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Michael Noack: Kompendium Sozialraum­orientierung

Cover Michael Noack: Kompendium Sozialraumorientierung. Geschichte, theoretische Grundlagen, Methoden und kritische Positionen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 216 Seiten. ISBN 978-3-7799-3245-1. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,90 sFr.
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Autor

Dr. phil. Michael Noack, Jg. 1982, arbeitet als Vertretungsprofessor an der Hochschule Koblenz am Fachbereich für Sozialwissenschaften. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören sozialräumliche Organisations- und Netzwerkentwicklung, qualitative und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung sowie Netzwerkforschung.

Aufbau

Die etwa 190 Textseiten sind gegliedert in eine Einleitung und zwei Hauptteile.

    Teil I „Ausgangssituation“ enthält die beiden Kapitel

  1. „Funktion Sozialer Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe“ und
  2. „Die Situation kommunaler Kinder- und Jugendhilfesysteme“,

    Teil II „Theoretische und konzeptionelle Grundlagen“ ist in sechs Kapitel aufgeteilt.

  3. „Ein Blick zurück“ (27 Seiten),
  4. „Ein Blick in den Raum“ (16 Seiten),
  5. „Theoretische Grundlagen des Fachkonzepts Sozialraumorientierung“ (15 Seiten),
  6. „Methodische Prinzipien des Fachkonzepts Sozialraumorientierung“ (15 Seiten),
  7. „Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe“ (38 Seiten),
  8. „Kritische Positionen“ (31 Seiten).

„Resümee und Ausblick“ finden auf einer knappen Seite Platz, gefolgt von einem Abkürzungsverzeichnis und dem 20-seitigen Literatur- und Quellenverzeichnis. Die einzelnen Kapitel werden jeweils durch kurze Überleitungen, als rotem Faden, inhaltlich miteinander verbunden.

Inhalt

In der Einleitung wird als Aufgabe des Buches postuliert, eine konsistente Darstellung der Entstehung, Theorien, Methoden und Institutionalisierung des Fachkonzepts Sozialraumorientierung sowie deren Kritik und konzeptionellen Gegenentwürfen vorzulegen. Dieses Vorhaben wird, wie der Begriff „Fachkonzept Sozialraumorientierung“ bereits andeutet, auf das Handlungsfeld Sozialer Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe beschränkt. Dementsprechend enthält bereits die Einleitung eine Fallbeschreibung, auf die im Weiteren immer wieder Bezug genommen wird.

In 1. Kapitel wird auf der Basis der Luhmannschen Systemtheorie die gesellschaftliche Funktion Sozialer Arbeit generell und mit Fokus auf der Kinder- und Jugendhilfe als Vermittlung zwischen Lebenswelt und sozialem System beschrieben.

Die „Situation kommunaler Kinder- und Jugendhilfesysteme“ ist Thema von Kapitel 2. Die zuvor in Kap. 1 explizierte Funktion Sozialer Arbeit wird für das Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe anhand der Entwicklung der gesetzlichen Grundlagen vom Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1924 bis zu den jüngsten Aktualisierungen des Kinder- und Jugendhilfegesetz im SGB VIII nachgezeichnet. Geschichte, Struktur und Aufgaben der Jugendhilfeverwaltung sowie deren Veränderungen durch Entwicklungen, wie die Neuorganisation sozialer Dienste und die Einführung des „Neuen Steuerungsmodells“ in der Kommunalverwaltung, werden dargelegt und auf der Basis empirischer Studien kritisch betrachtet. Aufgezeigt wird, welche Hemmnisse durch das Aufeinandertreffen der Eigenlogiken von Verwaltung, Trägern der freien Jugendhilfe sowie Auftrag und Aufgaben der Profession Sozialer Arbeit in der Hilfeleistung entstehen und wie sich diese in Bezug auf das Klientel auswirken können.

