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Beate Felten-Leidel: Von wegen Mimose

Cover Beate Felten-Leidel: Von wegen Mimose. Wie ich meine Hochsensibilität als Stärke erkannte. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2015. 240 Seiten. ISBN 978-3-86739-147-4. D: 17,95 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.
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Thema

Die Publikation von B. Felten-Leidel, „Von wegen Mimose. Wie ich meine Hochsensibilität als Stärke erkannte“ setzt sich mit Hochsensibilität auseinander. Die Autorin schildert eindrücklich, wie Sie ihre Hochsensibilität erkannte und sich diese im Laufe des Lebens als positive Eigenschaft zu Nutze gemacht hat. Sätze wie, „Sei doch nicht immer gleich beleidigt!“ und „Leg dir endlich ein dickeres Fell zu!“ waren gut gemeinte Ratschläge der weniger sensiblen Menschen aus ihrem Umfeld. Heutzutage sind in der Gesellschaft ca. 15 bis 20 Prozent hochsensibel. Eine Eigenschaft, die hochsensible Menschen auszeichnet ist, dass Sie über geringere Reizfilter verfügen und demnach vermehrt Stress und Ängsten ausgesetzt sind, als ihre Mitmenschen, jedoch auch intensiver wahrnehmen können. Oftmals wird Hochsensibilität von Angehörigen, und der hochsensiblen Person als belastend empfunden. Jedoch biete diese Eigenart des Charakters auch eine Stärke und ein Geschenk, wie dieser aufschlussreiche Erfahrungsbericht offenbart. B. Felten-Leidel möchte mit dieser Veröffentlichung „Gleichgesinnte und Angehörige“ von bspw. hochsensiblen und introvertierten Kindern ermutigen und anregen, auf ihre jeweiligen Bedürfnisse einzugehen und diese zu kanalisieren. Hochsensible Menschen können Lernen mit Reizen und Emotionen umzugehen. Jedoch ist es auch bedeutsam zu verstehen, wie dieser Weg zu gehen ist.

Autorin

Beate Felten-Leidel ist freie literarische Übersetzerin und Schriftstellerin. Das Thema Hochsensibilität, Ängstlichkeit und Angststörungen sind ihr seid ihrer Kindheit aus eigener Erfahrung vertraut. Jedoch hat Sie Strategien im Laufe der Zeit gefunden, ihre Hochsensibilität als Ressource zu nutzen

Aufbau

Der Aufbau des Buches gliedert sich in zwanzig Kapitel.

Die Autorin legt in den ersten Kapiteln autobiographische Episoden aus ihrer Kindheit dar und geht in den folgenden Abschnitten auf das Erwachsenenleben über. Weiterhin zeigt sie anschauliche Beispiele bezüglich der Hochsensibilität in den unterschiedlichsten Lebenssituationen auf. Präsentiert werden Strategien und Vorzüge der sensiblen Lebensart und es wird vermittelt, wie Hochsensibilität als ein hilfreiche Ressource eingesetzt werden kann und nicht nur als einschränkende Wesensart.

Das Buch ist eher als Roman mit autobiographischen Hintergrund zu verstehen, als ein akademisches Fachbuch.

Der Anhang enthält ein Literaturverzeichnis sowie eine Danksagung.

Inhalt

Die ersten Abschnittezeigen die Einführung in die Thematik der Hochsensibilität auf. Es wird zunächst aufgezeigt, wie der „hochsensible“ Mensch denkt und von der Gesellschaft vermittelt bekommt, dass er oder sie von einem anderen Stern kommt. Weiterhin wird das ungute Gefühl dargeboten, nicht in diese Welt zu passen, weil Eigenschaften wie u.a. Ängstlichkeit, Dünnhäutigkeit Schwäche sowie sich schnell unter Stress gesetzt zu fühlen, damit assoziiert werden. Tatsächlich ist das Erleben und Verarbeiten von Reizen bei hochsensiblen Menschen zwei bis dreimal höher als bei „normalen“ Menschen. Eine Reizüberflutung findet dann statt, wenn keine bewusste Kontrolle über Situationen eintritt.

