mitarbeiter aus verschiedenen Universitäten in Deutschland gewinnen, um insbesondere die deutsche Geschichte der Medienpädagogik übersichtlich darzustellen.

Thema

Der Titel der Publikation „Die Geschichte der Medienpädagogik in Deutschland“ lässt vermuten, dass primär historische Fragestellungen vorgestellt werden sollen. Diese Thematik ist gleichwohl schon vielfach in der spezifischen Literatur behandelt worden. Die Publikation geht aber einen anderen Weg, sie beschreibt Medienpädagogik als wissenschaftliche Disziplin und als praktisches Arbeitsfeld, somit im Kontext von Medienwissenschaft und Medienpraxis. Spannend ist auch, dass die einzelnen Beiträge des Sammelbandes teilweise kontroverse Diskussionen widerspiegeln und damit das medienpädagogische Denken, bezogen auf die gesellschaftspolitischen Strömungen der jeweiligen Zeit, verdeutlichen.

Der Schwerpunkt liegt auf der Medienpädagogik der Nachkriegszeit, jeweils mit Verweis auf die für die Medienpädagogik relevanten Forschungsergebnisse, auch im Kontext pädagogischer Praxiserfahrungen, z.B. im Bereich der „jüngeren“ Medienpädagogik.

Aufbau

Es kann eine Zweiteilung des Bandes beschrieben werden:

  1. Die Geschichte der Medienpädagogik unter historischer Perspektive
  2. Ausgewählte Diskurse der jüngeren Medienpädagogik

Zu 1.

Die Geschichte der Medienpädagogik wird von Hüther und Walden beschrieben. Hüther stellt die bewahrpädagogischen Ansätze der Medienpädagogik in der Weimarer Zeit dar, weist aber auch auf innovative Bezüge hin.

Walden beschreibt die Medienpädagogik im Dritten Reich mit vielen Beispielen als „Indoktrinationspädagogik“.

Bei der Beschreibung der Medienpädagogik der Nachkriegszeit bis Mitte der siebziger Jahre hebt Tulodziecki insbesondere das Forschungsfeld „Lehren und Lehren mit Medien“ heraus. Der ausgeprägte bildungstechnologische Bezug der Medienpädagogik der siebziger Jahre wird bei Tulodziecki differenziert und kritisch hinterfragt. Er verdeutlicht den Stellenwert der Medientheorie und Medienforschung, die nunmehr stärker empirisch ausgerichtet ist. Die Frage danach, was die Menschen mit den Medien machen (Nutzenansatz) wird zunehmend mehr Bedeutung zugemessen, die Publikumsaktivität im Zusammenhang mit sozialem Handeln und Interpretation des Handelns wird als Grundlage der Medienforschung und Medienpädagogik beschrieben.

Spanhel beschreibt die Weiterentwicklung der qualitativen Medienforschung auch als Weiterentwicklung der Methoden der qualitativen Sozialforschung mit dem Ziel, dass Kinder und Jugendliche schrittweise zur Medienkompetenz und medialer Selbstsozialisation befähigt werden. Kritisch hebt er aber auch hervor, dass in den achtziger Jahren eine fehlende Praxisrelevanz der Forschungsergebnisse zu konstatieren sei. Die Praxis zeichne sich dagegen häufig als Begriffs- und Konzeptlosigkeit aus. Mit dem Aufkommen der „Netzwerkgesellschaft“ veränderte sich in den neunziger Jahren die Medienpädagogik. Sie müsse nunmehr die Heranwachsenden auf das Leben in der zukünftigen Informationsgesellschaft vorbereiten, so Spanhel. Er operationalisiert diese Forderung in einer Reihe von formulierten Lernzielen. Zur Medienpraxis führt er aus, dass Eigenproduktionen als Gegenstand medienpädagogischer Praxisforschung in der medienpädagogischen Diskussion an Bedeutung gewonnen haben. Programme und Maßnahmen zur Medienkompetenzförderung, auch im schulischen Kontext, wird als Forderung der Medienpädagogik beschrieben, wenngleich die traditionellen Schulstrukturen diesen Anspruch nicht erleichtern würden.

