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Armin Schneider, Michaela Köttig u.a. (Hrsg.): Forschung in der Sozialen Arbeit

Cover Armin Schneider, Michaela Köttig, Daniela Molnar (Hrsg.): Forschung in der Sozialen Arbeit. Grundlagen – Konzepte – Perspektiven. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 180 Seiten. ISBN 978-3-8474-0662-4. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.

Buchreihe Theorie, Forschung und Praxis der sozialen Arbeit, Bd. 11.
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Thema

Der vorgestellte Sammelband setzt sich mit den Spezifika der Forschung in der Sozialen Arbeit auseinander. Dabei soll sowohl die Frage beantwortet werden, inwiefern Forschung im Zeitalter des Gebots von Drittmitteleinnahmen noch frei sein kann als auch dargelegt werden, auf welche Weise sich Soziale Arbeit die bestehenden Methoden empirischer Sozialforschung für ihr spezifisches Erkenntnisinteresse aneignet. Letzteres wird an zahlreichen Beispielen aus der Forschungspraxis problematisiert und veranschaulicht.

Herausgeber und Herausgeberinnen

Kötting, Michaela, Professorin für Gesprächsführung, Kommunikation und Konfliktberatung an der Fachhochschule Frankfurt

Molnar, Daniela, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps- Universität Marburg, Institut für Erziehungswissenschaft

Schneider, Armin, Professor für empirische Sozialforschung und Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz, Leiter des Instituts für Forschung und Weiterbildung an der Hochschule Koblenz

Aufbau

Der Sammelband ist in drei thematische Abschnitte eingeteilt.

  1. Im ersten Teil wird geklärt, was Forschung in der Sozialen Arbeit bedeutet und welches Selbstverständnis der Sozialarbeitsforschung zugrunde liegt.
  2. Im zweiten Teil werden verschiedene Forschungsperspektiven in den Blick genommen, die mit den Erkenntnisinteressen der Sozialarbeitsforschung korrespondieren sowie Wege aufgezeigt, Studierende der Sozialen Arbeit bereits im Rahmen der theoretischen Ausbildung an Praxisforschung partizipieren zu lassen.
  3. Im dritten Teil werden anhand von konkreten Forschungsbeispielen der Nutzen und die Problemstellungen einer vorrangig subjektorientierten Forschung aufgezeigt, indem der Blick auf die Perspektive der Beforschten in ihrer Rolle als Forschungsgegenstand und als Person gerichtet wird.

Inhalt

Nach der Einleitung, in welcher im Wesentlichen die Notwendigkeit einer grundlegenden Auseinandersetzung mit der Bedeutung und den Bedingungen der Sozialarbeitsforschung betont wird, folgt ein Kapitel zur Freiheit der Forschung. Eckhard Rohrmann zeigt auf, dass die Freiheit der Forschung als Grundrecht verbrieft ist, gleichwohl – so das Argument – finden sich faktisch zahlreiche Beschränkungen, die dieses Grundrecht flankieren und letztlich auch infrage stellen können. Der Autor identifiziert drei Aspekte, die in diesem Zusammenhang zentral erscheinen. Dies sind zunächst gesellschaftliche und ökonomische Beschränkungen, die sämtlich mit der Gefahr verbunden sind, Forschung entlang bestimmter Interessenslagen zu instrumentalisieren, sei es um die eigene wissenschaftliche Karriere zu befördern oder um dem Gebot des Drittmittelerwerbs gerecht zu werden.

Darüber hinaus bestehen aber auch wissenschaftsimmanente Beschränkungen, wie Forschungsparadigmen, methodische und methodologische Prämissen, die sämtlich das Risiko bergen, eine eingeschränkte Sicht auf das Feld zu evozieren. Gerade vor dem Hintergrund evidenzbasierter Forschungsansätze kann so eine Verdinglichung menschlichen Handelns prominent werden, welche die beforschten Personen ihrer Subjektivität beraubt.

