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Sabine Weinberger: Kindern spielend helfen (Personzentrierte Spiel­psychotherapie)

Cover Sabine Weinberger: Kindern spielend helfen – Einführung in die Personzentrierte Spielpsychotherapie. Eine Lern- und Praxisanleitung für den psychotherapeutischen und psychosozialen Bereich. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 6., überarbeitete Auflage. 343 Seiten. ISBN 978-3-7799-3161-4. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,90 sFr.
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Thema

Es geht in diesem Buch um eine „umfassende Einführung in Theorie und Praxis der Beratung und Psychotherapie von Kindern, die professionelle Hilfe brauchen“. Das Buch richtet sich an alle Fachkräfte im psychosozialen, kinderbezogenen Bereich, die ihre Kompetenz in der Praxis erweitern wollen und ist auch für Aus- und Fortbildung konzipiert.

Autorin

Dr. phil. Sabine Schlippe-Weinberger ist als approbierte psychologische Psychotherapeutin und Kinder-und Jugendpsychotherapeutin in eigener Praxis tätig. Sie war Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und ist Ausbilderin in Klientenzentrierter Gesprächsführung und Personenzentrierter Psychotherapie für Kinder und Jugendliche bei der Gesellschaft für Personenzentrierte Psychotherapie und Beratung (GwG).

Aufbau

Das Buch gliedert sich in zwei Teile:

  1. In Teil 1 geht es um die theoretischen Grundlagen,
  2. in Teil 2 wird die „Praxis der Arbeit mit Kindern“ vorgestellt.

Wesentlich sind für die Autorin in Theorie und Praxis die drei Bestandteile

  1. Beziehungsgestaltung: In der therapeutischen Beziehung wird dem Kind ein Rahmen geboten, der eine positive Entwicklung möglich macht.
  2. Wissen und Techniken: In diesem Zusammenhang geht es um entwicklungspsychologisches Wissen, Kenntnisse über psychische Störungen, Schulung der eigenen Wahrnehmung und darauf aufbauend konkretes Handwerkszeug im Umgang mit Kindern.
  3. Das eigene innere Kind: Über die Lebendigkeit des eigenen inneren Kindes kann eine Therapeutin (die Autorin entscheidet sich bewusst für die weibliche Form) einen Zugang zu der Erlebniswelt der Kinder finden, mit denen sie beruflich zu tun hat.

Diese Struktur findet sich in jedem Kapitel, an allen relevanten Stellen werden Übungen zur diesbezüglichen Reflexion vorgeschlagen, zu vielen Themenbereichen wird darüber hinaus weiterführende Literatur angegeben.

Inhalt

Im Theorieteil geht die Autorin im ersten Kapitel zunächst auf Spezielle Anforderungen an die Arbeit mit Kindern ein, sie beschreibt konkrete „Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen“, beispielsweise bei der Symbolbildung, des Realitätsverständnisses und anderen Faktoren, aus denen jeweils spezifische Anforderungen an die Beraterin abgeleitet werden. Anschließend grenzt sie die Begriffe „Beratung – Pädagogik – Psychotherapie“ voneinander ab.

Die Autorin beschreibt im zweiten Kapitel ausführlich den Personenzentrierten Ansatz, auch im Hinblick auf die besondere Anwendung bei Kindern und Jugendlichen.

Im dritten Kapitel handelt die Autorin die Entwicklungspsychologie für die Praxis ab, dabei geht sie auf Säuglingsforschung, Bindungsforschung und Forschung zur Resilienz ein, zu jedem Themenbereich gibt sie eine kurze theoretische Einführung und stellt einen Bezug zur therapeutischen Arbeit her.

Im vierten Kapitel beschreibt sie Die Sprache des Kindes: Das Spiel. Sie geht auf die Bedeutung des Spiels für verschiedene Entwicklungsbereiche sowie auf verschiedene Spielformen ein.

Das fünfte Kapitel heißt Dem Kind spielend begegnen. Weinberger geht zunächst auf Rogers Konzept ein: Die Merkmale „einfühlendes Verstehen“, „unbedingte Wertschätzung“ und „Kongruenz“ werden als grundsätzliche Haltungen betrachtet, nicht als losgelöste Verhaltenstechniken. Sie kommen auf vier Ebenen zum Ausdruck: Dem Kontext der Beziehung, der Begegnungsebene, der Handlungsebene und der Interventionsebene. Die Autorin erläutert die Begriffe, konkretisiert die auf dieser Haltung basierenden Methoden anhand von Beispielen und schließt die Abschnitte jeweils mit Übungen zur Reflexion ab.

Im sechsten Kapitel geht es um Kontaktaufnahme und Diagnostik. Die Autorin legt Wert darauf, neben einer tätigkeitsspezifischen Diagnostik auch durch eine psychosoziale Diagnostik die Stärken und Fähigkeiten eines Kindes zu betrachten und das Kind in einem systemischen Zusammenhang zu sehen.

