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Gabi Wolfsgruber: Soziale Arbeit und soziokulturelle Diversität

Cover Gabi Wolfsgruber: Soziale Arbeit und soziokulturelle Diversität. Handlungskompetenzen für Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 280 Seiten. ISBN 978-3-86388-098-9. D: 36,00 EUR, A: 37,10 EUR, CH: 47,90 sFr.
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Thema

Der vorliegende Band bietet eine differenzierte Auseinandersetzung mit soziokultureller Diversität und daraus erwachsenden Ansprüchen und Anforderungen an Handlungskompetenzen für Fachkräfte der Sozialen Arbeit.

Aufbau

Das Werk ist in 3 Teile und 9 Kapitel gegliedert. Nach dem ersten Kapitel, das als Einleitung dient (S. 11-15, werden im ersten Teil mit dem Titel „Theoretische Hinführung“ folgende Kapitel subsumiert:

  • 2.) Annäherung an Begriffe (S.19-36)
  • 3.) Herausforderungen im Kontext soziokultureller Diversität (S. 37-59)
  • 4.) Diversität als pädagogisches Paradigma (S. 61-92)
  • 5.) Handlungskompetenzen im Umgang mit soziokultureller Diversität (S. 93-136).
  • Im zweiten Teil wird die empirische Studie vorgestellt. Darin enthalten sind
  • 6.) Konzeption der empirischen Untersuchung (S. 139-159)
  • 7.) Ergebnisdarstellung (S. 161-230).
  • Im dritten Teil des Buches wird eine Diskussion der Ergebnisse vorgenommen. So sind darin
  • 8.) Kompetenzanforderungen an Fachkräfte der Sozialen Arbeit (S. 233-260) und
  • 9.) Zusammenfassung und Ausblick (S. 261-266) versammelt.

Literaturverzeichnis, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis sowie ein Anhang beschließen den Band.

Inhalt

Gabi Wolfsgruber beginnt nach der als erstem Kapitel dienenden Einleitung ihr 2. Kapitel mit einer Annäherung an Begriffe und definiert insbesondere den verwendeten Kulturbegriff und den Begriff der soziokulturellen Diversität genauer. Sie geht darin insbesondere auf Diversity Management und den Diversitäts-Ansatz der Interkulturellen Pädagogik ein.

Im dritten Kapitel werden Herausforderungen im Kontext soziokultureller Diversität, so auch der gleichnamige Titel des Kapitels, geschildert. Gesellschaftliche Wandlungsprozesse werden ebenso herangezogen, unter anderem im Rekurs auf Becks Individualisierungstheorie, Globalisierungsprozesse und Migrationsbewegungen. Diese dienen als Hintergrundfolie für gesellschaftliche Herausforderungen: „Aufgrund der oben genannten Entwicklungen und Fakten ist die soziokulturelle Diversität in Deutschland eine nicht mehr zu leugnende Tatsache, insbesondere im Anbetracht [sic!) der demographischen Entwicklung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ (S. 42). Homogenisierungserwartungen werden ebenso fokussiert wie Identitätskonstruktionen, Ethnisierung und Diskriminierung vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit und Bildungsbenachteiligung. Ein weiteres Unterkapitel zeigt Herausforderungen für die Soziale Arbeit auf.

Das vierte Kapitel betrachtet Diversität als pädagogisches Paradigma. So wird zum einen der Diversitäts-Ansatz aus 2 Blickwinkeln unter die Lupe genommen (Interkulturelle Pädagogik und Soziale Arbeit), aber auch die Pädagogik der Vielfalt und der Ansatz der Diversity-Pädagogik. Und der Diskurs um den Diversity-Ansatz in seinen Potenzialen herausgestellt. Wolfsgruber beendet das vierte Kapitel mit einer diskursiven kritischen Würdigung des Diversitäts-Ansatzes.

Im fünften Kapitel werden Handlungskompetenzen im Umgang mit soziokultureller Diversität herausgearbeitet. So wird neben einer allgemeinen Begriffsbestimmung von Kompetenz und professioneller Handlungskompetenz auch die Kompetenzorientierung im Bildungsbereich fokussiert. 3 Kompetenzbereiche werden von Wolfsgruber als stringent relevant erachtet: Können, Wissen und Haltung. Zudem rekurriert sie auf interkulturelle Kompetenz. In einem darüber hinausgehendem Ansatz rekurriert Wolfsgruber auf Diversitätskompetenzen, die von ihr als Erweiterung interkultureller Kompetenzen konzeptualisiert werden. Den Abschluss des Kapitels bilden Betrachtungen zur Kompetenzentwicklung.