Schließlich wird die Freiheit der Forschung durch die Maßgabe der Verantwortung der Forschenden als handelnde Subjekte beschränkt. Forschung heißt in dieser Lesart von Fall zu Fall zu entscheiden, für wen was herausgefunden/erforscht werden soll. Forschung, so das Fazit, findet im Spannungsfeld zwischen Drittelmittelzwang, Methodenzwang und subjektiver Verantwortung des Forschenden statt. Dies bedeutet jedoch nicht, sich als Forschender aufgrund dieser Beschränkungen als Opfer äußerer Umstände zu sehen. Der Autor betont vielmehr die Autonomie des Forschenden selbst darüber zu entscheiden, welche Interessen verfolgt werden sollen und welche nicht. Damit wird noch einmal die Verantwortlichkeit des Forschenden für sein Handeln hervorgehoben. Gleichzeitig wird in diesem Beitrag eine klare Positionierung der Forschung in der Sozialen Arbeit deutlich, die sich nicht als Erfüllungsgehilfe von Peer-Review-Verfahren, Impact-Faktoren und Drittelmittequoten verstehen will, sondern ihre eigenen, spezifischen Fragestellungen verfolgt, die sämtlich dazu dienen, die Praxis Sozialer Arbeit zu verstehen und zu verbessern.

Die Wurzeln der Sozialarbeitsforschung werden im Beitrag von Armin Schneider in den Blick genommen. Er zeichnet in seinem Abriss die Traditionslinien der Sozialarbeitsforschung entlang der Genese der Sozialen Arbeit als Profession nach. Ausgehend von den Verfahren empirischer Forschung, wie sie von Mary Richmond, Jane Adams und Alice Salomon zur sozialen Diagnose eingesetzt wurden über die forschungsfreie Zeit im Nationalsozialismus, die Fundierung von Forschung im Sozialgesetzbuch bis hin zur Legitimation von Leistungen durch Evaluationsforschung führt der Autor durch das Auf und Ab der Sozialarbeitsforschung. Er verweist abschließend auf die Notwendigkeit, Forschung aktiv für die Fortentwicklung der Praxis, zur politischen Argumentation und zur Weiterentwicklung der Theoriebildung der Disziplin zu nutzen.

Die Forschungskultur der Sozialarbeitsforschung wird durch das Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) „Forschung in der Sozialen Arbeit“ verdeutlicht. In diesem Papier wurden die Grundlagen und Spezifika der Sozialarbeitsforschung herausgearbeitet. Sozialarbeitsforschung dient sowohl zur Reflexion und Weiterentwicklung Sozialer Arbeit als auch der Generierung von Wissen zur Beeinflussung der Rahmenbedingungen und ist damit Ausdruck der Professionalisierung und der wissenschaftlichen Profilierung Sozialer Arbeit. Da die Adressatinnen und Adressaten Sozialer Arbeit nicht nur Gegenstand der Forschung sind, sondern auch von den Resultaten der Forschung betroffen sein können, sollte Forschung Sozialer Arbeit dabei immer den Schutz der Klientel in den Mittelpunkt stellen. Ziel der Forschung ist es die Handlungsfähigkeit zu erhöhen, damit ergibt sich eine Art Win-Win- Situation für Forscher und Beforschte, da Soziale Arbeit und ihre Klientel von den Befunden und Erkenntnissen profitieren. Die Rolle des Forschenden bleibt dabei den Grundlagen, Werten, Normen und Aufgaben der Sozialen Arbeit verpflichtet. Auch hier wird betont, dass Sozialarbeitsforschung keiner eigenen Forschungsmethoden bedarf, vielmehr nutzt sie die bestehende Methodenvielfalt der Sozial- und Geisteswissenschaften auf spezifische Weise für ihre Erkenntnisinteressen.

Im folgenden Kapitel erfolgt eine Einschätzung des Positionspapiers durch Armin Schneider. Er betont, dass damit Forschung als Beitrag zur Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit gestärkt, die Position der Adressatinnen und Adressaten ausreichend und wertschätzend berücksichtigt sowie die Ziele und Bedingungen von Forschung kritisch betrachtet wurden. Abschließend erfolgt ein Plädoyer für eine weitere inhaltliche Vertiefung des Papiers mit Hinblick auf die konkrete Forschungspraxis.