Im siebten Kapitel wird die praktische Umsetzung der Personenzentrierte(n) Spielpsychotherapie beschrieben. Die Autorin möchte auch Therapeutinnen, bei denen es schwerpunktmäßig um die Förderung eines Kindes geht, „für das ungeheure Potential, das im freien Spiel des Kindes liegt, sensibilisieren“ und einen praxisnahen ersten Einblick in die Personenzentrierte Spielpsychotherapie geben. Auch, wenn eine gezielte Förderung angestrebt wird, können und sollen nach Ansicht der Autorin Phasen des freien Spiels eingeplant werden.

Im achten Kapitel werden differentielle Spielangebote vorgestellt, beispielsweise „Malen und Zeichnen“, „Puppenspiel“, „Fantasiereisen“ und andere. Die Autorin verweist hier auf verschiedene Therapiemethoden, diskutiert die wissenschaftliche Überprüfung dieser und verweist auf weiterführende Literatur sowie auf die teilweise bestehende Notwendigkeit spezieller Weiterbildungen bei der Anwendung einiger der Methoden.

Im neunten Kapitel werden Rituale und Biografiearbeit vorgestellt.

Im zehnten Kapitel geht es um Ausgewählte Problembereiche, beispielsweise Hyperaktivität, Aggressivität, Ängste und andere, die die Autoren immer auch in einem systemischen Zusammenhang sehen möchte. Sie klärt jeweils die Begriffe, beschreibt den aktuellen Forschungsstand über Ursachen und Auswirkungen sowie vielfältige therapeutische Ansätze, in die sie den Personenzentrierten Ansatz einbettet.

Das elfte Kapitel handelt von Supervision, bei der es darum geht, die Supervisandin zu unterstützen, „sich selbst in ihrer Beziehung zur Klientin und in ihrem beruflichen Kontext besser zu verstehen und aus dem eigenen Potential heraus Handlungsalternativen zu erarbeiten“. Die Autorin geht in diesem Zusammenhang auf diverse Fragen ein, die häufig in der Supervision vorkommen.

Im zwölften Kapitel geht es um Falldarstellungen aus der psychosozialen Praxis. Ein Beispiel aus der Frühförderung und eines aus der heilpädagogischen Praxis werden vorgestellt.

Diskussion

Man merkt der Autorin ihre langjährige Erfahrung in Therapie und Weiterbildung an: Die Kapitel sind konsequent durchstrukturiert, der Praxisbezug der Theorie wird immer deutlich und die Sprache ist klar und verständlich. Die Beispiele verdeutlichen das Gemeinte und die Übungen regen zur eigenen Reflexion an. Ihrem Anspruch, alle Fachkräfte im psychosozialen Bereich, die mit Kindern arbeiten, anzusprechen, wird die Autorin voll und ganz gerecht.

Das Thema „Grenzen setzen“ wird meiner Ansicht nach zu sehr als notwendiges Übel bei bestimmten Verhaltensweisen der Kinder betrachtet, nicht als Bestandteil jeder lebendigen und daher auch der pädagogisch-therapeutischen Beziehung.

Beim Thema „Aggressionen“ (S. 240ff) erwähnt die Autorin, dass manche der Kinder anderen die Verantwortung für ihr Verhalten geben und sich nicht selber als Verursacher ihres Verhaltens sehen können. Erst, wenn ein Kind sein aggressives Verhalten nicht mehr verleugnen müsse, könne man mit ihm alternative Verhaltensweisen erarbeiten (S. 248). Die Autorin möchte im Zusammenhang mit „Eltern- und Umfeldarbeit“ (ebd.) die Eltern für das innere Erleben des Kindes sensibilisieren und ihnen „ganz konkrete Verhaltensweisen für den Umgang mit den Aggressionen ihres Kindes an die Hand geben“, diese Verhaltensweisen werden aber nicht näher beschrieben. Das Problem, das manchmal Mitschüler oder Geschwister unter dem aggressiven Verhalten leiden und möglicherweise traumatisiert werden, wird nicht diskutiert. Ich hätte mir eine Diskussion dieses häufig auftauchenden Problems gewünscht, ihrem Anspruch, das Kind in einem systemischen Zusammenhang zu sehen, wird die Autorin an dieser Stelle nicht gerecht.

Ansonsten finde ich das Buch empfehlenswert, ich habe viele Anregungen daraus gewonnen.

Fazit

Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, in welchem Bereich auch immer, bekommt in diesem Buch wertvolle, praxisbezogene Informationen, Anregungen zur Reflexion der eigenen Haltung und Vorschläge zu konkreten Methoden, die diese Haltung im Kontakt mit einem Kind ausdrücken.


Rezensentin
Ortrud Aden
M.A. Sonderpädagogik und Rehabilitationswissenschaften, z. Z. Tätigkeit in einer Autismusambulanz
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Zitiervorschlag
Ortrud Aden. Rezension vom 05.08.2015 zu: Sabine Weinberger: Kindern spielend helfen – Einführung in die Personzentrierte Spielpsychotherapie. Eine Lern- und Praxisanleitung für den psychotherapeutischen und psychosozialen Bereich. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 6., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-7799-3161-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18565.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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