Teil II beginnt in Kapitel 3 „Ein Blick zurück“ mit der Rückblende der Ursprünge der Gemeinwesenarbeit (GWA) auf die Settlementbewegung und benennt auch die deutsche Variante der Nachbarschaftshäuser. In der Beschreibung der Entwicklung der Gemeinwesenarbeit in Deutschland kommen die verschiedenen Ansätze aggressiver, katalytisch-aktivierender und integrativ-fürsorglicher GWA ebenso zur Sprache wie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. In Fußnoten werden jeweils Hintergründe beleuchtet oder Erläuterungen angebracht, die im Text keinen Platz finden (sollen). Unter der Überschrift „Von der Methode zu einem Handlungsprinzip: die Entwicklung der GWA von 1975-1990“ wird die Diskussion in und über GWA im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts vom symbolischen Begräbnis der GWA bis zu seiner „Auferstehung“ als „Stadtteilbezogene Soziale Arbeit“, „Stadtteilmanagement“ bis hin zur im Laufe der 1990er Jahre aufkommenden Sozialraumdiskussion skizziert. Dabei werden neben den Fragen der professionellen Haltung, von der „Aktivierung“ über die „Aktivitätserkundung“ und Parteilichkeit bis zur Vermittlungsrolle, auch die Ebenen der Verwaltungshierarchie und der Handlungsebenen vom Quartier bis zur Gesamtstadt, einschließlich der intermediären Ebene benannt und diskutiert. Ein kurzer Ausblick auf die in Kap. 5 anstehende Bearbeitung des Fachkonzepts Sozialraumorientierung steht am Ende des 3. Kapitels und bereitet den Boden für das folgende

Kapitel 4 „Ein Blick auf den Raum“. Darin wird auf die Mehrdeutigkeit des Begriffs „Sozialraum“ durch die disziplinär unterschiedlichen Deutungen und Verwendungen des Begriffs Bezug genommen. Außerdem wird die neuere soziologische und sozialgeografische Raumdiskussion rezipiert. Vorgeschlagen wird ein „Mittelweg“ zwischen subjektorientiertem Verständnis sozialer Lebenswelten einerseits und der eher territorialen Planungsperspektive von „Systemakteuren“ aus Politik und Verwaltung. Der Vorteil dieses Mittelwegs wird aus handlungsorientierter Sichtweise in der Differenzierung nach „Planungsräumen“ (territorial-)raumbezogener Steuerung sowie individuellen „Lebensräumen“, zu verstehen als „Gesamtheit der räumlichen Dimensionen einer individuellen Lebenswelt“ gesehen. „Sozialräume“ werden demnach als Schnittfläche sich überlappender individueller „Lebensräume“ verstanden. Die Verbindung beider Perspektiven herzustellen, wird zur vermittelnden oder intermediären Aufgabe Sozialer Arbeit erklärt.

Als „theoretische Grundlagen des Fachkonzeptes Sozialraumorientierung“ werden in Kapitel 5, analog zu der von Hinte und Treeß formulierten Zielrichtung sozialraumorientierter Sozialer Arbeit (Gestaltung sozialer Räume, sozialökologische Einbettung individueller Probleme, Arbeit mit den und nicht für die Betroffenen), die „Feldtheorie“ Kurt Lewins, Bronfenbrenners „Sozialökologie“ und die non-direktive Pädagogik nach Hinte angeführt und jeweils kurz erläutert.

„Methodische Prinzipien des Fachkonzeptes Sozialraumorientierung“ werden in Kapitel 6 in fünf Abschnitten aufgeführt und erläutert. Dazu zählen

  1. „Wille und Interessen“ der Menschen (6.1),
  2. der „Vorrang von Aktivierung vor Betreuung“ (6.2),
  3. „Ressourcenorientierung“ (6.3) bezogen auf menschliche Stärken und räumliche Potentiale sowie
  4. „Zielgruppen- und Bereichsübergreifendes Arbeiten“ (6.4) und
  5. die Netzwerkarbeit durch „Kooperation und Koordination“ (6.5).

