Traute Wittje-Berger: Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) [...]
Rezensiert von Dipl.-Päd. Petra Steinborn, 10.06.2015
Traute Wittje-Berger: Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) zur Belastungsreduzierung bei Kindern und Jugendlichen in der integrativen Lerntherapie. Shaker Verlag (Aachen) 2012. 177 Seiten. ISBN 978-3-8440-1017-6. D: 35,80 EUR, A: 35,80 EUR, CH: 44,75 sFr.
Thema
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, übersetzt „Desensibilisierung und Neubearbeitung mit Augenbewegungen“. EMDR ist als Methode zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen wissenschaftlich anerkannt und sehr erfolgreich. In den 1990 er Jahren kam EMDR nach Deutschland. 25 Jahre nach der Entwicklung von EMDR erfährt die Methode zunehmend breite internationale Anerkennung. Eine Therapie nach EMDR bietet einen methodenübergreifenden Zugang. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass Kinder, deren Lernentwicklung gestört ist zeitgleich vielfältige Verhaltensstörungen oder Belastungssymptome aufweisen. Traute Wittje-Berger hat in ihrer hier vorgelegten Untersuchung den Versuch unternommen, Belastungen und Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen mit einem neuen lern- und psychotherapeutischen Therapiekonzept, also der Integrativen Lerntherapie und EMDR-Therapie zu bearbeiten und kann letztendlich belegen, dass diese Kombination hilfreich ist.
Autorin
Traute Wittje-Berger machte eine Ausbildung zur Erzieherin, studierte dann Sozialpädagogik und Psychologie. Sie ist approbierte Kinder- und Jugendlichenspychotherapeutin. Sie arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und deren Eltern und Bezugspersonen in eigener Praxis. Bei dem hier vorgelegten Buch handelt es sich um ihre Doktorarbeit zum Thema: „Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) zur Belastungsreduzierung bei Kindern und Jugendlichen in der integrativen Lerntherapie“ an der Fakultät Erziehungswissenschaft, Fachbereich Psychologie vom Oktober 2011.
Aufbau und Inhalt
Das Buch umfasst 177 Seiten. Es gliedert sich in vier Kapitel (A-D), 14 Unterkapitel und 21 Abbildungen.
- Theoretischer Hintergrund
- Methodik
- Ergebnisse
- Diskussion und Fazit
Das Kapitel A (50 Seiten) theoretischer Hintergrund untergliedert sich in drei Unterkapitel: EMDR, Lerntherapie und dem Behandlungskonzept EMDR und Integrative Lerntherapie.
Das Kapitel B (40 Seiten) mit dem Titel Methodik untergliedert sich ebenfalls in drei Unterkapitel: Fragestellung und Hypothesen, Studienauswahl und Auswahl der Stichprobe, die Durchführung der Untersuchung und Erläuterungen zum methodischen Vorgehen anhand von drei Fallberichten (Aron, Talita und Lasse).
Das Kapitel C (40 Seiten) stellt die Ergebnisse der gesamten Stichprobe vor.
Das Buch endet mit dem Kapitel D (30 Seiten) Diskussion und Fazit, hier findet man auch die Zusammenfassung und abschließenden Betrachtung der Arbeit und dem Literaturverzeichnis.
Es folgen ein Tabellenverzeichnis (mit Seitenzahlen der 69 Tabellen) und ein Abbildungsverzeichnis (mit Seitenzahlen der 21 Abbildungen). Zudem gibt es drei Anhänge (A-C): eine Kopie des Informationsschreiben an die Eltern, eine Kopie des Elternfragebogens zu den Belastungssymptomen der Kinder und eine Kopie des abschließenden Elternfragebogens.
Diskussion
24 Kinder erhielten in 14 Monaten neben der Integrativen Lerntherapie insgesamt 96 EMDR Behandlungen. Die hier vorgelegten Ergebnisse sprechen für das vorliegende Behandlungskonzept und seine Wirksamkeit. Die Daten wurden mit psychometrischen Testverfahren in einer Behandlungs- und einer Kontrollgruppe erhoben. Die Hypothese, dass Kinder und Jugendliche durch familiäre und schulische Konflikte vielfältig belastet sind, bestätigte sich. Die Ergebnisse zeigen auch, dass das hier vorgelegte Behandlungskonzept wirksam ist. Das EMDR Konzept reduzierten das Ausmaß der Ängste und Verhaltensauffälligkeiten, die schulischen Leistungen verbesserten sich. Zudem wurde deutlich, dass Eltern und Kinder sensibilisiert wurden für vorhandene Probleme, die vorher nicht so wahrgenommen worden waren. Die Bereitschaft, sich diesbezüglich mit den Therapeuten zu beraten, stieg an.
Das sind positive Ergebnisse, die Frage ist nun, wie kann dieser Ansatz derartig verbreitet werden, dass viele belastete Kinder davon profitieren. Dazu gibt es Buch keine Empfehlung, außer, dass die Autorin darauf hinweist, dass EMDR als Ausbildungsmodul für den Studiengang Integrative Lerntherapie denkbar ist und im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplan praxisrelevant für lerntherapeutische Institutionen sein könnte.
Fazit
Aus wissenschaftlichen Studien weiß man, dass Kinder mit einer gestörten Lernentwicklung nicht selten zeitgleich vielfältige Verhaltensstörungen bzw. Belastungssymptome aufweisen. Ergebnis der hier vorgelegten Forschungsarbeit ist, dass der Einsatz von EMDR innerhalb der Integrativen Lerntherapie dazu führt, dass Belastungen bei Kindern und Jugendlichen reduziert werden konnten. Diese Erkenntnisse werden in 69 Tabellen und 21 Abbildungen belegt. Wer inhaltlich mehr über die Integrative Lerntherapie in Verbindung mit EMDR erfahren möchte sollte auf andere Literatur zurückgreifen.
Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
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