Anselm Böhmer: Konzepte der Sozialplanung
Rezensiert von Prof. Dr. Isolde Heintze, 11.12.2015
Anselm Böhmer: Konzepte der Sozialplanung. Grundwissen für die Soziale Arbeit. Springer VS (Wiesbaden) 2015. 155 Seiten. ISBN 978-3-658-03444-3. D: 16,99 EUR, A: 17,47 EUR, CH: 21,50 sFr.
Thema
In dem vorliegenden Buch setzt sich der Autor Anselm Böhmer grundlegend mit Konzepten der Sozialplanung auseinander, die sich der Komplexität der Sozialplanung in der Praxis der kommunalen Sozialpolitik annähern. Dabei nimmt die Profession der Sozialen Arbeit im Spannungsfeld zwischen „Hilfe und Kontrolle“ und die Thematisierung der damit zusammenhängenden Planungsaufgaben eine bedeutende Rolle ein.
Autor
Dr. Anselm Böhmer ist Professor an der Hochschule Ravensburg-Weingarten im Fachbereich Soziale Arbeit. Seine Schwerpunkte in der Lehre und in der Forschung liegen in der Sozialplanung, in der kommunalen Entwicklung und der Sozialraumorientierung, in der Gemeinwesenarbeit und dem Settingansatz. Außerdem beschäftigt er sich mit Beteiligungsprozessen und der Arbeit mit freiwillig Engagierten.
Aufbau
Das Buch beinhaltet vier Kapitel.
Nach einer Einführung in die Thematik (Kapitel 1) folgt das 2. Kapitel, welches die Überschrift „Konzeptionelle Voraussetzungen der Sozialplanung“ trägt.
Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit den „konzeptionellen Grundlagen der Sozialplanung“, bevor sich der Autor im letzten Kapitel mit den Perspektiven der Sozialplanung und der „Sozialen Arbeit als Akteurin in kommunalpolitischen Räumen“ auseinandersetzt (Kapitel 4).
Jedes Kapitel beginnt mit einigen einleitenden Sätzen, welche das Lernziel des jeweiligen Abschnitts formulieren. Nach jedem Kapitel stellt der Autor Fragen, die den/die LeserIn zur vertiefenden Auseinandersetzung mit der Thematik anregen sollen. Außerdem bietet er zum Abschluss jedes Kapitels weiterführende Literatur an. Wichtige Definitionen und Merksätze sind in grau unterlegten Kästen hervorgehoben.
Inhalt
Das Kapitel 1 beginnt mit der Darstellung einer Fallstudie. Diese Fallstudie beschreibt fiktiv die sozialen Gegebenheiten in einem Stadtteil einer Großstadt und die damit verbundenen Planungsaufgaben, die im Bereich des „Sozialen“ entstehen und erfüllt werden müssen. Diese Fallstudie wird im Verlauf des Buches immer wieder zur Darstellung der jeweiligen Thematik herangezogen. Das Kapitel 1 enthält weiter Ausführungen zu den kommunalen (Kommunale Daseinsfürsorge, Kommunale Finanzen) und zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Demographischer Wandel, Kommunale Armutspolitiken), in die moderne Sozialplanung derzeit eingebettet ist.
Kapitel 2 und 3 bilden die Hauptbestandteile des Buches und beschäftigen sich intensiv mit den konzeptionellen Voraussetzungen der Sozialplanung und mit den konzeptionellen Grundlagen der Sozialplanung.
Im Rahmen der Ausführungen zu den konzeptionellen Voraussetzungen der Sozialplanung behandelt A. Böhmer vor allem das Ziel und die Prinzipien des Neuen Steuerungsmodells und erläutert deren Bedeutung für die Planungsprozesse. Daneben diskutiert er die Steuerung kommunaler Prozesse und Räume aus der Perspektive unterschiedlicher Akteure und Interessen und welche Konsequenzen sich daraus für die Umsetzung der Sozialplanung ergeben. Abschließend thematisiert der Autor die Besonderheiten der Sozialplanung für städtische und ländliche Räume.
Die Erläuterungen der konzeptionellen Grundlagen der Sozialplanung reichen von den Formen der Sozialplanung, über die Wirkungsorientierung in der Sozialplanung bis hin zur Sozialberichterstattung sowie der Integrierten und der Inklusiven Sozialplanung. Teilweise findet hier auch die Einbettung in Aspekte der Verwaltungsmodernisierung und der Neuen Steuerung statt. Besonderes Augenmerk wird auf die Darstellung des Planungskreislaufs gelegt. Einzelne Planungsschritte dieses Kreislaufs werden ausführlich erläutert und auf die fiktive Fallstudie angewendet. Die komplexen Themen „Integrierte Sozialplanung“ und „Inklusive Sozialplanung“ werden am Schluss des Kapitels angerissen.
Das 4. Kapitel beschreibt, welche Perspektiven sich zukünftig für die Sozialplanung und für die Soziale Arbeit ergeben. Dabei steht die Auseinandersetzung mit der Bedeutung sozialer Räume als Planungsgrundlage, mit dem Umgang unterschiedlicher Interessen im Planungsprozess und mit dem Verständnis von Empowerment im Mittelpunkt der Ausführungen.
Diskussion
Hervorzuheben ist, dass die Diskussion der Planungsprozesse und der Planungsaufgaben immer im Bezug zur Fallstudie in einem fiktiven Stadtteil einer Großstadt vorgenommen wird. Dies stellt ein anschauliches Anwendungsbeispiel dar. Daneben wird deutlich, dass Kenntnisse über Planungsschritte und deren Implikationen im Rahmen des Kreislaufs der Sozialplanung unabdinglich für die Sozialplanung als Aufgabe kommunaler Sozialpolitik sind. Die einleitenden Sätze zur Beschreibung des Lernziels am Beginn des jeweiligen Abschnitts bereiten auf die Ausführungen vor und erleichtern den Zugang zu ihnen.
Der Stellenwert der Sozialplanung wird von den Kommunen sehr unterschiedlich eingeschätzt. Dies manifestiert sich u.a. in der unterschiedlichen organisatorischen Anbindung der Sozialplanung in der kommunalen Verwaltung. Daher ist anzumerken, dass die Darstellung der organisatorischen „Verortung“ der Sozialplanung im Buch zu kurz kommt. Sie trägt maßgeblich zum grundlegenden Verständnis sozialplanerischer Prozesse bei.
Der Abschnitt zur Problematisierung der Sozialberichterstattung als strategisches Instrument und als operatives Projekt ist sehr ausführlich und enthält nicht nur Überlegungen zum Umgang und zur Verdichtung der erhobenen Daten sondern weist auch darauf hin, dass die Daten interpretiert und kommuniziert werden müssen. Allerdings hätte dieses Bild durch Erläuterungen zu möglichen Datenquellen, Schwierigkeiten bei der Datenbereitstellung sowie Besonderheiten bei der Datenerhebung abgerundet werden können.
Fazit
Insgesamt bietet das Buch einen ersten Einblick in die Vielgestaltigkeit der Sozialplanung. Es benennt und beschreibt wesentliche Aspekte, die für die Praxis der gegenwärtigen Sozialplanung wichtig sind. Es ist daher für Studierende geeignet, die das Feld der Sozialplanung noch nicht kennen und in dieses einfach und grundlegend einsteigen wollen.
Rezension von
Prof. Dr. Isolde Heintze
Professur für Sozialpolitik und Soziale Arbeit an der Hochschule Mittweida, Fakultät Soziale Arbeit
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