socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Rabea Drosten: Familienzentren – von der Idee zum Konzept

Cover Rabea Drosten: Familienzentren – von der Idee zum Konzept. Ganzheitliche Unterstützungsstrukturen für Familien entwickeln. disserta Verlag (Hamburg) 2015. 160 Seiten. ISBN 978-3-954259-22-9. 44,99 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Familienzentren als sozialraumorientier Ansatz im Bereich der frühkindlichen Bildung werden immer wichtiger, da Familien immer häufiger auf Unterstützung angewiesen sind. Dabei geht es beispielsweise zum einen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zum anderen um Chancengleichheit und soziale Durchlässigkeit. Ansatzpunkte, die Teilhabechancen verbessern können, sind sowohl „… eine bestmögliche Förderung der Kinder als auch die ganzheitliche Unterstützung von Familien …“ (Buchrückseite). Die vorliegende Publikation stellt dar, wie sich Einrichtungen zu Familienzentren weiterentwickeln können und welche Qualitätskriterien dabei realisiert werden sollten.

Herausgeberin

Rabea Drosten ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsstelle Primarpädagogik des niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen neben Familienzentren u. a. auch kommunalen Bildungslandschaften und Netzwerkarbeit oder das Themengebiet Partizipation (vgl. www.nifbe.de)

Aufbau

Nach der Einleitung (2 Seiten) gliedert sich das Buch in folgende Kapitel:

  • Gesellschaftlicher Wandel und Familie heute (9 Seiten)
  • Familienzentren – theoretische Grundlagen (50 Seiten)
  • Zwischenfazit (2 Seiten)
  • Qualitätskriterien und Maßnahmen / Angebote von Familienzentren (63 Seiten)
  • Das Verfahren zur Entwicklung von sozialräumlichen Gesamtkonzepten der Jugendhilfe im Allgemeinen und für Familienzentren im Besonderen (10 Seiten)
  • Familienzentrum in Cuxhaven Ritzelbüttel – Entwicklung eines Gesamtkonzepts (7 Seiten)
  • Zusammenfassung und Ausblick (2 Seiten)

Ein 4,5-seitiges Literverzeichnis sowie ein Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis schließen die Publikation ab.

Inhalt

In ihrer Einleitung beschreibt Rabea Drosten neben der allgemeinen Ausgangslage auch den Aspekt, dass der Ansatz Familienzentrum bereits in der Praxis angekommen, die konkrete Umsetzung aber sehr heterogen sei. Durch das Herausarbeiten von Handlungsstrategien und Qualitätskriterien möchte die Autorin zu einer Sicherstellung von Professionalität und Qualität beitragen, die eine Ausrichtung an dem Bedarf und den Strukturen der Sozialräume ermöglicht.

Im ersten Teil des Buches (Kapitel zwei und drei) geht Rabea Drosten zunächst auf die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die Situation der Familie heute ein. Nach einer Begriffsbestimmung aus verschiedenen Perspektiven zeigt sie Herausforderungen und Lebenslagen von Familien auf. Diese verdeutlichen den Bedarf an Familienbildungskonzepten. Diese müssten vielfältig, fachlich hochwertig, niederschwellig sowie alltags-, bedarf- und sozialraumorientiert sein. (Vgl. S. 17)

Im Folgenden setzt sich Rabea Drosten mit theoretischen Grundlagen von Familienzentren auseinander. Nach einer Begriffsbestimmung zeigt sie, wie die Notwendigkeit von Zentren für Familien begründet werden kann, und welche Unterscheidungsmerkmale in Bezug auf eine klassische Kindertagesstätte vorliegen. Die Autorin beschreibt kurz Organisationsmodelle und Angebotsprofile, bevor sie ausführlicher auf die Aspekte Kooperation und Netzwerkarbeit eingeht. Nach einem Blick auf die Themen Qualitätsmanagement und rechtliche Grundlagen beschreibt sie die Forschungsaktivitäten zu Familienzentren. Diese stünden „noch sehr weit am Anfang“ (S. 58). Nach der Ergebnisdarstellung einer wissenschaftlichen Begleitung der Familienzentren in Nordrhein-Westfalen schwenkt sie den Blick auf Niedersachsen. Hier führte das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) im Jahr 2011 eine Onlinebefragung durch. Ein weiteres Forschungsteam untersuchte 2010 / 2011 die Wirkfaktoren von Familienzentren mit Early-Excellence-Ansatz in Hannover.

In ihrem Zwischenfazit (Kapitel 4) hebt Rabea Drosten hervor, dass Familienzentren immer mehr Aufmerksamkeit erfahren und es eine Vielzahl von neuen Einrichtungen gibt. Diese seien aber kaum miteinander verknüpft, so dass Ressourcen verloren gingen. Bei einer Umgestaltung des Gesamtnetzwerkes der Jugend- und Schullandschaft könnten Familienzentren als Netzwerkzentren fungieren. Um den (neuen) Aufgaben gerecht werden zu können, benötigen diese Einrichtungen allerdings zusätzlich personelle, fachliche und finanzielle Ressourcen. Aktuell, so die Autorin, fehlen auch noch eine klare Definition und einheitliche Qualitätskriterien. Familienzentren sollten aus einer systematischen und umfangreichen Bedarfsanalyse entwickelt werden und über ein funktionierendes Qualitätsmanagement verfügen, das sich an übergeordneten Kriterien orientiert.