Ergänzt wird die Auseinandersetzung mit dem Positionspapier mit der Perspektive des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit. Die Bedeutung von Forschung für die Fortentwicklung der Profession findet auch von dieser Seite Anerkennung, allerdings wird darauf verwiesen, dass dadurch die Trennung von Praxis und Forschung unscharf werden kann. Es gilt deshalb die Tätigkeit des Forschens von der Handlungspraxis als Sozialarbeiterin und Sozialarbeiter zu trennen sowie eine Instrumentalisierung des Vertrauens der Klientel für Forschungszwecke systematisch zu vermeiden.

Nach dieser grundlegenden Auseinandersetzung mit der Genese, den Spezifika und den Rahmenbedingungen der Sozialarbeitsforschung werden im zweiten Abschnitt unterschiedliche Forschungszugänge und -perspektiven betrachtet. Zunächst wird die Nutzung der wissenssoziologischen Diskursanalyse als Forschungsperspektive der Sozialen Arbeit eingeführt. Die Diskursanalyse erscheint besonders geeignet, um die soziale Konstruiertheit sozialer Problemlagen und daraus resultierender Sprecher- und Subjektpositionen herauszuarbeiten. Am Beispiel „alleinerziehender Mutterschaft“ erläutert Anna Kasten die methodologischen Grundlagen und die methodische Vorgehensweise der Diskursanalyse, um die Subjektformierung „alleinerziehende Mutter“ und daraus resultierende Zuschreibungsprozesse zu analysieren. Dieser Zugang dient dem Verstehen der Klientwerdung (Subjektposition) und der damit verbundenen Zuweisungsprozesse, die aus der Maßgabe verantworteter Elternschaft (Diskurs) resultieren. In dem Beitrag wird die soziale Konstruiertheit alleinerziehender Mütter als Adressatinnen Sozialer Arbeit aufgedeckt. Aus dieser Erkenntnis – so die Argumentation – erwächst nicht nur die Chance soziale Praktiken zu verstehen, vielmehr kann die eigene Handlungspraxis auf diesem Weg analysiert und reflektiert werden.

Ein ethnografischer Zugang wird für das Feld der aufsuchenden Palliativarbeit von Falko Müller vorgestellt. Am Beispiel der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) wird aufgezeigt, wie eine ethnografische Studie der Erkundung des Sozialen dienen kann. Der Autor zeigt auf, wie mit dieser Form der Versorgung Sterbender ein Raum hergestellt wird, der sowohl dem Bereich der Privatheit als auch professioneller Organisation zuzuordnen ist. Im Rahmen dieser Verkopplung von Organisation und häuslicher Umgebung verändert sich das Private ebenso wie alltäglichen Praktiken. Gleichzeitig problematisiert der Autor die Besonderheiten eines solchen Feldzugangs und markiert die ethischen Ansprüche, die aus dieser spezifischen Form des Forschens erwachsen.

Als kleine, bisher kaum anzutreffende Form der Forschung, bezeichnet Matthias Müller in seinem Beitrag die Verknüpfung von Lehre und Forschung in Form von Lehrforschungsprojekten oder Service Learning Angeboten. Forschung im Rahmen der Hochschulpraxis generiert einige Fragestellungen und Problemlagen, die es in der Planung zu berücksichtigen gilt. So sind die formulierten Lernziele derartiger Angebote weder reine Lernziele noch reine Erkenntnisziele. Vielmehr findet sich hier eine Gemengelage von Erkenntnisinteresse und Wissensvermittlung, die vorrangig dazu dient die Kompetenzen der Studierenden zu erweitern. Studierende haben so die Chance Effekte der Praxis sichtbar zu machen. Abschließend macht der Autor deutlich, dass es sich beim Service Learning dezidiert um Lehre handelt und fordert gleichzeitig auf, diese Lehrform – trotzt knapper Ressourcen im Lehrkontext – auch gezielt einzusetzen, um dieses Instrument weiter zu etablieren.

Der daran anschließende Beitrag von Alf Scheidgen greift die Frage nach Lernzielen, Qualifikationen und Schlüsselkompetenzen angehender Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vor dem Hintergrund der fachlichen Entwicklung der letzten Jahre auf. In Rahmen einer Qualifizierungsarbeit soll aufgezeigt werden, in welchem Ausmaß sich Studierende im Laufe ihres Studiums domänenspezifische Handlungskompetenzen aneignen.