In ihrer Anfangsphase, wo Hochsensibilität noch nicht exakt gefasst werden konnte, beschreibt die Autorin die Empfänglichkeit für Signale als eine Art chamäleonhaftes Verhalten, dass ständig seine Farbe wechselte. Weiterhin legt der Abschnitt „hochsensible Wortklaubereien“ dar, wie sich der Thematik „Hochsensibiltät“ angenähert werden kann und definiert wird.

Dem folgend werden noch einige verwandte Begrifflichkeiten aufgezeigt.

Im weiterführenden Buchteil „Kinderjahre“ wird die hohe Sensitivität aus anderen Perspektiven beleuchtet. In „Ohnmächtig“ wird beschrieben, dass schon als Kleinkind nahezu alles unter die Haut ging. Das Konfliktverhalten ist bei Hochsensiblen nicht besonders ausgeprägt und auch vom Charakter her sind sie nicht „Zäh wie Leder“. Vielmehr können Rollentäusche, wie die sog. „Parentifizierung“ eintreten, indem Kinder Aufgaben von Eltern übernehmen und aufgrund ihrer ruhigen und besonnenen Art gerne als Ansprechpartner benutzt werden.

In „Rohrstöcke mit brüchigem Eis“ wird die schwierige Kindheit geschildert sowie die Angst vor der Schule, die für viele Hochsensible eine enorme Herausforderung darstellt. Seelenschläge, die verbal verabreicht werden, wie „Für mich bist du Luft“ oder „ignoiert werden“ sind häufig nur schwer zu kompensieren. Dem Gegenüber wird als sehr positiv, das Gefühl die Seelenverwandtschaft zu anderen Menschen beschrieben, die, wenn Sie Eintritt ein hohes Maß an positiver Energie für Hochsensible bieten. Sich verstanden und angenommen fühlen sowie Vertrauen zu spüren sind lebensnotwendige Eigenschaften.

Der zweite Abschnitt befasst sich mit Stärken der Hochsensibilität. Es wird in dem Unterkapitel „Bühnenpräsenz und Brandungsfels“ beschrieben, wie introvertierte Hochsensible in Ausnahmesituationen mühelos über sich selbst hinauswachsen, wenn Sie sich mit Themengebieten identifizieren. Hemmungen und Ängste dabei verschwinden. Die ausgeprägte Analysefähigkeit führt dazu, festzustellen, was benötigt wird um subjektives Wohlbefinden zu erlangen.

Im Abschnitt der Sprachwirrungen wird die zwischenmenschliche Kommunikation, die aus Lauten, Worten, Stimme, Mimik, Körperhaltung, Gestik etc. besteht ausführlich dargelegt. Für hochsensible Menschen (alles wird bewusst und unbewusst analysiert) birgt dies ein spannendes Feld, jedoch bietet es auch Möglichkeiten der Verwirrung.

In „Atticus and Finch“ wird der innere Beobachter vorgestellt, der zu Hilfe gerufen werden kann und bspw. beruhigende Worte in kritischen Situationen parat hat.

Im Abschnitt „Engländer“ und „Amerikaner“ werden die unterschiedlichen Charaktereigenschaften aufgezeigt. Die Tendenz geht mehr zum fein, nuancierten und komplizierten vieldeutigeren Englisch (als Hochsensibel tituliert) als zum direkten, jovialen, lauten Amerikanisch (als Normalsprache).

In „Einfach nur Sitzen“ wird beschrieben, dass hochsensible und introvertierte Menschen nicht ungesellig und menschenscheu sind, sondern einfach nur gerne alleine sind. Es ist wichtig, dass sie sich gelegentlich zurückziehen, oder schweigen, um ihre Batterien aufzutanken und zu regenerieren. Die Beobachtung und Analyse sind wichtige Eigenschaften für sensible Personen. Häufig sind sie in einem Berufsfeld tätig, indem sie die genannten Merkmale verbinden können. Die „Macht der Gedanken“ kann bei Hochsensiblen besondere Auswirkungen haben. Bei ängstlichen Hochsensiblen können Fragen und Aussagen, wie „ist alles in Ordnung?“ oder „du bist aber dünn geworden“ intensive negative Interpretationsmöglichkeiten hervorrufen.

