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Georg Auernheimer: Dimensionen der Globalisierung

Cover Georg Auernheimer: Dimensionen der Globalisierung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2015. 320 Seiten. ISBN 978-3-7344-0082-7. 12,80 EUR.
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Autor

Georg Auernheimer lehrte und forschte bis 2005 an der Universität Köln als Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Interkulturelle Pädagogik. Zuvor arbeitete er lange Jahre an der Universität Marburg. Er hat zwei grundlegende Werke zu seiner Venia verfasst: Ungleichheit erkennen, Anderssein anerkennen! (2010 bei Regener in Berlin) und das Standardwerk Einführung in die interkulturelle Pädagogik (2012, 7. Aufl., Wissenschaftliche Buchgesellschaft in Darmstadt).

Thema

Das Arbeitsgebiet Interkulturelle Pädagogik legt nahe, ja fordert gleichsam einen Blick auf globale Zusammenhänge der vielfältigsten Art. Als Georg Auernheimer nach seiner Emeritierung Lehraufträge an der Universität Salzburg für das Fachgebiet „Global Studies“ übernahm, mag die Entscheidung gefallen sein, seine Erkenntnisse in einem Buch zusammenzufassen und somit für die einschlägige Klientel zu operationalisieren.

Aufbau

Der Aufbau des Buches ist sehr klar gegliedert: Auf stark 300 Seiten bearbeitet Georg Auernheimer acht große Themenkomplexe:

  1. Geschichte und Aktualität der Globalisierung (auf 21 Seiten),
  2. „E-Commerce, Schattenbanken und transnationale Wertschöpfung“ (40 Seiten),
  3. die sozialen Folgen dieser drei Hauptfaktoren „für die alten Industrieländer und den Rest der Welt“ (64 Seiten),
  4. „Der übernutzte Planet – ökologische Probleme im globalen Maßstab“ (26 Seiten),
  5. er geht auf „die neuen Konkurrenten“ in Gestalt der BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, VR China und Republik Südafrika ein (26 Seiten),
  6. der Autor bearbeitet „Die Vereinten Nationen und die Weltordnungspolitik von heute“ (43 Seiten),
  7. er richtet den Blick der Leserin und des Lesers auf „Öffentliche Kontrolle, Widerstand und globales Lernen“, hier kommen NGOs, Weltsozialforen, Gewerkschaften und Bauernverbände zu Wort (30 Seiten),
  8. schließlich thematisiert er „Die kulturelle Dimension der Globalisierung“ unter der Fragestellung „Einheitskultur oder neue Vielfalt?“ (32 Seiten).

Ausgewählte Inhalte

Im folgenden werden zwei Kapitel exemplarisch vorgestellt.

Im Kapitel „Die sozialen Folgen (der Globalisierung, JMB) für die alten Industrieländer und den Rest der Welt“ beackert Auernheimer ohne Zweifel die großen Felder: „Der selbst gefesselte Wettbewerbsstaat“ analysiert mit klaren Worten „die beschränkte Handlungsfähigkeit von Regierungen durch die neoliberale Politik, die vom Glauben an die Selbstregulierungskräfte des Marktes getragen ist“ (S. 85). Der Autor legt die systemimmanenten Konsequenzen offen dar: „Konsequenz der Marktgläubigkeit ist das Bemühen um einen `schlanken Staat´, das die Verpflichtung auf fiskalische Austerität begründet, im medialen Sprachgebrauch als `Schuldenbremse´ bekannt.“ Logisch bearbeitet das folgende Kapitel die „Prekarisierung der Lebensverhältnisse im Standortwettbewerb“. „Bauern im Überlebenskampf“, „Unfair Trade“ und „Migration global“ heißen die weiteren Unterkapitel.

Die Vereinten Nationen und die Weltordnungspolitik von heute“ werden in einer großen Vielschichtigkeit aufgezeigt. Zutreffend wird die UNO in ihren Potenzen, aber als aktuell „eine machtlose Großmacht“ (S. 201 ff.) analysiert. Im Unterkapitel über „Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ weist Auernheimer wohltuend auf die im Kalten Krieg häufig vernachlässigte Tatsache hin, dass es neben den „klassischen liberalen Menschenrechten“ auch die „sozialen Menschenrechte“ (S. 212) zu beachten gibt. In einem Exkurs (S. 215 ff.) räumt er mit dem Vorurteil auf, die Menschenrechte seien eine „Abendländische Errungenschaft“.

Diskussion

Was kann eine Einführung in ein derart komplexes Thema leisten? Was sollte sie leisten? Natürlich kann ein derartiges Büchlein nicht Standardwerke wie die von Beck, Giddens, Altvater/Mahnkopf, Bourdieu, Klein und Stiglitz, um nur einen kleinen Ausschnitt zu nennen, ersetzen; es kann auch nicht den Atlas der Globalisierung in seinen verschiedenen Varianten von Le Monde Diplomatique ersetzen, er kann schließlich nicht (das leider nach 2001 nicht mehr neu aufgelegte) Schatzkästlein an Wissen Atlas der Weltverwicklungen des hochrenommierten Hammer-Verlages aus Wuppertal kompensieren. Eine Einführung in die „Dimensionen der Globalisierung“ kann aber die großen Perspektiven auf den Zustand der Erde eröffnen und Appetit machen auf eine tiefergehende Befassung mit einzelnen Themen, die sich dann eingehender Literatur bedienen muss. Und das leistet der Band sehr gut.

Sehr wohltuend im übrigen (und am Ende jedes der großen Kapitel zu finden) sind die abschließenden „Fragen und Aufgaben“ des Autors, eingeschlossen ein Hinweis auf „Weiterführende Literatur“. (Die hier aufgeführten, in der Tat zentralen Werke finden sich dann am Ende des Buches in der recht knapp gehaltenen Literaturliste zumeist nicht wieder.) Hier ist der erfahrene Didaktiker Georg Auernheimer in seinem Element!

Bei alldem bedient sich der Autor einer verständlichen Sprache, die den Band auch Schülerinnen und Schülern nahebringen sollte.

Fazit

Georg Auernheimer gibt einen tiefgreifenden Einblick in „Dimensionen der Globalisierung“. Faktenreich und politisch hochdifferenziert bearbeitet er die vielschichtige Materie. Das Lesen schwer macht einzig, dem Autor nicht anzulasten, der kleine Schrifttyp des Buches.


Rezensent
Privatdozent Dr. Johannes M. Becker
Universität Marburg
Homepage www.staff.uni-marburg.de/~becker1/
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Zitiervorschlag
Johannes M. Becker. Rezension vom 07.05.2015 zu: Georg Auernheimer: Dimensionen der Globalisierung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2015. ISBN 978-3-7344-0082-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18465.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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