Nach der, in den vorigen Kapiteln beschriebenen, Ausgangssituation in kommunalen Kinder- und Jugendhilfesystemen, der theoretischen Verortung von Sozialraumorientierung und der Darstellung der methodischen Prinzipien, werden in Kapitel 7 die Möglichkeiten und Grenzen des Fachkonzepts Sozialraumorientierung erörtert. Zunächst werden mit „Fallspezifischer Arbeit“ „Fallbezogener Ressourcenbildung“, „Fallübergreifender Arbeit“ und „Fallunspezifischer Arbeit“ vier „Arbeitsformen“ definiert und anschließend unterschiedlichen Raumebenen, entsprechend dem SONI-Modell von Früchtel, Cyprian und Budde zugeordnet. In Abschnitt 7.3 wird die Passung der Sozialraumorientierung mit der sozialpolitischen Funktion kommunaler Jugendhilfe thematisiert und die Möglichkeiten einer planungsräumlichen Steuerung aufgezeigt. Neben der dazu erforderlichen Implementation sogenannter „Sozialraumteams“, die eine fachbezogene und am Willen der Betroffenen sowie an aktiv zu analysierenden Ressourcen orientierten Entscheidungsfindung sicher stellen sollen, wird auch die Frage von Sozialraumbudgets als nicht zwingend nötige Option diskutiert. Dabei werden sowohl administrative als auch finanzierungstechnische Aspekte angesprochen und berücksichtigt. Mit einem Abschnitt (7.6) zur Bedeutung von Sozialraumorientierung für die Professionalisierung Sozialer Arbeit sowie einem Abschnitt (7.7) zur methodischen Umsetzung wird dieses Kapitel abgeschlossen.

Im 8. Kapitel werden kritische Perspektiven auf sozialraumorientierte erzieherische Hilfen dargestellt und kommentiert. Die Diskurslinien werden nach sozialpolitischen, administrativen sozialrechtlichen, finanztechnischen und methodischen Perspektiven geordnet und behandelt. Zur sozialpolitischen Kritik wird vorwiegend auf die von den Erziehungswissenschaftlern um Kessl, Reutlinger, u.a. vorgebrachte Kritik einer aus neoliberaler Orientierung erwachsenden „Territorialisierung des Sozialen“, der das Fachkonzept Sozialraumorientierung Vorschub leiste, Bezug genommen. Mit Verweis auf die Unterscheidung in objektives Recht, das im Grundgesetz verankerte Allgemeininteressen zu Rechtsnormen macht und subjektiven Individualrechten, die z.B. im SGB VIII zur Kinder- und Jugendhilfe geregelt sind, wird dieser Kritik entgegen gehalten, dass mit dem Fachkonzept Sozialraumorientierung nicht zwingend die Aufhebung individueller Rechtsansprüche in der Kinder- und Jugendhilfe verbunden sei. Der Autor setzt sich in diesem Kapitel intensiv mit Vorwürfen wie Ausschaltung der Betroffenenbeteiligung durch „Sozialraumteams“, Kostenreduzierung in der Kinder- und Jugendhilfe und Querfinanzierung von Infrastruktur durch „Sozialraumbudgets“, Aussetzung des Wunsch- und Wahlrechtes durch Leistungsverträge mit „Schwerpunktträgern“ oder der „Ent-routinisierung von Hilfeplanung und -erbringung“ auseinander. Im „Resümee und Ausblick“ geht Noack nochmals kurz auf die Möglichkeiten des Fachkonzepts Sozialraumorientierung ein und erwähnt explizit das „(inter-)institutionelle Wohlfahrtsarrangement Sozialraumteam“ als „innovative Alternative für funktional spezialisierte kommunale Kinder- und Jugendhilfesysteme“. Er reklamiert eine empirische Fundierung der Etikettierung seitens der Kritiker des Fachkonzepts Sozialraumorientierung als Kostensparmodell des neoliberalen Wohlfahrtsstaats und fordert die Kritiker zu einer angemessenen und weniger polemischen Auseinandersetzung mit dem Konzept auf.

Diskussion

Die Einleitung fällt mit Blick auf das Vorhaben des Buches (siehe unter Inhalt) mit acht Seiten, davon 2 Seiten Fallbeschreibung nicht nur angesichts des Umfangs, sondern auch in Bezug auf den In-/Gehalt etwas mager aus, dafür jedoch umso engagierter und pointierter in seiner Botschaft, das „Fachkonzept Sozialraumorientierung“ als Gegenentwurf zur konstatierten formalen, unflexiblen und maßnahmenorientierten „Hilfeverordnung“ zu positionieren.