Forschendes Lernen als weiterer Zugang im Rahmen von Hochschullehre wird im Beitrag von Elke Schimpf und Anja Göble als Möglichkeit der aktiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Macht- und Konfliktverhältnissen eingeführt. Sie identifizieren das Theorie-Forschungs-Verhältnis als blinden Fleck der Lehre und wollen diesen am Beispiel eines studentischen alltags- und lebensweltorientierten Forschungsvorhabens erhellen. Forschungsgegenstand sind die Kundinnen Tafeleinrichtungen, die forschungsleitende Frage bezieht sich auf die Relevanz der Tafeleinrichtungen im Lebensalltag von weiblichen Konsumentinnen. Deutlich wird in diesem Beispiel, wie durch diesen Zugang eine Sensibilisierung für das Feld erreicht werden kann, indem die unhinterfragten Selbstverständlichkeiten hinterfragt und reflektiert werden. Zudem geraten durch diese Art des Forschens auch eigene Verstrickungen der Studierenden in den Blick, indem diese bspw. vom Tagesmanager der beforschten Einrichtung instrumentalisiert wurden, um die eigene Perspektive auf das Klientel kenntlich zu machen.

Der dritte Abschnitt des Buches veranschaulicht an Beispielen aus der Forschungspraxis, wie Sozialarbeitsforschung konkret betrieben wird und welche ethischen, methodischen oder praktischen Problemlagen den Forschungsalltag flankieren können.

Anna Lena Rademaker zeigt in ihrem Beitrag auf, wie Gesundheitshandeln in der Jugendphase verstanden und für die Planung weiterer Interventionen nutzbar gemacht werden kann. Auf der Basis einer quantitativen Befragung von insgesamt 482 Jugendlichen zur Selbsteinschätzung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens konnten 3 Typen von Jugendlichen herausgearbeitet werden. Der gesundheitlich resiliente, der gesundheitlich vulnerable und der gesundheitlich unauffällige Jugendliche. Die Selbstwahrnehmung von Möglichkeiten Einfluss auf die eigene Gesunderhaltung zu nehmen, erweist sich dabei als entscheidender Faktor für das jeweilige Gesundheitshandeln. Insofern sollten Interventionen nicht auf Risikobewältigung beschränkt bleiben, sondern danach fragen, was Jugendliche brauchen um Vertrauen in ihre eigene Handlungsfähigkeit zu erlangen.

Mit forschungsethischen Fragen setzt sich der Beitrag von Florin Bödecker am Beispiel einer Forschung mit Demenzerkrankten auseinander. Neben der Frage wie und durch wen (Personal oder Angehörige) der Feldzugang zu suchen ist, wird die Möglichkeit einer informierten Einwilligung durch die Demenzerkrankten selbst sowie die konkrete Umsetzung der Forschung in Form von Interviews kontrovers diskutiert. Hier wird deutlich, dass es kein eindeutiges richtig oder falsch gibt, wohl aber Empfehlungen wie sozialwissenschaftliche Demenzforscher den Anforderungen des Feldes gerecht werden können.

Forschung als eine Form der Intervention greift Lalitha Chamakalayil im ihrem Beitrag zum Othering in Forschungsprozessen auf. Sie zeigt in ihrem Beispiel auf, dass der Forschende zum einen die gesellschaftliche institutionale Praxis und hegemoniale Deutungsmuster – wie die Deutung von Alleinerziehen – reproduziert und somit den Beforschten die Chance eröffnet sich zu diesen Deutungsmustern der eigenen Existenz zu positionieren, gleichzeitig verweist sie auf die Notwendigkeit die eigenen Deutungsmuster im Forschungsprozess zu reflektieren, um dem Gebot der Offenheit gerecht zu werden. Als Fazit plädiert sie für eine prinzipiell offene Haltung des Forschers gegenüber der Erfahrungen im Forschungsprozess.