Zu 2.

Im zweiten Teil des vorliegenden Bandes setzen sich die Autoren mit ausgewählten Diskursen der jüngeren Medienpädagogik auseinander,.

Das Autorenteam aus Trier, Jäckel, Fröhlich und Röder sowie Sischka fasst übersichtlich die Medienwirkungsforschung zusammen, sie konzentrieren sich dabei zeitlich fortlaufend auf zentrale Aussagen zum S-R-Modell, Nutzen- und Belohnungsansatz, zur Meinungsführerforschung, zur kritischen Theorie und zur Kultivierungsanalyse, zur Agenda Setting Theorie und geben einen Ausblick zu neuen Medientheorien im neuen Jahrtausend.

Dorothee Meister setzt sich abschließend mit ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin mit Lehren und Lernen mit digitalen Medien in der Erwachsenen- und Weiterbildung auseinander. Hierbei werden ausführlich Bezugsdimensionen zur Erwachsenen- und Weiterbildung beschrieben. Interessant sind Ausführungen bezüglich mobiler Lernszenarien, die seit ca. 8 Jahren Gegenstand der medienpädagogischen Auseinandersetzungen sind. Hier werden unterschiedliche Szenarien im Kontext der „Massive Open Online Course“ (MOOC) Diskussion beschrieben. Versehen mit dem Hinweis, dass diese Modelle kaum Eingang in die Hochschule gefunden haben und die Hoffnung auf eine kostenfreie „Weltuniversität“ nicht zu erwarten sei.

Zielgruppe

Die Veröffentlichung richtet sich an Lehrende und Studierende im sozialen, kulturellen, medienpädagogischen und medienwissenschaftlichen Bereich. Insbesondere ist die Publikation auch für die Lehrerausbildung geeignet. Lehrer und Lehrerinnen unterschiedlicher Schulstufen finden hier Anregungen, medienpädagogische Ansätze in den Schulalltag zu integrieren.

Fazit

Die einzelnen Beiträge geben den Pädagogikstudierenden historisches Basiswissen zur Medienpädagogik und Medienforschung, helfen dadurch, gezielt medienpädagogische Strömungen geschichtlich einordnen zu können.

Insgesamt gibt die Publikation zudem einen guten Einblick in den derzeitigen Stand unterschiedlicher Ansätze zur Medienforschung und zur aktuellen Medienpraxis, zumindest im Bereich „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“.

Die Herausgeber weisen auf die Notwendigkeit hin, den Blick zu schärfen für das „Gewordensein“ der Medienpädagogik. Dies soll nachvollziehbar werden, durch eine exemplarische Analyse vergangener medienpädagogischer Strömungen und medienpädagogischer Auseinandersetzungen, Richtungsstreitigkeiten der Medienpädagogik, durch gezielte Betrachtung der Schwerpunktthemen der Medienpädagogik, Theorieströmungen und deren wissenschaftlichen Bezüge sowie auf gesellschaftliche und mediale Gegebenheiten der Medienpädagogik.

Auch wenn das Anliegen an den Sammelband von den Herausgebern recht umfangreich und differenziert ausgefallen ist, gehört die Publikation in alle Bibliotheken an den Hochschulstandorten, die im geisteswissenschaftlichen Bereich Studiengänge anbieten. Sie hilft den Studierenden, zentrale Informationen zur Geschichte der Medienpädagogik und angrenzenden Forschungsbereichen knapp und übersichtlich zu erhalten.


Rezensent
Prof. Dr. Johann Bischoff
Studiendekan im Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur der Hochschule Merseburg. Professor für Medienwissenschaft und angewandte Ästhetik an der Hochschule Merseburg
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Zitiervorschlag
Johann Bischoff. Rezension vom 16.07.2015 zu: Friederike von Gross, Dorothee M. Meister, Uwe Sander (Hrsg.): Die Geschichte der Medienpädagogik in Deutschland. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. ISBN 978-3-7799-3240-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18443.php, Datum des Zugriffs 14.12.2017.


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