Dass in Kapitel 1 auf die Funktion Sozialer Arbeit fokussiert wird, um die Aufgaben und deren methodische Ausführung in der Kinder- und Jugendarbeit zu begründen, ist zwar nachvollziehbar. Dass außer der für dieses Vorgehen naheliegenden Verwendung der Systemtheorie Luhmannscher Prägung, keine anderen Erklärungsansätze für die Verbindung zwischen Individuum und Gesellschaft, wie bspw. Elias´ Figurations- und oder Prozesstheorie heran gezogen werden, ist eine Engführung, deren Konsequenzen für das Fachkonzept durchaus diskussionswürdig wären.

Die in Kapitel 2 fundiert und ausführlich dargelegten Zusammenhänge zwischen Rechtsgrundlagen und der Ausgestaltung von Strukturen und Prozessen des Kinder- und Jugendhilfesystems, untermauern argumentativ die bereits in der Einleitung benannte programmatische Aussage, das bisherige Kinder- und Jugendhilfesystems könne (nur) durch das „Fachkonzept Sozialraumorientierung“ sinnvoll modifiziert werden. Einem „Kompendium“ entsprechend, sind die Ausführungen zum Rückblick tatsächlich kurz und zusammenfassend. Darstellung der Ereignisse und Auswahl der Quellen zur Entstehungsgeschichte der Sozialraumorientierung sind allerdings stark verkürzt und gründen im Wesentlichen auf Autoren wie Hinte, Lüttringhaus und Landhäuser. Letzterer wird als vorwiegende Sekundärquelle für die Rezeption der Klassiker genutzt. Keine Erwähnung findet dagegen z.B. das Handbuch Gemeinwesenarbeit von Stövesand u.a. von 2013. Dies wäre sowohl im Hinblick auf die von Oelschlägel detailliert aufgearbeitete Geschichte der GWA als auch auf die in der Einleitung intensiv geführte Diskussion über Definition und Abgrenzung von GWA und Sozialraumorientierung für ein Buch mit dem Anspruch einer Diskussion kritischer Positionen zu erwarten gewesen.

Die im 4. Kapitel sorgfältige und diskursiv explizierte Diskussion des (Sozial)-Raumbegriffs berücksichtigt nicht nur die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der interdisziplinären Auseinandersetzung, sondern bringt einen eigenen und neuen Definitionsvorschlag zu „Planungsräumen“, „Lebensräumen“ und „Sozialräumen“ in die Diskussion ein. Die zur Veranschaulichung aufgeführten Beispiele für „Sozialräume“, wie Schulhof (als Überlappung der individuellen Lebensräume der SchülerInnen) oder Stadtteil (als Schnittfläche der Lebensräume „Wohnort“) vermögen jedoch nicht konsistent die zuvor vorgenommene Definition von Sozialraum zu treffen. Dagegen wirken die drei aufgeführten theoretischen Grundlagen des Fachkonzepts Sozialraumorientierung schlüssig. Bleibt nur die Frage, ob außer Feldtheorie, Sozialökologie und humanistischer Psychologie nicht noch weitere Erklärungsansätze für menschliches Handeln in sozial und räumlich strukturierten Kontexten hilfreiche Beiträge leisten. Zu denken wäre z.B. an Arbeiten von Simmel über Elias bis zu Sennett.

Die in Kapitel 6 beschriebenen „Methodischen Prinzipien“ werden historisch-fachwissenschaftlich, mit Verweis auf Alice Salomon und bezugswissenschaftlich (z.B. Sen, Bourdieu) begründet und mit einzelnen Fallbeispielen veranschaulicht.

Die in Kapitel 7 aufgezeigten und diskutierten Möglichkeiten und Grenzen des Fachkonzepts Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe werden unter Rückgriff auf empirische Studien belegt und an Hand von Beispielen dreier Kommunen (Graz, Rosenheim und Nordfriesland) veranschaulicht. In den Beschreibungen der Schnittstellen zu anderen Handlungsfeldern Sozialer Arbeit, wie z.B. der Gemeinwesenarbeit, bleibt die Darstellung jedoch ungenau. So bleibt die Frage unbeantwortet, wer, womit oder wodurch denn in den angedachten „Planungsräumen“ die Federführung für Aushandlungsprozesse unter den jeweils vorhandenen lokalen Akteuren, Monitoring und Entwicklung der lokalen Infrastruktur oder die Unterstützung der Partizipation der Engagement ungeübten Bevölkerung übernehmen sollte. Die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe auf Trägerseite oder auf Seiten der sogenannten neuen „Regionalen Sozialen Dienste“ (RSD) dürften mit dieser Aufgabe überfordert sein. Hier zeigt sich eine Grenze der Reichweite des beschriebenen „Fachkonzepts Sozialraumorientierung“, das sich erklärtermaßen auf das Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe beschränkt. Während der Autor das Format der „Sozialraumteams“ zum unabdingbaren Bestandteil des „Fachkonzepts Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe“ erklärt, stellt er die Implementation von „Sozialraumbudgets“ zwar zunächst als Option dar, lässt jedoch im weiteren Verlauf der Beschreibungen seine deutliche Präferenz dafür erkennen.

Die Darstellung und Kommentierung kritischer Positionen zum „Fachkonzept Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe“ im letzten Kapitel des Buches wirkt durch die Gliederung in verschiedene Diskurslinien sorgfältig durchdacht und nachvollziehbar. Sie erschöpft sich außerdem nicht in pauschalen Reaktionen, sondern geht, gestützt auf Zitate und mit eindeutigen Quellenangaben versehen, auf die im Fachdiskurs genannten Kritikpunkte ausführlich ein und stellt den kontroversen Positionen fundierte Argumente entgegen.

Fazit

Diese Publikation reiht sich in die mittlerweile sehr umfangreiche Literatur zu den Stichworten „Sozialraum“ und „Sozialraumorientierung“ ein. Sie will, laut Titel, als zusammenfassendes Lehrbuch (Kompendium) Sozialraumorientierung als (Fach)Konzept mit seiner Geschichte, theoretischen Grundlagen, Methoden und kritischen Positionen konturieren. Was der Titel nicht verrät ist, dass sich dieses Vorhaben auf das Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe bezieht. Eine wichtige Information, denn mittlerweile wird Sozialraumorientierung als Handlungskonzept Sozialer Arbeit (z.B. Schönig 2008, Becker 2014) für alle Handlungsfelder Sozialer Arbeit angesehen und beschrieben. Michael Noack macht allerdings bereits in der Einleitung deutlich, dass sich sein Kompendium erstens auf das Handlungsfeld der gesetzlichen Kinder- und Jugendhilfe und zweitens auf das von Hinte u.a. entwickelte „Fachkonzept Sozialraumorientierung“ bezieht. Dieses wird sowohl fachwissenschaftlich fundiert und methodisch sorgfältig untermauert als auch argumentativ deutlich gegenüber ausgewiesener Kritik verteidigt.

Diese Publikation scheint dem seit Jahren scharf und mitunter auch polemisch geführten Diskurs über Wohl und Wehe von Sozialraumorientierung insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe geschuldet. Während etliche Veröffentlichungen pro Sozialraumorientierung eher deren Umsetzung in der Praxis fokussieren, hat sich der Autor dieses Bandes der Aufgabe der theoretischen und empirischen Fundierung des Konzeptes angenommen und wertvolle Ergänzungen für dessen Konturierung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe vorgenommen. Er leistet damit indirekt auch einen Beitrag zur weiteren Entwicklung des Handlungskonzeptes Sozialraumorientierung für die Soziale Arbeit über alle Handlungsfelder hinweg.


Rezensent
Prof. Dr. Martin Becker
Professor für Handlungskonzepte und Methoden Sozialer Arbeit mit Schwerpunkt auf Stadt- und Quartierentwicklung sowie empirische Sozialforschung an der Katholischen Hochschule Freiburg; Berater und Gutachter für Kommunal- und Organisationsentwicklung, Supervision und Coaching
Homepage www.organisationsentwicklung-becker.de/publikatione ...
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Zitiervorschlag
Martin Becker. Rezension vom 04.08.2015 zu: Michael Noack: Kompendium Sozialraumorientierung. Geschichte, theoretische Grundlagen, Methoden und kritische Positionen. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. ISBN 978-3-7799-3245-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18568.php, Datum des Zugriffs 27.07.2017.


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