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Regina Deertz, Leonie Rösler: Mondpapas. Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern

Cover Regina Deertz, Leonie Rösler: Mondpapas. Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2015. 32 Seiten. ISBN 978-3-86321-230-8. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 23,90 sFr.
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Thema

Beim besprochenen Buch handelt es sich um ein Bilderbuch zum Thema abwesende Väter mit Ratgeberteil.

Autorin

Regina Deertz ist Diplom-Sozialpädagogin, arbeitet als sozialpädagogische Familienhilfe und in der Eingliederungshilfe mit psychisch kranken Menschen. Sie ist ausgebildete Elternkursleiterin des Deutschen Kinderschutzbundes und führt den Kurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ durch.

Leonie Rösler studiert Kunstgeschichte.

Entstehungshintergrund

Als Familienhelferin wird die Autorin oft von Müttern gefragt, wie sie ihrem Kind sagen sollen, dass der Papa es z.B. nie vom Kindergarten abholt. Dieses Buch soll mit altersgerechten Erklärungen eine Hilfe für Mütter, Großeltern, Verwandte, BetreuerInnen und andere Bezugspersonen sein, um Kindern mit dauerhaft abwesendem Vater zu helfen, sich in dieser besonderen Lebenssituation zurechtzufinden.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in einen Bilderbuchteil für Kinder und einen Ratgeberteil für Erwachsene, der auch eine Auflistung von deutschen Servicestellen beinhaltet.

Inhalt

Das kleine Bilderbuch (Format 15,4 x 15,7 cm) beschreibt in einfachen, klaren Sätzen die verschiedenen Gründe und Lebenssituationen, in denen Kinder ohne ihren Vater aufwachsen. Manche Papas – die sogenannten Mondpapas - leben nicht mit ihren Kindern zusammen. Mondpapas sehen aus wie andere Papas, tragen vielleicht einen Brille oder einen Bart, sind dick oder dünn, sind gesund oder auch krank, leben alleine oder auch nicht, müssen essen und auf die Toilette gehen… Sie sind genauso wie alle anderen Papas auch.

Es gibt Papas, die

  • sind so in ihre Arbeit verstrickt, dass sie alles andere vergessen
  • sind durch eine Krankheit gefangen und können nicht mehr klar denken oder fühlen
  • haben eine neue Familie oder streiten sich mit Mama
  • gar nicht wissen, dass sie ein Kind haben.

Es gibt auch ganz andere Gründe dafür, ein Mondpapa zu sein. Wenn Papa nicht da ist, kann man traurig sein oder auch wütend. Es liegt aber nicht an einem selbst und man kann nichts daran ändern. Ein Mondpapa ist ganz weit weg – unerreichbar, aber trotzdem da. Vielleicht entdeckt er eines Tages auch den Weg zu seinem Kind!

Der Ratgeberteil beschreibt die Beweggründe für dieses Buch und geht auf die psychische Gesundheit von Kindern ein. Kinder lieben beide Eltern und fühlen sich ihnen beiden verbunden. Manche Mütter sind aus verschiedenen Gründen (z.B. aus Enttäuschung, Wut oder durch Verletzungen) nicht in der Lage über den abwesenden Vater zu sprechen oder machen ihn schlecht. All das führt zu Loyalitäts- und Identitätskonflikten, die der seelischen Gesundheit der Kinder schaden können. Die Autorin geht dann darauf ein, wie diese Kinder unterstützt werden können. Mit dem Bilderbuch wird der Einstieg ins Thema ermöglicht. Die offene Haltung gegenüber dem Kind und der Vaterlosigkeit wird betont, ebenso die Akzeptanz der unterschiedlichen Gefühle. Das Kind soll sich ein Bild vom abwesenden Vater machen dürfen und es soll ihm klar sein, dass es nichts für die Situation kann.

Ein Serviceteil, mit der Anregung sich Unterstützung zu holen und deutschen Internetadressen, rundet den Ratgeberteil ab.

Diskussion

Das Bilderbuch geht auf die verschiedensten Möglichkeiten ein, warum ein Kind keinen Kontakt zu seinem noch lebenden Vater hat. Es beschreibt in einfacher, kindgerechter Sprache verschiedene Lebenssituationen von Kindern und ihren Vätern. Die ganzseitigen Illustrationen veranschaulichen den Text sehr gut und regen ebenfalls wie der Text zu Diskussionen und Fragen über die eigene Lebenssituation an. So bietet es Erwachsenen eine gute Möglichkeit mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Die abwesenden Väter werden als „Mondpapas“ bezeichnet, ein vielleicht etwas unglücklich gewählter Begriff, da doch mit der Redewendung „hinterm Mond leben“ auch etwas anderes mitschwingt, was der offenen Haltung des Buches ein wenig widerspricht.

Fazit

Ein Buch über abwesende Väter war schon lange überfällig, daher ist diese Neuerscheinung sehr zu begrüßen und auch gut für die Arbeit mit betroffenen Kindern einzusetzen. Die zum Teil humorvollen Illustrationen erleichtern das ins Gespräch kommen mit dem Kind. Der Ausdruck „Mondpapas“ sollte aber doch nicht unhinterfragt angenommen, sondern kritisch beleuchtet werden. Es darf ruhig noch mehr Bücher zu diesem Bereich geben, um das Thema damit ein Stück zu enttabuisieren.


Rezensentin
Silke Höflechner-Fandler
Pädagogische Leiterin von RAINBOWS-Österreich
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Zitiervorschlag
Silke Höflechner-Fandler. Rezension vom 29.06.2015 zu: Regina Deertz, Leonie Rösler: Mondpapas. Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2015. ISBN 978-3-86321-230-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18626.php, Datum des Zugriffs 13.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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