Forschung als Interaktion im Sinne eines kommunikativen Herstellungsprozesses wird im Beitrag zum Doing Research von Sina Motzek hervorgehoben. Indem Forscher und Beforschte interagieren kommt es zu einer kommunikativen Herstellung von „neuem“ Wissen. Um diesen Herstellungsprozess möglichst wenig zu stören, muss durch den Forschenden das Gebot der Fremdheit als Qualitätsmerkmal qualitativer Forschung eingehalten werden. Dies ist insbesondere dann schwierig, wenn durch die Praxis bereits eine Beziehung zwischen Forscher/Sozialarbeiter und Klient besteht. Um diesem Dilemma zu entgehen ist in der Rolle des Forschers eine Haltung der Fremdheit einzunehmen, da nur so ein Fremdverstehen befördert werden kann. Die Aufrechterhaltung der Differenz ist gleichsam Herausforderung und methodisches Potenzial. Schließlich kann diese Form des Fremdverstehens auch für die konkrete Praxis z.B. im Rahmen der Fallanalyse nutzbar gemacht werden.

Diskussion

Die Beiträge des Sammelbandes zeichnen ein differenziertes Bild der Sozialarbeitsforschung mit Hinblick auf ihre Entstehungsgeschichte, des Erkenntnisinteresses, der Forschungszugänge und Forschungsmethoden sowie ihres Nutzens für Praxis, Theoriebildung und Adressaten.

Gerade die Frage nach der Freiheit der Forschung erscheint mit Hinblick auf die Zunahme von Forschungsaufträgen aus der Praxis zentral. Nicht selten soll Praxisforschung für die Durchsetzung politischer Ziele genutzt werden. Die Beiträge des ersten Teils bieten hier nützliche Orientierungshilfen und helfen Sozialarbeitsforschung weiter zu profilieren.

Die Disziplin sozialer Arbeit wird als relativ autonom bezeichnet, weil sie in spezifischer Weise Wissen aus den sog. Bezugswissenschaften nutzt. So stellt sich auch für die Sozialarbeitsforschung die Frage, was diese auszeichnen kann und soll. Die Beiträge des zweiten Abschnitts verdeutlichen, wie die bestehende Methodenvielfalt der Geistes- und Sozialwissenschaften für Fragestellungen der Sozialen Arbeit genutzt werden kann, ohne dabei die Eigenständigkeit der Sozialarbeitsforschung aufzugeben.

Sozialarbeitsforschung ist Forschung mit Menschen, die sich nicht selten in benachteiligten oder problembehafteten Lebenssituationen befinden. Die Beiträge im dritten und letzten Abschnitt sensibilisieren für Herausforderungen im Forschungsalltag und geben wichtige Hinweise, wie bestehende Problemlagen oder Dilemmata bearbeitet werden können. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Würde der Klientel. Sozialarbeitsforschung legitimiert sich in dieser Lesart, weil sie auf diesem Weg die Stimme der Adressaten transportiert und so zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen benachteiligter Personenkreise beitragen kann.

Fazit

Der vorgestellte Sammelband gibt einen guten Einblick in die Spezifika der Sozialarbeitsforschung, die sich vorrangig als Forschung zur Verbesserung der Praxis versteht. Der Leser wird anhand der vielfältigen Beispiele auf Chancen und Problemlagen der Forschungspraxis hingewiesen und zur Weiterentwicklung von Forschungszugängen und Forschungsdesigns ermuntert. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der Freiheit von Forschung, welche erstens durch Auftragsforschung und Drittelmitteleinwerbung konkret bedroht wird, zweitens mit Hinblick auf die Adressaten der Forschung auf die besondere Verantwortung des Forschenden verweist. Drittens ist die Frage der Freiheit der Sozialarbeitsforschung für die Disziplin der Sozialen Arbeit von Bedeutung. Es gilt einen eigenen Forschungsstil zu etablieren, der sich durch die Nutzbarmachung bestehender sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden und -zugänge für das eigene Erkenntnisinteresse auszeichnet und so zur weiteren Profilierung des disziplinären Forschungsverständnisses beitragen kann.


Rezension von
Prof. Dr. Annette Plankensteiner
Professur für Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit, Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart
Homepage www.dhbw-stuttgart.de/themen/bachelor/fakultaet-soz ...
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Zitiervorschlag
Annette Plankensteiner. Rezension vom 24.08.2015 zu: Armin Schneider, Michaela Köttig, Daniela Molnar (Hrsg.): Forschung in der Sozialen Arbeit. Grundlagen – Konzepte – Perspektiven. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. ISBN 978-3-8474-0662-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18555.php, Datum des Zugriffs 15.01.2021.


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