Das sechste Kapitel bildet gleichzeitig den Beginn des Teil 2 des Bandes, der empirischen Untersuchung. Darin stellt sie die Konzeption der empirischen Untersuchung vor, legt methodische wie methodologische Grundlagen offen und bietet Hintergrundinformationen zum Forschungsprojekt. Angelegt als qualitative Untersuchung, wurde das Modellprojekt „Chancen der Vielfalt nutzen lernen“ als Basis der Studie zugrunde gelegt.

Im siebten Kapitel werden die Ergebnisse der Untersuchung (eine qualitative Interviewstudie) dargestellt. Ausgehend von den 5 aus dem Interviewmaterial abgeleiteten Kategorien, erörtert Wolfsgruber Dimensionen soziokultureller Diversität. Sie betrachtet die Relevanz soziokultureller Diversität und leitet daran über zu Kompetenzanforderungen in den Bereichen Wissen, Können und Haltung und diskutiert daran anschließend die Kompetenzanforderungen an die Fachkräfte.

Im dritten Teil, der Diskussion der Ergebnisse, beginnt das achte Kapitel mit den Kompetenzanforderungen an Fachkräfte der Sozialen Arbeit. Darin wird einleitend auf differenzierte Wahrnehmung (soziokultureller Diversität) verwiesen, der Umgang mit Differenz diskursiv aufgezeigt und eine Zusammenfassung von Diversitäts-Kompetenzen diskutiert. Der letzte Teil des achten Kapitels befasst sich mit Anforderungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung im universitären Bereich. Wolfsgruber definiert darin Bildungsziele bei der Kompetenzentwicklung im Rahmen der Hochschulbildung.

Das neunte Kapitel als Zusammenfassung und Ausblick bildet den inhaltlichen Abschluss des Bandes.

Diskussion

Gabi Wolfsgruber legt mit ihrer Dissertation einen Diskussionsbeitrag zum Diskurs zur Diversitätsforschung vor. Mit Verweisen auf Interkulturelle Pädagogik und verwandte Themengebiete rekurriert sie auf aktuelle Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit. Auffällig und limitierend bleibt hingegen die nicht begründete Beschränkung auf Diversität durch Migration. Soziokulturelle Diversität als von außen kausal verursachend zu beschreiben wird der Komplexität des Themas eher nicht gerecht, Binnendiversität hätte als Standard mitgedacht werden können (und vielleicht auch müssen). Abgesehen von einer eher fehlenden Rezeption (oder zumindest streifenden Kritik) zur biogeografischen / biogenetischen Perspektive von Herkunft, wie sie in der Bundesrepublik betrieben wird, kann Diversität einer Gesellschaft (und es bleibt anzumerken, dass diese Arbeit sich fast ausschließlich auf deutschen Horizont bezieht, ohne dies ausdrücklich zu kennzeichnen) nicht nur als von außen einwirkend beschrieben werden. Rückkopplungseffekte sind sicherlich vorhanden und wirkmächtig, eine diese fokussierende Arbeit fehlt bislang.

Wolfsgruber untersucht in ihrer Arbeit die Verschränkung der Professionalität von Fachkräften der Sozialen Arbeit mit dem Phänomen von Diversität. In dieser Untersuchung wird Professionalität allerdings verkürzend als Kompetenzdiskurs geführt und die korrespondierenden zu erwerbenden Stärken betont. Eine eigentliche Professionsanalyse der Sozialen Arbeit wird hingegen nicht vorgenommen – dies stellt doch eine Limitation dar. Zu begrüßen bleibt freilich die längst fällige Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen, denen auch die Soziale Arbeit unterliegt.

Fazit

Ein informatives, lesens- wie wissenswertes Buch.


Rezension von
Dr. Miriam Damrow
Hochschule Magdeburg-Stendal
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Zitiervorschlag
Miriam Damrow. Rezension vom 21.10.2015 zu: Gabi Wolfsgruber: Soziale Arbeit und soziokulturelle Diversität. Handlungskompetenzen für Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. ISBN 978-3-86388-098-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18520.php, Datum des Zugriffs 28.11.2021.


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