Neben den fünf Sinnen Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten und Hören sind weitere Sinne wie Druck, Schmerz, Wärme und Kälte bei hochsensiblen Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Diese Ausprägung kann sowohl zur Freude als auch zu einem problematischen Verhalten sowie zu unangenehmen Körperreaktionen beitragen. Gerüche mancherlei Nahrungsmittel werden als unangenehm empfunden. Viele Hochsensible sind Vegetarier oder Veganer. Kaffee wird zum Beispiel nur von wenigen vertragen. Auf Geräusche und Gerüche sowie diverse Sinnesreize reagiert der hochsensible Mensch oftmals mit körperlichen Erscheinungen (rote Augen, rote Haut als Spiegel der Seele).

Der vierte und letzte Abschnitt legt Strategien und Möglichkeiten dar, um bspw. Angstbilder oder Traumatisierungen, die im Laufe des Lebens gesammelt wurden entgegenzuwirken oder gar aufzulösen. Die Autorin verweist auf der Schaffung eines sicheren inneren Ortes an dem positive Gedanken, Vorstellungen und Bilder existieren und liebevolle Begleiter vorkommen, um Kraft zu sammeln. Weiterhin wird die Vorstellungskraft von sensiblen Menschen ihn ihren Träumen dargelegt. Bevor sich abschließend dem großen Glück zugewandt wird. In diesem Abschnitt werden die kleinen Glücksmomente präsentiert, die für jede Person greifbar sind und die bewusst wahrgenommen werden können. Nach einer langen Auseinandersetzung mit der Hochsensibilität kann diese nur als nicht ganz einfaches, jedoch wunderbares Geschenk der Natur wahrgenommen werden.

Diskussion

Die Veröffentlichung legt einen umfassenden Überblick bezüglich der Thematik der Hochsensibilität dar. Wie in diesem Buch geschildert wird, sind hochsensible Menschen alles andere als schwach, sondern verarbeiten in derselben Zeit nur doppelt bis dreifach so viele Sinnesreize und Emotionen wie weniger sensible Menschen. Demnach kennzeichnet hochsensible Menschen eine enorme Stärke mit intensiven Gefühlen umzugehen und diese zu kanalisieren. Die Autorin legt Hochsensibilität als ein als ein nicht ganz einfaches, jedoch wunderbares Geschenk der Natur dar. Damit drückt sie deutlich aus, wie es möglich ist, die anfängliche Unwissenheit über sich selbst gepaart mit untypischen Verhaltensweisen und Reaktionen umzuwandeln in eine Ressource der Stärke und des Selbstbewusstseins. Die autobiographische Darlegung dieser Publikation vermittelt hochsensiblen Menschen eine sehr gute Orientierung und bietet beste Lösungsstrategien.

Fazit

Mit der Publikation „Von wegen Mimose. Wie ich meine Hochsensibilität als Stärke erkannte“ wird ein autobiographisches Werk, von Beate Felten-Leidel vorgelegt, das im wahrsten Sinne des Wortes unter die „Haut“ geht. Sehr eindrucksvoll und nüchtern erzählt die Autorin ihre Lebensgeschichte bis zum heutigen Tag unter dem Aspekt der Hochsensibilität. Das Werk ist nicht immer einfach zu lesen, uns löst, vor allem in den ersten und letzten Abschnitten, wo es u.a. um die eigene Familie geht, Emotionen aus. Der Autorin ist es gelungen, einen hilfreichen Ratgeber für hochsensible Menschen zu verfassen und anhand von eindringlichen Beispielen darzulegen. Es bietet Möglichkeiten sich daran zu orientieren sowie Lösungen und Strategien für das eigene Leben zu übernehmen. Die Ausprägung und Intensität der eignen Sensitivität spielt natürlich eine Rolle.

Der Preis ist für die Publikation mehr als angemessen. Der Leser erhält ein fundiertes und umfassendes Werk über Menschen die Hochsensibel sind.


Rezensent
Dr. Christian Heidl
Diplom-Pflegewirt (FH), MSc Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften, Forschungsinstitut IDC
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Zitiervorschlag
Christian Heidl. Rezension vom 16.09.2015 zu: Beate Felten-Leidel: Von wegen Mimose. Wie ich meine Hochsensibilität als Stärke erkannte. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2015. ISBN 978-3-86739-147-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/18655.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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