Im zweiten Teil des Buches analysiert Rabea Drosten bereits vorliegende Kriterienkataloge nach ihren Stärken und Schwächen, ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Ihr Resümee: Die vorgestellten Modelle greifen inhaltlich und konzeptionell zu kurz. Es wird ein neuer Entwurf benötigt, in dem die Angebotsbereiche von Familienzentren stärker differenziert werden. Mit flexibel kombinierbaren Bausteinen könnte ein maßgeschneidertes Angebot entstehen, das dennoch hochwertigen Qualitätsstandards entsprechen würde. (Vgl. S. 84)

Im weiteren Verlauf beschreibt sie die Besonderheiten unterschiedlicher Zielgruppen und Sozialräume, die bei der Entwicklung von Qualitätskriterien eine Rolle spielen. Darauf folgend skizziert Rabea Drosten einen Vorschlag für einen allgemeinen Qualitätskriterienkatalog, der aus folgenden drei Grundbausteinen besteht: 1. Grundprinzipien der pädagogischen Arbeit. 2. Qualitätskriterien für den Bereich Bildung, Erziehung und Betreuung im Kerngeschäft der Kindertageseinrichtung. 3. Qualitätskriterien für Angebote und Maßnahmen von Familienzentren, die über den Kernbereich der Kindertagesstätten hinaus gehen. Nach einer kurzen Erläuterung zur Umsetzung geht die Autorin genauer auf die einzelnen Qualitätsbereiche der Bausteine ein.

Im Folgekapitel zeigt Rabea Drosten das genaue Verfahren der Konzeptionsentwicklung für ein Familienzentrum auf. Im siebten Kapitel findet sich ein Praxisbeispiel für einen Beratungsprozess. Die Autorin beschreibt die Begleitung des Familienzentrums in Cuxhaven Ritzebüttel bei der Entwicklung eines Gesamtkonzeptes durch die Leuphana Universität Lüneburg.

In „Zusammenfassung und Ausblick“ mahnt Rabea Drosten: nicht jede Kindertagesseinrichtung kann eine umfassende Rolle wie im beschriebenen Beispiel übernehmen. Damit das Projekt „Familienzentrum“ nicht zu Überlastung führt und ein Scheitern droht, sollten sich Einrichtungen im Vorfeld ihres Selbstverständnisses, ihrer Ressourcen und ihrer Ziele bewusst sein. Von fachwissenschaftlicher Seite sollte ihrer Meinung nach verstärkt über Erwartungen an und Aufgaben von Familienzentren diskutiert werden. Benötigte Ressourcen sind zu gewähren und neue Aufgaben auch räumlich bei Neubauten zu beachten. Aber auch kleinere Einrichtungen mit weniger Ressourcen könnten, zum Beispiel durch Wahl eines geeigneten Organisationsmodells und Konzentration auf zentrale Ziele, den Kriterienkatalog nutzen, so Rabea Drosten.

Diskussion und Fazit

Wie auf der Buchrückseite angekündigt, spannt Rabea Drosten in der vorliegenden Arbeit einen breiten Bogen, der von den theoretischen Grundlagen bis hin zur konkreten Entwicklung einer sozialraumbezogenen Konzeption reicht.

Die vorliegende Publikation ihrer Masterarbeit beginnt sie hierfür mit einer fundierten theoretischen Verortung. Dabei greift sie auf etablierte wie auch aktuelle Quellen zurück. Ausführlich geht die Autorin auf die Aspekte Kooperation und Netzwerkarbeit ein. In nachvollziehbarer Weise zeigt sie auf, wie bedeutsam eine Gesamtstrategie bei der Gestaltung eines Hilfe- und Unterstützungsnetzwerkes im Sozialraum ist. Statt vieler Einzelanbieter, die das Feld unübersichtlich machen, befürwortet auch sie für eine „umfassende und differenzierte Gesamtreaktion“ (S. 39) durch eine zentrale, steuernde Stelle. Die Ausführungen zu Qualitätsentwicklung und Evaluation hätte nach meiner Einschätzung differenzierter erfolgen und auch intensiver auf den Gegenstand Familienzentrum bezogen werden können. Ebenso hätten auch die Beschreibung des Beratungsprozesses am Ende des Buches und somit der praktische Bezug zu einer konkreten sozialräumlichen Konzeption ausführlicher ausfallen können. Detaillierte Informationen gibt Rabea Drosten zu den Besonderheiten unterschiedlicher Zielgruppen und Sozialräume, wie auch zu ihrem vorgeschlagenen Qualitätskriterienkatalog. Einen guten Überblick gibt dabei die mögliche Zuordnung / Passung von Einzelkriterien zu den genannten Zielgruppen, welche die Autorin in Tabellenform vornimmt.

Die einzelnen Aspekte der Publikation greift Rabea Drosten in unterschiedlichem Umfang auf und setzt so Schwerpunkte. Sie nennt Herausforderungen und Notwendigkeiten. Theoretisch fundiert, erarbeitet die Autorin ihren Vorschlag für einen allgemeinen Qualitätskriterienkatalog für Familienzentren und gibt Einrichtungen, die sich weiterentwickeln möchten, nützliche Orientierungshilfen.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
E-Mail Mailformular


Alle 56 Rezensionen von Martin Walz anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 27.07.2015 zu: Rabea Drosten: Familienzentren – von der Idee zum Konzept. Ganzheitliche Unterstützungsstrukturen für Familien entwickeln. disserta Verlag (Hamburg) 2015. ISBN 978-3-954259-22-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18618.php, Datum des Zugriffs 22.08.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung