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Johanne Pundt, Karl Kälble (Hrsg.): Gesundheitsberufe und gesundheitsberufliche Bildungskonzepte

Cover Johanne Pundt, Karl Kälble (Hrsg.): Gesundheitsberufe und gesundheitsberufliche Bildungskonzepte. Apollon University Press (Bremen) 2015. 532 Seiten. ISBN 978-3-943001-16-7. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR, CH: 66,90 sFr.
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Thema

„Der Strukturwandel in der Gesundheitsversorgung betrifft nicht nur die Belange der Patienten.“ Dieser erste Satz des Rückklappentextes zeigt dem Leser ganz klar die Ausrichtung des unlängst vorgelegten Themen-Bandes auf. Denn den Patienten stehen im Rahmen der Gesundheitsversorgung die unterschiedlichen Gruppen an Leistungserbringern gegenüber. Und deren Qualifikationen und Kompetenzen sind jedoch am Ende doch wieder für die Patienten von Belang.

Herausgeberteam und Entstehungshintergrund

Pundt und Kälble, zwei äußerst namhafte Vertreter, die sich selbst bereits über viele Jahre hinweg um Bildungskonzepte für die Gesundheitsberufe verdient gemacht haben, luden 34 weitere nicht minder namhafte Fachvertreter aus 18 Hochschulen des In- und Auslandes und aus gesundheitsversorgenden Einrichtungen mit oftmals zugleich gesundheitsberuflichen Hintergrund zur Mitwirkung an diesem Band ein. Dies geschah keineswegs „rasch mal“, denn die Qualität der 19 Beiträge und des Bandes an sich zeugen von einem hohen Engagement sowohl der Autoren als auch der Herausgeber. Hervorgegangen ist ein in fünf Kapitel gegliederter Einblick in die gesamte Breite der aktuellen Probleme und zugleich Problemlösungen im Berufs- und Arbeitsfeld der Gesundheitsberufe in unserem diversen Zwängen unterliegenden Gesundheitssystem.

Aufbau und Inhalt

Der Band beginnt mit einer Einleitung von Kälble/Pundt, die bereits eine gelungene terminologische Klärung des Begriffes Gesundheitsberuf liefert.

Das Kapitel 1 umfasst drei Beiträge, in denen die Profession der Gesundheitsberufe auf den Prüfstand gestellt wird. Die Beiträge in diesem Kapitel vermitteln Einblicke in die unterschiedlichen Verständnisse von den Gesundheitsberufen als Profession und vermögen so, zu erklären, warum sich aktuell die Gesundheitsberufe im gesellschaftlichen Verständnis genauso darstellen und entwickeln.

Die neun Beiträge im somit umfangreichsten Kapitel 2 des Bandes ranken sich um den Innovationsdruck, der auf den gesundheitsberuflichen Qualifikationen lastet. Es wird also der Frage nachgegangen, welchen Veränderungen die Bildungskonzepte unterliegen, aus denen Angehörige der Gesundheitsberufe hervorkommen, die kompetenzseitig den aktuellen Strukturwandel im Gesundheitssystem zu meistern vermögen. Stichworte in diesem Zusammenhang sind u. a. die Akademisierung der Pflegeberufe (Beitrag Krampe) und der Therapieberufe (Beitrag Borgetto), die Lehrerbildung für die Gesundheitsberufe (Beitrag Bonse-Rohmann) oder die Lernortkooperationen bei einer an die Hochschule zu verlagernde berufliche Ausbildung in der Pflege (Beitrag Vosseler). Die Berücksichtigung anderer als der bisher als „klassisch“ betrachteten Gesundheitsberufe, vgl. die Beiträge über die Soziale Arbeit von Homfeldt/Gahleitner und über die Wellnessberufe von Kalkowski/Paul, die Diskussion eines neuen Berufes zwischen Medizin und Pflege von Dielmann und der Blick über den deutschen Tellerrand nach Europa, vgl. den Beitrag Lehmann/Ayerle/Beutner/Karge/Behrens/Landenberger, vervollständigen die Erkenntnisse.

Das Kapitel 3 widmet sich mit drei Beiträgen der interprofessionellen Zusammenarbeit im Gesundheitssystem und den aktuellen Herausforderungen der gesundheitsberuflichen Arbeitswelt. Während im Beitrag von Dreier/Rogalski/Homeyer/Oppermann/Hoffmann auf den demografischen Wandel mit den demgemäß anzupassenden Versorgungs- und Qualifizierungsansätze abgestellt wird, gehen Stößel/Körner sowie Evans/Bräutigam zuvor in ihren Beiträgen der Theorie und Praxis einer interprofessionellen Zusammenarbeit im Gesundheitswesen bzw. der Professionalisierung als reflexive Arbeitsgestaltung zwischen Wunsch und Wirklichkeit nach.

Das Kapitel 4 wendet sich in zwei Beiträgen der Situation und Perspektiven der Forschung in den Gesundheitsberufen zu. Ewers beleuchtet in seinem Beitrag, worin der Beitrag der Gesundheitsberufe zur Forschung besteht und unter welchen Bedingungen sie stattfindet. Voigt-Radloff/Lang haben demgegenüber ihren Beitrag dazu im Forschungsfeld der klinischen Studien verortet.

Das Kapitel 5 enthält mit den Beiträgen von Lankau über eine menschliche versus digitale Bildung und von Unschuld mit Anmerkungen zu einer (De-)Professionalisierung des Arztberufes einen in der Tat als „anders“ deklarierten aber nicht minder uninteressanten Blick auf das Thema Bildungskonzepte für Gesundheitsberufe.

Fazit

Der Band ist nicht nur lesenswert, sondern er eignet sich hervorragend für eigene weitergehende wissenschaftliche Arbeiten auf der Seite der im Studien-, Forschungs- und Arbeitsfeld der Gesundheitsberufe zu findenden Leser. Die einheitlich gestalteten Beiträge, die durch Abbildungen und Tabellen aufgelockerten Texte, die jeden Beitrag abrundenden Literaturverzeichnisse zum individuellen Weiterlesen sowie nicht zuletzt das mehr als 500 Einträge umfassende Stichwortverzeichnis sind Ausdruck dessen.

Klaus Hurrelmann kommt in seinem Vorwort zu Recht zu der Auffassung, dass es sich bei diesem Band um eine „längst überfällige Bestandsaufnahme der aktuellen Entwicklungen im Feld der Berufe des Gesundheitssystems“ handelt. Dem Leser liegen somit knapp zwei Pfund an geballtem, facettenreich aufbereiteten und sich kurzweilig zu erschließenden Sachverstand über Gestaltungs- und Bildungskonzepte für eine an die aktuellen Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens anzupassende Entwicklung der Gesundheitsberufe vor.


Rezension von
Prof. Dr. Heiko Burchert
Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit
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Zitiervorschlag
Heiko Burchert. Rezension vom 18.03.2015 zu: Johanne Pundt, Karl Kälble (Hrsg.): Gesundheitsberufe und gesundheitsberufliche Bildungskonzepte. Apollon University Press (Bremen) 2015. ISBN 978-3-943001-16-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18617.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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